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Hallo ihr,

ich leide seit ich 18 bin unter Angstattacken. Es ging los, als ich zur Schule ging. Ich hatte plötzlich total Angst, mich in der Klasse übergeben zu müssen, bin oft nicht zur Schule gegangen und hatte auch ein Attest vom Arzt, dass mir eine Agoraphobie bescheinigte und mir erlaubte, jederzeit die Klasse zu verlassen. Ich habe mich mit Ach und Krach in die 12. Klasse gerettet, dann jedoch abgebrochen, weil meine Angst immer akuter wurde. Dazu kam eine ungekannte Traurigkeit, ich weinte oft tagelang, hatte zu nichts Lust. Mit meinen Eltern verstand ich mich nicht mehr, ich musste sogar ein paar Monate ausziehen, weil ich meiner Mutter psychisch sehr zur Last fiel. Ich ließ mir als Rebellion gegen alles ein Piercing stechen und hockte den ganzen Tag am Internet.Ich glaube, es war sowas wie eine postpupertäre Phase. Das ganze ging so weit, dass ich irgendwann zu meiner Mutter sagte, dass ich keinen Bock mehr habe und mich vor den Zug werfe. Ich bin abghauen, meine Mutter hat meinen Vater und meine beste Freundin an. Ich habe nichts gemacht, aber meine Mutter vereinbarte danach einen Termin bei einer Therapeutin.
Zu dieser ging ich 3 Jahre lang, leider wurde ich nie richtig mit ihr warm. Im Nachhinein denke ich ,ich habe mir letztlich selbst geholfen.
Ich fing an eine Ausbildung zu absolvieren, meine Angst verschwand einigermaßen, nie vollständig aber es war erträglich. In der Zeit wurde mein Vater sehr krank, musste operiert werden. Heute geht es ihm zum Glück wieder gut.
Irgendwann bin ich mal in der Klasse ohnmächtig geworden, als ich an der Tafel etwas zeichnen sollte, was ich nicht konnte. Es war wohl eine Mischung aus Angst, nix gegessen und getrunken und Aufregung, die zur Ohnmacht führten. Seitdem hat sich meine Angst verschoben von Übelkeit auf Ohnmacht. Aber auch das hatte ich einigermaßen im Griff und es ist seitdem nie mehr was passiert. Gekotzt habe ich auch noch nie, obwohl ich immer Angst davor hatte.
Bereits vor ca 1 1/2 Jahren hatte ich eine Panikattacke. Ich wollte mit Freunden und meinem Freund in die Disco. Ich kam grade bis zum Eingang, dann ging es los. Ich bekam Angst und Panik, der Bass hämmerte in meiner Brust und ich hatte Angst ,dass er meinen Herzrythmus beeinflusst. Ich bin in Tränen ausgebrochen und rausgerannt. Alle waren völlig verwirrt und ich konnte mir meine Attacke damals selber nicht erklären. Dazu muss ich sagen ,dass ich seit etwa 2 Jahren auch eine diffuse Angst vor nicht beeinflussbaren Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall habe. Mein Onkel starb, als ich 11 war an Krebs, mein Vater hat seit einer Krankheit ab und zu Herzrythmusstörungen und hohen Blutdruck (der allerdings durch eine andere Krankheit bedingt ist, nicht primär durch das Herz)

Seit 2 Monaten besuche ich nun eine Abendschule, ich mache mein Abitur nach. Mein Freund ist in eine recht weit entfernte Stadt gezogen, auf der Arbeit herrscht sehr viel Streß und ich habe meine beste Freundin verloren.
Im Juli hatte ich dann meine zweite Attacke. Ich saß im Auto auf der Autobahn und merkte plötzlich, wie mir heiß wurde. Mein Puls raste, ich hatte Druck in den Ohren und dachte, mein Kopf platzt. Ich habe es mit Ach und Krach nach Hause geschafft. Die Attacke dauerte noch etwa 20 Minuten dann war ich völlig erschöpft und fertig .Mein Blutdruck lag zu dem Zeitpunkt bei 160/91, puls 106 und ich hatte eine schei. Angst vor einer Herzattacke. Damit ging leider die Angst vor der Angst los.
2 Wochen später hatte ich noch eine Attacke. Auf der Arbeit, ich arbeite mit Menschen und plötzlich wurde mir wieder heiß und ich hatte das Gefühl gleich umzukippen. Ich rief meine Kollegin und setzte mich erstmal. Mein Herz raste wieder, ich hatte wieder einen hohen Puls und Blutdruck .Diesmal dauerte das ganze jedoch nur 5 Minuten.
Obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass es nicht das Herz ist (ich rauche nicht, trinke nicht, mache Sport und habe Normalgewicht, und keine Herzkrankheiten in der Familie) vereinbarte ich einen Termin beim Arzt. Kurz-Ekg und Belastungsekg sowie Herzschall zeigten alles normal an, Dienstag bekomme ich ein Langzeitekg um Herzrythmusstörungen auszuschließen. Meine Ärztin sagte jedoch sie denkt, ich habe zu viel Streß, der die Attacken auslöst.

Ich habe nicht die Zeit mir eine neue Therapie zu suchen, zudem bin ich ein sehr ungeduldiger Mensch. Ich weiß ,dass ich vermutlich lange warten müsste, bevor ich einen Platz bekomme. Und ich denke, dass ich nicht "krank" genug bin, um nochmal eine Therapie zu machen. Ich versuche alles weiterlaufen zu lassen, wie es ist, schränke mich nicht ein. Ich arbeite, gehe shoppen, gehe zum Sport, obwohl ich manchmal vor Angst am liebsten heulen möchte. Ich lese zur Hilfe viele Bücher über das Thema. Ich will verstehen ,was bei einer Panikattacke abläuft.
Eine Attacke hatte ich nicht mehr seit August, ungefähr ein Monat, aber die Angst davor ist da. Besonders, wenn ich mich belaste, aber genau deswegen belaste ich mich erst Recht. Ich gehe joggen, damit mein Puls erhöht ist und ich merke, dass ich daran nicht sterbe. Es ist anstrengend. Und hilft nicht immer. Heute bekam ich z.B. beim laufen keine Luft mehr und musste mich abholen lassen. Aber ich habe auch seit gestern Husten und denke, dass das daher rührt, da ich zum Glück nie Angst vor Ersticken hatte.

Meine schlimmsten Ängste derzeit sind wohl die Angst vor einer neuen Attacke bzw einem Herzanfall und einer Ohnmacht.
Ich habe immer ein "Notfallkit" dabei bestehend aus Handy, Wasser, Bachblütentropfen/bonbons und Traubenzucker. Ich schaffe es inzwischen beim Joggen nur noch das Handy und Traubenzucker mitzunehmen.
Trotzdem ist es belastend.
Ich hoffe, dass es hier manchen ähnlich geht.

Entschuldigt, dass das alles irgendwie wirr geschrieben ist. Es ist nicht so leicht, sich selber damit immer wieder neu zu konfrontieren aber ich befüchte, es ist der einzige Weg da rauszukommen.

21.09.2013 17:35 • 21.09.2013 #1


3 Antworten ↓


Hallo Orchidee,
erst mal will ich dich hier Willkommen heissen....
du bist hier goldrichtig,denn hier gibt es sehr Viele,die daran leiden
(auch ich).
Allerdings,als ich deinen Satz gelesen habe,in dem du geschrieben hast:
"Ich bin ein ungeduldiger Mensch",musste ich ganz stark an meine
Angst Anfangszeiten denken,ich war auch viel zu ungeduldig
und bin deswegen oft auf die Schnauze gefallen.
Aber mit dieser Krankheit lernt man es geduldig zu sein,du wirst sehen.
Ich würde dir auch eine Therapie ans Herz legen,denn
alleine wird es noch schwieriger.

21.09.2013 17:58 • #2



Panik & Angst mich in der Klasse übergeben zu müssen

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kalina
Zitat von MitSouKo63:
Hallo Orchidee,
erst mal will ich dich hier Willkommen heissen....
du bist hier goldrichtig,denn hier gibt es sehr Viele,die daran leiden
(auch ich).
Allerdings,als ich deinen Satz gelesen habe,in dem du geschrieben hast:
"Ich bin ein ungeduldiger Mensch",musste ich ganz stark an meine
Angst Anfangszeiten denken,ich war auch viel zu ungeduldig
und bin deswegen oft auf die Schnauze gefallen.
Aber mit dieser Krankheit lernt man es geduldig zu sein,du wirst sehen.
Ich würde dir auch eine Therapie ans Herz legen,denn
alleine wird es noch schwieriger.



Das kann ich nur unterschreiben: man lernt geduldig zu sein!
Willkommen hier, liebe Orchidee

21.09.2013 18:02 • #3


Ich war grade nochmal draussen eine kurze Runde laufen und habe dabei deutlich gemerkt ,dass meine Luft Bronchienbedingt wegbleibt. So gehe ich gegen die Angst an. Es fiel mir unheimlich schwer meine Angst zu überwinden und nochmal rauszugehen aber nach ein paar Metern war alles gut. Puls von 134 auf 83 und dann bin ich gelaufen.

Danke für euer nettes Willkommen heißen

21.09.2013 19:03 • #4




Dr. Reinhard Pichler