Zitat von rotezora2k:Diesen Vorwurf kann ich in epischer Breite weiterführen, darin kann ich aufgehen mich im Dreck zu suhlen. Hilft mir das? Bringt mich das weiter?
Tut es. Aber nur, wenn es nicht dabei bleibt

. Einsicht ist ein wirklich wichtiger erster Schritt zur Veränderung. Ohne den nächsten erschöpft sie sich im Kopfkino.
Und wird zu einem wunderbaren Entschuldigungsmechanismus. Dieting always starts tomorrow. Indem du dich runtermachst, lieferst du dir die perfekte Selbstbestrafung. Damit hast du ausreichend für weiteres Leid gesorgt und musst nichts mehr tun.
Es ist nicht deine Schwäche. Es ist die Angst, die sich wehrt. Sie loszulassen nimmt dir den Lebensinhalt der letzten Jahre. Dein Unterbewusstsein weiß nicht, wer und was dahinter zum Vorschein kommt, wenn du die Angst wegnimmst. Und das führt zu Widerstand.
Das andere Problem ist der Krankheitsgewinn. Ich weiß, dass niemand, der unter Angst leidet, das gerne hört - ging mir genauso

. Und doch: Solange du in deinem Zustand verharrst, musst du keinerlei Verantwortung übernehmen. Nicht für dich und auch nicht für andere.
Du hast eben selbst das Bild des kleinen Mädchens gezeichnet, das nur beschützt und getröstet werden will. Das müsstest du aufgeben, wenn du die erwachsene Frau aus ihrem Dornröschenschlaf wecken und ein selbstbestimmtes Leben führen willst.
Damit wäre all der Komfort flöten. Und das möchtest du nicht riskieren. Kein Verstecken im Bett mehr. Keine permanente Zuwendung durch andere. Keine Flucht aus dem Arbeitsalltag und keine Abgabe der Verantwortung für dein Kind. Stattdessen lieber selbst weiter Kind bleiben und lieber die Angst aushalten.
Nur mal angedacht: Wie sähe das Leben einer erwachsenen Zora denn aus? Was würde sie verlieren, was gewinnen? Und was würde passieren, wenn die Menschen, die dein Leben jetzt stützen und ermöglichen, morgen nicht mehr da wären?
Dich aus der Rolle des hilflosen Kindes befreien ist der einzige Weg zur Heilung.
Die rote Zora ist eine Heldin. Sie wird geliebt, weil sie stark und wild ist. Auch dich wird man lieben, wenn du Frau und nicht mehr Mädchen bist. Und dein Kind wird eine Mutter haben, die es schützt und behütet, statt einer kleinen Schwester.
Es wird immer noch Arme geben, die dich halten. Aber im Unterschied zu jetzt werden sie das gerne und freiwillig tun, nicht, weil du ihnen tagtäglich das Messer auf die Brust setzt.
Entscheiden und losgehen musst du selbst.
Ich habe etwa 3 Monate gebraucht, bis ich eine erkennbare Besserung meines Zustandes sah und ungefähr 10, bis er einigermaßen stabil war. Dazwischen gab es immer wieder Rückschläge. Du wirst nicht morgen aufwachen und dich locker an die Veränderung machen können, nur weil du diese möchtest.
Du wirst genau diesen beschissenen Zustand überwinden müssen. Immer und immer wieder. Und dann wird auch bei dir der Tag kommen, an dem du dich wappnest, diesen Zustand auch heute wieder zu überwinden und plötzlich feststellst, dass es keinen Zustand gibt.
Es lohnt sich so sehr.