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Hallo Leute,

ich bin auf der Suche nach einem Forum für Panikattacken auf diese hier gestoßen und möchte folgendes äußern und um Rat bitten:

Ich habe schon seit Jahren Panikattacken (25 Jahre alt). In der letzten Zeit habe ich diese fast jeden Tag und zwar auf dem Weg zur Arbeit und zurück. Ich arbeite ca. 75 km entfernt.

Die Anfälle bekomme ich im ZUG am Hauptbahnhof und auf der Straße unterwegs. Ich bekomme jedes mal Herzrasen, Schwindel und Atemnot. Es ist extrem schlimm da ein haufen Menschen im Zug und am Bahnhof sind, sodass ich nirgends ausweichen (zurückziehen) kann. Zustätzlich bekomme ich eine Art Realitätsverlust und möchte so schnell wie möglich Heim wodurch sich meine Panikattacke um einiges verstärkt, da ich die Möglichkeit schnell Heim zu kommen nicht hab. Der Höhepunkt ist dann, wenn sich der Zug verspätet, was sehr oft der Fall ist.

Gesundheitlich habe ich mich komplett durchchecken lassen (EKG, Langzeit EKG etc.). Alle Ergebnisse waren OK. Ich habe ständig Angst einfach umzufallen und versuche daher dieser Situation zu entgehen.

Hat jemand einen Rat??

Gruß

Fity

13.01.2010 20:32 • 13.01.2010 #1


3 Antworten ↓


Hallo afetinci,

habe mich auch gerade hier angemeldet, da ich auch grad auf der Suche nach einem Forum war, wo darüber gesprochen wird, was du angesprochen hast. Netter Zufall....

Naja, ich hatte heute auch wieder einen unschönen Schub von Panik oder Angst, so genau kann ich es selbst nicht deuten. Auf jeden Fall war es auch auf dem Weg von der Arbeit nach Hause.

Bei mir ist das Problem komischerweise nur mit der Straßenbahn so ausgeprägt. Ich hab auch schon längere Zeit hin und wieder damit zu kämpfen, war auch schon in psychologischer Behandlung deswegen.
Ich habe die Situation dann eher vermieden, weil ich mir gesagt habe, du musst ja nicht mit der Straßenbahn fahren und bin mit dem Fahrrad gefahren. Nun ist aber mittlerweile das Wetter auch nicht mehr so gut fürs Fahrrad und ich bin auf die Bahn umgestiegen. War auch gut eine Woche kein Problem, aber heute hats mich eiskalt erwischt, warum kann ich "noch nicht" genau sagen.
Das Problem ist, glaube ich, dass man die ganze Situation, die letzten Tage drumherum auch mit betrachten muss um das eigentliche Problem einzugrenzen. Wie gesagt, es ging etwas mehr als 1 Woche ohne Probleme, aber heute ging es gar nicht. Es fing einfach damit an, dass die Bahn erst in 15 Minuten kommen würde. Einerseits war es kalt, andererseits mag ich es nicht an der Haltestelle zu stehen und zu warten (hier ist vielleicht schon der erste Ansatzpunkt - warum ist es mir so unangenehm an einer Haltestelle zu warten - könnten mich Leute beobachten? könnte ich irgend etwas falsches machen? könnte ich mich einfach nur lächerlich machen? fehlendes selbstbewusstsein und sich selbst viel zu wichtig nehmen).
Ich hab mir dann gedacht, okay, in 15 Minuten bist du 2 Haltestellen gelaufen und stehst nicht nur in der Kälte. Gedacht, getan.
Dummerweise wurde dadurch aber irgendwie unterbewusst wohl mein eigentlich mit mir selbst vereinbartes NEIN zur Vermeidungsstrategie (nicht Bahn fahren) getriggert bzw. aktiviert, sodaß ich wiederum ein schlechtes Gewissen hatte (unterbewusst) und mich schlecht gefühlt habe.
Körperliche Erscheinungen gefühlt flache Atmung, Kopfschmerzen, total fertig Fühlen, Müdigkeit und häufiges Gähnen und nicht zu vergessen Grübeln (Kopfkino: abwägen ist es das richtige was ich tue oder nicht?).
Zack, drin im Teufelskreis.
Man fühlt sich bescheiden, weiß eigentlich wo das Problem liegt, bzw. dass es EIGENTLICH kein wirkliches Problem gibt, kommt aber irgenwie nicht raus, bzw. hat Angst davor.
Ende vom Lied, ich bin 8 km gelaufen. Manch einer würde sich da denken, schön blöd, aber mir ging es besser damit und ich hatte ne gute Stunde zum nachdenken was da mit mir los ist und zum runterkommen.

Was ich selber jetzt mache um rauszufinden, was dazu geführt hat...

Ich schau mir in Gedanken nochmal die letzten Tage inklusive heute an...
was ist passiert, wie hab ich mich gefühlt, was hab ich gedacht

Es ist zwar immer ein bestimmer Auslöser aber ich bin mir recht sicher, dass es eine Folge von Situationen, Gefühlen, Gedanken ist, die "das Fass zum überlaufen" und damit einen selbst in die Panik bringt.

Meine Empfehlung wäre, schau mal wie du zu dir selber stehst. Was denkst du selber von dir?
Und schau mal ob du viel Stress hattest, oder eventuell dir viel Stress selber gemacht hast, weil du nicht abschalten konntest von der Arbeit.

Als Empfehlung noch:
Lucinda Bassett - Angstfrei leben, Das erfolgreiche Selbsthilfeprogramm gegen Stress und Panik
oder
Barbara und Gregory Markway - Frein von Angst und Schüchternheit, Soziale Ängste besiegen - ein Selbsthilfeprogramm

13.01.2010 22:52 • #2



Panik auf dem Weg zur Arbeit und zurück

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dieses "Schema" der Panikanfälle/Angstzustände kenne ich sehr gut! Mittlerweile habe ich gelernt (leider viel zu spät...) dass Angst und Panik Dir auch sagen
"Haaaaalloooooo, hör doch mal zuuuuuu....dein Körper kann nicht mehr......."

Ich bin auch, zusammengerechnet, mit der Bahn gut 2 Jahre gependelt (eine Strecke reine Bahnfahrt 90 km, ein Arbeitsweg immer um die 1,5 Stunden). Irgendwann kamen dann die Angstzustände auf dem Bahnhof. Das Pendeln hat mich immer tierisch genervt und hatte oft daran gedacht, was das für eine Zeitverschwendung ist. Ganz besonders wenn ich ´nen Zug verpasst habe und dann noch 1 Stunde auf den nächsten warten musste. Heute weiss ich dass sich da irre viel Unzufriedenheit und Wut aufgestaut hatte und zog wieder in die Stadt zurück.

Dann kenne ich auch die Situationen, das waren die ca. letzten 12 Monate in der Arbeit, dass ich fast täglich auf dem Weg zur Arbeit (bin dann mit dem Auto zur Arbeit gependelt), einen Panikzustand hatte. Montags war dieser immer garantiert da. Die Heimfahrten waren da auch nicht ohne, als ich das Büro verließ war alles noch okey, als ich dann losfuhr bin ich vor extremer Müdigkeit fast zusammen gefallen und da fing es ganz schlimm mit meinen Depris an, die wiederum abends in Panik mündeten. Oder ich war auf dem Heimweg sowas von entspannt dass ich dann aufgrund der Entspannung dann auch in Panik verfiel.

Wie auch immer; mir wurde dann klar (erst viele Monate nachdem ich meinen Arbeitsplatz verloren hatte) dass es Burnout war und sicherlich war die Mobberei gegen mich auch ein Auslöser.

Damals merkte ich auch, dass ich sehr panikanfällig war wenn ich mich geärgert habe, es brauchte nicht mehr viel zum Überlaufen (ist leider auch heute noch so).

Also das Nachdenken über mögliche Ursachen ist absolut richtig!

Ich würde zwar nicht sagen dass Angst und Panik grundsätzlich feste Muster haben aber es gibt bestimmte Situationen wo sie immer kommt und da hat man schon mal eine Basis wo man dann üben kann mit der Panik umzugehen.

Ja ich weiß...die Angst vor der Angst.... ogott, die Situation ist im Anmarsch..... hier müssen wir wieder daran denken, an der "Gedankenstruktur" und Bewertung zu arbeiten.

Das ist harte Arbeit und zehrt irre viel Energie aber es lohnt sich. Das sage ich mir immer wieder.
Heute abend hatte ich wieder die Situation "Entspannung nach der Anspannung" und dann auch noch beim Autofahren...und dann noch der Gedanke: geht auch nur ein Rücklicht am Auto, bald werde ich erwischt....
2 km vor dem Ziel bekomme ich einen Krampf unter dem linken Schulterblatt und die Welle von unten kommt wieder hoch bis in den Kopf.
Gedanke: ist Panik weil ich heute psychisch entlastet wurde, das half.... und dann kam das Symptom wieder, die Welle wieder und ich konnte es wieder "wegdenken". Bekam dann fürchterliche Kopfschmerzen aber die Panik blieb aus.

Bin noch sehr unruhig, trinke gerade einen Schlaftee und hoffe auf ein gutes "Einschlafen".

Einen guten Schlaf wünsche ich Euch auch sowie den neuen Tag mit positiven Gedanken zu starten.

LG
Shaliah

13.01.2010 23:41 • #3


Hallo Shaliah,

wünsch dir auch geruhsamen Schlaf und
einen guten und angstfreien Start in den neuen Tag.

13.01.2010 23:52 • #4




Dr. Hans Morschitzky