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Hallo,
ich möchte hier mal kurz mein Problem schildern, unter dem ich seit vielen Jahren extrem leide.

Ich habe große Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Leuten, weil ich permanent Angst habe, abgelehnt zu werden.

Im Privatleben ziehe ich mich bei Konflikten & Ablehnung meist total zurück, da ich das Gefühl nicht ertragen kann, dass andere mich nicht mögen.
Am schlimmsten sind Konflikt-Situationen, wenn noch andere Leute mitbekommen, dass ich Ärger habe mit jemandem. Ich denke dann sofort, dass die jetzt in der Gruppe über mich reden (hinter meinem Rücken) und sich gegen mich verschwören. Irgendwie bin ich davon überzeugt, dass mich eh keiner mag & meine zunehmende Einsamkeit bestätigt das auch irgendwie.
Beziehung hatte ich schon seit vielen Jahren keine mehr, weil die Ablehnung mich da noch viel mehr trifft und mich geradzu vernichtet hat. Der Schmerz war unerträglich nach der letzten Trennung & ich lebe ruhiger so. Allerdings ist der Preis dafür die Einsamkeit.

Im Job sind die Auswirkungen des Ganzen noch viel dramatischer. Ich habe einen langjährigen gutbezahlten Job aufgegeben, weil ich mit der Ablehnung einiger Kollegen nicht klarkam. Ich habe es einfach nichtmehr ertragen, dass sie mich nicht mochten. Es war eine schreckliche Zeit und ich war auch dauernd krank damals.

Danach habe ich noch verschiedene andere Jobs ausprobiert, bin aber immer wieder sofort weggelaufen, sobald es schwierig wurde. Meist ist schon die erste Kritik wie ein Faustschlag und ich schäme mich dann so vor Kollegen und Vorgesetzten, dass ich sie nicht mehr anschauen kann.
Ich will dann nur noch weg, raus aus dieser Peinlichkeit, weil ich sowieso schon wieder ahne/befürchte, dass sie mich bald alle hassen werden.

Jetzt bin ich über 40 und arbeitslos. Ich sehe keine Perspektive mehr & habe auch keine Kraft mehr, mich zu bewerben, weil es sowieso immer wieder dasselbe ist.

Mir ist klar, dass es wohl an MIR liegt, dass ich diese Probleme habe - ich bin einfach übersensibel, jede Kritik ist eine RIESENsache für mich.
Ich habe bereits 2 Therapien hinter mir & jetzt zahlt die Kasse nichts mehr.
Ich bin wirklich verzweifelt!

Wer hat einen Rat?

26.09.2012 15:02 • 29.10.2012 #1


9 Antworten ↓


Schlaflose
Mir geht es ähnlich, allerdings nicht ganz so extrem wie bei dir. Ich habe auch schon mehrere Therapien hinter mir, die mir ganz gut geholfen haben, v. a die letzte. Die Diagnose, die mir gestellt wurde, ist "ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung". Die Angst vor Blamage und Kritik spielt dabei eine sehr große Rolle. Du kannst ja mal z.B. bei Wikipedia nachlesen, ob andere Kriterien davon auch auf dich zutreffen. Ich empfehle dir ganz dringend auch eine Therapie anzufangen.

Viele Grüße

26.09.2012 15:32 • #2



Große Angst vor Ablehnung & Kritik

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Hi.

Hast du Angst vor Ablehnung, weil du denkst dass du dann kein liebenswerter und wertvoller Mensch bist?
Oder bist du einfach nur übersensibel, weil du einsam bist? Oder beides? Oder weißt du es überhaupt nicht?

Was geht dir denn durch den Kopf, wenn du Ablehnung kassierst? Was ist so schlimm, wenn andere dich ablehnen? Wenn du das weißt, bist du schonmal einen Schritt weiter. Was ist denn passiert, dass du mit dieser Person Ärger hattest?

26.09.2012 17:25 • #3


Zitat:
Ich empfehle dir ganz dringend auch eine Therapie anzufangen.

Wie bereits oben beschrieben, zahlt die Kasse momentan keine mehr.
Vielleicht könnte ich in eine Tagesklinik gehen oder sowas, aber ich kenn mich nicht aus, wie schwer da die Störung sein muss...??

Zitat:
Hast du Angst vor Ablehnung, weil du denkst dass du dann kein liebenswerter und wertvoller Mensch bist?

Ich halte mich wohl nicht für liebenswert und jede weitere Ablehnung bestätigt mir das und macht das Problem noch größer.


Zitat:
Oder bist du einfach nur übersensibel, weil du einsam bist?

Ich war schon immer sehr sensibel, es ist die letzten Jahre aber viel schlimmer geworden. Die Einsamkeit verstärkt das Problem, es ist wohl ein Teufelskreis.

Zitat:
Oder beides? Oder weißt du es überhaupt nicht?

Ich weiß nicht genau, wie es angefangen hat... unsicher war ich schon immer. Auch als Kind.

Zitat:
Was geht dir denn durch den Kopf, wenn du Ablehnung kassierst?

Meistens ist das dann ein Gefühlschaos, was v.a. von einem Gefühl bestimmt wird: Scham!
ich will in den Erdboden versinken und entschuldige mich dann meist sofort (selbst wenn ich im Recht bin). Das realisiere ich meist erst Tage später, wenn diese ganzen schrecklichen Gefühle in den Hintergrund treten.
Klar denken ist in so einem Moment nicht möglich.

Zitat:
Was ist so schlimm, wenn andere dich ablehnen? Wenn du das weißt, bist du schonmal einen Schritt weiter.
Es bestätigt mir mal wieder, dass an mir absolut NICHTS liebenswert ist.

Zitat:
Was ist denn passiert, dass du mit dieser Person Ärger hattest?

Ich weiß nicht genau, welches Beispiel ich nennen soll, es gab viele Situationen.
In meinem letzten Job z.B. habe ich mal eine Kollegin übergangen bei einer Entscheidung (unabsichtlich) und die wurde dann total sauer & brüllte mich an vor den anderen Leuten. Dann wurde ich ganz klein und habe mich mal wieder geschämt ohne Ende und um Vergebung gebettelt. Die hackte dann trotzdem noch tagelang auf mir rum & ich konnte das nicht aushalten. ich hab dann gekündigt. Ich wusste nicht, wie ich es stoppen sollte. Sowas macht mir dann schlaflose Nächte. Da kann ich nicht drüberstehen.

26.09.2012 19:42 • #4


Zitat von ubeda:
Zitat:
Was ist denn passiert, dass du mit dieser Person Ärger hattest?

Ich weiß nicht genau, welches Beispiel ich nennen soll, es gab viele Situationen.
In meinem letzten Job z.B. habe ich mal eine Kollegin übergangen bei einer Entscheidung (unabsichtlich) und die wurde dann total sauer & brüllte mich an vor den anderen Leuten. Dann wurde ich ganz klein und habe mich mal wieder geschämt ohne Ende und um Vergebung gebettelt. Die hackte dann trotzdem noch tagelang auf mir rum & ich konnte das nicht aushalten. ich hab dann gekündigt. Ich wusste nicht, wie ich es stoppen sollte. Sowas macht mir dann schlaflose Nächte. Da kann ich nicht drüberstehen.
Zitat:
Die hackte dann trotzdem noch tagelang auf mir rum
Nicht trotzdem, sondern deshalb.

Wenn du dich reflexhaft klein machst und um Vergebung bettelst, wirkt das nicht wie erwachsene Einsicht in den Fehler oder wie das Stehen zu deinem vorhergehenden Verhalten, sondern wie eine automatische Handlungsweise ohne Bedeutung und ohne emotionale Entlastung für den anderen. Deswegen macht der/die andere dann noch immer weiter - hofft unbewusst auf eine endlich angemessene Resonanz.

Du MUSST lernen, deinen Verstand zu behalten, wenn jemand nicht damit zufrieden ist, was du gemacht hast.

Dass der andere nicht zufrieden ist, ist erstmal SEINE Sache. Du solltest das erstmal einfach interessiert zur Kenntnis nehmen. Und dann nachdenken, ob der andere Recht hat oder nicht. Wenn nicht, kannst du darauf ruhig und sachlich reagieren - freundlich oder weniger freundlich, je nachdem, wie der andere und die Situation ist.
Und wenn der andere Recht hat, dann kannst du dich ganz einfach sachlich und ANTEILNEHMEND entschuldigen. Du ninmmst dann gefühlsmäßigen Anteil an dem KUMMER des ANDEREN.

Du selbst brauchst und solltest dabei gar keinen Kummer haben. Der ANDERE hat doch den Kummer, fühlt sich übergangen oder sonstwas. Kümmere dich um die Gefühle des anderen, dann bleibst du in der Gegenwart und bei klarem Bewusstsein.

26.09.2012 23:54 • #5


Zitat:
Du selbst brauchst und solltest dabei gar keinen Kummer haben. Der ANDERE hat doch den Kummer, fühlt sich übergangen oder sonstwas. Kümmere dich um die Gefühle des anderen, dann bleibst du in der Gegenwart und bei klarem Bewusstsein


So habe ich das noch nie betrachtet, du hast Recht, ich habe sicher durch mein unterwürfiges Verhalten auch falsche Signale gesendet... werde noch ein bisschen drüber nachdenken. Du hast mir durch diesen anderen Blickwinkel geholfen, danke!

27.09.2012 08:15 • #6


Hatte ich auch schon hinter mir,

bei mir geht das los mit "Ach du meine Guete was will der/die?" das riecht nach Kritik, "lass dir nichts anmerken", dann ab aufs Klo und durchschnauben/mit Traenen kaempfen; trotzdem wehen danach die Fahnen auf Halbmast und nachts erst mal gruebeln.

Mir hat man dann auch gesagt, dass ich mich so komisch bei Kritik verhalte. Das hatte mich zum nachdenken gebracht, dass es bei Kritik nicht so sehr um mich und meine Fehler geht. Sondern darum, dass der andere mir entweder helfen moechte (die hose steht dir nicht) oder (wenn du das so schreibst kommen keine weiteren Kunden zu uns) (und sich dann vor den Kopf gestossen vorkommt wenn ich kuehl reagiere) oder sich selbst verletzt fuehlt durch etwas was ich getan habe (das was du gesagt hast hat mich verletzt).
Bei beidem geht es nicht direkt um dich als Person.
Je nachdem wie sensibel der Kritiker ist kann er maechtig Druck aufbauen, dazu kommen die ganzen Gedanken ueber den Subtext der Kritik.
Oft ist vom anderen wenig dahinter.

Wie du bestimmt weisst koennen Musik und Entspannungsuebungen im richtigen Moment auch helfen. Nur das muss einem erst mal einfallen waehrend man mit der Situation kaempft...

ich habe zum Glueck was gefunden was mich aufbaut, und mir da Kraft gibt: bei mir ist es der Hundesport. Sport scheint gut zu helfen und auch in die Natur zu gehen, scheint von Aengsten abzulenken.
Vielleicht hast du ja auch etwas was dir Kraft gibt, so dass die Kritik daneben verblasst.

Fuer die Jobsituation: Du hast einen guten Schreibstil und vielleicht fuehlst du dich bei Kritik ueber Email oder Telefon erst mal weniger angegriffen.
Vielleicht waere fuer dich eine Arbeitsstelle wo du zunaechst von zu Hause aus arbeiten kannst ganz in Ordnung. (dann kannst du darn arbeiten und es erst mal dosiert zu dir nehmen).
Vielleicht findest du sogar etwas wo du deinem Chef erklaeren kannst dass du auf Kritik sensibler reagierst (das waere aber wohl ein sechser im Lotto).

Dir alles, alles Gute!

29.09.2012 16:24 • #7


Hast du Angst vor Ablehnung, weil du denkst dass du dann kein liebenswerter und wertvoller Mensch bist?

10.10.2012 12:27 • #8


Diese Angst vor Ablehnung und Kritik kenne ich auch.
Mein Ex-Freund meinte mal, ich sei "kritikunfähig" und würde mich "immer nur rechtfertigen" - er meinte, ich solle dazu stehen, wenn ich einen Fehler gemacht habe, statt mich zu rechtfertigen.
Dieser Tipp hilft mir manchmal schon.

Aber vor allem finde ich es wichtig, sich bewusst zu machen, dass 1. alle Menschen Fehler machen bzw Dinge, die anderen nicht gefallen, 2. dass alle Menschen damit leben müssen, Fehler zu machen und kritisiert zu werden.

Ich habe schon oft genug beobachtet, dass Leute kritisiert oder sogar "blöd angemacht" wurden und sich davon trotzdem nicht aus der Ruhe haben bringen lassen.
Natürlich haben manche Menschen eben ein "dickeres Fell".
Aber generell gilt, wer Lob und Annerkennung ernten will, muss auch mal das Risiko eingehen, stattdessen Kritik und Ablehnung zu bekommen.
Wenn man Kritiksituationen sachlich sieht, kann man natürlich auch (wie hier schon gesagt wurde), feststellen, ob eine Kritik überhaupt gerechtfertigt ist oder nur z.B. aus Frust geäußert wird.
Von daher ist die Angst, vor einer überzogenen, drastischen Kritik theoretisch unbegründet.
Man muss sich nur eben auch trauen, dem Kritiker zu widersprechen und sich gegebenenfalls angemessen zu wehren, wenn die Kritik persönlich oder übertrieben wird.

29.10.2012 19:48 • #9


Du betrachtest jede Kritik als Kritik an deiner Person und Persönlichkeit und nicht als Kritik an dem was du gesagt oder getan hast. Du stellst alles bei dir in frage und nicht nur den Punkt um den es bei der Kritik geht. Daher wird jede Kritik für dich so existenziell und fast lebensbedrohlich. Hast du in deinen Therapien herausfinden können, warum Du so empfindest? Das könnte dir in Situationen mit Kritik helfen diese in ein anderes licht zu Rücken. Auch hilft es die vielleicht in vermehrten sozialen Kontakten den Umgang einfach mehr zu üben. Dann kannst du auch die Erfahrung machen, dass du als Person nicht in frage gestellt wirst, nur weil jemand meint du hättest was doofes gemacht.

30.10.2012 00:42 • #10



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Dr. Reinhard Pichler