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Hallo liebes Forum,

in der Forensuche finden sich viele Themen zum Thema, wie Angehörige mit der psychischen Krankheit eines Familienmitglieds umgehen (können). Mich beschäftigt aber momentan ein anderes Thema: Wie gehen Angehörige mit dem Gesundungsprozess eines Kranken um?

Bei mir und meinem Lebensgefährten zeigen sich hier immer wieder Schwierigkeiten. Die Panik und Angststörung habe ich fast gänzlich hinter mir gelassen, schlage mich noch mit den "Nachwehen" und Depressionen herum. Dadurch verändere ich mich, will wieder mehr vom Leben. Ich wünsche mir mein Sozialleben zurück, meine Hobbys und einen Tagesablauf ohne Angst. Dafür kann ich immer mehr selber tun und mache das auch: Ich habe mich wieder im Sportverein angemeldet, treffe mich öfter mit Freunden,....

Mein Lebensgefährte kommt da irgendwie nicht mit.Trotz das wir viel darüber sprechen habe ich immer wieder das Gefühl, er ist mit der Situation überfordert. Vor allem, da es immer noch Bereiche gibt, in denen ich kein normales Leben führen kann und wir uns beide einschränken müssen.
Ich glaube es ist für Aussenstehende schwer zu verstehen, wie es möglich ist das ein Mensch einen bestimmten Teil seines Lebens uneingeschränkt ausleben kann und in einem anderen Bereich überhaupt nicht zurecht kommt. Dadurch kommt es bei uns immer öfter zu Streitereien, die aus Missverständnissen entstehen. Ich würde uns hier gerne helfen, weiss aber nicht wie.

30.06.2016 10:47 • 03.07.2016 #1


4 Antworten ↓


Huhu,

mein Mann und ich befinden und gerade in einer ähnlichen Situation. Ich kämpfe ebenfalls noch mit den Nachwehen und hab so meine liebe Not wieder gänzlich in Schwung zu kommen. Viele Dinge des Alltags kann ich wieder ganz munter alleine erledigen und andere stressen mich komplett. Und es ist alles auch noch tagesformabhängig bei mir. Mitunter verstehe ich mich selbst nicht mal, wie soll mich da ein anderer verstehen.

Ich denke da hilft nur offen und viel darüber sprechen wie es gerade läuft. Und ich versuche immer zu verstehen und mir vor Augen zu führen, dass jemand der nicht betroffen ist, mich und mein Verhalten, aber auch die Krankheit selbst niemals zu 100% verstehen und nachempfinden kann. Mein Mann gibt sich da wirklich Mühe, der verdient echt einen Orden wie er mit dem ganz normalen Wahnsinn mit mir zurechtkommt. Aber manchmal ist er auch mit seinem Latein am Ende.

30.06.2016 12:15 • #2



Überwinden der Krankheit schwierig für Angehörige

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Worrylein60
Wie gut ich Euch verstehe!

Mein Mann und ich haben auch drei Jahre zusammen diese Angststörung durchgestanden. In dieser Zeit bin ich von einer taffen, selbständigen Frau zu einem hilflosen "Kleinkind" mutiert, für das mein Mann alles entschieden hat. Teilweise wollte ich ihn nicht verärgern und habe nachgegeben, teilweise war ich zu der Zeit nicht wirklich in der Lage, Wichtiges zu entscheiden, ich hatte genug mit mir und meiner Angst zu tun.

Nun bin ich "gesund", und es kostete mich Kraft, mir so langsam aber sicher meinen Raum zurückzuerobern, dafür zu sorgen, daß mein Mann mich wieder für voll nimmt, mich wieder voll respektiert. Es war sicherlich nicht leicht für ihn, nun ein zweites Mal umzudenken und sich auf mich einzustellen. Zuerst auf mich mit meiner Angsterkrankung, dann den ganzen Weg wieder retour.

Aber es geht, wenn auch langsam. Sprecht offen, was machbar ist, und was (noch) nicht, das ist der einzige Weg.

Alles Liebe für Euch

02.07.2016 09:28 • #3


Zitat von Worrylein60:
In dieser Zeit bin ich von einer taffen, selbständigen Frau zu einem hilflosen "Kleinkind" mutiert, für das mein Mann alles entschieden hat. Teilweise wollte ich ihn nicht verärgern und habe nachgegeben, teilweise war ich zu der Zeit nicht wirklich in der Lage, Wichtiges zu entscheiden, ich hatte genug mit mir und meiner Angst zu tun.


Genauso war es bei mir. Ich hatte kein Vertrauen mehr in meine eigenen Entscheidungen, also habe ich einfach entscheiden lassen. Jetzt ist es eine große Umstellung, wenn auf einmal nicht mehr einer Entscheidet und der andere Mitläuft, sondern beide eine Meinung haben. Für meinen Freund ist es besonders neu, da wir uns zwar kennengelernt haben als ich noch vermeintlich gesund war, aber ich bereits vier Monate später eine vollkommen andere, kranke Person war, mit der er jahrelang zusammengelebt hat. Jetzt ändert sich für ihn langsam aber stetig vieles - für mich ist es eher eine Rückkehr zur Unabhängigkeit.

03.07.2016 12:28 • #4


Worrylein60
Sehr gut, liebe xoxoxoxo.

dieser Weg in die Unabhängigkeit stärkt das Selbstvertrauen ungemein, langsam aber stetig. Und damit beginnt die Spirale sich weiter und weiter zu drehen - nach oben.

Man muß den Partner ja nicht auf "Teufel komm `raus" überrennen, auch in kleinen Schritten kann man wunderbar Grenzen setzen. Das Zauberwort heißt "Respekt", und den haben wir uns mehr als verdient. Unsere Partner auch, denn sie standen ja an unserer Seite.

03.07.2016 12:39 • x 1 #5




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