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Hallo allerseits !

Vorweg: Es wurde deutlich länger als geplant, ich entschuldige. Wer eine Kurzgeschichte lesen möchte, darf gerne weiterlesen

Ich habe schon die ein oder andere Nacht bis zur Erschöpfung als stiller Leser in diesem Forum verbracht. Irgendwie haben mich die Erfahrungsberichte von euch allen beruhigt. "Danke" dafür - Das Forum hilft mir jetzt schon.

Kurz zu mir: 24, Student, sportlich und offener Mensch, gute Freunde (die auch von meiner Angst wissen), Hypochondrisch veranlagt, Freundin seit Jahren und trotzdem seit nun über 7 Monaten täglich Sorge, Angst, Schlaflose Nächte ... Ihr kennt es.

Anfang:

Meine Freundin empfahl mir irgendwann mal wieder Blut abnehmen zu lassen. Ich habe einfach Angst davor, aber einen sehr emphatischen Hausarzt und habe irgendwann einen Termin machen lassen. (War 12 Jahre (!) lang kein Blut mehr abnehmen). Ihm gleich gesagt, dass ich einfach in letzter Zeit wahnsinnige Angst habe, etwas zu haben. Vor allem das in dem großen Blutbild rauskommt, dass ich Krebs (Auch wenn das eh nicht überprüft wird) oder irgendetwas schlimmes zu finden ist.

Er sofort persönlich Blut abgenommen - 3 Tage später der Anruf: Spitzen Werte. Alles ist optimal - Keine Auffälligkeiten. (Ich war die 3 Tage ein nervliches Wrack. Habe mir den ganzen Tag Sorgen über "den Anruf" gemacht ("Bitte kommen Sie in die Praxis, etwas stimmt nicht" ...)

Ich trainiere seit Jahren als Hobby Selbstverteidigung (WingChun) und bin nun auch kurz davor mit meinem besten Kumpel 2 Schulen zum großen Teil alleine zu Leiten, in der wir schon sehr lange als Assistenzlehrer aushelfen. Ich habe teilweise 5-6 Tage in der Woche mehrere Stunden trainiert und bin / war vollkommen in der Kriegskunst aufgegangen. Ich war absolut ausgeglichen und konnte mich mehr als nur bis zur Grenze in diesem Stil auspowern.

Ein paar Tage nach dem Blutabnehmen wieder im Training gewesen - Plötzlich fing es an. Ehrlich gesagt schon davor in der Stunde zu Hause - Ich bekam irgendwie schlecht Luft. Im Training, während ich auch oft Dinge erkläre und gleichzeitig erläutere, also viel am reden war, wurde es immer schlimmer.

Panikkreislauf beginnt - Die Gedanken "Ich falle gleich um. Ich ersticke" rissen mich in den Teufelskreislauf.
Meinem Kumpel gesagt ich muss mich auf die Bank setzen und ausruhen. Eine Freundin, die auch eine Schülerin von mir ist, macht gerade Ihren Master in Psychologie. Ich bat Sie zur Seite und erzählte ihr, dass ich gerade Todesangst habe. Ich fing sofort an zu weinen und zitterte überall. Mir wurde noch schlechter und ich war einfach total fertig.

Mitte:

Daraufhin wieder zu meinem Hausarzt. Ihm das erzählt: Er hat sofort den Sauerstoffgehalt gemessen (99%), einen Lungenfunktionstest gemacht (Alles o.k.) mein Herz abgehört und ein etwa 10 minütiges EKG gemacht. Ich hatte vor und während der Prozedur einfach nur Angst. Sicherlich einen Blutdruck von über 200/1xx gehabt. Ich bekomme da einfach Panik.

Aber: A-L-L-E-S O-K.

Meine Freundin hat eine tolle Psychologin im Freundeskreis ihrer Eltern und auch mein Hausarzt diagnostizierte:

(Generalisierte) Angststörung.

Der Jährliche Urlaub stand an. 3 Wochen Atlantikküste Surfen & Campen.
Es war für mich der Horror. Ich hatte davor nur eine kurze Stunde bei der Psychologin, in der ich auch nonstop weinte und Angst davor hatte, zu sterben. Herzinfarkt, umfallen. Einfach so.

Nach dem Urlaub wöchentliche Sitzungen bei der Psychologin gehabt. Ich zahle das Privat, da sie keine Staatlich anerkannte ist - Jedoch Medizin studierte, in der Herzchirurgie arbeitete, und andere Psychologen ausbildet. Kompetent - In meinen Augen. Und ich fühle mich dort wohl.

Inzwischen kann ich meinen Alltag einigermaßen handlen.

Jetzt:

Ich traue mich kaum noch ins Training, mache so gut wie keinen Sport mehr (Schonhaltung) und mache mir am Tag 8-10 Stunden einfach nur Sorgen. Ich reagiere ständig auf überreize meines Körpers (Brust sticht, Linker arm Sticht, Unruhe in der Brust (es fühlt sich immer an als würde es Knistern (könnte aber auch nur der Magen sein)).

Ich hatte vor meiner PA natürlich nicht einmal solche Symptome - Es ist psychosomatisch. Mein Herz wurde als Teenager mal via. Ultraschall überprüft und auch für organisch vollkommen in Ordnung erklärt.

Dennoch vergeht kein Tag ohne Angst. Im Moment habe ich oft Kreislaufprobleme - meine Hände sind schweißig, ich bin nicht mehr in der Lage in einer Angstsituation einen klaren Kopf zu bekommen. Ich denke nicht mehr rational und kann mich einfach nicht aus dieser Phase raus-pushen.

Ich hatte Phasen in der ging es 5-6 Wochen ohne größere Probleme, und dann passiert irgendetwas während dem Autofahren oder auf dem Weg durch die Stadt und ich falle sofort in eine Angststarre und fokussiere mich nur noch auf "was wird jetzt passieren".

Ich weiß gerade nicht, was für eine Antwort oder Reaktion ich hier erwarte - Vielleicht ein "kenne ich" oder "hast du schon mal xy versucht". Ich weiß, dass ich euch gerade einfach nur in Kurzform meine letzten 7 Monate niedergeschrieben habe,

jedoch würde ich mich sehr freuen, wenn sich Gleichgesinnte einfach mal dazu äußern könnten. Erkennt ihr etwas wieder? Was hat euch besonders geholfen? Bücher? Ablaufmuster oder Entspannungstherapien?

Im Moment macht mir einfach immer wieder mein Herz sorgen. Teilweise kann ich nicht schlafen weil ich diesen Kloß im Hals habe und schaffe es dann nur aufgrund meiner Erschöpfung - Konfrontationen machen mir nur mehr Angst - Am liebsten würde ich mein Herz nochmal via. Ultraschall checken lassen und mir von einem Kardiologen bestätigen lassen, dass wirklich alles Okay ist. Paradox einfach - Ich war schon immer sportlich, kein Übergewicht, Jahrelang täglich sehr anstrengend trainiert - Das entspricht jetzt keinem Ausdauersport, der das Herz wirklich langsam stärkt und aufbaut - Aber immerhin bewege ich mich viel und Power mich aus. Ich rauche nicht, meine Familie hat keine Krankheiten die Erbbar wären - Genetisch also überhaupt kein Risikopatient.

Aber ich weiß ja, dass es psychisch bedingt ist. Und ich habe Angst davor, dass ich zukünftige Dinge nicht mehr meistern kann. Beispielsweiße hatte ich heute eine Prüfung und mir wurde dabei einfach so übel und ich hatte Angst, umzufallen. Es schneidet also trotz 7 Monaten (Obgleich hier viele seit Jahren diese Tortur erleben müssen.. Das tut mir leid)) schon so hart in den Alltag. Schrecklich.

Liebe Grüße jedenfalls an euch - Falls sich hier jemand wiederfindet. Wir können gerne mal darüber reden.

- Max

26.02.2015 00:29 • 26.02.2015 #1


3 Antworten ↓


Hotin
Hallo MrParadox,

wenn Du das willst und bereit bist, über Ängste und ihre Auswirkungen
einiges Neues zu lernen, werden Deine Angstgefühle sicher bald wieder
schwächer. Hast Du deine Gefühle (also Deine Ängste) früher nicht so bewusst
wahrgenommen?

Zitat:
Ich war absolut ausgeglichen und konnte mich mehr als nur bis zur Grenze in diesem Stil auspowern.


Bist Du da wirklich von überzeugt, früher absolut ausgeglichen gewesen zu sein?
Ich habe da meine Zweifel. Einige starke Ängste hattest Du doch schon bevor sie Dich richtig belastet haben.

Kann es sein, das Du vor Deiner Ängsten (Gefühlen) in die Knie gehst, weil Du
nicht gewohnt bist, Deine Gefühle zu spüren und zu akzeptieren, dass sie eventuell
auch mal etwas anderes wollen, als das, was Du tust?

Viel Grüße

Hotin

26.02.2015 01:57 • #2



Mein 1 Thread - Panikattacken, Angststörung, Unruhe

x 3


Hi Hotin,

vielen Dank für deine Antwort. Jetzt wo du es ansprichst, war ich sicherlich nicht vollkommen ausgeglichen. Vielleicht war ich damals einfach besser abgelenkt als ich es heute bin.

Ich habe mir schon immer intensiv über (meine) Krankheiten sorgen gemacht - Vielleicht kam ich so auch zur Selbstverteidigung, weil ich mich innerlich schutzlos fühle.

Im Moment verunsichern mich einfach meine körperlichen Symptome - Auch wenn diese wahrscheinlich keine organische Ursache haben - mit denen ich nicht umgehen kann.

Mir fällt einfach auf, dass ich in letzter Zeit nach einem Symptom nicht mehr aufhören kann, es zwanghaft zu bewerten. So erschließt sich so langsam das Gefühl, dass ich körperlich nicht mehr in der Lage wäre, etwas zu tun. Schon komisch.

Ich denke mal darüber nach und lese weitere Erfahrungsberichte hier im Forum. - Vielleicht fällt mir ja noch etwas ein.

VG

26.02.2015 20:45 • x 1 #3


Icefalki
Mr.Paradox,

Du stehst jetzt erst am Beginn deiner angsterkrankung. Was du sehr gut gemacht hast, ist dir sofort Hilfe zu holen.

Der Weg ist relativ lang, den man gehen muss. In der Therapie wirst du die Hintergründe deiner angsterkrankung entdecken und aufarbeiten müssen. Die Angst ist nur das Symptom.
Aber keine Angst, es ist zu lösen. Wichtig ist auch, es zu wollen. Wenn du in dein inneres schauen kannst, das akzeptierst, was du vorfindest, kommst du wieder raus. Leicht ist es nicht.

26.02.2015 23:25 • #4




Dr. Reinhard Pichler