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Gideon
Noch am Anfang und schon am Ende

Ich schreibe den text von meinem Handy aus also sollte etwas nicht stimmen, bitte seht es nicht so eng. Danke.

Mein name ist Gideon, ich bin 17 Jahre alt, bin deutsch, 1,75m und etwas untergewichtig (57kg).
Ich leide wahrscheinlich unter einer Sozialen Phobie\Sprechangst.

Schon immer hatte ich angst, etwas mit Leuten zu unternehmen, die ich nicht kenne. Also fremde Leute. Als ich im alter von 6 Jahren in die Grundschule kam, habe ich die ersten Monate nur geweint, weil ich Angst vor alles und jedem hatte. Im Alter von fast 8 Jahren wurde ich dann irgendwie zum Gesundheitsamt "geschickt" weil auch die Lehrer das auffällig fanden, was mit mir los ist. Daraus wurde dann aber irgendwie aus mir unbekannten Gründen nichts. Ich ging weiter zur Schule, fing dann an ein aggressives Verhalten zu entwickeln womit ich dann wohl die Angst versucht habe, zu verdrängen. Die angst "normal" mit jemandem mich zu unterhalten. Ich habe lieber die andere Art der Kommunikation gewählt. Bis ich dann auf die Hauptschule kam lief das so. Ich machte nur das nötigste um den Schulalltag zu überstehen. Hatte nur wenige Freunde, weil ich es mir mit fast allen verscherzt hatte. Hier und da wurde ich dann auch von getestet, weiß nicht mehr genau warum. Ging aber immer alles noch so eben.
Im Alter von 11 Jahren kam ich dann auf die Hauptschule weil ich mündlich im Unterricht eben nicht so viel drauf hatte. Nie habe ich mich freiwillig im Unterricht gemeldet. Schriftlich war ich dafür umso besser. Bis zur 7. Klasse lief es dann auch alles so weiter. Ich bin ganz normal zur schule gegangen, ohne mir vorher morgens eine Kopf darüber zu machen was wohl diesmal schiefgehen könnte, wenn ich mich mal im Unterricht melden sollte. Es war mir sozusagen egal. Die 7. Klasse musste ich dann auch wiederholen aufgrund der schlechten Unterrichtbeteiligung was das mündliche betrifft. Ab der zeit an, wo ich dann wieder in eine andere Klasse kam fing es dann so langsam an. Meine Angst, etwas sagen zu müssen und dann etwas falsches zu sagen, wurde immer schlimmer und schlimmer...
Schriftlich war ich nachwievor einer der besten. So hab ich die 7. Klasse dann auch mit bisschen Glück geschafft. Die 8. lief nicht viel anders außer das ich dann oft nicht zur Schule ging weil mich starke Kopfschmerzen und Übelkeit plagten. Aber dann jetzt, die 9. Klasse da fing es an zu werden, wie es jetzt ist. Das erste Praktikum stand vor der Tür und ich hatte große angst davor weil ich da ja niemanden kenne. Einmal ging ich dann auch dort mit großer angst hin, ganze 8 Stunden Qual war es für mich, weil ich einfach das gemacht habe was mir gesagt wurde doch ich nichts fragen konnte. Ich hoffe ihr versteht was ich meine...
Ich hab dann einfach einen auf krank gemacht und mir selbst eingeredet ich hätte etwas mit dem Rücken. Ich ging dann zum Arzt und wurde Gottseidank für eine Woche krankgeschrieben und dann folgte eine weitere weil es wirklich so war, als hätte ich was an meinem Herzen/Rücken...
Hauptsache ich brauch nur zum Arzt gehen und dafür nicht zu meiner Praktikumsstelle....
Geprüft wurde im laufe der zeit vieles. Ich hab wegen der ganzen Sache Migräne bekommen und all son Zeug. Neurologe und alles war ich, doch alles scheint gesund. Begleitet hat mich überall hin mein Vater, der auch immer automatisch immer für mich spricht. Doch bis dahin hab ich nicht mit der Wahrheit rausgerückt, dass ich vor allem große angst habe.

In einem Onlinespiel lernte ich dann eine Nette Frau kennen und spielte dann auch fast mir ihr jeden Tag dieses Spiel. Eines Tages erfuhr ich dann, dass ihre Gilde in dem Spiel
und auch sie selbst, Teamspeak verwendet um zu kommunizieren. Ich dachte mir, ich versuche es trotz meiner doch sehr großen Angst vor fremden Menschen zu sprechen auch mal. Aber nichts, ich bekam nicht mal ein einiges Wort heraus.
Und umso länger ich zuhörte, wurde mir immer und immer schlechter. Mir wird dann ganz komisch. Mein Herz fängt an zu rasen, meine Augen fühlen sich mies an und mein Kopf fängt an zu schmerzen. Übel wird mir auch. Schwitzen tu ich aber eher weniger wenn ich Angst habe.

Von dem Tag an wusste ich dann, dass ich dringend Hilfe brauch und deswegen rückte ich, als ich das nächste mal bei meiner langjährigen Hausärztin war, mit der Wahrheit über meine starke Sprechangst raus. Sie erzählte es dann meinem Vater und wir bekamen einen Termin bei einem Kinder und Jugend Psychologen. Dieser allerdings war uns nicht so ganz geheuer....
Dann hab ich erstmal weiter nichts unternommen, ging weiterhin sehr unregelmäßig zur Schule bis es dann Ärger gab und ich zum Sozialpädagogischen Dienst (SPZ) musste. Dort sagte mir dann, die letzen möglichkeit mir zu helfen wäre es, wenn ich eine 3 Wöchige stationäre Therapie in Bedburg-Hau machen würde. Dort allerdings sagte mir, das alles würde auf dauer und für mein gesamtes Leben nicht wirklich was bringen....
Es scheint so, als könne mir keiner helfen. Aber parallel dazu haben wir trotzdem auch weiterhin Termine im SPZ bekommen, wo ich dann einen Leistungstest und einige Wochen später einige Fragebögen rund um Ängste ausfüllen musste. Vor wenigen Tagen jetzt haben wir den Termin gehabt, wo dann die Ergebnisse und wie es weiter gehen soll mit meinem Vater und mir besprochen.

Hobbys habe ich auch zur Zeit überhaupt keine. Entweder sitze ich am Pc, hänge vor dem TV oder sitze wenn das Wetter passt draußen im garten rum. Nichtmal mehr zum Computer-Spielen kann ich mich momentan motivieren. Wenn dann nur mit meiner um alles geliebte Ig-Frau (Ich hoffe sie liest das eventuell mal ^^)

Nun das was ich am schlimmsten finde, und zwar:
Nach diesen Sommerferien möchte ich gerne zur Berufsschule (Berufsvorbereitendes Jahr), allerdings wird das mit der Angst für mich sehr schwer werden und mir wird jetzt schon schlecht wenn ich an all dies denke. Ich habe derzeit keinerlei Perspektive weil ich nichtmal einen Abschluss nach der neun habe... ;(

Eine Therapie in einer Tagesklinik kann erst frühestens im Herbst stattfinden doch das ist mir leider viel zu spät, weil ich Berufsschulpflichtig bin und und und und...
Ich weiß echt nicht weiter....

Bitte helft mir habt ihr vielleicht Tipps oder wisst gar, was mir fehlt? Psychologen sind sich auch nicht ganz sicher weil ich dort relativ gelassen reden kann.

MfG, der mit Tränen in den Augen diesen Text geschrieben habene Gideon

14.06.2013 17:50 • 30.06.2013 #1


11 Antworten ↓


Also ich war in meiner Kindheit auch immer sehr ängstlich - was aber mit der Zeit etwas weniger geworden ist (also in der Grundschule war ich nicht ganz so schüchtern wie im Kindergarten zb).
Mit 17 hatte ich dann einen Termin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (LVR-Klinikum - ich weiß ja nicht, wo du wohnst - aber in NRW gibt es ein paar von diesen Kliniken).
Dort hat man mit mir gesprochen (also eine Psychologin) und ich sollte ein paar Fragebögen ausfüllen - hab auch so einen IQ-Test gemacht.
Dann wurde mir eine soziale Phobie und eine "leichte depressive Episode" diagnostiziert.
Hatte dann noch ein paar psychotherapeutische Sitzungen mit einer "Psychotherapeutin in Ausbildung" und dann sollte ich mir einen Psychotherapeuten suchen, der Verhaltenstherapie anbietet.
Hab ich im Ansatz auch versucht (mal angerufen) - aber ehrlichgesagt dann auch keine Lust mehr dazu gehabt.
Allerdings hat es sich bei mir auch deutlich gebessert (bin jetzt 19, hab grad mein Abi gemacht).

In der Schule hatte ich allerdings ähnliche Probleme - schriftlich war ich ganz gut und mündlich ziemlich schlecht - in der Grundschule und Unterstufe hab ich mich sehr selten, wenn überhaupt mal gemeldet. Die Lehrer waren aber meist recht gütig mit den mündlichen Noten.
In der Oberstufe musste ich mich dann etwas mehr anstrengen, da die mündliche Mitarbeit dort in schriftlichen Fächern zu 50 % in die Endnote einfließt. (Am deutlichsten war das in Mathe einmal: mündlich 5, schriftlich 1)
Die Lehrer haben mir oft "vorgeworfen", dass ich zu wenig sage - da hieß es schonmal "du bist so eine, die man am liebsten würgen würde" - "ich würde dich am liebsten schütteln" - "du kannst es ja, aber du sagst zu wenig" - "ich kenne dich ja schon länger - es ist das altbekannte Problem" (blablabla - so weiter und so fort ... als ich das wusste, hätte ich den Lehrern am liebsten gesagt, dass ich ein psychisches Problem habe, aber 1. habe ich mich nicht getraut und 2. wollte ich das auch nicht als Entschuldigung oder so darstellen - ich hätte mich ja öfter überwinden können.)
Im Endeffekt hatte ich jetzt eher mittelmäßige Durchschnittsnoten in meinen Abifächern und musste deswegen 2 mündliche Nachprüfungen machen, weil 2 schriftliche Abiprüfungen sehr gut geworden sind (zu starke Abweichung).
Naja, Praktikas waren für mich auch ein Graus - zumindest am Anfang - brauchte Starthilfe von meiner Mutter, um den jeweiligen Praktikumsplatz zu bekommen (Kontakte). Wir mussten ein Betriebs- und ein Sozialpraktikum machen (beim letztgenannten war ich im Krankenhaus als Praktikantin - das war psychisch schon anstrengend, weil ich ständig Leute ansprechen musste - hab aber auch nie was gefragt - die Krankenpfleger dort meinten auch, ich sei ja sehr still und zurückhaltend. Aber im Endeffekt hatte ich dort gut zu tun und hab mich nützlich und gebraucht gefühlt.)

Und ansonsten bin ich eher ängstlich und vorsichtig, wenn es darum geht, neue Leute kennenzulernen - große Gruppen sind eh nicht so mein Ding - bin einfach ein introvertierter Typ Mensch.
Es gibt aber halt so simple Dinge wie zB telefonieren, die ich ungerne tue, zu denen ich mich aber gewissermaßen zwingen muss, damit ich sie mir angewöhne und die "Hürde" somit immer kleiner wird.
Und naja, ein paar gute Freunde könnte ich auch noch gebrauchen

Also meiner kleinen Schwester geht es auch so ähnlich.
Hast du denn Geschwister ?

Und hast du zumindest eine Ahnung woher deine Ängste kommen könnten ?
Hast du dich in deiner frühen Kindheit vielleicht nicht immer wohlgefühlt ?
Hattest du irgendwelche besonders negativen Erlebnisse ?

Bei mir ist es so, dass ich mich als Kind die meiste Zeit über nicht wirklich geliebt gefühlt habe.
Ich hatte das Gefühl, mich gut benehmen zu müssen, viele Dinge gut und richtig machen zu müssen und wenig falsch machen zu dürfen, damit ich geliebt werde bzw. Anerkennung und Lob von meinen Eltern bekomme.

Dass ich introvertiert, sensibel und eher vorsichtig bin, hat aber sicherlich auch genetische Hintergründe - das allein ist ja auch nicht schlimm.
Nur die übermäßige Angst wird manchmal zum Problem.
Als junger Teenager konnte ich weder alleine zum Arzt, noch irgendwo telefonisch einen Termin machen oder irgendwas klären. In der Schule hatte ich 1 Freundin und hab mich von den anderen meist abgegrenzt - aus Angst in unangenehme Situationen zu kommen. Außerhalb von Schule und Familie hatte ich sowieso keine Kontakte. Feste Hobbys seit der 6. Klasse auch nicht mehr. Körperlich war ich anfällig für trockene Augen (zu viel PC) und Atemwegserkrankungen - krieg auch heute noch schnell Halsschmerzen - hatte auch mal ne Zeit lang chronische Nasennebenhöhlenentzündung - als die wieder weg war, war ich frustriert, weil ich immer noch nicht wirklich fit war, mich oft angeschlagen fühlte - aber das war wohl psychosomatisch (Depressionen).

Naja, aber jetzt ist es besser - bin froh endlich erwachsen zu sein - Liebeskummer hab ich überlebt, Fahrschule hab ich überlebt, Abi hab ich überlebt und jetzt hab ich endlich Zeit, Motivation und Ruhe, um mich um meine sozialen Probleme zu kümmern. (Also, was ich damit sagen möchte: Es kann definitiv besser werden.)

Bei wie vielen und was für Psychologen und Ärzten warst du denn bisher ?
Und hast du schon einen Berufswunsch ?
Wovor hast du denn konkret Angst, wenn du daran denkst zur Berufsschule zu gehen ?

Ich hab das Gefühl, dass bei dir so einiges, was dein Innenleben betrifft noch nicht geklärt ist.
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass es sehr frustrierend ist und einen wirklich zur Verzweiflung bringen kann, wenn es einem schlecht geht, man offensichtlich psychische Probleme hat, aber nicht genau weiß, was es ist, woher es kommt und was man dagegen tun kann.

14.06.2013 19:02 • x 1 #2



Noch am Anfang und schon am Ende

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Zitat:
Psychologen sind sich auch nicht ganz sicher weil ich dort relativ gelassen reden kann.

Bei der Psychologin konnte ich auch über vieles reden - dort hat man ja eine recht vertrauenserweckende Atmosphäre.

Eventuell könnten dir auch Medikamente helfen, deine Ängste Schritt für Schritt zu überwinden.
Dazu ist es aber sicherlich sinnvoll erstmal eine konkrete feste Diagnose zu haben.
Und dann müsste man das mit einem Arzt oder Psychiater abklären - bei Ärzten hat man den Vorteil, dass die Wartezeiten dort nicht so lang sind wie bei Psychologen oder Psychiatern oder man auch spontan hingehen kann.
Ich hab persönlich allerdings keine Erfahrungen mit solchen Medikamenten gemacht.
Manche schwören darauf, andere lehnen sie strikt ab.
Viele Medis machen halt abhängig oder brauchen einige Wochen bis sie richtig wirken.
Wie gesagt - wäre eventuell eine Hilfe.

Am wichtigsten ist es aber, aktiv gegen seine Probleme/Ängste vorzugehen und sich damit sachlich auseinander zu setzen (also nicht zu überlegen "Oh Gott, was könnte alles passieren ?" - sondern zu hinterfragen, was man konkret befürchtet, warum man diese Ängste hat und ob es objektiv gesehen berechtigt ist, diese Ängste zu haben. Dazu ist es auch schonmal hilfreich solche "Angst-Gedanken" aufzuschreiben oder anderen zu erzählen.)

Hast du dir auch mal überlegt, was du tun würdest, wenn du diese Ängste nicht hättest und selbstsicher und entspannt durchs Leben gehen würdest ?

14.06.2013 19:28 • x 1 #3


Gideon
Geschwister habe ich. Es sind sogar ganze 5 Stück an der Zahl. Einen Bruder und vier Schwestern.
Meine "jüngste" Schwester ist aber schon 20 Jahre alt und mein großer Bruder ist mit 28 der älteste von meinen Geschwister. Die anderen liegen alle dazwischen. Meine Geschwister und auch meine Mutter sind auch eher zurückhaltend und Menschenscheu, geschafft haben die aber alles was Schule und Ausbildung betrifft (ohne größere Probleme) ... nur bei mir sieht's da nicht so gut aus.
Sind auch alle relativ schnell nach der Ausbildung ausgezogen. Wohnen aber alle noch im Umkreis von wenigen Kilometer.

Wie ich gesagt hab, bin ich sozusagen bei der 2. Station was das ganze mit den Psychologen angeht. Nummer 1 war ein Psychologe wo mein Vater und ich gar nicht mit klar kamen, weil dieser direkt von Anfang an nach dem ersten Gespräch davon ausging dass mein Vater an allem schuld ist weil mir ja alles hinterher getragen wird und ich nichts selber machen muss und so.

Dann bin ich beim SPZ gelandet, wo man mir erst gesagt hat ich soll mal zur Klinik da in Bedburg-Hau gehen und da Hilfe suchen. Nach 2 ambulanten Terminen da wurde mir aber gesagt entweder ne Familientherapie oder gar nichts weil ne stationäre Therapie mir nichts bringen würde.

Woher die Angst kommt weiß ich leider nicht zu 100%. Ich glaube aber auch das sich meine Stimme komisch und kacke anhört und ich so irgendwie bisschen doof rüberkomme... In Angstsituationen fühle ich mich da auch sehr unsicher wegen meiner Stimme.
Sonst wüsste ich jetzt nichts...nur dass ich auch gerne immer andere für mich sprechen lassen habe.

Einen Berufswunsch habe ich so jetzt auch nicht weil ich mir einfach nichts vorstellen kann
wegen der Angst.

Das Leben ohne diese Angst stelle ich mir so vor, dass ich normal die Hauptschule mit einem guten Abschluss verlassen hätte und dann an der Berufschule eine Ausbildung machen würde ohne dabei an sowas wie Sprechangst oder sonst was zu denken. Der Rest hätte sich dann halt entwickelt.
Aber so wie es jetzt ist, ist echt beschissen ;( kein Abschluss in der Tasche, Angst vor alles und jeden....

15.06.2013 01:02 • #4


Zitat von Gideon:
Nummer 1 war ein Psychologe wo mein Vater und ich gar nicht mit klar kamen, weil dieser direkt von Anfang an nach dem ersten Gespräch davon ausging dass mein Vater an allem schuld ist weil mir ja alles hinterher getragen wird und ich nichts selber machen muss und so.

Bei allem Hilfe zu bekommen und nicht wirklich was selber machen zu müssen, kann es einem schon schwer machen die Angst zu überwinden - man muss ja erstmal nicht. Meine Mutter meinte damals auch, dass sie mich früher hätte mehr allein machen lassen sollen. Naja, nur die Ursache des Problems wird sowas sicherlich nicht sein.

Zitat von Gideon:

Nach 2 ambulanten Terminen da wurde mir aber gesagt entweder ne Familientherapie oder gar nichts weil ne stationäre Therapie mir nichts bringen würde.

Und das mit der Familientherapie kommt für dich nicht in Frage ?
Wie wurde das denn begründet, dass dir eine stationäre Therapie nichts bringen würde ?

Zitat von Gideon:

Woher die Angst kommt weiß ich leider nicht zu 100%. Ich glaube aber auch das sich meine Stimme komisch und kacke anhört und ich so irgendwie bisschen doof rüberkomme... In Angstsituationen fühle ich mich da auch sehr unsicher wegen meiner Stimme.
Sonst wüsste ich jetzt nichts...nur dass ich auch gerne immer andere für mich sprechen lassen habe.

Naja, irgendwie musst du ja erstmal auf die Idee gekommen sein, dass sich deine Stimme "komisch und kacke" anhört. Es gibt ja doch viele Leute, die eine auffällige Stimme haben, aber trotzdem selbstbewusst sind und kein Problem damit haben vor und mit anderen Leuten zu sprechen.
Was findest du an deiner Stimme denn so komisch ?

Zitat von Gideon:

Einen Berufswunsch habe ich so jetzt auch nicht weil ich mir einfach nichts vorstellen kann
wegen der Angst.

Hattest du als kleines Kind denn mal einen ?
Und weißt du zumindest was beruflich so gar nicht für dich in Frage kommt ?

Zitat von Gideon:

Aber so wie es jetzt ist, ist echt beschissen ;( kein Abschluss in der Tasche, Angst vor alles und jeden....

Also hast du auch Angst vor bestimmten "Dingen", die nicht direkt was mit Menschen zu tun haben ?

Bei mir ist es ziemlich simpel: Ich habe Angst vor Menschen, Schusswaffen & Menschen mit Schusswaffen^^

15.06.2013 09:01 • x 1 #5


Gideon
Das mit einer Familien-Therapie kommt deshalb nicht in Frage, weil mein Vater der Meinung ist, es sei unsinnig, da es ja um mich geht und nicht um die ganze Familie...
Begründet wurde dass die Therapie nicht das bringen würde, was ich erwarten würde damit, dass ich wenn ich "nur Hause rumgammel" schnell wieder in den Teufelskreis reingeraten würde. Aber ich will doch gar nicht nur Zuhause sein, sondern ich will zur Schule gehen können...

Ja das mit meiner Stimme ist so, ich war fast die letzten 2 Jahre die ich zur Schule ging, der Clown der Klasse. Die Art wie ich irgendwelche Sprüche gerissen habe und mit der Stimme, war halt "lustig". Weiß nicht, ich wurde auch immer gefragt ob ich im Stimmenbruch oder so bin. Klingt auch eben so ein bisschen rauchig und so ^^
Aber gesagt wurde mir, ich hätte eine "normale" Stimme. Sie gehört eben zu mir und man kann da nichts machen.

Dann kann ich wohl auch weiteres dazu sagen und zwar: Mitten im Unterricht irgendwelche Sinnlosen, in Fäkalsprache geklopften Sprüche zu bringen, fällt mir auch nicht sonderlich schwer, auch wenn ich weiß, dass der Lehrer diese hört.
Einmal sagte die Klassenlehrerin auch zu mir: "Würdest du nicht ständig diese dummen Sprüche bringen, wüsste ich gar nicht wie deine Stimme klingt." Oder: "Ich glaube du kommst nur in die Schule, um deine Sprüche loszuwerden."
Aber sobald ich etwas "anständiges, vom Satz er längeres" sagen möchte, geht es irgendwie nicht.

Als Berufswunsch hatte ich als Kind immer dass ich Zweiradmechatroniker oder sowas in der Richtung werden wollte.
Stimmt, jetzt fällt es mir wieder ein^^. Ich bastel gerne an sowas rum .
Was bei mir überhaupt nicht in Frage kommt, sind eben Berufe, wo man viel mit Menschen sprechen/arbeiten muss. Aber wenn ich mir vorstelle, ich hätte dieses Problem mit der Angst nicht, wäre das sicherlich gar nicht schlimm sondern abwechslunsreicher.

Ich habe im Allgemeinen auch Angst vor die Zukunft. Bald nicht mehr Zuhause zu wohnen, mich um alles kümmern zu müssen und all dies. Ich denke aber, wenn ich erstmal gut "Sprechen" kann, ist das wohl auch einfacher oder?

15.06.2013 14:45 • #6


Dein Vater scheint sofort alles abzublocken, sobald es bei deinem Problem auch irgendwie um ihn geht? Das ist schade. Oft ist es wichtig auch Familienangehörige mit in die Therapie ein zu beziehen. Es geht ja nicht darum deinem Vater irgendwelche Vorwürfe zu machen.

Dein Vater scheint allerdings ein wichtiges Thema bei dir zu sein. Er redet für dich. Entscheidet welche Therapie die richtige ist. Und du schreibst du hättest Angst alleine zu wohnen. Vielleicht solltest du lernen etwas selbstständiger zu werden und dich von deinen Eltern abzunabeln. Du musst ja nicht direkt zuhause auaziehen. Aber mal eigene Entscheidungen treffen und dir eine eigene Meinung bilden. Etwasnicht nur deshalb abzulehnen, weil dein Vater es nicht gut findet. Ich lese hier nämlich viele Dinge wie: Der Psychologe erschien uns nicht geheuer oder die Therapie ist nicht die richtige, weil mein Vater das sagt.

LG

15.06.2013 14:56 • x 1 #7


Zitat von Gideon:
Das mit einer Familien-Therapie kommt deshalb nicht in Frage, weil mein Vater der Meinung ist, es sei unsinnig, da es ja um mich geht und nicht um die ganze Familie...
Begründet wurde dass die Therapie nicht das bringen würde, was ich erwarten würde damit, dass ich wenn ich "nur Hause rumgammel" schnell wieder in den Teufelskreis reingeraten würde. Aber ich will doch gar nicht nur Zuhause sein, sondern ich will zur Schule gehen können...
[...]
Ich habe im Allgemeinen auch Angst vor die Zukunft. Bald nicht mehr Zuhause zu wohnen, mich um alles kümmern zu müssen und all dies. Ich denke aber, wenn ich erstmal gut "Sprechen" kann, ist das wohl auch einfacher oder?

Naja, es hat schon seine Gründe, warum man so eine Familientherapie vorschlägt. Dass es da erstmal heißt "es geht doch um dich und nicht um die Familie" ist wohl typisch.
Allerdings sind deine Probleme scheinbar nicht unabhängig von deinem Familienleben. Du schreibst ja, dass deine Geschwister vom Temperament her ähnlich sind wie du. Wie ist das bei deinen Eltern ?
Naja, nur wenn der Rest der Familie nicht möchte, kann man natürlich auch keine Familientherapie machen.

Also ich denke, am Sprechen allein kann man deine Probleme nicht festmachen.
Dann müsstest du ja im Grunde nur lernen einfach zu sprechen - egal was ist.
Aber ich denke mal, dahinter verbergen sich so einige Ängste bzw. Angstgedanken, die man nicht von jetzt auf gleich "wegradieren" kann - aber das ist dir wahrscheinlich bewusst.

Ich hatte auch Angst, bald selbstständig sein zu müssen, während ich wusste, dass ich das noch nicht kann.
Aber mittlerweile freu ich mich schon darauf, mal auszuziehen, mein eigenes "Reich" zu haben und in viel mehr Bereichen meine eigenen Entscheidungen treffen zu können.
Nur das finanzielle wird mich wohl noch ne Zeit lang davon abhalten ...
Aber wenn man Arzt-, Bank- und Behördenbesuche alleine hinbekommt, ist das schonmal ein großer Vorteil in Sachen "Selbstständigkeit".
So richtig selbstständig kannst du natürlich erst mit 18 werden - vorher brauchst du für vieles ja noch die Zustimmung/Unterschrift deiner Eltern.

16.06.2013 08:54 • x 1 #8


Gideon
Nun ja, Irgendwie glaub ich, auch hier kann mir nicht so wirklich geholfen werden. Schade^^.
Man kann es ja auch nicht wegzaubern...

Also bei meinen Eltern ist es so, mein Vater managt alles was mit Terminen etc. zu tun hat und hat überhaupt keine Angst den Mund aufzumachen. Eher im Gegenteil, er redet gerne und viel.
Meine Mutter ist fast genauso wie ich, nur, sie hat gelernt damit zu leben, wie sie meint. Wenn sie allerdings muss, dann spricht sie natürlich. Geschafft hat sie auch alles, was sie wollte.

Ich hab jetzt allerdings auch mal wieder was "unternommen" und zwar habe ich einen Freund, mit dem ich in der Grundschule sehr gut befreundet war nach vielen Jahren (ich glaube es waren so 4 Jahre^^) besucht. Er schrieb mich auf fb an und er meinte ich soll ma vorbei kommen um zusammen mit ihm zu rappen, damit das vielleicht was an meiner Angst runterschraubt Ein Probetraining im Fitnesstudio habe ich auch geschafft!
Jetzt mal gucken, wie es weitergeht.

Kann mir denn keiner Tipps geben, wie ich es besser anstelle bevor ich irgendwo hingeh nicht so viel überlegen muss und dann Angst bekomme?

19.06.2013 21:38 • #9


Deine neuesten Unternehmungen sind ja schonmal ein Schritt in die richtige Richtung

Zitat:
Kann mir denn keiner Tipps geben, wie ich es besser anstelle bevor ich irgendwo hingeh nicht so viel überlegen muss und dann Angst bekomme?

Konzentriere dich auf die konkrete Sache, die du machst bzw. vor hast zu tun und kümmere dich nicht darum, was andere denken oder denken könnten.
Wenn man mal Fehler macht, ist das keine große Sache (solange es nichts böswilliges ist).
Die meiste Zeit über denken andere Menschen über sich selbst nach und insgesamt weniger über ihre Mitmenschen.
Wenn es nur um Gespräche geht, könntest du dir ja ein paar konkrete Fragen stellen und beantworten wie etwa:
Was will ich ?
Was will ich nicht ?
Was ist mir wichtig ?
Was interessiert mich ?
Welche Meinung habe ich zu dem und dem Thema ?

Dabei sollte die Angst erstmal keine Rolle spielen.
(Also zu denken "das würde ich schon gerne machen - aber nein, kann ich gleich vergessen, funktioniert eh nicht - wegen meiner Angst" bringt einen nicht weiter)

Und manchmal hilft es vllt sich bewusst zu machen, dass es vielen anderen ähnlich geht.
Hast du dich hier im Forum mal umgeschaut, was andere Betroffene so über ihre Probleme schreiben ?

20.06.2013 23:06 • x 1 #10


Hallo, Gideon.
Dein bisheriger Werdegang unterscheidet sich stark von meinem (was das Verhalten als Kind betrifft und die Art, wie Erwachsene es interpretiert haben) und dennoch scheinen wir gerade am selben Punkt angekommen zu sein. Ich bin 18 und kann deine Situation sehr gut nachvollziehen. Die Psyche verhindert, auch nur ins Leben zu starten. Und das Szenario mit der Kommunikation via Cam beziehungsweise Mic ist mir so schrecklich bekannt, dass auf eine unschöne Art schon fast wieder amüsant ist. Ich kann noch nicht einmal mit den Freundinnen, die ich eigentlich recht gut kenne und mit denen ich unwahrscheinlich gern schreibe, per skype oder dergleichen reden. Also wir haben es versucht, aber naja, es lief darauf hinaus, dass meine Gesprächspartnerin, nun ja, sprach, während ich ab und an mal etwas geschrieben habe, damit sie weiß, dass ich auch zuhöre. (Wie eine weitere Bekannte es mal so süß formulierte: I'm talking at you!) Skurril. Ich bin froh, dass man mich mancherorts so akzeptiert, aber es kann eben nicht auf diese Weise weitergehen, nicht beruflich und auch generell im Alltag.
Zu der Problematik mit dem 'beim Psychologen/Arzt oder bei manchen Personen offener reden können': Jap. Genau das ist es. Niemand scheint so ganz durchzublicken, da es ja echt diese Situationen gibt, in denen man auf einmal ungewöhnlich viel von sich preisgeben kann und auch so gut wie kein Problem mehr damit hat, frei zu sprechen. Ich habe bei mir beobachtet, dass das hauptsächlich dann der Fall ist, wenn das Gespräch meine 'Karriere' (haha) nicht beeinflussen kann. Also wann immer ich mich in einer Situation fühlte, in der ich bewertet werden könnte und in der mein Verhalten oder meine Aussagen sich irgendwie auf meine schulische beziehungsweise später berufliche Laufbahn auswirken könnten, ging eben nichts mehr.
Derzeitige Lage: Ich habe mein Abitur zu gut geschafft, als dass es in das Schema des phobischen Sich-vor-der-Schule-Drückers passt und der Neurologe schaut mich nur mit diesem zweifelnden Blick an. Ja, schön und gut, ich mag meine Prüfungen bestanden haben, aber wie denn bitte? Vor der dritten schriftlichen Prüfung habe ich eine Woche lang täglich Panik durchlebt, bin zum Arzt, musste ins Krankenhaus. Ich dachte, jetzt spätestens wäre alles vorbei und ich könne doch direkt sterben. Und was ist passiert? Um 3.75 Punkte darf der Schüler von seiner Vorbenotung abrutschen, bei mir waren es 3. Ganz knapp geschafft, ansonsten wäre die Nachprüfung gekommen.
In der mündlichen Psychologieprüfung musste ich irgendwann lachen, weil ich mir sicher war, die Lehrer lachen sich innerlich auch einen Ar. ab (Sorry, falls das als Verstoß gegen die Forenregeln gilt, einfach korrigieren) und ich habe solch eine Angst gehabt, dass mir die einfachsten Sachen entfallen sind. Sieben Theorien zum Luzifereffekt und dergleichen - Pu., alles weg. Und das war Stoff der zehnten Klasse? Peinlich, peinlich. Wann immer ich versucht habe, zu lernen, stieg in mir wieder Angst auf, sodass ich mir meinen Abschluss wirklich nicht im schulischen Sinne erarbeitet habe, sondern lediglich irgendwie durchgehalten hab, ab und an mal hingegangen bin und, sodenn ich mich in der Verfassung sah, in den Klausuren rumanalysiert hab, als hätt ich sonst keine Probleme.
Jetzt bange ich um einen Studienplatz, habe eine schei. Angst, dass ich abgelehnt werde. Und mal ehrlich: selbst wenn ich einen Platz bekomme, so bedeutete dies: Umzug, alleine wohnen, Selbstständigkeit. Ich und auf mich allein gestellt? Das kann ja heiter werden.
Ich weiß nicht, welchen Rat ich dir gerade geben soll, mir fällt selbst zurzeit nichts ein, was uns weiterhelfen könnte. Ich dachte nur, ich lasse dich wissen, dass du damit nicht allein bist. Wenn hier irgendwer helfen kann - wär super.
Liebe Grüße an alle

27.06.2013 13:06 • x 1 #11


Zitat von Saltatio:

Und was ist passiert? Um 3.75 Punkte darf der Schüler von seiner Vorbenotung abrutschen, bei mir waren es 3. Ganz knapp geschafft, ansonsten wäre die Nachprüfung gekommen.

Ich musste 2 Nachprüfungen machen ^^
Dadurch hat sich mein Schnitt wieder verschlechtert (auf jetzt 2,3) - hätte in den Nachprüfungen einen Punkt mehr gebraucht, um die 2,2 zu halten - aber was soll´s ?^^ 2 zusätzliche mündliche Prüfungen sind zwar echt stressig, aber auch ne super Übung

Ich hoffe jetzt auch darauf, einen Studienplatz zu bekommen.
Könnte dann allerdings Zuhause wohnen bleiben - hab mich nur in der unmittelbaren Umgebung an 3 Unis beworben

30.06.2013 15:52 • #12



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