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Ich bin hier schon lange nicht mehr aktiv, da ich mittlerweile mit meiner Angstsymptomatik sehr gut leben kann. Ich möchte auch nicht meine komplette Story niederschreiben, dennoch möchte ich hier was aufschreiben, von dem andere vielleicht auch profitieren können. Ich war der typische Angstpatient, habe nach Alk. und Dro. gelegentlich PAs bekommen, die ich nicht zuordnen konnte. Wie die meißten von uns dachte ich an einen nahenden Herzinfarkt, es folgten Krankenhausaufenthalte und etliche Arztbesuche, ohne Ergebnis. Nach einigen PAs im Flugzeug und an öffentlichen Plätzen begann das typische Vermeidungsverhalten, ich konnte mich nicht an eine Supermarktkasse stellen, zur Arbeit gehen oder gar das Haus überhaupt verlassen. Danach begann ich eine medikamentöse Therapie, konnte wieder zur Arbeit, einkaufen etc.. Alles schön und gut, aber das grundlegende Problem wird nicht gelöst, nämlich mit diesem starken Angstgefühl umzugehen. Genau dasselbe mit anderen Gefühlen, Wut, Liebe, Hass. All das wird gedämpft und ich hatte das Gefühl dass etwas fehlt. Etwas sehr wichtiges. Und gerade darum haben bei mir letztlich nur „extreme“ Angstsituationen geholfen, z.B. alleine Flugzeug zu fliegen in ein anderes Land, dessen Sprache ich auch nicht beherrsche, oder im 20. Stock eines Hotels zu wohnen da ich extreme Höhenangst habe. Auf was ich hinaus will ist, dass MIR nur die knallharte Konfrontation geholfen hat, ohne Sicherheiten, wie eine Begleitperson oder ähnliches. Um ehrlich zu sein, natürlich ist diese Art der „Therapie“ sehr kraftaufwändig, da man dort wirklich keine Fluchtmöglichkeit hat und dadurch die Symptome sehr stark ansteigen. Aber nur so merkt man, wie es einem nach einiger Zeit wieder besser geht und man merkt, dass man im Flugzeug auch ruhig sitzen und den Flug genießen kann, auch wenn man noch schweißgebadet von den ersten 30 Minuten ist. Die Angst GEHT WEG, und zwar weil man genau weiß, dass man z.B. nicht mehr aus dem Flugzeug in der Luft aussteigen kann und sich der Körper dran gewöhnt. Das dauert zwar etwas und es ist extremst unangenehm, doch wenn die Panik einmal abnimmt, kommt der AHA Effekt, auf den ich 2 Jahre warten musste, weil ich immer gesagt habe „ich muss bereit sein dafür, ich schaff das noch nicht“. Man kann sich auf so was nicht vorbereiten, man muss ins kalte Wasser springen. Natürlich ist es wichtig sich mit Therapeuten abzusprechen, aber nur solang es nötig ist. Vergeudet nicht eure Zeit wie ich es getan habe, Monate drauf zu warten bis man sich „bereit“ fühlt sich der Angst auszusetzen. Es kommt kein „Jetzt ist es soweit“ Effekt, sondern einfach rein in das Flugzeug / die Bahn / das Auto und 2000 km wegfahren von zu Hause! Ziel eines JEDEN sollte es sein, sich nicht therapieren zu lassen bis die Angst weg ist, sondern sich gezielt der Angst auszusetzen! Denn Angst ist etwas sehr wichtiges und genauso ein Gefühl wie Liebe oder Vertrauen. Unterdrückt NIEMALS eure Gefühle, insbesondere auch die Angst nicht, sonst geht euch ein wertvoller Teil eures Ichs verloren. In diesem Sinne wünsche ich euch allen viel Glück und Kraft!

12.04.2011 12:05 • 13.04.2011 #1


2 Antworten ↓


TOLLER BEITRAG !! .

.. und du hast mit allem so recht, was du schreibst! Super, dass du es geschafft hast, aber zu dieser Art der Therapie haben nicht alle den Mut; mir hat auch nur die Konfrontation und der Glaube an mich, dass ich es aushalten und schaffen werde bislang geholfen; Autofahren und Fliegen ist jedoch noch nicht angesagt - ABER ich habe mir schon eine Flug für Ende Juni gebucht

Liebe Grüsse
Maja

12.04.2011 14:30 • #2


Bewundernswert, wie du das geschafft hast!
Alleine solche Strecken, auch noch mit dem Flieger, zurückzulegen....

Leider hätte ich im Moment auch nicht den Mut dazu mich so dermassen zu konfrontieren...aber es ist super toll, wie du das geschafft hast!

Lg,alxis

13.04.2011 09:44 • #3




Dr. Hans Morschitzky