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RainerFeldweg
Hallo ihr Lieben,

ich bin neu hier; König Google brachte mich zu euch. Eine wirklich starke Leistung, wie ich nun nach so einigen hier gelesenen Beiträgen sagen muss! Bisher waren meine Googleien "nur" dergestalt Symptome und etwaige Krankheitsverläufe zu suchen. Da erzähl' ich hier sicher niemanden etwas Neues, es war nur zu meinem Schaden. Aber kurz zu mir:

Ich hatte nie sonderlich große Bedenken was meine Gesundheit anbelangte. War unbekümmert, trieb verhältnismäßig wenig Sport, trank - situativ - zuviel und rauchte dann ganz gern auch nochwas zu. Das alles ohne gesundheitliche Auffälligkeiten, oder dergleichen. Meine Angst vor dem Tod war schon immer ein Stück weit vorhanden. Bis zu dem Tag im März als ich wahrscheinlich auf einem Horrortrip gelandet bin, zuviel THC. Meine erste - so richtig rasende - Panikattacke. 8 mal das Gefühl zu sterben, zu denken man sieht das Licht am Ende das Tunnels, vertraute Gesichter, warme Farben, alles so harmonisch, zu denken "das war's", meine letzten Worte waren bereits gesprochen, über einen anwesenden - hilflosen - Kumpel an meine Freundin. Etwas kitschig, durchaus, aber ehrlich.

Doch entgegen meiner gefestigten Meinung das Diesseits zu verlassen, passierte... Nichts. Eine Nacht des Horrors steckte mir in den Knochen, 8 maliges Luftanhalten, Gleich-Zu-Verscheiden-Denken, Herzrasen, Brennen im Kopf, das Gefühl wahnsinnig zu werden, alle Synapsen kokeln durch. Irgendwas derart. Dann: 2 Tage ohne Schlaf, darauffolgende Tage wie die Hölle, nur Benommenheit und Schwindel; manch einer hätte gesagt ich lief rum wie Falschgeld. Ein- und Durchschlafen war 2 Wochen so gut wie unmöglich, bis ich dankeswerter Weise im Netz von Baldrian las. Placebo Effekt hin oder her, damit trat Besserung ein. Bis dahin hatte ich weiterhin meinen Alltag zu bewältigen: Studium, Nebenjob, Familie (vor der es mir immens schwer fiel NICHT aufzufallen, was sicher meiner Familiengeschichte geschuldet ist, Vater ein Trinker, öfter in Behandlung, Klinik; Mutter hohe Erwartungshaltung, etc.), einzig meiner Freundin vertraute ich mich an. Was folgte waren 6 Wochen purer Horror.

Ein stetes Gefühl der Benommenheit, Müdigkeit, Nicht-Anwesenheit, Angst vorm Gleich-Tot-Umfallen, Angst vor der Zukunft, Angst vorm Nie-Mehr-So-Sein-Wie-Früher, Besuche beim Hausarzt, Verzweifelte Suche nach einem Psychotherapeut, der Gang in die Notaufnahme... Seit vergangenem Dienstag nehme ich zum Baldrian zusätzlich noch ein weiteres "Wunderkraut" - Johanniskraut. Es soll wohl depressionsmildernd wirkend. Ohne voreilige Schlüsse zu ziehen habe ich seitdem den Eindruck, dass es mit mir wieder bergauf geht. Okay, die Müdigkeit bleibt, in verminderter Form. Gedanken an meine Zukunft fallen mir manchmal noch schwer, jedoch eher aus persönlichen Gründen / in Belangen des Studiums, hat das Zukunft? Finde ich danach etwas? Die typischen Fragen halt. Dass ich mir darüber 'nen Kopf machen kann, ist eigentlich gutes Zeichen genug, oder? Zumindest waren die letzten 5 Wochen nur von Grübelei und endlosen Gedankenketten geprägt. Und der Dauermüdigkeit. Und der Angst tot umzufallen. Was dann wieder Panikattacken brachte. Ein Teufelskreis.

Der Besuch in der Notaufnahme brachte mir einen Termin zum stationären Aufenthalt, welchen ich erstmal sehr begrüßte. Anfang Juli soll es losgehen. Ich denke, ungeachtet aller vermeintlichen Besserungen, dass ich diesen Termin wahrnehmen werde um meinen "wahren" Leiden auf den Grund gehen zu können. Ich denke nämlich, dass die omnipräsente Todesangst aus meiner Kindheit und von diversen Verlusten herrührt. Manchmal habe ich den Gedanken, in vollkommen banalen Alltagssituationen, es könnte etwas Schreckliches passieren. (Freundin wird von lockerem Ziegel erschlagen, Telefon klingelt: Anrufer sagt "Der und der ist verstorben", ...) Wobei ich mir dann denke, dass ich diese Gedankengänge einfach nicht brauche, und auch nicht verstehe woher sie rühren.

Und zuletzt: Ab und zu DENKE ich, dass ich Flashbacks habe. Ich mache die Augen zu, denke und sehe, dass mein Gehirn versagt, ich einfach so tot bin. Und allein der Gedanke, dass ich daran denke ruft Kopfschmerzen in meinem Kopf hervor die ich bis dato nicht kannte. Kann ich mich von dem Gedanken lösen, ist meist auch der Schmerz vorüber. Gelingt mir das nicht, begleitet er mich bis tief in die Nacht, und verlässt mich erst mit Einbruch meines erholsamen Schlafes, welchen ich in letzter Zeit übrigens immer häufiger durch Hörspiele von Sherlock Holmes finde. Eine Empfehlung!

Nun ist das alles hier ganz arg zum Egotrip mutiert, doch hoffe ich der ein oder andere entdeckt sich in meinen Worten wieder, findet Zuversicht, oder es hat wer 'nen guten Tipp! Unabhängig von allem:

Hallo nochmal!

ps:

Meine Helferlein in schweren Stunden
BALDRIPARAN
NEUROPLANT AKTIV 600mg
Ryunosuke Koike - Die Kunst des Nichtdenkens: Durch Gelassenheit mehr Glück im Alltag

20.05.2015 18:54 • 26.05.2015 #1


4 Antworten ↓


Hallo und willkommen im Forum!

Mit Ausnahme davon, dass ich, wenn ich deine Worte richtig interpretiere, mehr Sport treibe, nichts rauche und mich gegen eine Psychotherapie entschieden habe, klingt vieles sehr vertraut.

Eine Vielzahl an weiteren, für mich schwer zu akzeptierenden Symptomen haben sich bei mir nach der ersten Panikattacke eingeschlichen. Das insgeheime Gefühl der Unverwundbarkeit ist dadurch selbstredend abhanden gekommen. Das muss mMn aber nicht generell negativ bewertet werden, denn es brachte mich zu einer ehrlicheren Selbstreflektion und gab mir eine andere Sichtweise auf das Leben. Ich bin nun viel dankbarer, dass ich organisch nicht ernsthaft krank bin, wie ich es am Anfang meiner Grübel-Karriere ständig vermutete. Einige medizinische Untersuchungen habe ich machen lassen. Irgendwann war mir aber klar, dass ich mit der Arztrennerei nicht glücklich werde und schon gar nicht mit der dauerhaften Googlei. Deshalb ich vor ca. 3 Monaten mir ein Suchmaschinenverbot hinsichtlich meiner undifferenzierten Symptomverschiebung auferlegt und es durchgehalten, ohne Ausnahme.

Ich denke hier im Forum wirst du viele nette Menschen finden, die dich gut verstehen können und dir gerne mit ihrer Erfahrung weiterhelfen. Aus meiner Sicht muss man selbst aktiv etwas gegen die Angst tun, um aus dem dunklen Wald wieder herausschreiten zu können. Heißt bei mir im Klartext: Sport, Entspannungsübungen, Hypnose, bewusste Ernährung, viel Tee, sich für Fortschritte selbst loben...es gilt das Motto: alles was dir gut tut, ist richtig...sofern es legal ist

21.05.2015 14:25 • x 1 #2



Panik, Todesangst & Der ganz große Schwindel

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RainerFeldweg
Danke, es tut gut von jemandem zu lesen!
Die Einsicht kam mir auch, es hilft nur der Weg nach Vorne! Dir alles Gute!

ps.: Hast du Tipps zur Hypnose? Habe das mit YouTube versucht, musste es aber irgendwann aus Angst wieder abbrechen, da ich Bilder sah, ich Angst bekam zu Sterben, Hirntod, etc. Fragte in einer Praxis nach, finde ich aber persönlich zu teuer.

21.05.2015 15:58 • #3


Ja, günstig ist es nicht...da bin ich bei dir. Trotzdem habe ich es durchgezogen. Die erste Informationsstunde war kostenlos. Da habe ich gedacht, dass ich es mir mal anhöre und dann entscheide. Mir hat es gefallen, was ich da gehört habe. Es gibt die suggestive Hypnose und die analytische Hypnose (Hypnoanalyse). Bei der suggestiven Hypnose wird deinem Unterbewusstsein etwas eingeredet. Das wird zB bei der Rauchentwöhnung genutzt. Bei mir hat die Heilpraktikerin für Hypnose oder Hypnoanalytikerin die Hypnoanalyse empfohlen, da ich viele Symptome hatte und sie meinte wenn wir die einzeln behandeln, dann kommt es wahrscheinlich nur zu einer Symptomverschiebung. Bei der Hypnoanalyse wird in der Vergangenheit geforscht, was diese Panikattacke oder die unterschwelligen Ängste ausgelöst hat. Dazu muss man sagen, dass in der Theorie der Angst-/Panikforschung davon ausgegangen wird, dass diese sich erst nach einigen Jahren (ca. 7) bemerkbar macht und die erste Panikattacke vllt. der Auslöser, aber nicht der eigentliche Grund für die Ängste ist.

Die Hypnoanalyse besteht dann aus 8-10 Std., je nachdem wie schnell sich Fortschritte einstellen. Nach 5 Std. hat meine Hypnoanalytikerin vor gut drei Wochen gesagt, dass sie denkt, dass ich fertig bin mit der Hypnoanalyse und erstmal abwarten, welche Veränderungen in den nächsten Wochen eintreten und vor allem welche Verbesserungen. Mir hat die Hypnoanalyse, auch wenn ich nicht weiß was nun der eigentliche Grund war, sehr geholfen. Allerdings habe ich mich auch bei meiner Hypnoanalytikerin auf Anhieb wohl gefühlt...es hat zwischenmenschlich einfach gepasst. Vllt. war das auch ein Grund für die großen Fortschritte.

Generell gilt die Hypnose oder die analytische Hypnose als effizienteste Kurzzeittherapie habe ich mal gelesen. Ich kann es bestätigen, wobei die Hypnose natürlich auch "nur" viele Hilfestellungen zur Selbsthilfe gibt. Gleichzeitig aber auch das Unterbewusstsein durchforstet. Zunächst haben wir in jeder Stunde über die Probleme und Fortschritte geredet und dann ging es in die Hypnose. Wie eine Gesprächstherapie (zumindest stelle ich sie mir so vor) mit zusätzlicher Hypnose.

Viele sagen, ich glaube bei mir hat das nicht geklappt, wenn sie aus der Hypnose kommen. Das ist aber mMn dem Grund geschuldet, dass alle Showhypnose erwarten. Das Pendel und dann gackert man wie ein Huhn. Damit hat die analytische Hypnose 0,0 mit zu tun. Man bekommt alles mit, kann jederzeit sagen, dass man über die Dinge jetzt nicht reden möchte o.ä. Man ist in einem entspannten Zustand, so wie kurz vor dem Einschlafen. In dieser Phase ist aber das Unterbewusstsein aktiv und mit diesem kommunziert die Hypnoanalytikerin dann. Also in einigen Stunden habe ich gedacht, du bekommst das jetzt alles mit und trotzdem passiert das jetzt mit dir...faszinierend, spannend und ein wenig erschreckend. Aber offensichtlich wirkungsvoll.

21.05.2015 16:38 • x 1 #4


RainerFeldweg
Hab vielen Dank für deine Ausführungen!
Ich versuche in Dämmerphasen, vor oder nach dem Einschlafen/Aufwachen, Dinge mit meinem Unterbewusstsein auszumachen. Ich denke das ist wirklich einer der effektivsten Wege. Denn dort rührt wohl auch all die Angst her.

26.05.2015 20:29 • #5




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