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Manchmal hilft es einfach schon nur zu sprechen/schreiben und sich auszutauschen. Das möchte ich als Anlass nehmen hier zum ersten Mal zu schreiben.

Mich quält seit gut einem halben Jahr der permante Blick nach innen und das in mich hineinhorchen. Ich beobachte ständig mein Herz und werde ganz unruhig, wenn es zu stark klopft oder so ruhig ist, dass ich das Gefühl habe, es schlägt nicht mehr oder setzt sogar aus. Das ganze begann bei mir vor etwa einem halben Jahr, als ich alleine, noch mit den Nachwirkungen und Erschöpfungen eines fiesen Magen Darm Infekts belastet, eine längere Autofahrt antreten musste. Eine gute Stunde vor dem Ziel hat sich meine nicht so richtig wahrgenommene Anspannung in einer Panikattacke entladen. Plötzlich bekam ich gefühlt nur noch schlecht Luft, mein Herz fing mal an zu rasen, mal hatte ich das Gefühl, dass es nur noch ganz schwach schlägt, was mir noch mehr den Atem nahm. Ich dachte schon, gleich ist es mit mir zu Ende, weil ich es zu dem Zeitpunkt noch nicht als Panikattacke deuten konnte. Am Ziel angekommen, war ich nur noch am Zittern und war vollkommen erledigt. Die Wochen danach habe ich mich, von meinen Körper total im Stich gelassen gefühlt, klassischerweise sehr zurückgezogen und konnte kaum bis gar keine Ruhe finden. Recht schnell wurde mir dann nach Gesprächen in meiner Familie aber doch klar, dass das ganze einen psychosomatischen Hintergrund haben musste. Anfang des Jahres habe ich dann glücklicherweise recht schnell einen Platz in einer Tagesklinik bekommen und habe dort eine 10 wöchige tiefenpsychologisch ausgerichtete Therapie gemacht. Dort habe ich vieles darüber gelernt, wie ich eigentlich wirklich ticke und dass mein Kopf meine größte Stärke und meine größte Schwäche zu gleich ist. Dazu muss ich sagen, dass ich Ingenieur bin und eine entsprechend analytische und "kopfige" Sicht auf die Dinge habe. Das und die Tatsache, dass ich auf Leistung gepolt bin, machen mir das Leben dann schwer, wenn nicht alles nach Plan läuft. In der Klinik wurde ich dann mit der Diagnose einer schweren rezidivierenden depressiven Episode sowie Agoraphobie mit Panikstörungen aufgenommen und behandelt. Ich hätte zwar nie gedacht etwas mit Depressionen zu tun zu haben, aber in den hier http://www.rezidivierende-depression.de ... -stoerung/ genannten Beschreibungen habe ich mich größtenteils wieder gefunden. Besonders bei den körperlichen Symptomen und den Schlafstörungen, wo bei die zum Glück mittlerweile so gut wie weg sind. Dazu finde ich mich bei allen Beschreibungen einer Herzneurose sehr gut wieder. Leider war für meinen momentanen Zustand der tiefenpsychologische Ansatz nicht mehr hilfreich genug.

Da so eine Tagesklinik ja auch nicht für die Ewigkeit gedacht ist, ich mich aber noch lange nicht "austherapiert" gefühlt habe und ich aber auch aus der Käseglocke einer Klinik irgendwann mal raus und im realen Leben mich den Dingen stellen muss, mache ich seitdem ambulant weiter. Mein ambulanter Therapeut möchte nun mit mir eine EMDR Behandlung versuchen, weil er meinte, dass sie mir gut helfen können sollte. Ich bin gespannt und hoffe, dass ich mich zum einen darauf einlassen kann und es mir zum anderen hilft. Denn trotz vieler erfolgreicher "Experimente", die Schritte in ein normales Leben, wie es vor dem ganzen möglich war, darstellen, bin ich täglich damit beschäftig, so lange ich nicht abgelenkt bin, in mich zu gucken, mich zu verspannen und gegen die Angst vor der Angst zu kämpfen. Dass das wahnsinnig viel Energie kostet, weiß sicher fast jeder von euch.

Im Gegensatz zum klassischen Herzneurotiker versuche ich mich in einem gewissen Rahmen körperlich fit zu halten. Ich mache in maßen Krafttraining und auch regelmäßig ein kurzes aber trotzdem sinnvoll intensives Training mit Körpergewichtsübungen. Ich renne auch nicht von Arzt zu Arzt, weil ich letztlich doch weiß, dass es mein Kopf ist und nicht mein Körper bzw. mein Herz. Denn bevor es in die Klinik ging wurde ein Blutbild und ein EKG gemacht und beides war sauber. Daneben habe ich bis zu dem Vorfall 5 1/5 Jahre lang Kampfsport betrieben. Bei den intensiven Trainings- und Sparingseinheiten wäre ein Herzfehler oder ähnliches doch locker aufgefallen. Aber die ständige Fixierung macht mir sehr zu schaffen und ist häufig genug Auslöser für meine innere Unruhe, die sich zum Glück bisher sehr selten in einer tatsächlichen Panikattacke geäußert hat. Daneben ist das häufige bis ständige Gefühl keine Luft mehr zu bekommen alles andere als förderlich.

Das ist nun ein kleiner Abriss meiner letzten 6 Monate und ich würde mich freuen vielleicht Tipps zu bekommen, wie ihr mit solchen Problemen, gerade mit dem permanenten Blick nach innen, klar kommt? Natürlich hilt es am besten immer am Ursprung des Problems anzusetzen. Meist ist das aber nicht immer so offensichtlich und lässt sich selten so schnell behandeln, wie es gekommen ist. Daher freue ich mich über einen konstruktiven Austausch und ein paar Tipps für den Weg zurück in ein angstfreies Leben ohne Herzneurose und Agoraphobie.

21.05.2015 21:48 • 22.05.2015 #1


2 Antworten ↓


beamie
Hallo:)

ich hoffe ich habe dich richtig verstanden: du suchst dauernd nach Anzeichen einer Panikattacke? Ich kenne das Gefühl sehr gut, ich leide seit fast 2 Jahren an einer Panikstörung und noch anderem. Ich werde auch sofort unruhig, wenn ich etwas "abnormales", wie z.B. einen Herzschlag zu viel feststelle. Dazu kommt noch, dass ich Angst vor Erbrechen habe und folglich dauernd nach Übelkeit horche.
Leider weiss ich auch noch nicht so recht, wie damit umgehen, das Einzige was mich dann jeweils etwas beruhigt ist das bewusste Untersuchen des Abnormalen und die Feststellung, dass es nur in meinem Kopf ist und dass es mir anders (schlimmer) gehen würde, wenn tatsächlich etwas nicht stimmen würde. Da ich z.B. oft plötzlich Schwindelanfälle habe, habe ich gelernt, den psychologischen vom physischen Schwindel zu unterscheiden und kann mich dann so jeweils wieder ein bisschen beruhigen.

Liebe Grüsse
beamie

21.05.2015 22:06 • #2


Hallo

Ich erkenne mich zum Teil auch wieder was Ihr beschreibt. Momentan geht es mir auch wieder so, dass ich sehr oft in mich gehe und mir denke, was geschieht als nächstes. Dieses ständige Gedankenkarusell das nicht aufhören will und dazu kommt natürlich auch die nervöse Unruhe -.-
Ich habe letztes Jahr im Februar mit einer Verhaltenstherapie begonnen, in der ich einiges zu diesem Thema gelernt/erfahren habe. Ich muss auch sagen, das ich zwischendurch das Gefühl hatte, das es mehr als bergauf geht. Worafhin ich das ganze auch etwas zurückgefahren habe und den "Rest" alleine schaffen wollte.
(Vorher hatte ich es kaum noch aus dem Haus geschafft, war am liebsten zu Hause. Arbeiten gehen war zum Glück nie ein Problem) .
Ich konnte mich wieder aufraffen, aus dem Haus gehen und micht mit Freunden treffen, was auch ein sehr großes Problem für mich war.
Zur Zeit hab ich jedoch das Gefühl das es einen Rückschlag gibt den ich so gut wie es geht auffangen muss und wieder mit einzelnen Therapiestunden anfange.

Von meiner Therapeutin habe ich mal 10 Regeln zum Umgang mit der Angst bekommen. Vielleicht hilft euch das weiter:

1. Angstgefühle und dabei auftretende körperliche Symptome sind verstärkte normale Streßreaktionen
2. Angstreaktionen sind nicht schädlich für die Gesundheit
3. Verstärke die Angstreaktion nicht durch furchterregende Phantasievorstellungen
4. Bleib in der Realität, beobachte und beschreibe innerlich was um dich herum geschieht.
5. Bleib in der Situation, bis die Angst vorbeigeht.
6. Beobachte, wie die Angst von allein wieder abnimmt.
7. Versuche nicht, Angstsituationen zu vermeiden.
8. Setze dich allen Situationen bewusst aus, die Dir Angst machen
9. Nimm dir in Angstsituationen Zeit.
10. Sei stolz auf die kleinen, auch auf die ganz kleinen Erfolge.


Viele Grüße
Mila_

22.05.2015 00:51 • #3




Dr. Reinhard Pichler