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Hallo liebe Forenmitglieder,

ich bin in einer für mich sehr schrecklichen Situation. Ich habe gerade mein 6-jähriges Jurastudium beendet und muss nun zum 1. September ins knapp 2 jährige Rechtsreferendariat, um meine Ausbildung komplett abzuschließen. Leider leide ich seit langem unter einer Panikstörung, die ich dummerweise nie behandelt hatte. Und zwar bekomme ich immer dann, wenn ich vor einer Gruppe von Menschen vom Kursleiter aufgefordert zu werden, einen kurzen oder langen Text vorzulesen, eine schlimme Panikattacke, die ich mir nicht erklären kann. Ich bin zwar etwas schüchtern, aber grundsätzlich habe ich kein größeres Problem damit, vor Gruppen zu sprechen oder Vorträge zu halten. Muss ich haber einen Text vorlesen, dreht mein Körper komplett durch, mein Herz rast, ich schwitze und kann kaum noch atmen... die üblichen Symptome halt. Es ist damit absolut unmöglich einen Text vorzulesen und jeder im Raum merkt es sofort. Im Studium konnte ich solchen Situationen aus dem Weg gehen, da es keine Anwesenheitspflichten gab, im Referendariat ist dies aber leider anders. Hier bin ich gezwungen, an den Kursen teilzunehmen. Diese sind zwar in der Regel nur 1x wöchentlich für ca 3 Stunden, aber das ändert ja nichts. Der Gedanke an diese Kurse lässt mich nicht schlafen und verursacht Angstgefühle in mir..

Ich habe mich nun ein wenig im Internet informiert und lese oft, dass Antidepressiva in Kombination mit einer Verhaltenstherapie Erfolg zeigen können. Aber ich lese auch, dass Antidepressiva teils nur bei jedem 2. wirken oder die Wirkung manchmal erst nach Monaten eintritt. Ist das wirklich so? Ich denke es ist für mich absolut notwendig, eine Psychotherapie zu beginnen, was aber momentan noch viel dringender ist, diese Symptome im Körper komplett abzustellen! Wie kann ich dies tun? Benzodiazepine sollen ja sehr gut helfen, aber diese möchte ich wegen des hohen Abhängigkeitspotentials absolut nicht nehmen. Das Referendariat dauert ja schließlich 2 Jahre.

Ich freue mich, wenn mein Beitrag gelesen wird und der ein oder andere Rat für mich hat.

Liebe Grüße
Zott

10.06.2015 14:50 • 28.08.2019 #1


10 Antworten ↓


Schlaflose
Mit den Medikamenten bleibt einem nichts anderes übrig, als sie auszuprobieren. Es ist richtig, dass die Wirkung erst nach mindestens 3 Wochen eintritt, davor hat man in den meisten Fällen mehr oder weniger heftige Nebenwirkungen, aber das ist auch individuell. Wenn man Pech hat, muss man mehrere Medikamente ausprobieren, bis man das richtige findet. Aber dass die Symptome ganz abgestellt werden, ist eher Utopie. In den meisten Fällen gibt es eine mehr oder weniger starke Verbesserung. Wenn man ganz viel Pech hat, hilft gar nichts. Aber die Kombination Medikamente und Psychotherapie ist grundsätzlich in Ordnung.
Die Wartezeiten für eine Therapie sind aber ziemlich lang, 6 Monate und mehr muss man schon rechnen. Es sei denn, du bist privat versichert. Sind Rechtsreferendare Beamte auf Probe? Wenn ja, musst du aber damit rechnen, dass du nicht mehr auf Lebenszeit verabeamtet wirst, wenn du eine Psychotherapie gemacht hast. Ist zumindest im Schuldienst so.

10.06.2015 15:12 • x 1 #2



Panikattacken in der Ausbildung

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Danke für deine Antwort. Es ist ein "öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis eigener Art", also etwas anderes, aber vermutlich ist mit den gleichen Konsequenzen zu rechnen, wenn ich es dort erzähle.

Ich spiele nicht wirklich mit dem Gedanken, dass Ganze mit Benzodiazepinen zu bewältigen, da mir so ein Zeug Angst macht, ich möchte aber trotzdem mal fragen, ob sich denn überhaupt eine (relevante) Abhängigkeit einstellen würde, wenn ich ein solches Medikament nur 1x wöchentlich (für eine Dauer von 3 bis maximal 6 Stunden) einnehmen muss? Das Referendariat ist nämlich in fünf verschiedene Stationen gegliedert und der Kurs wäre in der Regel nur 1x pro Woche. Nur zum Beginn einer jeden Station ist ca 2 - 3 Wochen einführender Blockunterricht. Hier hätte ich etwa 3x pro Woche (3-stündig) Kurs. Da ich auch einen Anspruch auf Urlaub habe, kann ich mir hin und wieder auch frei nehmen und so auch mal 2 -3 Wochen gar nix nehmen. Oder ist diese "Idee" schwachsinnig?

10.06.2015 23:01 • #3


Schlaflose
Zitat von Zott:
ch spiele nicht wirklich mit dem Gedanken, dass Ganze mit Benzodiazepinen zu bewältigen, da mir so ein Zeug Angst macht, ich möchte aber trotzdem mal fragen, ob sich denn überhaupt eine (relevante) Abhängigkeit einstellen würde, wenn ich ein solches Medikament nur 1x wöchentlich (für eine Dauer von 3 bis maximal 6 Stunden) einnehmen muss?


In deinem ersten Beitrag sprachst du ja von Antidepressiva und nicht von Benzos. ADs machen nicht abhängig und sind für den dauerhaften Gebrauch geeignet.
Wenn du Benzos z.B. Tavor oder Alprazolam nur einmal wöchentlich nehmen würdest und auch nicht jede Woche, ist das Risiko für Abhängigkeit gering. Nur kann es sein, dass die Wirkung dann doch nachlässt und man eine immer höhere Dosis braucht. Das kann man schlecht vorhersagen.

Ich frage mich nur, wie du das später im Beruf machen willst, wenn du Gerichtstermine hast.

11.06.2015 14:36 • #4


Danke für deine Antwort. Was sind denn die Nebenwirkungen, die bei AD in der Einschleichphase am öftesten auftreten? Womit hätte ich zu rechnen? Habe ich nach dieser Phase noch irgendwelche Einschränkungen?

Desweiteren würde mich interessieren (nach der Einschleichphase):

1. Ist Sport ohne Einschränkungen möglich?
2. Ist die Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt?
3. Ist Alk. in (geringen Mengen) problemlos möglich?

Letztlich: Hat jemand Erfahrungen mit (nicht-selektiven) Betablockern? Diese verhindern ja, dass zu viel Adrenalin an seinem Zielort ankommt (sie blocken Beta-Rezeptoren)?

Beruflich sehe ich momentan noch nicht die größten Sorgen. Einerseits gibt es Berufe, die eine Gerichtstätigkeit ausschließen. Andererseits tritt meine Angst ja nicht ganz allgemein auf, wenn ich etwas vor Menschen vorlese, sondern nur, wenn ich dazu spontan aufgefordert werde, also dann, wenn ein juristischer Sachverhalt oder ein Gesetz Thema der Unterrichtseinheit wird und jemand dies plötzlich und spontan vorlesen muss.

Liebe Grüße!

17.06.2015 11:30 • #5


Schlaflose
Zitat von Zott:
Was sind denn die Nebenwirkungen, die bei AD in der Einschleichphase am öftesten auftreten? Womit hätte ich zu rechnen? Habe ich nach dieser Phase noch irgendwelche Einschränkungen?


Das kann man nicht so pauschal beantworten, weil es ADs mit unterschiedlichen Wirksungsweisen gibt, die unterschiedliche Nebenwirkungen verursachen. Außerdem ist es auch individuell ganz verschieden, wie man darauf reagiert.
Ich kenne mich nur mit sedierenden ADs aus, da ich sie wegen der schlafanstoßenden Wirkung nehme. Als ich damit anfing, hatte ich in den ersten Tagen Müdikeit, Benommenheit, Schwindel, leichte Übelkeit und war allegemein neben der Spur. Das wurde aber dann immer besser und nach 2-3 Wochen habe ich gar nichts mehr davon gemerkt.
Sport kann ich ganz normal treiben, meine Konzentrationsfähigkeit ist überhaupt nicht eingeschränkt. Da ich nie Alk. trinke (auch schon vorher nicht), kann ich nicht sagen, wie es sich damit verträgt. Es heißt, dass sich die Wirkung gegenseitig verstärkt.

Schau doch mal in die Kategorie "Medikamente bei Panikattacken" rein, da findest jede Menge Beiträge zu allen möglichen ADs.
Auch zum Thema Betablocker gibt es schon viele Beiträge.

17.06.2015 16:28 • #6


05.08.2019 07:17 • #7


Hast du denn außer dem Tagesklinik Aufenthalt eine Therapie gemacht? Weißt du woher diese panikattacken kommen , also den Auslöser ?

05.08.2019 08:15 • x 1 #8


Zitat von juuliet:
Hast du denn außer dem Tagesklinik Aufenthalt eine Therapie gemacht? Weißt du woher diese panikattacken kommen , also den Auslöser ?


Erstmal danke für die schnelle antwort! Ich war mit 8 jahren schonmal stationär in einer Klinik, ansonsten zwischendurch immer wieder Psychotherapie gehabt, aber irgendwie hat nichts geholfen..
Diese Panik fing an, als mir immer schlecht gewesen ist und seitdem habe ich immer Angst mich irgendwo zu übergeben und mich zu blamieren, und wie gesagt auf Arbeit ist es so schlimm dass ich es nicht aushalte..
aber ich weiß auch nicht mit wem man sprechen kann, um zu gucke was man machen kann oder was es für alternativen gibt

05.08.2019 17:46 • #9


Naja also wenn du selbst sagst das die Therapie dir nicht richtig geholfen hat , wäre eine neue Therapie sinnvoll denke ich.. Es gibt übrigens auch Teilzeitausbildungen, eventuell könntest du mal nachfragen ob das bei dir möglich ist .

05.08.2019 23:45 • x 1 #10


PaavovM
Lass dir von deinem Hausarzt eine Überweisung für eine Psychotherapie und evt. Medikamente geben

28.08.2019 09:46 • x 1 #11



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