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Hallo!

Vor ein paar Jahren bin ich an der Panikstörung erkrankt. Mit einer Therapie und Geduld habe ich mich wieder aufgerappelt, und es ging mir wieder gut. Zwei Jahre war ich völlig frei von Panik. Seit Mitte 2010 meldet sich die Panik hin und wieder, bisher bekam ich es immer gut in den Griff nach ein paar Tagen. Dieses Mal ist ein bisschen anders. Die Attacke hängt mir sehr nach, und aus der Erwartung heraus hab ich jetzt wieder täglich Angst.
War jemand schon länger beschwerdefrei und hat hin und wieder Attacken? Wie geht ihr damit um?
In meinem Leben hat sich nichts entscheidend verändert, so dass ich sagen könnte es gibt einen Auslöser. Könnt ihr mir was raten?

22.11.2011 23:03 • 10.01.2012 #1


18 Antworten ↓


ja, ich ich hab das jetzt schon viele jahre.wusste aber früher nicht, dass es agoraphobie ist.dachte immer es wäre was organisches.
seit 4 jahren weiß ich es jetzt.
ein jahr hab ich mich damit rumgeschlagen u mich mit medis zugedröhnt. dann bin ich 3 monate in eine klinik mit angststation.
danach war ich 2 jahre komplett angstfrei.alles was nicht ging konnte ich wieder machen.ein normales leben führen.
seit einem jahr habe ich es wieder, in voller pracht.kam schlagartig und sofort extrem schlimm.konnte gleich nichtmehr aus dem haus gehen.
dann war ich januar in einer anderen klinik,die hat aber nix gebracht. jetzt stehe ich auf der warteliste für die erste klinik nochmal.
bei mir kam es wieder, weil ich umgezogen bin und mit im mietvertrag mit meinem freund stand und gleichzeitig arbeitslos wurde.
mein thera meinte, es ist ganz normal, dass die krankheit wieder ausbricht, wenn sich im leben etwas verändert, eine beziehung nicht gut läuft oder man irgendwie stress hat.
die krankheit wäre nicht heilbar, sondern macht nur manchmal pause.
das finde ich sehr frustrierend, denn es ändert sich im leben immer mal etwas.
ich habe alles gelernt was man ´braucht um mit der krankheit umzugehen. und obwohl die theorie sitzt, funktioniert in der praxis nix.

will dich aber nicht frustrieren. bei mir ist es halt so...

23.11.2011 02:43 • #2



Leute die schon länger betroffen sind?

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Valmont
Ist bei mir auch so.
Ich bekam zum ersten mal Panikattacken 2003, nachdem ich meinen Job verloren hatte - also ein klarer Zusammenhang. Dann kam ich in eine psychosomatische Klinik und mir ging es von 2004 bis 2009 richtig gut (auch dank Cipralex, aber in erster Linie durch die Klinik und ambulante Therapie).

Dann im Dezember 2009 fing es schlagartig wieder an, und zwar diesmal ohne erkennbaren Grund. Von einen auf den anderen Tag hatte ich wieder nur Panik und Angst und zwar so schlimm das ich dachte ich drehe völlig durch.
Im Laufe des Jahres 2010 wurds dann wieder ein wenig besser und ich dachte schon ich wäre übern Berg.
Aber im November 2010 kams dann noch schlimmer, auch wieder von einen auf den anderen Moment. Ich kann mich erinnern, daß ich eigentlich noch einen recht schönen Herbst verlebt hatte, ohne Probleme und Konflikte. Trotzdem kams wie aus heiterem Himmel, und zwar so krass das ich gar nicht mehr konnte, ich hatte 24 Stunden rund um die Uhr Angst, Angst, Angst.

Meine jetzige Verhaltenstherapeutin meinte, daß die Panik schubweise kommen kann, das es lange Zeit gut gehen kann und plötzlich bricht sie wieder aus. Das Medikament das ich nehme (Citalopram) hilft leider auch nicht mehr, oder zumindest hilft es kaum. Ich überlege jetzt auch noch mal in eine Klinik zu gehen.

Vielleicht braucht man von Zeit zu Zeit einfach eine intensivere Behandlung in Form einer stationären Therapie?

23.11.2011 13:23 • #3


Darf ich mal fragen was eure Diagnose ist? Habt ihr ausser der Panikstörung sonstige psychische Erkrankungen? Valmont, bei dir hab ich gelesen du bist schon 20 Jahre in Psychotherapie.

23.11.2011 13:55 • #4


Valmont
Ja, das stimmt, ich hab vor etwa 20 Jahren mit Therapie angefangen. Zuerst nur wegen diffuser Ängste und Agoraphobie. Zwischendurch gings mir immer wieder gut, aber es kam auch immer wieder ein Einbruch. Ein Klinkaufenthalt Mitte der 90er Jahre hat mir auch recht gut geholfen, ich hab dann eine Weile Ambulant weitergemacht und danach wars wieder einigermaßen ok.
Ganz schlimm wurde es dann 2003, da hab ich das erste mal schlimm Panik gehabt, daß ich dachte ich dreh jetzt völlig druch. Aber wie gesagt, da sehe ich eindeutig einen Zusammenhang zum Verlust meines Arbeitsplatzes.

23.11.2011 16:03 • #5


Ist bei mir auch immer so: Zeitlang Ruhe (allerdings keine 2 Jahre) und dann geht´s wieder vermehrt los. Ist mir mittlerweile egal. Habe die Krankheit als Teil von mir aktzeptiert. Seit ich das so entspannt sehe, sind die Attacken weniger und schwächer geworden. Ist irgendwie ein Arangement .
Medis habe ich nie genommen.

Gruss Imanuel
P.S. Lebe mittlerweile 20 Jahre damit und kann wohl sagen, dass die PA´s nach besonders stressigen Zeiten zunehmen. Hatte z.B. vor kurzem ultra Druck im Beruf und bin zeitgleich umgezogen (alles in Eigenleistung, streichen, schleppen etc.) dann in Urlaub zum "Entspannen". Woooowwwwwww!! Die erste Woche war attackenmässig echt hochinteressant!

23.11.2011 17:29 • #6


meine diagnose ist agoraphobie und komplexe posttraumatische belastungsstörung und wegen der panik noch diagnose depression

30.11.2011 01:43 • #7


Meiner Meinung nach, gehen "Geheilte" oft mit falscher Haltung vor. Man hat viele Jahre gebraucht, um dieses Angstnetz aufzubauen, all diese verstrickten Mechaniken der Angst, man weiß doch gar nicht mehr wie es ist ohne Angst zu leben. Man hat die ersten Schritte getan, hat sich sein Leben zurückerkämpft aber nun zu glauben, daß die Angst nie wieder zurückkommt, ist naiv. Es wird ebenso eine lange Zeit brauchen wieder "normal" zu leben auch wenn man die Angst glaubt besiegt zu haben. Der Kampf gegen die Angst wird Jahre dauern und es wir trotzdem immer wieder Rückschläge geben. Man nimmt den Zustand den man vor der Angst hatte als "Normalzustand" an, nur muss man nach längjähriger Angst auch lange Zeit den "Normalzustand" wieder erlernen und das geht nicht so schnell, da immer noch irgendwo irgendwelche versteckten falsche Gedanken/Mechanismen sind, welche aus dem Weg geräumt werden müssen.

Einfach mit dem weitermachen mit dem was man gelernt hat und sich selbst die Zeit geben ins normale Leben zurückzukehren. Wer der Angst wieder das Feld überlässt, muss sich fragen ob er je wirklich "angstfrei" war.

01.12.2011 14:11 • #8


Hallo

ich war angstfrei, ohne wenn und aber. Mein Leben war ohne jegliche Einschränkung. Die Frage ist ob man erwarten kann überhaupt jemals wieder völlig gesund zu werden, oder ob dieser Erkrankung einfach jederzeit wieder kommen kann, auch ohne ersichtlichen Grund.
Kennt ihr denn jemanden der dauerhaft gesund ist? Dauerhaft heißt für mich schon so 10-15 Jahre. Ausserdem würde mich mal intressieren ob ihr denkt dass diese Selbsthilfeforen für Leute die es geschafft haben kontraproduktiv sind.

08.12.2011 00:05 • #9


Ich befürchte, man wird es nie wirklich komplett los aber man kann damit normal leben, man wird immer wieder auf stressige Situationen im Leben treffen und die Angst wird immer irgendwo versteckt bleiben. Man darf nicht annehmen das sie nie wieder kommt, weil wenn sie dann zurückkommt, katapultiert sie ein in die Steinzeit und man steht wieder bei 0. Ich denke man muss sein lebenlang mit Stress und Krisen ganz besonders vorsichtig umgehen und darf da nichts auf die leichte Schulter nehmen.

Selbsthilfeforen sind so eine Sache, ich meine das nun nicht böse, für Leute die noch "Frischlinge" in diesen Sachen sind mag es hilfreich sein, da sie sehen es geht noch anderen so aber für "alte Angsthasen" bieten sie wenig für die Selbsthilfe. Selbsthilfe wird nach meinen Beobachtungen oft mit gegenseitigen volljammern und vergleichen der Medikamente verwechselt, ist meine reale Beobachtung wie auch die in vielen Foren. Kontraproduktiv, weiß nicht ob man das so sagen kann, als geheilter münzt man irgendwelche Symptome ja hoffentlich nicht mehr auf sich um. Man sollte sich da dann weniger damit beschäftigen, aus den Augen aus dem Sinn, dabei aber immer ein Auge auf sich selbst haben ohne zu kontrollieren. Kommen Zeiten in denen es Rückschläge gibt, besser an deine Bewältigungstaktiken denken und sich wieder an deinen Therapeuten wenden um den Schaden zu begrenzen.

Gruß

08.12.2011 01:44 • #10


Hallo Mira

das bringt mich dann zu der Frage, ist es vielleicht gar nicht so schlecht sich immer wieder mit Angst zu beschäftigen (zum Beispiel in Foren)? Aus den Augen aus dem Sinn kann ja auch bedeuten dass man bei einem Rückschlag nach langer Zeit auf einmal wieder völlig überrollt wird, weil man die Angst quasi schon vergessen hatte.
Ich erlebe es bei mir selbst, je länger ich angstfrei war, umso schwerer treffen mich die Rückschläge. Man muss sich erst wieder alles ins Gedächtnis rufen.
Aber wenn ich nicht loslasse, verspiele ich vielleicht die Chance es jemals wirklich loszuwerden. Ich glaub das kapiert grade keiner was ich meine

09.12.2011 00:29 • #11


Bei mir war das so, dass ich von hinten von meiner Angst überrollt wurde. War, nachdem ich wegen Zwängen und Angst in der Klinik war, bestimmt ein Jahr lang total glücklich und habe auch vieles, was mir gegen die Angst geholfen hat einfach gelassen, weil es ja nicht mehr nötig war. Als ich dann mitten in der Hamburger U-Bahn eine fette PA bekam, wusste ich nicht was ich machen soll und hatte keine Kontrolle. Das wäre mir kurz nach der Klinik nicht passiert, sondern ich hätte instinktiv mein Notfallprogramm durchgezogen und es in den Griff bekommen. Ich denke man sollte, egal wie gut es einem geht, immer daran denken was war und auch trotzdem noch zum Beispiel Entspannungsübungen machen. Wir haben in der Klinik zum Beispiel immer mit progressiver Muskelentspannung gestartet und das mache ich jetzt im Moment auch wieder. Naja und da ich meine Zwänge wirklich vollständig besiegen konnte, hoffe ich, dass ich mit der Angst auch Glück habe und zumindest einen guten Weg finde mit ihr umzugehen.

09.12.2011 01:09 • #12


Hallo,

Königskind hat da denke ich nicht ganz unrecht, immer mit dem weiter machen, was man gelernt hat, nie annehmen das die Angst völlig weg ist. Man sollte aber auch nicht ständig kontrollieren, da das ständige kontrollieren zB des Körpers auf irgendwelche Ziperlein oder möglichen Symptome ja etwas ist, was die Angst aufrecht erhält. Wenn man noch ständig weiter kontrolliert, würde ich es nicht "angstfrei" nennen, da man ja immer noch eine gewisse Angst vor der Angst hat und durch die Kontrollen immer schaut ob nicht doch irgendwo noch was ist. Vielleicht hinkt der Vergleich etwas aber man ist wie ein trockener Alk., der auch sein lebenlang damit irgendwo zu kämpfen hat nicht rückfällig zu werden. In schweren Lebensphasen wird er versucht sein wieder zu trinken, bei uns besteht die Gefahr wieder in unser Angstschema zu fallen.

Mit "Aus den Augen aus dem Sinn" meine ich nicht das man sich nie wieder damit beschäftigen soll, nur wenn es einem gut geht hat es wenig Sinn in solch Foren zu schauen und bei Rückschlägen auch, da du dich , wie ich oben schrieb besser an deine Bewältigungstaktiken erinnern solltest und diese Taktiken auch immer irgendwo weiter üben solltest um sie nicht zu vergessen.

09.12.2011 12:25 • #13


Hazy
Guten Abend
Ich habe nächstes Jahr 10-jähriges Angst-Jubiläum. Ich habe immer mal zeiten, wo meine Ängste kaum da sind und dann kommen wieder Tage, da möchte ich mich in der letzten ecke verkriechen.
Was mir hilft ist die Therapie und der Gedanke, dass bisher immer auch gute Zeiten gekommen sind. Es ist bei mir ein auf und ab. Was ich sehr wichtig finde ist, dass man trotz Adrenalinparty im Blut seinen ganzen Mut zusammen rafft und zum Beispiel kurz das Haus verlässt. Und wenn es nur 5 Minuten sind. Ich weiß, das ist an manchen Tagen vergleichbar mit Berge versetzen, aber ich glaube das heimtückischste an der Angst ist, sich zu lange zu verkriechen. Das habe ich einmal getan und es war eine echt bescheidene zeit.
Lieben Gruß!
Hazy

09.12.2011 21:47 • #14


Strand
Hallo,

also zu Deiner Frage: ich hatte eine Angstneurose mit 20 und habe dann so zwei Jahre gebraucht bis es wieder besser war. Dann war ich 12 Jahre ohne Angst unterwegs, und plötzlich kam es letzes Jahr wieder, ganz genau so, nur diesmal mit einer ätzenden Depression dazu.
Ich dachte auch nach 12 Jahren, das kommt nicht mehr, aber jetzt ist nur klar dass es immer mal wieder kommen kann.
Meine Strategie ist: ich muss gut mit mir umgehen, auf meine Bedürfnisse hören, mir gutes tun, bewegen und entspannen, keine Angst vor der Angst haben, dann bin ich relativ safe

LG
Strand

10.12.2011 00:30 • #15


Hallo

wie hast du die aktuelle Episode wieder in den Griff bekommen?

22.12.2011 02:47 • #16


Strand
Hallo Pia,

also die aktuelle Episode hab ich wieder in Griff gekriegt mit Verhaltenstherapie, Medikamenten, Bewegung, Konfrontation, progressive Muskelentspannung, Aushalten & Akzeptieren....Und das Motto "Angst zulassen und trotzdem handeln"....

Grüssle
Strand

29.12.2011 14:08 • #17

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Geistreisender
Da kann ich dir nur zustimmen Mira.

Ich bin auch schon seit 7 jahren "Betroffener"

Aber dennoch bin ich dankbar für ein Forum wie dieses, schon allein aus der Tatsache raus das man quasi "nicht allein" ist und überhaupt jemanden hat mit dem man sich austauschen kann und diese Leute hier einen eher verstehen als die reale Welt da draußen.

Von daher versteh ichs sehr gut.

Aber wie du schon sagtest auf der anderen Seite das Medikamentengeschiebe was hilft wo besser usw ist ja nicht immer zutreffend, denn jeder von uns ist individuell, und reagiert anders auf gewisse Dinge.

Die meisten von uns sind dennoch erwachsen und können differenzieren, andere wiederum klammern sich an einen Grashalm der ihnen hier geboten wird, was ja auch ok ist.

Wie mans dreht und wendet, es ist für jeden was dabei, mal mehr mal weniger hilfreich.

10.01.2012 14:55 • #18


Hallo ihr Lieben,
ich bin 27 Jahre alt und seit über zehn Jahren betroffen. Lange Zeit empfand ich den Ausbruch meiner Krankheit als absolut plötzlich, bis mir bewusst wurde: ich hatte schon in der Kindheit und Jugen null Strategien, mit Ängsten, Sorgen, Krisen umzugehen und dass sich alles schon viel, vieeel länger abgezeichnet hat. Dazu kamen Erlebnisse, die das Fass zum überlaufen gebracht haben- Zusammenbruch in einer Discothek, krank werden im Ausland.
Heute habe ich immer noch Panikattacken. Nach jeder tue ich mich schwer, zurück in die Gelassenheit zu finden, weil ich die Attacken für vollkommen unerträglich empfinde. Ich rutsche dann regelmäßig alle Stufen, die ich mühsam hoch geklettert bin wieder herunter. Es fällt mir schwer, diese "Rückschläge" hinterher zu verarbeiten und nicht wieder in den Kreislauf der Angst einzubrechen.
Wenn ich zurück denke, dann geht es mir heute dennoch besser. Ich lebe zwar noch recht eingeschränkt, aber ich habe viel über mich gelernt und auch über die Krankheit. Damals wußte ich nicht mal, dass es psychische Krankheiten überhaupt gibt- ich stand den Symptomen vollkommen hilflos gegenüber. Eine schreckliche Zeit!
Manchmal finde ich es ungerecht, dass mir der entscheidende Durchbruch trotz all der Arbeit an mir selbst noch nicht gelungen ist. Dann frage ich mich, was ich noch tun soll. Meistens aber kann ich auch sehen, was diese Krankheit an Potenzial in mir wachgerufen hat.

Zu den Foren: Ich merke, dass es mir manchmal wohl tut wie Honig, mich mit meiner Krankheit auseinanderzusetzen und mich auszutauschen. Es ist wie balsam, sich wieder bewusst zu machen, dass es nichts gefährliches ist und wie die Theorie aussieht. Das erdet mich.
Dann wieder merke ich, wie ich Abstand brauche und ziehe mich aus den Foren zurück. Ich glaube, dass man diese Phasen auch braucht, um sich wieder auf andere Dinge zu konzentrieren. Wesentlich ist jedenfalls das erspüren seiner Bedürfnisse, darin sind wir Angstkranke ja oftmals nicht die Meister...
Viele liebe Grüße
Mia

10.01.2012 16:14 • #19



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