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Schön guten Tag!

Ich heisse Antal, bin 40 Jahre alt, lebe in Budapest/Ungarn und kämpfe schon seit etwa 15 Jahren mit der Panikkrankheit.
Ich habe folgende Probleme: Ich habe Angst vor Reisen, also die üblichen Symptome. Nervosität, Herzrasen, Schwitzen, Bauchschmerzen. Ich muss dann meistens dringend auf die Toilette. Genau deswegen habe ich ja Angst, was ist wenn wir in Stau geraten? Was ist wenn es keine Toilette in der Gegend gibt? Bislang ist zwar nichts schlimmes passiert, aber die Angst ist ja trotzdem da. Aber das kennt ihr wahrscheinlich alle.
Führerschein habe ich nicht, zum Glück kann ich zu Fuss zu Arbeit, das dauert nur 10 Minuten. Bin schon seit vielen Jahren nicht mehr Bus, S-Bahn, U-Bahn oder Zug gefahren.
Vor einem Monat bin ich mit paar Kollegen 300 km gefahren, da musste ich aber vor dem Fahrt ein Beruhingungspille nehmen und etwas Schnap. und B. trinken. Auf diese Art kann ich meine Ängste mindern. Ich weiss, keine gute Lösung.
Auf der Arbeit habe ich ziemlich viel Stress, und jetzt kommt's.......
Ich habe jetzt die Möglichkeit bekommen in Österreich zu arbeiten. Ich Idiot sagte sofort zu und habe hier auch gleich gekündigt. Jetzt wache ich jeden Tag mit Panikattacken auf. Mein Chef sagte zwar dass wenn es in Österreich nicht klappen sollte, dann kann ich wieder zurück, aber trotzdem habe ich jetzt ein riesen Angst. Was erwartet mich dort? Was ist wenn dort meine Panikattacken noch stärker werden? Und vor allem wie komme ich jetzt dahin?
Zeit zum Therapie zu gehen habe ich jetzt nicht mehr. Bin auch nicht in ärtzlichen Behandlung.

Es ist schon ein lang gepflegter Traum von mir in Deutschland oder Österreich zu arbeiten und jetzt habe ich total Angst und denke ich schaffe es nicht. Was würdet ihr an meine Stelle machen?

Vielen Dank schon mal für euere Antworten!

Schöne Grüsse,
Antal

01.05.2014 08:25 • 02.05.2014 #1


4 Antworten ↓


Hallo, da ist es schwer einen Ratschlag zu geben. Die Panik wird sich von jetzt auf gleich nicht verflüchtigen. Medikamente und Alk. sind ansolut keine Lösung so wie du sie benutzt hast. Medikamente ja, aber geziehlt vom Arzt verordnet. Wenn du mit dem Zug nach Östereich fährst ist die Toilette ja vorhanden. Wie es dann dort wird, bei der Arbeit etc. ist fraglich. Vielleicht solltest du dich dort in therapeutische Betreuung begeben was du eventl. schon von zu Hause einleiten könntest.

01.05.2014 11:25 • #2



Mit 40 neu anfangen?

x 3


Hallo Antal,

ich würde an deiner Stelle mal alles Positive aufschreiben.
Hast du vielleicht auch schon einmal erlebt, daß die Angst, wenn du irgendwo angekommen bist
nachläßt oder auch verschwindet?
Dann brauchst du schon mal keine Angst zu haben dort, also in Östereich zu sein.
Dann hast du "nur" noch die Angst vor der Fahrt zu bewältigen.

Eine Bekannte von mir hat auch eine Angst, keine Toilette zu finden (durfte als kleines Mädchen
einmal nicht die Klasse verlassen, als sie zur Toilette mußte). Sie zieht sich heut eine Windel für
Erwachsene an, die Angst ist dann weg und sie muß auch garnicht mehr zur Toilette.
Es hört sich lustig an aber wenn es hilft.
Ich kann seit Jahren nicht mehr in Urlaub. Wenn ich einfach nur ne Windel anziehen könnte
für die Strecke und mir damit geholfen wäre - ich würde das tun.

Ich glaube eine Arbeit in Österreich ist wie ein sechser im Lotto für dich. Ich würde wohl die Pille
und das B., mit sammt der Windel wählen, nach Österreich fahren und feststellen, daß dort die
Welt wieder in Ordnung ist.

Dann gibt es noch einen "Anti-Panikpunkt":
An der rechten Hand, in der Mitte der Handfläche.
Bei Unruhe mit dem linken Daumen die Mitte der rechten Handfläche kräftig massieren.
Bei Panik mit dem linken Daumen (evtl. Daumennagel) dort reindrücken, ganz fest.
Die Panik sollte nach ein paar Sekunden, halbe Minute verschwinden.
Versuchs mal. Bei mir hilft das immer.

Dann weißt du ja, daß keine Panik für Dauer ist. Der Körper ist nicht in der Lage eine Panik
ewig aufrecht zu erhalten. Dazu hat er nicht genügend Chemie.
Somit weißt du also, daß selbst wenn du in Panik geraten solltest, diese irgend wann ...
keine Ahnung, meine längste war 45 Min., wieder nachläßt und weg ist.
Eine meiner ersten Panikatacken hatte ich in einem Bergwerk. So eines,
wo man in die Tiefe rutschen kann. Ich hatte 45 Min. Dauerpanik, dann war sie wie
weggezaubert. Ich fühlte mich in 1,5 km Tiefe wohl, sicher und geborgen, so wie das früher
bei mir war und sie kam auch nicht wieder, so lange ich in diesem Berg war.

Du weißt also, daß du keine Panik hast, bis du in Österreich bist, solange du dort arbeitest und
bis du wieder nachhause kommst, sondern bestenfallst 45 Min. oder wie lange das eben so dauert.

Schreib dir mal all die positiven Dinge auf.
Schreib dir auch die negativen auf und über lege dir, ob die negativen tatsächlich realistisch sind
oder ob du sie vielleicht übertrieben siehst.

Und wie Mattes geschrieben hat: suche dir einen Verhaltenstherapeuten.
Ich bin von EMDR überzeugt. Davon habe ich hier auch schon geschrieben, ich will das nun nicht
wiederholen aber so simpel diese Methode ist, so gut funkrioniert sie bei mir.

Das kannst du ja mal googeln (EMDRIA heißt der Dachverband in Deutschland da gibts auch Therapeuten zu finden)

Viel Glück und wenn du das schaffst, erzähle uns davon!

lilu

01.05.2014 18:47 • #3


Vielen Dank für die netten Antworten!

Zitat von lilu48:
Hast du vielleicht auch schon einmal erlebt, daß die Angst, wenn du irgendwo angekommen bist nachläßt oder auch verschwindet?


Ja, meistens wenn ich an Orten bin wo ich mich auskenne. Dann fühle ich mich in Sicherheit.

Zitat:
Dann brauchst du schon mal keine Angst zu haben dort, also in Östereich zu sein.
Dann hast du "nur" noch die Angst vor der Fahrt zu bewältigen.


Ich denke schon dass ich dann etwas erleichtert wäre wenn ich dort angekommen bin.

Zitat:
Windel


Toiletten gibt es doch in den Zügen und die Railjet Züge sehen ja sowieso super aus. Trotzdem habe ich irgendwie Angst. Da wäre ich ja 6 Stunden lang eingeschlossen.

Zitat:
Ich glaube eine Arbeit in Österreich ist wie ein sechser im Lotto für dich. Ich würde wohl die Pille und das B., mit sammt der Windel wählen, nach Österreich fahren und feststellen, daß dort die Welt wieder in Ordnung ist.


Ja, würd eich auch so machen, wenn es nur so einfach wäre......

Zitat:
Dann gibt es noch einen "Anti-Panikpunkt":


Vielen Dank für den Tipp!
Werde ich ganz sicher ausprobieren.

Natürlich halte euch am laufenden und bitte drückt mir die Daumen!

Schöne Grüsse,
Antal

01.05.2014 21:30 • #4


Zitat:
Schreib dir mal all die positiven Dinge auf.
Schreib dir auch die negativen auf und über lege dir, ob die negativen tatsächlich realistisch sind oder ob du sie vielleicht übertrieben siehst.


Das habe ich jetzt getan......

Ungarn

Positiv
Hier fühle ich mich Zuhause und in Sicherheit
Auch wenn ich nicht wegfahren kann, in meine nahe Umgebung kenne ich mich gut aus
Ich miete eine sehr schöne Wohnung was ich eingerichtet habe und die Vermieterin ist sehr nett

Negativ
Ich verdiene wenig, reicht nur für die Miete, Nebenkosten
Mein Vorgesetzer brüllt mich jeden Tag wegen Kleinigkeiten an
Ich muss alleine Arbeit verrichten was wir vor paar Jahren noch zu dritt gemacht haben
Kein Urlaubs- und kein Weihnachtsgeld
War zwar noch nie krank geschrieben, aber sollte ich mal krank sein verdiene ich nichts
Ist zwar noch lange bis dahin, aber Rente würde ich vielleicht 2-300 Euro bekommen

Österreich

Positiv
Würde besser verdienen
Urlaubs- und Weihnachtsgeld
Bekomme Unterkunft und täglich dreimal Essen, auch wenn ich gerade frei habe
Darf Fitnessraum benutzen
Gegend ist wunderschön (Saalfelden)
Die Chefin scheint nett zu sein (wir haben zweimal miteinander telefoniert)

Negativ
Zu viele offene Fragen.......
Kenne die Gegend nicht
Weiss nicht ob ich mich dort wohl fühlen würde
Weiss nicht wie anstrengend die Arbeit ist
Weiss nicht wie die Kollegen sind

02.05.2014 06:27 • #5




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