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Ich versuchs mal kurz: Vor 5 Jahren habe ich schon mal für 7 Monate Benzos genommen. Anfangs gegen die Attacken, dann aus Angst vor Attacken vorsorglich, dann aus Angst vor dem einfachen Absetzen bzw. möglichen Entzugserscheinungen. Geschafft habe ich es dann aber doch mit einem festen Absetzplan und einem anderen Benzo (Clonazepam). Soweit, so gut. Vor 4 Monaten extreme Stresssituation, der ganze Rotz kam wieder hoch. Nach langem hin- und her wieder zum Benzo gegriffen, was mich auch einigermaßen stabilisiert hat. Nur wenige Tropfen, anfangs vielleicht 5 am Tag, dann 3, später nur noch einer. Seit 6 Tagen: Gar nichts mehr. Gestern dann extreme Stresssituation. INNERHALB solcher Situationen bin ich erstaunlich ruhig, bei mir kommt das große AHA immer erst am Abend, wenn ich schlafen will. So lag ich da, war nach 1 Stunde hellwach und voll aufgedreht. Blutdruck hoch (okay, 150 zu 90, aber eben viel höher als sonst), Unruhe, total durcheinander im Kopf und alle Gliedmaßen kribbelten. Ich wollte mich nicht unnötig weiter quälen und nahm EINEN Tropfen Clonazepam, der nach 20 Minuten recht zuverlässig wirkte, Kribbeln ging Weg, Blutdruck bei 120 zu 80, ich konnte schlafen.

Jetzt ärgere ich mich natürlich nach dem Motto: "Mist, absetzen nicht geschafft". Eine andere Seite in mir sagt: "Du hast es 6 Tage ohne geschafft, Du hast nicht ständig immer mehr nehmen müssen!". Darf ich mir jetzt diesen "Rückfall" erlauben und sollte ich ggf. doch noch eine Zeitlang das Mittel bedarfsweise nehmen und es einfach mal zulassen? Solange, bis das Lebensumfeld (wir wohnen in einem Haus zur Miete das verkauft werden soll, Zukunft ungewiss) stabiler ist? Oder soll ich mich jetzt durch den Entzug quälen? Als Alternativmittel hat ein mich damals betreuender Arzt (habe sonst leider keinen guten) "Lyrica" empfohlen. Antidepressiva möchte ich nicht nehmen, davon werde ich regelmässig manisch und gagga, verwechsle Traum und Realität.

Sicher, ihr seid keine Ärzte und jeder reagiert anders, aber vielleicht könnt ihr auch aus eigenen Erfahrungen und Sichtweisen einen Tipp oder eine Tendenz als Meinung zum Besten geben? Vielen Dank dafür.

18.01.2013 11:06 • 21.01.2013 #1


27 Antworten ↓


Hallo Burgmann,

Ich glaube noch immer dass du dir bezgl. deiner übersteigerten Selbstwahrnehmung, welche ja nur ein Symptom der Anststoerung ist, einen Therapeuten suchen solltest. Auch wenn du vermutlich noch immer der Ansicht bist dass du dem Therapeuten Intellektuell deutlich ueberlegen bist und er dir eh nicht helfen kann da du ja alle seine Behandlungsansatze von vornherein durchschaust.
Davon einmal abgesehen ist es absolut unmöglich dass ein Tropfen des Medikamentes eine Wirkung hat auch wenn du noch immer der Ansicht bist dass du "High responder" bist.
Was tatsaechlich Wirkung zeigen duerfte ist die Einbildung du hast dein Medikament genommen und natuerlich hilft es es haette vermutlich auch geholfen wenn du an der Flasche gerochen oder sie unters Kopfkissen gelegt haettest.
Thema Absetzen: WIE willst du die Dosis von einem Tropfen nach empfohlenen Absetzschema ( Reduktion der Dosis um 10% pro Woche rein technisch bewerkstelligen? DAS wuerde mich rein technisch sehr Interessieren.

Gruesse
Nico

18.01.2013 12:09 • #2



Die Angst DANACH. Und: Soll ich weiter Benzos nehmen?

x 3


Hallo, ich weiss jetzt nicht wie Du darauf kommst, dass ich kein Interesse an einer Therapie hätte, ich bin bei 3 angemeldet und wer zuerst frei hat dort gehe ich hin. Und auch andere Äusserungen die Du wiedergibst habe ich nicht getätigt. Bei mir wirkt ein Tropfen in der Tat, es ist nun mal so. Dabei spielt es doch keine Rolle ob es der Placebo-Effekt ist oder der wirklich chemische im eigentlichen Sinne: Wirkung ist Wirkung. Ich bin ein stark über das Unterbewusstsein anschwingbarer, sehr sensibler Mensch, entsprechend sensibel reagiere ich auch auf Medikationen. Aber ingesamt kann ich wie erwähnt den Zusammenhang Deiner Ausführungen nicht ganz verstehen, es klingt als ob Du Dich auf jemand anderes beziehst. Übrigens: Einen Tropfen kann man absetzen, dass machen gerade im Benzo-Bereich viele, Stichwort: Wasserflaschenmethode. Du kannst einen Tropfen pur nehmen, Du kannst einen Tropfen auf ein Glas Wasser nehmen oder einen Tropfen in einer 1,5 Liter Wasserflasche über den Tag verteilt. Dann kannst Du 1 Tropfen auf eine Flasche Wasser packen, die Hälfte abgießen und wieder mit Wasser auffüllen. Das mag in Deinen Augen Lächerlich klingen aber viele nutzen diese Methode. Klar kann das alles nur eine Kopfsache sein aber die ist Angst ja generell auch, oder meinst Du nicht? Angst passiert im Kopf und wenn es so einfach wäre sie wegzubekommen wie sie einen im Griff hätte: Wären viele von uns hier vermutlich gar nicht aktiv und würden ein Beschwerdefreies Leben führen. Und zum Thema Wirkung: Wenn Du z.B. allergisch auf Nüsse reagierst, dann kann Dich eine kleine, für mich harmlose Nuss in sehr gefährliche Situationen bringen. Wie viel davon ist dann Kopfsache und wie viel wirklich körperliche Reaktion? Ich bemerke nach dem einen Tropfen eine Wirkung und Aussenstehende ebenfalls. Einbildung hin, Einbildung her.

Ich war übrigens vor Jahren schon in Therapie aber einige skurile Begleiterscheinungen die ich seit der Angst habe gingen davon nicht weg, man konnte auch nicht ergründen woher die kommen und was genau das darstellt. Und das belastet eben enorm. Und einen habe ich noch bezüglich Wirkung: Wenn Du täglich 50 Kippen rauchen würdest und es schaffst aufzuhören: Respekt. Aber 95% der Raucher würden es NICHT schaffen, einfach mal so EINE Kippe zu rauchen OHNE danach wieder voll dran zu hängen. Benzos wirken sich enorm auf das Belohungszentrum aus und wenn diese Belohnung fehlt, spielt der Kopf verrückt. Ich habe z.B. mal ein AD probiert das anfangs auch sehr gut gewirkt hat. So gut, dass ich den ganzen Tag über keine einzige Zigarrette geraucht habe, am Tag davor noch meine übliche Dosis von ca. 30 Stück. Es gibt also schon Menschen die sehr sensibel auf Medikationen reagieren - aus welchem Grund, dass spielt doch im Endeffekt oder für die erwünschte Wirkung an und für sich kaum bis gar keine Rolle. Man könnte mir auch ein Placebo geben und es würde wirken - leider ist das in Deutschland nicht so ohne weiteres erlaubt.

18.01.2013 12:30 • #3


Hi,
knallhart muss ich schreiben, dass du damit rechnen solltest, dass deine Erkrankung schon chronisch ist nach all den Jahren und du im Hinterkopf behalten musst, dass du evtl. nie wieder komplett geheilt sein wirst. Es wird immer wieder gute und immer wieder schlechte Phasen geben. Mit viel Glück kann man Jahre beschwerdefrei sein. Wenn eben KEIN Streß besteht. Das kann aber auch alle paar Monate, Wochen oder Tage wechseln...

Jedenfalls wäre es für den Großteil der Menschen kein Ding, wenn sie ihre Wohnung verlieren würden. Dann würden sie sich eben ne neue suchen. Bei dir führt es zu einem Rückfall in die Erkrankung bzw. zu einer Verstärkung. Es ist nicht die Wohnungssache an sich dann. Sondern einfach eine belastende Situation.

Ich habe das auch schon seit vielen Jahren mit der Panik. War jahrelang völlig beschwerdefrei und nun ist es wieder da. Daher denke ich, dass es chronisch ist. Und man sonst was anstellen kann. Man muss damit leben. Irgendwie. Wie einer, der eine chronische körperliche Krankheit hat. Diabetiker oder Asthmatiker müssen ja auch mit ihrem Leiden leben. Ohne, dass es jemals noch mal weg geht. Vielleicht ist das bei uns auch so. Bloß verlangt jeder von uns, dass wir das "wieder weg bekommen". Würde niemand von einem Diabetiker oder Asthamtiker etc. verlangen.

18.01.2013 15:53 • #4


novemberrain
Zitat von nico_73:
Hallo Burgmann,

Ich glaube noch immer dass du dir bezgl. deiner übersteigerten Selbstwahrnehmung, welche ja nur ein Symptom der Anststoerung ist, einen Therapeuten suchen solltest. Auch wenn du vermutlich noch immer der Ansicht bist dass du dem Therapeuten Intellektuell deutlich ueberlegen bist und er dir eh nicht helfen kann da du ja alle seine Behandlungsansatze von vornherein durchschaust.
Davon einmal abgesehen ist es absolut unmöglich dass ein Tropfen des Medikamentes eine Wirkung hat auch wenn du noch immer der Ansicht bist dass du "High responder" bist.
Was tatsaechlich Wirkung zeigen duerfte ist die Einbildung du hast dein Medikament genommen und natuerlich hilft es es haette vermutlich auch geholfen wenn du an der Flasche gerochen oder sie unters Kopfkissen gelegt haettest.
Thema Absetzen: WIE willst du die Dosis von einem Tropfen nach empfohlenen Absetzschema ( Reduktion der Dosis um 10% pro Woche rein technisch bewerkstelligen? DAS wuerde mich rein technisch sehr Interessieren.

Gruesse
Nico




Ich denke auch, dass 1 Tropfen nicht wirken kann- zumindest nicht in dieser Form.
Der Glaube versetzt Berge...

18.01.2013 16:24 • #5


Ich denke, das ist total zweitrangig. Dass jemand aufgrund eines eigentlich harmlosen Vorfalls (evtl. neue Wohnung suchen) ein Benzodiazepin nehmen muss, zeigt doch, dass die Gründe ganz wo anders liegen. In einem völlig überlasteten Nervensystem.
Ich würde dir, Burgmann, den Stoff Cholin empfehlen. Ein körpereigener Stoff, den man sich bei Heilpraktikern spritzen lassen kann. Wäre vielleicht was für dich. Einfach zum runter kommen. Ganz ohne Chemie.

18.01.2013 16:34 • #6


Zitat von Aladin:
Ich denke, das ist total zweitrangig. Dass jemand aufgrund eines eigentlich harmlosen Vorfalls (evtl. neue Wohnung suchen) ein Benzodiazepin nehmen muss, zeigt doch, dass die Gründe ganz wo anders liegen. In einem völlig überlasteten Nervensystem.
Ich würde dir, Burgmann, den Stoff Cholin empfehlen. Ein körpereigener Stoff, den man sich bei Heilpraktikern spritzen lassen kann. Wäre vielleicht was für dich. Einfach zum runter kommen. Ganz ohne Chemie.

Was ist das mit dem Cholin? Erzähl mal.

18.01.2013 17:06 • #7


novemberrain

18.01.2013 18:02 • #8


Nun, ich will nicht streiten, aber man kann ja mal ins Thema tiefer eindringen. Ein Tropfen Clonazepam hat eine Wirkung. Es gibt Menschen, die nehmen ein Tropfen von etwas und kippen um, andere brauchen die 100-fache Menge um überhaupt was zu merken. Ich habe auch mal ein Neuroleptikum genommen, das hat WUNDER gewirkt, meine Gedanken sortiert, mich zugänglicher gemacht, ABER nach 4 Monaten ist es gekippt und ich bekam bei Kleinstmengen ekelhafte Krämpfe - wie sie im Beipackzettel standen den ich ERST NACH den Krämpfen gelesen habe. Allerdings treten diese Krämpfe EIGENTLICH bei der 10-fachen Menge dessen ein was ich genommen habe. Ich hab`s mir leider nicht ausgesucht so empfindlich zu sein. Und zur Info: 85% aller Medikamente entstammen der Natur und sind nicht rein chemisch aus dem Nichts entwickelt worden. Die Natur wird immer als Nebenwirkungsfrei beschworen, aber das ist sie nicht - es gab z.B. Todesfälle nach der Einnahme von "Umkaloabo", einem Wundermittel aus irgendeiner Baumrinde was sich die Indianer schon seit Jahrhunderten reinpfeifen (angeblich). Auch ein Fliegenpilz ist Natur, aber dran lutschen würde ich auch nicht freiwillig.

Und zu Cholin: Hau Dir einen Sack Nüsse rein, dann hast Du ausreichend Cholin für 2 Wochen im Körper

18.01.2013 20:10 • #9


novemberrain
Ich muss gestehen, ich habe keine Ahnung von Medikamenten bei Ängsten.
Vielleicht glaube ich daher nicht, dass 1 Tropfen wirken kann. Hätte es auf den Placebo Effekt geschoben...
Ich bin eher so gestrickt, dass ich sofort die Nebenwirkungen bekommen würde, wenn ich einen Beipackzettel eines Psychopharmaka lesen würde und deshalb rühre ich das Zeug nicht an.
Bei normalen Medis wie Ibuprofen oder Aspirin habe ich das aber nicht...

Ich bin halt Fan von Verhaltenstherapie- ohne Medikamente!

Und damit hier nicht wieder eine Diskussion losgeht, ich rede hier von Ängsten!
Nicht von schweren Depressionen, Schizophrenie, Borderline, bipolaren Störungen usw., wo man um die Medikamente nicht drum herum kommt.
Auch nicht von Ängsten, wo diese sekundär sind.

Ich glaube, die meisten verstehen schon, was ich meine....

18.01.2013 21:21 • #10


Ja, ich denke schon. Bei schwerwiegenden psychischen Erkrankungen sind Medikamente ein Muss, bei Angststörungen und PA ein Kann. Darüber kann man streiten - und es auch lassen. Weil jeder seinen eigenen weg gehen muss.

18.01.2013 21:26 • #11


Zitat von novemberrain:
Ich bin eher so gestrickt, dass ich sofort die Nebenwirkungen bekommen würde, wenn ich einen Beipackzettel eines Psychopharmaka lesen würde und deshalb rühre ich das Zeug nicht an.
Bei normalen Medis wie Ibuprofen oder Aspirin habe ich das aber nicht...


Ich finde im Zusammenhang des Themas an und für sich die Aussage "normale Medikamente" sehr spannend. Aus rein technischer Sicht bzw. chemischer sind z.B. viele Benzodiazepine dem Körper verwandter als Schmerztabletten. Im direkten Vergleich haben Ibu und Aspirin teils mehr Nebenwirkungen als manche Psychopharmaka. Nur werden solche Mittel als gesellschaftlich anerkannt gesehen und auch so beworben. Schmerzen? Muss nicht sein: Rein damit und weiter geht das Leben. Selbst für Babys und Jugendliche angepasst wird das Zeug schon verkauft, um von Klein auf eine Gewöhnung zu erzielen. Nach dem Motto: "Schau mal, das hilft, hat die Mama früher auch bekommen!". Insgesamt sind Medikamente ein zweischneidiges Schwert. Wenn Ängste einen so sehr im Griff haben, dass man nicht mehr am Leben teilnehmen kann oder nur noch mit so enormen Einschränkungen und einem täglichen Kampf: Kann das auf Dauer dem Körper und der Seele auch nicht zuträglich sein. Gewichtsabnahme, Muskulatur baut ab (weil man sich kaum noch bewegt), Verspannungen mit Folgeschäden (Migräne, Haltungsschäden, Schmerzen), Gewichtsabnahme, Mangelerscheinungen. Viele kämpfen dann mit jedweden Mitteln gegen die Begleiterscheinung der Ängste weil der Mut zu Mitteln fehlt, die die Angst vielleicht nehmen könnte. Alles, was die Psyche beeinflusst wird immer noch mit Vorsicht genoßen, aber ab und zu mal am Wochenende einen zwitschern nicht - obgleich das auch die Psyche kurzfristig verändert - bei einigen mit lustigen, skurilen, seltsamen Folgen

Ich z.B. habe teilweise mehr Angst vor Schmerztabletten als vor vielem anderen. Noch schlimmer ist es mit Antibiotika, die waren vor vielen Jahren der Auslöser für meine Angsterkrankung. Sicher, ausgelöst werden kann nur was schon immer da war, aber wenn es irgendwie geht, möchte ich nicht mehr erleben was ich nach einnahme von nur einem Antiobiotikum erlebte - die Angst, bald gar nichts mehr erleben zu können. Jede Geschichte ist individuell, jeder Mensch reagiert individuell. Wenn man mit der Angst LEBEN kann (nicht EXISTIEREN): Okay. Aber wenn die Angst alles bestimmt und langsam an einem Menschen nagt, dann darf der Versuch einer medikativen Unterstützung zumindest in Betracht gezogen werden. Und alle, die ausschließlich zu pflanzlichen Produkten greifen agieren hier aus meiner Sicht auch leicht naiv und blauäugig. Pflanzliche Mittel sind NICHT Nebenwirkungsfrei. Ausserdem erkennt eine ganze Industrie doch den Wunsch der Menschen nach ungefährlichen Pillen die das Leben wieder lebenswert machen. Da wird dann ein schönes Lawendelfeld auf die Packung gedruckt oder ein gemütlicher Schäfer mit seinen Schäfchen und alles wird gut. Klar, wem es wirklich hilft: Okay. Aber in vielen Fällen helfen bei solchen Tropfen und Tröpfchen nicht die eigentlichen Inhaltsstoffe sondern (z.B. bei "Notfalltropfen") der Alk. darin. Die gleiche Wirkung dürfte man mit dem Genuss von 2 oder 3 MonCherry erreichen oder einem kleinen Glas Schnapps. Aber da haben dann auch wieder alle Angst davor zum Alk. zu werden.

Im Endeffekt kann alles abhängig machen, selbst ein Therapeut - wenn man das Gefühl hat, ohne dessen Ratschläge nicht mehr vor die Türe zu gehen. Oder Gummibärchen, oder, oder, oder. Nur das Leben OHNE Angst wird selten eine Sucht werden sondern für viele von uns eine SEHNsucht bleiben. Leider.

19.01.2013 11:43 • #12


novemberrain
@Burgmann:

toller Bericht !

Du hast Recht. Was sind "normale" Medikamente? Auch Ibu oder Aspirin können viel anrichten. Da ich aber bisher gute Erfahrung damit gemacht habe, fallen diese Medis bei mir unter die Kategorie "verträglich, praktisch, gut"
Ich bin auch gegen ein spezielles Antibiotikum allergisch- was ich jahrelang vertragen habe.
Seitdem habe ich auch eine leichte Angst, dass sich diese Unverträglichkeit plötzlich auch auf Ibo übertragen könnte.

Vor Psychopharmakas habe ich die meiste Angst. Ich denke einfach, was an der Psyche wirken soll, wird auch an der Psyche Nebenwirkungen haben. Und die Folgen möchte ich mir nicht ausmalen....
Wie gesagt, wenn ich sie nehmen MÜSSTE, wäre das etwas anderes.
So aber setze ich lieber auf Konfrontation. Ist schwer, aber ohne Nebenwirkungen. (jetzt werden gleich wieder Einsprüche kommen )

Liebe Grüße
und ein schönes angstfreies WE

19.01.2013 11:57 • #13


Einsprüche nicht, aber welche langfristigen Nebenwirkungen (oder nennen wir es mal Begleiterscheinungen) kann der Kampf gegen die Angst bringen. Übrigens: Schmerzmittel setzen auch an der Psyche an, zumindest im übertragenen Sinne. Die Mittel gehen ja nicht zur Stelle die schmerzt und zaubern da den Schmerz weg (habe ich als Kind immer gedacht: "Woher weiß ein Schmerzmittel, dass es mir im Knie, im Arm oder am Fuss weh tut?") sondern schalten gezielt die Rezeptoren im Kopf aus die Dich den Schmerz fühlen lassen. Ist wie gesagt alles immer von zwei Seiten zu betrachten. Wenn ich es schaffe ohne Benzos auszukommen: Bin ich ganz stolz und verteufle das Zeug. Wenn mich dann aber die Emotionen mit allem drum und dran überrennen denke ich: "Hey, okay, es nützt nichts!" Ich bin leider ganz schwer im "was Aushalten", da wäre ich manchmal lieber Frau, die können im Allgemeinen mehr ab. Ich bin jemand der in der Tat stirbt, wenn er nur einen Schnupfen hat. Und dann möchte ich das am liebsten "schnell weg" haben und kann nur schwer begreifen, dass ich auch SELBST was dafür tun muss. Wie lange will ich schon laufen, einfach mal laufen bis mir die Suppe die Haut runterläuft.

Und was ist? Ich traue mich nicht, sitze lieber da und tu mir leid. Als ich mal ein AD genommen habe, war das nach nur wenigen Tagen anders: Ich hatte Energie, keine verwuselten Gedanken mehr, Kraft und Lichtblicke. Die Phase hielt allerdings nur einen Tag, denn am Abend bekam ich Ausschlag am ganzen Körper und nach dem Einschlafen dachte ich im Traum ich müsse sterben - so etwas habe ich immer nur bei Antidepressiva. Irgendwie ist die Mischung bei mir zwischen Wirkung und Nebenwirkung so fein eingestellt, da kann schon das dran riechen eine dosis zu viel sein. Ich bin so voller innerer Ängste, ich traue mich ja nicht mal ein Glas Wein zu trinken, könnte ja Nebenwirkungen haben. Dabei habe in meinem Leben so gut wie nie Alk. getrunken. Oder wenn ich in der Angst bin traue ich mich kaum was zu essen, weil selbst auf essen mein Körper (Geist?) reagiert oder ich erwarte das es passiert. Einzig nach der Einnahme eines Angstlösers kann ich ganz entspannt vor leckerem Essen sitzen und es GENIESSEN anstatt es mir unter Angst mit den Worten "Du musst was essen, Du musst was essen" reinzuschlingen - mit den entsprechenden Begleiterscheinungen. Herrjeh, was`n Durcheinander, oder?

19.01.2013 12:19 • #14


Einspruch : Peripher wirksame Schmerzmittel wie z.B. Ibuprofen oder Aspirin wirken eben nicht im Kopf oder besser gesagt im Zentralnervensystem, da sie die Blut-Hirnschranke nicht passieren können. Sie hemmen lediglich die Bildung von Schmerzbotenstoffen, dort wo sie entstehen, z.B. am kranken Zahn. Deshalb nennt man sie peripher wirksam.

Zentralwirksame Schmerzmittel dagegen docken an den Schmerzrezeptoren im ZNS an. Sie wirken bedeutend stärker und sind ohne Ausnahme verschreibungspflichtig.

Auch wenn die peripher wirksamen Schmerzmittel nicht verschreibungspflichtig sind, können sie im Dauergebrauch schwere gesundheitliche Schädigungen induzieren. Das beliebte Paracetamol ist ziemlich toxisch und führt bei ständiger Einnahme zu schweren Leberschäden.

Benzodiazepine sind vergleichsweise unproblematisch, auch im Langzeitgebrauch ( Epileptiker z.B. müssen oft täglich Diazepam nehmen ) ist die Gefahr von Leber - oder Nierenschäden verschwinden gering. Der Grund dafür dass sie verschreibungspflichtig sind liegt in dem Suchtpotential diese Medikamentengruppe.

19.01.2013 15:23 • #15


Zitat von wernereiskalt:
Einspruch : Peripher wirksame Schmerzmittel wie z.B. Ibuprofen oder Aspirin wirken eben nicht im Kopf oder besser gesagt im Zentralnervensystem, da sie die Blut-Hirnschranke nicht passieren können. Sie hemmen lediglich die Bildung von Schmerzbotenstoffen, dort wo sie entstehen, z.B. am kranken Zahn. Deshalb nennt man sie peripher wirksam.

Zentralwirksame Schmerzmittel dagegen docken an den Schmerzrezeptoren im ZNS an. Sie wirken bedeutend stärker und sind ohne Ausnahme verschreibungspflichtig.

Auch wenn die peripher wirksamen Schmerzmittel nicht verschreibungspflichtig sind, können sie im Dauergebrauch schwere gesundheitliche Schädigungen induzieren. Das beliebte Paracetamol ist ziemlich toxisch und führt bei ständiger Einnahme zu schweren Leberschäden.

Benzodiazepine sind vergleichsweise unproblematisch, auch im Langzeitgebrauch ( Epileptiker z.B. müssen oft täglich Diazepam nehmen ) ist die Gefahr von Leber - oder Nierenschäden verschwinden gering. Der Grund dafür dass sie verschreibungspflichtig sind liegt in dem Suchtpotential diese Medikamentengruppe.



Trotzdem soll es Ärzte geben, die sogar Rezepte über Benzos per Post ihren Patienten zusenden. Habe ich hier im Forum irgendwo gelesen.

19.01.2013 15:36 • #16


Ja sicher gibt es die, leider. Aber darum ging es mir in meinem Posting nicht.

19.01.2013 15:38 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Zitat von wernereiskalt:
Ja sicher gibt es die, leider. Aber darum ging es mir in meinem Posting nicht.


Nicht böse sein

19.01.2013 15:39 • #18


Ich weiss heute auch nicht mehr weiter. Gestern brauchte ich 3 Tropfen für etwas Ruhe, fühle mich seit Tagen so "weg", so "nicht in mir drin". Heute war`s oder ist`s extrem, 5 Tropfen und kaum Ruhe. Vorgestern reichte einmal dran riechen und ich war ruhig, die Tage zuvor war ich ruhig ohne irgendeine Einnahme und heute 5 Tropfen und es passiert nix - wenn es da eine Logik gäbe, müsste ich nach 5 Tropfen eigentlich den ganzen Tag schlafen und belämmert sein, aber nein. Das alles fing an als ich mit meinem damaligen Mittel aufgehört habe, einem Neuroleptikum. Das hat Wunder gewirkt, bereits nach der ersten Einnahme. Es hat meine Gedanken sortiert, mich nicht immer auf mich fixieren lassen, das funktioniert scheinbar besser als der Weg über Antidepressiva oder Beruhigungsmittel. Nur kamen unschöne Nebenwirkungen dazu wie leichte Krampfanfälle. Die hätte man mit einem Antikrampfmittel abfangen können aber vor noch einem Mittel mit möglichen neuen Nebenwirkungen hatte ich einfach zu viel Angst. Inzwischen denke ich, ich sollte es (natürlich neben einer Therapie) noch mal mit dem Neuroleptikum probieren, denn so kann es zumindest im Moment nicht weitergehen. Schlagartig alles weglassen wäre mir zu gefährlich, da ich einfach noch nicht stabil genug bin. Als Alternative gäbe es nur noch "Lyrica", aber davor habe ich auch wieder Schiss. Und die Ärzte geben es inzwischen auf bzw. sind ratlos aufgrund meiner empfindlichen Überreaktionen - die zwar im Beipackzettel aufgelistet sind, aber eher als "selten" und bei weit größeren Mengen gekennzeichnet. Ich lese die Zettel schon gar nicht, um mir Nebenwirkungen nicht einzureden. Und doch kommen sie. Möchte manchmal echt wissen, was die in meinen oder unseren Köpfen und Körpern so vorgeht und wie das von heute auf morgen ohne klar erkennbaren Umstand wechseln kann. Grauselig. Und vor 4 Jahren habe ich noch vor hunderten von Menschen gestanden und Verkaufsschulungen geleitet, heute freue ich mich, wenn ich die Bäckersfrau nach 3 Brötchen fragen kann. Aber damit wird man wohl leben müssen.

19.01.2013 23:57 • #19


Du scheinst ja über Medikamente besser Bescheid zu wissen als kaum ein anderer
Das mit dem Cholin war nur ein gut gemeinter Rat. Ich bin immer dafür, erst einmal rein pflanzliche Dinge zu probieren. Ich habe das Mittel übrigens selbst genommen und es hat super gewirkt. Es wirkt nicht gegen Angst. Aber aufs Nervensystem und beruhigt.
Vielleicht solltest du annehmen, dass du krank bist und einfach mal akzeptieren, dass du vielleicht nie wieder ganz gesund sein wirst. Eben wie ein Diabetiker, Asthmatiker oder jemand, der einen komplizierten Beinrbruch hatte!
Warum verlangt die Umwelt von uns, dass wir das wieder völlig weg bekommen?! Verlangt jemand von einem, der einen komplizierten Beinbruch hatte, dass er gefälligst nicht mehr humpelt?
Allein dies anzunehmen, würde dich meiner Meinung nach schon weiter bringen. Die verkampfte Selbstbeobachtung, der Rückblick auf vergangene gute Zeiten und das Herumexperimentieren mit Medikamenten gleich welcher Art wird jedenfalls nicht zum erwünschten Ziel (wie lautet das bei dir?) führen.

20.01.2013 11:25 • #20



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Dr. Reinhard Pichler