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Fallen Angel
Hallo zusammen!

Ich hab am Mittwoch einen Termin bei einem Psychologen bekommen. Und jetzt hab ich solche Angst davor!

Was fragt er mich denn?
Wie fange ich denn überhaupt an?
Was muss ich ihm erzählen?
Und was ist, wenn ich anfange zu heulen?


Habt ihr jemanden mitgenommen oder seid ihr alleine hin?


Mir schwirren so viele Fragen im kopf herum und auch die Schmerzen im Zwerchfellbereich sind schon wieder akut!


liebe Grüße Fallen Angel

07.04.2008 14:42 • 11.04.2008 #1


7 Antworten ↓


Gobi76
Hallo,

schön, dass du einen Termin bekommen hast. Damit hast du schon eine sehr große Hürde genommen.

Was fragt er dich?
Hast du eine Überweisung von deinem Arzt? Normalerweise steht da schon mal eine Diagnose draus. Dh, der Psychologe weiss grob, woran du leidest. Er wird dich wohl fragen, wie du auf ihn gekommen bist, und warum du eine Therapie machen möchtest. Und das ist ja recht einfach. Wahrscheinlich möchtest du so wie du jetzt lebst, nicht mehr weitermachen, sondern gegen deine Ängste angehen.
Meine Therapeutin hat mich noch nach meinen Symptomen gefragt, damit sie meine Situation besser einschätzen kann.

Wie fängst du an?
Meistens stellen die Psychologen ihre Fragen zu Anfang so geschickt, dass du durch die Beantwortung ihrer Fragen in einen schönen Redefluss kommst. Du brauchst auch keine Angst haben etwas wichtiges zu vergessen. In den ersten paar Stunden ist noch Zeit genug, alles zu sortieren. Und wenn´s dir erst nach 10 Stunden einfällt, ist´s ja auch nicht schlimm. Dafür ist so einen Therapie ja auch da.

Was musst du ihm erzählen?
Eigentlich ja gar nichts, aber das macht es ihm natürlich unnötig schwer. Erzähl einfach, was du dich in dem Moment traust. Im Verlauf der Therapie entsteht dann meist das nötige Vertrauen, um auch über unangenehme Dinge zu sprechen. Zu Anfang steht wahrscheinlich sowieso deine momentane Situation im Vordergrund. Also wie du wohnst, ob du liiert bist, Kinder, Arbeit, Freunde, etc.
Darüber konnte ich mit meiner Therapeutin ganz gut reden. Ans Eingemachte gehen wir erst jetzt .


Was ist, wenn du anfängst zu heulen?
Gar nichst. Jedenfalls nichts schlimmes. Bei meinen Stunden steht sogar immer eine Packung Klenex neben meinem Stuhl. Ich hab dort schon Rotz und Wasser geheult. Klar war mir das ein wenig peinlich, aber ich bin nicht die erste, der das bei ihr passierte. Du musst dir sagen, dass diese Situation zwar für dich total stressig und so ist, aber für den Psychologen nichts Neues. Der ist an so was gewöhnt. Weinen baut ja auch Stress ab, und ist somit vielleicht auch ganz gut für dich. Mir ging´s danach immer besser.


Ich hab niemanden mitgenommen, weil es mir sonst noch unangenehmer gewesen wäre. Vielleicht tut es dir gut, wenn dich jemand hinbringt und abholt. Dann weisst du, dass du nicht alleine bist, falls dich das Gespräch sehr anstrengen sollte.

Ich drück dir für Mittwoch die Daumen.

Ganz liebe Grüße
Gobi

07.04.2008 15:21 • #2



Psychologe

x 3


Hallo Fallen...,
erstmal musst du gar nichts müssen! Sicher ist das "erste Mal" immer etwas doof man kennt sich ja überhaupt noch nicht und soll von seinen privaten Gedanken und Problemen erzählen. Aber am Ende bist du es ja dem geholfen werden will und bei solchen Therapien ist es nun mal notwendig offen über einiges zu sprechen. Du wirst selber sehen, es fällt dann gar nicht so schwer!
Was nur sein kann, ist das die sogenannte "Chemie" nicht stimmt und man kein Vertrauen aufbauen kann. Das ist wie Überall. Aber lass erst mal zwei drei Sitzungen vergehen... das merkt man ziemlich schnell und dann würde ich auch abbrechen wenns gar ni geht. Ich weiß , dann geht die Suche und Wartezeit wieder los
Aber sei optimistisch und erwarte auch nicht sofort ne Heilung, das braucht schon etwas Zeit. Ich hab auch immer viel gefragt was mich interessiert, einfach frei raus !
Ach und denk nicht , du bist die einzige die beim Psycho-Doc mal heult. Gibts bestimmt viele und das ist auch völlig ok!!

Wünsch dir viel Glück, es wird besser!!
vg

07.04.2008 15:22 • #3


Hallo Fallen Angel,

ich kann Deine Unsicherheit verstehen. Aber ich würde Dir empfehlen: gehe einfach vollkommen unvoreingenommen hin.

Jeder hat etwas anderes mit seinem Therapeuten erlebt und jeder Therapeut baut sein Patientenverhältnis anders auf.

Wenn Du neutral hingehst, bewertest Du auch weniger.

Und Du brauchst wirklich keine Angst zu haben. Therapeuten sind dafür da, dass sie helfen. Und das wirst Du schnell merken.
Du wirst sehen, ob die sog. "Chemie" zwischen Dir und dem Therapeuten stimmt. Du kannst auch jede Frage stellen, die Dir wichtig ist. Und wenn Du weinen mußt, dann weine. Dann muß es eben `raus.

Du brauchst Dich für nichts zu schämen und nichts muß Dir peinlich sein.

Ich wünsche Dir alles Gute und berichte doch mal, wie es war.

teichmaus

07.04.2008 15:25 • #4


Fallen Angel
Danke, dass ihr mir so schnell geantwortet habt!

Damit macht ihr mir gleich ein bísschen Mut.
Ich berichte dann mal, wie´s war.

Liebe Grüße Fallen Angel

07.04.2008 15:37 • #5


Fallen Angel
hallo zusammen!

Wollte doch mal berichten, wie es beim Psychologe war. Also, es war ganz gut, sie war auch sehr nett und hat mir zugehört, viele Sachen erklärt und erläutert.
Sie meinte mit einer Verhaltenstheraphie würden wir das schon wieder in den Griff bekommen. Leider macht sie keine Verhaltenstherapie , sondern hat mich an eine kollegin überwiesen, bei der ich recht kurzfristig einen Termin bekommen habe (nächste Woche Mittwoch).
Was habt ihr denn für Erfahrungen mit der Verhaltenstherapie gemacht? Hat es bei euch geholfen?
Was genau wird da gemacht?

Übrigens hat die Psychologin erklärt, dass man das ganz evt. zusätzlich mti leichten Antidepressiva unterstützen könnte. Allerdiings hab ich Angst vor einer Abhängigkeit.
Seit ihr grundsätzlich dafür oder dagegen?

Liebe GRüße Fallen Angel

11.04.2008 11:10 • #6


also ich war mal total gegen medikamente. Hab aber dann ne zeitlang antidepressiva genommen. Die brauchen erst ne zeit bevor sie wirken (ein paar wochen), machen nicht abhängig (soweit ich weiß) und machen auch nicht breit. Man ist vielleicht nicht mehr ganz so ängstlich wie vorher. Ich drück dir die daumen daß dein neuer psychologen auch nett ist!

11.04.2008 12:04 • #7


Christina
Hallo Fallen Angel,

bei einer Verhaltenstherapie (VT) wirst Du - wie bei jeder Therapie - erstmal schildern, was Dein Problem ist, und Ihr (Therapeutin und Du) werdet Euch darauf einigen, was bearbeitet bzw. verändert werden soll.

Dann wird die Therapeutin Dir erklären, wie Deine Symptome zustande kommen - den sog. Angstkreislauf. VT versteht sich nämlich als Hilfe zur Selbsthilfe und will die Patienten zu Experten ihrer Krankheit machen. Du lernst, was in Deinem Verhalten, Deinem Denken und vielleicht auch in Deinem Umfeld dazu beiträgt, dass die Symptome bestehen bleiben oder überhaupt auftreten. Dann geht es darum, wie Du mit Deinen Symptomen besser umgehen kannst als Du es jetzt vermutlich tust. Ggf. lernst Du auch Entspannungstechniken oder bekommst sie zumindest empfohlen. Das sind sozusagen die drei Punkte, an denen die VT ansetzt:

1. Entspannungstechniken wie PME oder auch Atemtechniken (gegen Hyperventilation), um den Anspannungspegel generell zu senken und um der Angst etwas entgegen setzen zu können.
2. Konfrontationsübungen: Nach und nach wirst Du Dich mit Deinen Ängsten konfrontieren, u.a. angstbesetzte Situationen aufsuchen, damit Du die Erfahrung machst, dass die Angst abnimmt und dass Deine befürchteten Katastrophen nicht eintreten. Wenn Dir das allein zu schwer fällt, ist es durchaus üblich, dass Dich die Therapeutin zumindest am Anfang begleitet.
3. Kognitive Therapie: Die Angst entsteht zu einem großen Teil dadurch, dass man sich automatisch die größten Katastrophen ausmalt. Dabei geht man selten logisch korrekt vor, d.h., die Phantasie hat wenig mit der (sogar schlimmsten) Realität zu tun. Das wird in der kognitiven Therapie hinterfragt, und Du trainierst, Dir selbst hilfreiche und realistische Dinge zu sagen bzw. vorzudenken. Wenn Du z.B. dazu neigst, sowas zu sagen wie "Nie schaffe ich etwas!", dann würde man schauen, welche Grundlage Du hast, so etwas zu sagen. Ob nie wirklich nie ist...

Meine VT liegt lange zurück und war, was die Agoraphobie betrifft, auch schnell sehr erfolgreich. Trotzdem hat sie mir geschadet, denn ich habe dort eine Zwangsstörung entwickelt. Das lag bei mir aber definitiv an einem Therapeutenfehler, wie die Therapeutin später auch mal zugegeben hat. Sie hat mich massiv unter Druck gesetzt, die Konfrontationen zu machen, und hat mir quasi mit Verschlimmerung "gedroht". Meine Motivation war daher immer nur Angst vor der Verschlechterung, nie Hoffnung auf Besserung... Mach mir das einfach nicht nach. Wenn Dir die Therapeutin nicht sympathisch ist, hab' keine Scheu, Dir jemand anderen zu suchen. Es ist wichtig, dass die Chemie stimmt. Und denk' dran, Du erteilst letzten Endes den Therapieauftrag. Dir gegenüber sitzt ein Dienstleister, wenn auch der speziellen Art...

Zu den Medikamenten:
Antidepressiva machen nicht abhängig - im Sinne einer stoffgebundenen Sucht. Man muss sie allerdings langsam absetzen, da sie Absetzsymptome verursachen können. Ich nehme zur Zeit ein Antidepressivum, bin also offensichtlich grundsätzlich dafür. Aber: Was wirkt, hat immer auch Nebenwirkungen. Daher würde ich es zunächst ohne probieren und nur wenn die Erfolge allzu schwer fallen oder zu lange auf sich warten lassen oder die Symptome (Dir persönlich!) zu schlimm werden, dann würde ich zum AD greifen. Dieses dann aber unbedingt vom Facharzt verschreiben lassen.

Liebe Grüße
Christina

11.04.2008 12:18 • #8




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