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OELE
Liebes Forum,
Ich habe das Thema so nicht über die SuFu gefunden, obwohl es bestimmt existiert. Mir fällt nur kein guter Begriff dafür ein.
Wenn man erstmal verstanden hat, dass man unter PA leidet und auch die Situationen in denen sie auftreten besser beobachtet. (Bei z.b. Autofahren) verändert sich scheinbar etwas. So zumindest bei mir.
Statt einer 15 Minuten Attacke, der ich mich vor ein paar Monaten hingegeben hätte, mit der Überzeugung zu sterben geht das ganze jetzt in ein dauerhaftes psychosomatisches Schlachtfeld über.
Komme gerade von einer 2,5 h Fahrt.
Und alle Atemübungen und der eiserne Wille nicht rechts ran zu fahren, sind ja schön und gut. Aber es waren dafür 2,5 Stunden mit Armkrampf, Kloß im Hals, Ziehen zwischen den Rippen, usw.
So das man völlig geplättet ankommt.

Wie kommt man also hier weiter? Ich höre in mich hinein, spüre während der Fahrt aber nur körperlichen Schmerz. Spüre wie ich unterm Zwerchfell krampfe. Spüre das ich Angst habe jetzt irgendwas zu verreißen. Aber es will einfach mit keiner Strategie besser werden.
Und ich fahre sehr viel. Immer mit der Motivation das es nur so besser wird.
Insgesamt beobachte ich auch in den anderen Alltagssituationen dass ich die PA gut wegatmen kann. Aber der Schmerz dann dafür tagelang in Form von Verspannungen mich begleitet.
Vielleicht ist ja hier jemand bereits einen Schritt weiter. Und reflektiert einmal seine Strategie.
Liebe Grüße und schön dass man sich hier so spontan ausschreiben kann. Wenn die nächste Therapie Sitzung noch etwas hin ist.

11.09.2020 13:01 • 04.10.2020 #1


15 Antworten ↓


Mond9019
Hallo Oele,

du zeigst einen sehr großen Veränderungswillen, das ist bewundernswert!

Hast du schon Methoden ausprobiert, um deine Verspannungen zu lindern? Zum Beispiel Progressive Muskelrelaxation, Meditation, Reiki, o.ä.?

LG

11.09.2020 13:21 • #2



Von der Attacke zur dauerhaften Angst

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OELE
Hallo, Danke. Ja bisher aber nur mit YT-Anleitungen. Auch Tigerbalsam, Wärmekissen unc so.
Aber 30 Minuten Autofahren und es ist für die Katz.
Daher trete Ich da seit einer Weile auf der Stelle.

11.09.2020 13:35 • #3


Icefalki
Ja, das ist normal, denn egal, was du tust, dein Körper reagiert auf die Angespanntheit und du zahlst natürlich den Tribut dafür. Liegt alles am Verkrampfen. Und das sind wirklich eine ganz normale körperliche Reaktionen.

Was sehr gut ist, dass du nicht meidest. Alle Achtung.

Ich weiss nicht, ob du mal an Medis gedacht hast, denn auf Dauer stellt sich ja keine "Belohnung" ein. Man kämpft und kämpft und der Stress ändert sich nicht.

Panik und Angst hat nichts mit dem Auto oder weiss der Kuckuck zu tun, sondern mit unserem Nichtwissen, warum wir das haben. Kann man natürlich auch nur erarbeiten, wenn man mal ruhiger wird und logische Gedanken, oder wieder Gelassenheit empfinden kann.

11.09.2020 13:41 • x 1 #4


Mond9019
Verstehe, die Verspannungen sind einfach zu intensiv.

Wie wichtig ist das Autofahren für dich im Alltag? Bist du mehrmals in der Woche auf das Auto angewiesen, weil es keine richtigen Alternativen gibt?

11.09.2020 14:10 • #5


Sydaemeni
Das Problem daran ist ganz einfach...
Du tust alles um es zu unterbinden aber die Angst will ihren raum.
Ich mach das seit über 15 Jahren immer mal wieder episodisch. Letzten Sommer wars am härtesten weil ich bei ner hypnose war und seit dem keine Panikattacken mehr kriegen kann (klingt bescheuert is aber so). Noch dazu hab ich immer dagegen gekämpft. Solange man es krampfhaft unterdrückt bzw bekämpft hält es sich.
Lass die Angst laufen kann ich dir nur sagen. Ich würde es feiern wenn ich das noch könnte. Es schwelt m. U. Stundenlang weil es nicht eskalieren kann.

Das du annimmst das sie da sind is mega, gib ihnen den Raum den sie fordern denn die Angst kann nur abnehmen wenn sie auch 'wüten' darf.

Es wird besser und es ist toll das du dich stetig weiter konfrontierst!

11.09.2020 14:16 • x 1 #6


OELE
Aber wie stelle ich das an? Ihnen den Raum geben? Ich meine ja, sie kommen vermutlich weil man im Auto alleine ist und mal Zeit hat abzuschweifen.
Aber was soll ich dann damit machen?
Ich sage mir ja schon: Hey, ja du bist mal wieder eine Art Attacke, los geht's.
Aber mehr kann ich irgendwie auch nicht denken in so einer Situation.
Von Medikamenten halte ich noch nichts. Will das erstmal so hinkriegen.
Autofahren muss ich täglich. Job bedingt.
Also ich bleibe jetzt gerade hängen, bei: wie gebe ich dieser Angst Raum?

11.09.2020 14:43 • #7


Sydaemeni
Das ist eine gute Frage.
Wenn du extra viel fährst damit du dich dem aussetzt, hast du wenn die Angst kam einfach mal n parkatz angefahren?
Vielleicht das. Wenn die Angst sich steigert dann Auto aus machen und sich bewusst auf die Angst einlassen. Also nicht gegenatmen, nicht krampfhaft auf was anderes konzentrieren sondern wirklich laufen lassen.

Da ich nicht weiß wie dad in dem Moment für dich ist und sich anfühlt kann ich nur dieses lapidare "laufen lassen" von mir geben.
Denn die Attacken sind ja bei jedem anders

11.09.2020 14:52 • x 1 #8


OELE
Naja, zu Anfang dachte ich ja immer bei allem es sei was organisches.
Da bin ich dann ran gefahren und war ommer schon mit dem Hörer bei der 112.
Nach dem Erkenntnisgewinn hab ich das nicht mehr gemacht. Ich hab immer durchgezogen. Was eben nur in diese neue Form der Beschwerden führte.
In dem Moment habe ich auch eigentlich nur Angst vor Kontrollverlust. Ich kann mir keine anderen kausalen Zusammenhänge erdenken, weil der Schmerz einfach omnipräsent ist.
Aber ich werde es probieren.

11.09.2020 15:22 • x 1 #9


Sydaemeni
Der Kontrollverlust is bei mir auch grundlegend. Wir arbeiten in der Therapie dran und was soll ich sagen... Seit meinem trauma mit der Schwangerschaftsvergiftung in der ich keinerlei Kontrolle über meinen Körper hatte lange Zeit ist das minimal besser. (dafür arbeiten wir grade an ner trauma Bewältigung aber das mit der Kontrolle is besser ) Mein Körper ist entgleist und ich musste es aushalten.
Bei den angstattacken steuert man ja selbst bis zu einem gewissen Punkt (sei es Atmung, muskelspannung/Entspannung oder wenn möglich Gedanken die gegengesteuert werden) und genau das ist es eben.
Man steuert dagegen, damit is der Fokus krass auf der ganzen Sache, die Angst nährt davon und man steckt im Karussell fest.
Allerdings kann ich jetzt schon deine Zwickmühle nachfühlen mit dem los lassen wollen aber eigentlich auch nicht weil die Kontrolle verloren geht.

Auch wenn es in akut Momenten eher wie ne blöde Floskel klingt... Man lernt alles noch. Einen großen Punkt hast du ja bereits gelernt. Du wirst nicht sterben.
Das ist ein Schritt um den dich einige hier beneiden (ohne das beleidigend zu meinen). Das ist n mega Schritt und sei stolz auf dich dafür! Nicht gleich wieder "aber jetzt hängt es da und da".
Sei stolz das du einen wichtigen Punkt bereits verinnerlicht hast.
Ich hasse dieses Wort.. Aber es passt auch bei dir: Geduld!
Ungeduld führt nur zu Frust, dann schämt man sich und dann versucht man es noch mehr zu "behandeln" und zu steuern. Angst lässt sich nur bis zu einem gewissen Punkt steuern, danach ist es reines Handeln

11.09.2020 17:35 • #10


Calima
Zitat von Mond9019:
Wie wichtig ist das Autofahren für dich im Alltag?


Sorry: Falsche Frage. Egal, wie "wichtig" Autofahren ist: Es zu TUN und nicht zu meiden ist der richtige Weg. Und das macht der TE genau richtig.

Zitat von OELE:
ch höre in mich hinein, spüre während der Fahrt aber nur körperlichen Schmerz.

Wie wäre es, nicht in dich hineinzuhören? Wer lauscht, hört auch. Immer. Und immer auch das, was er weder hören will noch hören müsste. Einfach deswegen nicht, weil es nicht wichtig ist.

Bei Dingen wie Autofahren, die eine blöde Mischung aus der Konzentration auf den Straßenverkehr und auf sich selbst sind - vor allem, wenn man allein im Auto ist - hat mir tatsächlich am meisten Ablenkung geholfen. Spannende Hörbücher oder inhaltlich interessante Rundfunksendungen haben gute Dienste getan. Ich brauchte dabei auch immer eine gewisse Lautstärke, weil ich es sonst zu leicht ausblenden und mich somit wieder prima auf meine Befindlichkeiten fokussieren konnte. Wenn der Text zu leise war, habe ich ihn auch schnell als nervend empfunden, WEIL er quasi als Hintergrundrauschen, auf das ich nur teilweise konzentriert war, zusätzliche Anstrengung bedeutete.

Geholfen habe auch scharfe Bonbons. Ich habe ein mittleres Zentrallager an Fishermens' Friends und Eukalyptusbonbons in meinem Auto eingerichtet - die zuckerfreie Variante - und einen nach dem anderen gefuttert. Das gab dann manchmal eine flotte Verdauung aufgrund von zu viel Süßstoff, aber das war mir vergleichsweise schnurz.

Musik hat an manchen Tagen geholfen, aber nur dann, wenn ich lauthals mitgesungen habe. Singen ist überhaupt ein ganz hervorragendes Mittel gegen Angst. Man muss halt aufhören, sich blöd dabei zu finden. Hört einen ja eh keiner.

11.09.2020 18:09 • x 1 #11


Mond9019
Zitat von Calima:
Sorry: Falsche Frage. Egal, wie "wichtig" Autofahren ist: Es zu TUN und nicht zu meiden ist der richtige Weg. Und das macht der TE genau richtig.


Meine Überlegung hinter der Frage war folgende: viel Auto fahren (auf die derzeitige Art und Weise) scheint nicht die geeignete Lösungsstrategie zu sein, ansonsten hätten sich schon Besserungen im Befinden gezeigt.

Seine Schilderung der Verspannungen ist direkt körperlich spürbar, es muss ein schlimmer Zustand sein. Wenn man körperlich trainiert und die Muskeln machen "dicht", legt man für gewöhnlich eine regenerative Pause ein. Ich wollte wissen, ob das vielleicht für ihn möglich ist.

Um dann erneut konfrontativ durchzustarten, aber mit einer angepassten Strategie - zum Beispiel deinen Tipps

11.09.2020 18:44 • #12


Calima
Zitat von Mond9019:
scheint nicht die geeignete Lösungsstrategie zu sein, ansonsten hätten sich schon Besserungen im Befinden gezeigt.


Nunja. Vielleicht hätte sich andernfalls auch längst Verschlechterung - beispielsweise durch Ausweitung auf andere Bereiche - gezeigt. Nicht alles, was sich nicht gut anfühlt, ist auch immer schlecht .

11.09.2020 18:52 • #13


OELE
Also nochmal zusammenfassend. Dir zwei Jahre der Steigerung hin zu unaushaltbaren Attacken waren wohl am Schlimmsten. Die Monate der Erkenntnis motivierend. Jetzt eben die Verlagerung der Angst in längere somatische Erscheinungen, die echte körperliche Erschöpfung auslösen.
Singen, Bonbons, etc. helfen manchmal.
Hatte schon mal eine furchtbare Attacke in der Nacht. Da habe ich dann zitterns Tee gekocht und gesungen während mir ziemlich alles beim anheben herunterfiel.
Aber diese neue Dauerhaftigkeit hat nochmal eine andere Qualität. Weniger schlimm, aber mehr auslaugend.
Mit dem nicht rein hören ist es da furchtbar schwierig.
Aber ich weiß auch das gute Gesellschaft und Ablenkung die Symptome fast verschwinden lassen können.
Es muss also auch beim Autofahren möglich sein. Ich danke euch auf jeden Fall für die regen Beiträge.
Mein Tag ging so weiter dass ich mich nach der Fahrt gezwungen habe meine Buchhaltung zum Wochenende durchzurocken. Ich saß da wie so ein nasser Sack. Aber hab alles abgeschickt.
Insofern war das heute ein guter Beweistag dass man keine Angst vor der Leistungsunfähigkeit haben muss. Ohne Symptome hätte das heute bestimmt Berge versetzt. Und da will ich ja wieder hin. Ich bin Projekt Mensch und muss Dinge umsetzen zum Gut fühlen.
Trotzdem fühle ich mich jetzt wie ein Greis und werde ins Bett fallen. Vielleicht erzählt mir ja das träumende Unterbewusstsein doch mal etwas.
Man weiß ja auch irgendwie schon was es sein könnte. An zwischenmenschlichen und beziehungstechnischen Päckchen, die wir alle tragen. Aber es ergibt sich noch kein sinnvoller Zusammenhang.
Ich hoffe ihr kommt gut durchs Wochenende. Und für weitere Anregungen bin ich immer zu haben. Sind quasi auch eine Art Therapie, die Sachen alle aus zu probieren.

11.09.2020 19:19 • #14


OELE
Hallo, ich wollte nochmal mit neuen Erkenntnissen und Ängsten antworten. Inzwischen gab es Tage die sich fast wie früher angefühlt haben. Ich bin derzeit im Urlaub in Griechenland auf einer Yacht. Weder bei der Fahrt mit dem Auto, noch bei dem Flug oder der Fähre hatte ich wirklich irgendwelche Probleme. Doch als wir dann zum ersten Mal Segel setzten, und ich einmal kurz an der winsch ordentlich kurbeln musste, hat es mich danach völlig raus gehauen.
Hatte das Gefühl der Puls und die Euphorie nicht wieder runtergehen wollen. Und das schlug natürlich in Angst um. Das hat mich jetzt den Tag unter Deck zu bringen lassen.
Obwohl ich es liebe. Es ist so schön. Mit lieben Freunden auf hoher See. Aber jetzt kommen die Katastrophen Gedanken wieder und vor allem alte Gedanken wie: Etwas körperliche Anstrengung hat es ausgelöst. Du hast doch was organisches. Ja, ich kanns weg wischen. Es ist trotzdem da.
Kann denn auch Euphorie das vegetative System derart aus dem Gleichgewicht hauen?
Zwar ist die Attacke jetzt weg, aber ich schlucke wieder schwer, alles verspannt und ich bin traurig. Dabei hatte die selbstgewählte Konfrontation bis zur Anreise perfekt funktioniert.
Vielleicht liest es ja jemand und hat ein paar weitere Erfahrungen. Lg vom Meer, mir ist bewusst wie privilegiert dass hier gerade ist. Trotzdem maule ich.

26.09.2020 18:34 • #15


Aus neurowissenschaftlicher Sicht lässt sich dein Erlebnis auf der Yacht gut erklären.
Stark vereinfacht gesagt: dein limbisches System, genauer die Amygdala ist für das Gefühl von Angst zuständig. Wenn sie hoch reaktiv ist, kann das eine Panikattacke bei dir auslösen. Dein Präfrontaler Kortex hat gelernt, die Amygdala zu beruhigen bzw. das Gegengewicht der Vernunft einzusetzen. Du spürst die Angst aufkeimen, hast sie aber im Griff.

Wenn du nun in einen Zustand gerätst, in dem dein Präfrontaler Kortex sozusagen Sendepause hat (--> Euphorie), dann fehlt deiner Amygdala ihr Gegenspieler und die Angst kann ungezügelt ausbrechen.

Es ist also sehr wahrscheinlich nichts organisches.

04.10.2020 00:02 • #16



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