Zitat von Miasma:Ich arbeite momentan intensiv in den Situationen mit dem ABC der Gefühle und starkem auf mich einreden. Es sind nach außen kleine Schritte (5km Angstfrei fahren, 2 Stunden allein durch die Stadt bummeln), für mich sind sie in der Situation riesig.
Das mit dem ABC der Gefühle ist prinzipiell richtig. Aber es sieht für mich so aus, als würdest du das und v.a. das starke auf dich Einreden letzten Endes zur Ablenkung benutzen. Wenn das so ist, wird es deine Angst verstärken, sobald es ein einziges Mal nicht klappt. Nach meiner Erfahrung und nach dem, was "erfolgreiche Angstbewältiger" hier schildern, geht es nur über das Zulassen von Angst. Du kannst das ABC der Gefühle nutzen, um dich überhaupt darauf einzulassen, die Angst zuzulassen. Wenn du es benutzt, um die Angst klein zu halten, funktioniert es auf Dauer nicht, dann ist es sozusagen kognitive Vermeidung. Auch der "kleine Schritt", 5 km
angstfrei zu fahren, ist unter solchen Bedingungen gar kein Schritt, sondern Selbstkontrolle, Kontrolle der Angst oder sogar Zufall. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es, vielleicht nur 500 m zu fahren und dabei die Angst wirklich zuzulassen. Ohne Angst oder ohne die unbedingte Bereitschaft zur Angst (ohne sie zu unterdrücken) ist es i.d.R.
kein Therapieerfolg.
Zitat von Miasma:Für mich hat der Begriff Agoraphobie eine ziemlich ambivalente Interpretation. Einerseits ist es der Drang nicht weggeschlossen zu sein und andererseits der Drang sind wegzuschließen. Das ist für mich nicht greifbar.
Ich finde es irreführend und unnötig, großartig an agoraphobischen Symptomen rumzuinterpretieren. Sie haben alle eines gemeinsam: Angst vor Kontrollverlust in irgendeiner Form. Und diese Angst gilt es, wieder auf ein normales Maß zu reduzieren. Das ist im Prinzip simpel: Verstehen des Angstkreislaufs (Was passiert im Körper? Wie kommen die körperlichen Symptome zustande? ABC der Gefühle...), kognitive Arbeit (Welche Befürchtungen habe ich? Sind die realistisch? Was kann ich tun?), Üben (= Zulassen der Angst), Abklopfen der Lebensumstände auf angstverstärkende bzw. die Angst aufrecht erhaltende Faktoren/Stressoren und Verändern derselben.
Zitat von Miasma:Prinzipiell möchte ich mein Leben zurück, aber wie lange es dauert und ob es überhaupt zurückkommt kann mir irgendwie niemand sagen.
Es geht definitiv und muss gar nicht mal so lange dauern. Aber pass' auf, dass du beim Konfrontieren das Richtige übst und nicht nur lernst, die Angst besser zu unterdrücken.
Liebe Grüße
Christina