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Kopfsache284

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Hallo Leute,

kurz zu mir: Ich bin 28 Jahre alt von Beruf Software-Entwickler komme aus dem Raum Freiburg und leide nun seit exakt 3-Wochen unter fast dauerhaft anhaltenden Angstzuständen und immer wiederkehrenden Panikattacken.

An einer psychischen Krankheit bin ich bis jetzt noch nicht erkrankt gewesen, allerdings muss man sagen, dass ich ein krankhafter Grübler bin und immer wieder unter Schlafproblemen litt. Außerdem fällt es mir schwer mit Stress umzugehen und ich bin oft gleich am Anschlag und setze mich selbst unter Druck. Während des Studiums gab es immer wieder Situationen in denen ich der Verzweiflung nahe war und schon überlegte einen Psychiater aufzusuchen, da es mir nächteweise den Schlaf raubte.

Meine erste Panikattacke hatte ich am Dienstag vor 3 Wochen. Es geschah während eines Meeting auf der Arbeit. Wir mussten in einen kleinen Raum ausweichen, da es heiß war, war kein Fenster geöffnet und die Klimaanlage lief. Etwas was mir schon immer unbehaglich war. Ich hatte von Anfang an das Gefühl in dem Raum nicht richtig Luft zu bekommen und ging immer wieder auf die Toilette da ich mich sehr unwohl fühlte um Luft zu bekommen. Nach einer Weile hatte ich dann das Gefühl überhaupt keine Luft mehr zu bekommen und teilte den anderen Anwesenden mit, dass ich nun den Raum verlassen musste und nach draußen gehen muss. Dort stieg die Panik in mir auf, da mein Herz wie wild klopfte und ich weiterhin das Gefühl hatte nicht richtig Luft zu bekommen. Ich ging auf und ab um mich zu beruhigen, schaffte dies allerdings nicht wirklich und hatte mehrfach das Gefühl gleich zusammen zu brechen und hatte Angst zu sterben. Ich entschloss mich meine Kollegen zu fragen ob mich jemand von Ihnen ins Krankenhaus fahren könnte, da die Situatuion auch nach einer Stunde weiter anhielt. Als ein Kollege nach dem er meinen Puls gecheckt hatte, dass es sich höchst wahrscheinlich um eine Panikattacke handelt und ich in keiner Gefahr wäre. Dies beruhigte mich und die Symptome flauten fasst komplett ab. Da ich mich selbst gut kenne, machte es auch für mich Sinn dass es sich nur um ein psychisches Problem handeln konnte. Allerdings überkam mich das gleiche Gefühl keine Luft zu bekommen auf der Heimfahrt in einem Auto welches ebenfalls mit Klimaanlage lief und nur durch die Ablenkung durch einen Kollegen konnte ich mich wieder beruhigen. Allerdings hatte ich seit dort das Gefühl nicht richtig Luft zu bekommen, was mich sehr beunruhigte und mich dann doch an der psychischen Ursache zweifeln lies.

Ich begann zu Grübeln was die Ursache sein könnte und kam dann auf die wildesten Ideen, was mich noch mehr beunruhigte. Ich entschloss mich doch einen Arzt auf zu suchen. Dieser untersuchte mich und konnte aus ein paar vermeintlichen Herzgeräuschen keinen wirkliche körperliche Ursache feststellen. Da ich seine Untersuchung sehr schnell und nicht ausführlich Genug fand, entschloß ich mich am nächsten Tag in die Notaufnahme zu gehen. Diese konnten natürlich nichts finden und bescheinigten mir hervoragende Gesundheit. Dies beruhigte mich zunächst und mir ging es dann auch ziemlich gut die nächsten Stunden, bis auf einmal der Zweifel und auch die Sorge aufkam: Was wenn Sie sich geirrt haben? Sie haben ja keinen Herzultraschall durchgeführt, vielleicht ist es ja doch ein Herzfehler. und so hatte ich am selben Abend erneut Panikattacken.

Ich befinde mich nun seit 3-Wochen in einem Ausnahmezustand, habe immer den Drang auf meinen Atem zu achten, da ich Angst habe dass er einfach aufhört. Ich habe vor allem im Ruhezustand immer wieder Angstzustände und Panikattacken, erschrecke mich selbst ab so lächerlichen Dingen wie einem Rülpser oder Aufstoßen, da der Atem kurz stockt. Auch grüble ich natürlich immer wieder ob es nicht doch eine körperliche Ursache für das ganze gibt und ich zu voreilig auf eine psychische Ursache geschlossen habe.

Von meiner Hausärztin habe ich mir nun eine Überweisung für eine Psychotherapie besorgt. Erste versuche einen Termin zu ergattern sind leider gescheitert, nun werde ich es morgen über den Terminservice der Krankenkasse versuchen. Auch habe ich wieder angefangen Sport zu treiben und habe dabei außer Ängsten absolut keine Probleme. Ich kann immer noch weite Strecken joggen und war heute sogar Fußball spielen und hatte außer der Angst ich würde zusammenbrechen und dem Gefühl nicht richtig da zu sein, keinerlei Probleme. Auch Arbeiten tue ich wieder, hatte mich eine Woche krankschreiben lassen in der Hoffnung mich komplett zu beruhigen.

Wer bis hierher gelesen hat dem Danke ich schon einmal sehr herzlich. Ich habe Angst, dass diese Situation nun den Rest meines Lebens anhält und ich meine Freundin verlieren werde. Ich möchte mich auf keinen Fall von der jetzigen Situation unterkriegen lassen und hoffe dass ich irgendwann wieder vollkommen sorgenfrei leben kann.

Nun zu meinen Fragen an euch:

-> Momentan spiele ich mit dem Gedanken mir noch eine Überweisung zum Neurologen zu besorgen um auch eine Erkrankung im Nervenbereich ausschließen zu können. Was meint Ihr sollte ich das tun oder mich einfach nun darauf konzentrieren meine Psyche wieder in Ordnung zu bringen?

-> Ich hatte einzelne Phasen in denen ich ziemlich komische Gedanken hatte, wie Ich habe gar keine Lust mehr zu Atmen, der Sauerstoff ist nicht gut für mich. Wie geht ihr mit solchen Situationen um? Hab Ihr Tipps wie man solche Gedanken beseitigt bzw. bei Seite räumt? Diese Gedanken machten mir wirklich Angst.

-> Was hat euch am meisten Geholfen? Was sind eure Tipps um das Ganze zu bewältigen?

-> Habt ihr Buchtipps oder Videos auf Youtube die euch sehr helfen?

-> Habt ihr an Selbsthilfegruppen teilgenommen und kennt vielleicht jemand welche im Raum Freiburg/Offenburg?

16.09.2019 19:57 • 18.09.2019 #1


8 Antworten ↓


ami


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Aus welchem Grund möchtest du denn zum Neurologen?

16.09.2019 20:01 • #2


Lillibeth

Lillibeth


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Hallo Du ! Zunächst mal ist es gut das Du hierher gefunden hast. Du wirst viele Gleichgesinnte treffen. Ich bin auch ein Angshase und bei mir hat es genauso angefangen. Erst in der Arbeit, dann im Auto und dann kamen immer mehr Ängste dazu. Supermärkte, Menschenmassen, Flugangst etc. Therapie ist ein guter Weg. Am Anfang helfen aber auch Antidepressiva ( sie machen nicht abhängig ) . Da solltest Du Dich an einen Psychiater wenden. Sie sind auch meistens als Neurologe unterwegs und dann kannst Du das in einem Abwasch erledigen. Es gibt auch sehr viel gute Literatur und auf YouTube Videos zu Achtsamkeit und Entspannung. Das hilft auch sehr gut.

16.09.2019 20:11 • #3


Anuschka1102

Anuschka1102


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Hallo

Willkommen am Anfang der Panikattacken Karriere.

Alles was du beschreibst ist halt typisch für angststörungen und Panikattacken.
Die sind auch wirklich sehr harmlos.
Ich würde auch raten zum Psychiater zur gehen. Vielleicht kann er dir bei der Therapie auch helfen. Therapie ist sehr wichtig.

Du hast keine Lust zur atmen ?
Sei beruhigt du atmes auch nicht wirklich selbst. Atmen geht von alleine.
Du kannst aber dein Atem kontrollieren und dich dadurch zb beruhigen.
Bloß nicht heftig und schnell atmen.
Atme in solchen Situationen bewusst langsam und tief. Ca 6-7 mal in 1 Minute. Tief durch die Nase ein bis der Bauch sich völbt. Luft kurz anhalten und sehr langsam ausatmen. Du wirst merken wie gut das tut.
Es gibt viele Möglichkeiten sich per sofort Maßnahmen abzulenken aber besser ist es über sich ergehen zu lassen und lernen damit umzugehen.
Hier findest du viele Infos und Tipps und du wirst merken wie viele Gleichgesinnte du findest. Du bist nicht allein.

Lg

17.09.2019 09:33 • x 2 #4


Icefalki

Icefalki


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Hallo, ja, so beginnt jede Angstkarriere. Gut ist, dass du schnell einsiehst, dass was getan werden muss.

Absolut jedem, wirklich jedem Menschen, der davon betroffen ist, wird erstmals der Boden unter den Füssen weggezogen, weil alleine die Situation so traumatisch empfunden wird, dass sich das extremst in das Gehirn einbrennt. Und so beginnt eine Angstkarriere.

Gute Nachricht, du wirst alles überleben und bekommst jetzt die Chance, dich mal richtig kennenzulernen.

Unsere Ängste hängen damit zusammen, dass man ein Leben lebt, das nicht unbedingt zu einem passt.
Was nicht heissen soll, dass Beruf, Partnerschaft etc.. nicht stimmt, es ist eher unsere eigene Wahrnehmung, dass u.U. alles perfekt sein sollte.

Dieses sich selbst unter Druck setzen müssen, könnte damit zusammenhängen, dass man sich eher als "minderwertig" oder was auch immer ansieht. Und wenn sich zuviel Druck (Stress) ansammelt, entlädt sich das in einer Panikattacke. Bedeutet, der Stresslevel lag schon vorher ziemlich hoch und am Tag X ist der Vulkan dann eben ausgebrochen.

Mein Rat an dich:

1. Mach dich schlau, was Angst 1. An körperlichen Reaktionen verursacht und
2. Vertraue den Ärzten, wenn körperlich alles ok ist, ist es die Psyche.
3. Um das aber wirklich sagen zu können, lass die Schilddrüse anschauen, eben, das übliche Program ablaufen.
4. Sport ist absolut super.
5. Therapie anleiern, auf die Warteliste setzen lassen.
6. Verstehen lernen, dass Symtome nur Ausdruck der Angst sind, und die Angstursache tiefer liegt.
7. Hier mit erfahrenen User schreiben, die schon viel Ahnung haben, und denen am Symtomenaustausch nichts liegt, denn der ist mehr oder weniger gleich.
8. Nicht googeln. Absolutes Googleverbot.,
9. Nicht in die Hypochondrie abrutschen, weil man nicht glauben möchte, dass es die Psyche ist.
10. Nicht glauben, dass psychische Probleme dich minderwertig machen, das Gegenteil ist der Fall.
11. Jeder hat das Recht auf seine Macke, und genau hier liegt auch die Lösung

12. Auch wenn du das jetzt nicht verstehst, mir wurde damals gesagt, dass uns Gott (oder das Universum) besonders liebt, denn wir bekommen alle eine 2. Chance.

Insofern, willkommen im Club der Menschen, die lernen dürfen, dass das Leben aus mehr besteht, als aus Leistung und Druck, denn wer diese Angst verspürt, kann das Lebensangst nennen, allerdings verwechselt man es immer mit Todesangst.

17.09.2019 10:43 • x 9 #5


Lillibeth

Lillibeth


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Dem kann ich mich nur anschließen. Passiert ist es jetzt und zurück geht nicht mehr. Jetzt musst und wirst Du Deinen Weg finden damit zurechtzukommen. Das geht mal mehr mal weniger gut .

17.09.2019 12:05 • x 2 #6


Kopfsache284


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Danke vielmals für die vielen Antworten und Tipps. Habe nun über den Krankenkassen Terminservice einen Termin bei einer Psychologin zur Sprechstunde, Therapieplätze sind allerdings maßlos überfüllt und schwer zu bekommen... Werde mal noch vorsichtshalber die Schilddrüse durchcheken lassen.

18.09.2019 08:02 • x 1 #7


waage

waage


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Hallo , habe einen Buchtipp für Dich...

Panikattacken und andere Angststörungen loswerden von Klaus Bernhardt..

L.G. Waage

18.09.2019 08:27 • x 2 #8


Flor


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Zitat von waage:
Panikattacken und andere Angststörungen loswerden von Klaus Bernhardt..


Das Buch find ich auch super. Die Videos auf Youtube sind auch sehr interessant und sehr informativ.

Und was @Icefalki die hier geschrieben hat, find ich sehr treffend.

18.09.2019 19:06 • x 2 #9



Dr. Christina Wiesemann