Zitat von novemberrain:Ich bin eher so gestrickt, dass ich sofort die Nebenwirkungen bekommen würde, wenn ich einen Beipackzettel eines Psychopharmaka lesen würde und deshalb rühre ich das Zeug nicht an.
Bei normalen Medis wie Ibuprofen oder Aspirin habe ich das aber nicht...
Ich finde im Zusammenhang des Themas an und für sich die Aussage normale Medikamente sehr spannend. Aus rein technischer Sicht bzw. chemischer sind z.B. viele Benzodiazepine dem Körper verwandter als Schmerztabletten. Im direkten Vergleich haben Ibu und Aspirin teils mehr Nebenwirkungen als manche Psychopharmaka. Nur werden solche Mittel als gesellschaftlich anerkannt gesehen und auch so beworben. Schmerzen? Muss nicht sein: Rein damit und weiter geht das Leben. Selbst für Babys und Jugendliche angepasst wird das Zeug schon verkauft, um von Klein auf eine Gewöhnung zu erzielen. Nach dem Motto: Schau mal, das hilft, hat die Mama früher auch bekommen!. Insgesamt sind Medikamente ein zweischneidiges Schwert. Wenn Ängste einen so sehr im Griff haben, dass man nicht mehr am Leben teilnehmen kann oder nur noch mit so enormen Einschränkungen und einem täglichen Kampf: Kann das auf Dauer dem Körper und der Seele auch nicht zuträglich sein. Gewichtsabnahme, Muskulatur baut ab (weil man sich kaum noch bewegt), Verspannungen mit Folgeschäden (Migräne, Haltungsschäden, Schmerzen), Gewichtsabnahme, Mangelerscheinungen. Viele kämpfen dann mit jedweden Mitteln gegen die Begleiterscheinung der Ängste weil der Mut zu Mitteln fehlt, die die Angst vielleicht nehmen könnte. Alles, was die Psyche beeinflusst wird immer noch mit Vorsicht genoßen, aber ab und zu mal am Wochenende einen zwitschern nicht - obgleich das auch die Psyche kurzfristig verändert - bei einigen mit lustigen, skurilen, seltsamen Folgen
Ich z.B. habe teilweise mehr Angst vor Schmerztabletten als vor vielem anderen. Noch schlimmer ist es mit Antibiotika, die waren vor vielen Jahren der Auslöser für meine Angsterkrankung. Sicher, ausgelöst werden kann nur was schon immer da war, aber wenn es irgendwie geht, möchte ich nicht mehr erleben was ich nach einnahme von nur einem Antiobiotikum erlebte - die Angst, bald gar nichts mehr erleben zu können. Jede Geschichte ist individuell, jeder Mensch reagiert individuell. Wenn man mit der Angst LEBEN kann (nicht EXISTIEREN): Okay. Aber wenn die Angst alles bestimmt und langsam an einem Menschen nagt, dann darf der Versuch einer medikativen Unterstützung zumindest in Betracht gezogen werden. Und alle, die ausschließlich zu pflanzlichen Produkten greifen agieren hier aus meiner Sicht auch leicht naiv und blauäugig. Pflanzliche Mittel sind NICHT Nebenwirkungsfrei. Ausserdem erkennt eine ganze Industrie doch den Wunsch der Menschen nach ungefährlichen Pillen die das Leben wieder lebenswert machen. Da wird dann ein schönes Lawendelfeld auf die Packung gedruckt oder ein gemütlicher Schäfer mit seinen Schäfchen und alles wird gut. Klar, wem es wirklich hilft: Okay. Aber in vielen Fällen helfen bei solchen Tropfen und Tröpfchen nicht die eigentlichen Inhaltsstoffe sondern (z.B. bei Notfalltropfen) der Alk. darin. Die gleiche Wirkung dürfte man mit dem Genuss von 2 oder 3 MonCherry erreichen oder einem kleinen Glas Schnapps. Aber da haben dann auch wieder alle Angst davor zum Alk. zu werden.
Im Endeffekt kann alles abhängig machen, selbst ein Therapeut - wenn man das Gefühl hat, ohne dessen Ratschläge nicht mehr vor die Türe zu gehen. Oder Gummibärchen, oder, oder, oder. Nur das Leben OHNE Angst wird selten eine Sucht werden sondern für viele von uns eine SEHNsucht bleiben. Leider.