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201813.02




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Hallo zusammen,

ich (u.a. Agoraphobie) hatte ja die letzte Woche ziemlich viel Übungen gemacht (Kino, Ausstellung, andere Stadt, Restaurant), die mich doch recht gestresst haben.

Heute dachte ich ganz stolz, als Belohnung gehe ich heute nur mal spazieren und ruhe mich dann etwas aus. Wie man sich doch täuschen kann...

Als ich losging, fiel mir auf, dass meine Beine recht weich sind, aber ich dachte: ach was, das hat nichts zu sagen. Gegessen hatte ich definitiv genug.

Auf halbem weg (ca. 7 km insg.) merkte ich auf einmal, dass mein Herz deutlich schneller schlug und je weiter ich ging, umso mehr fing es an zu Rasen. Ich hatte aber keine Atemnot, Gesichtsfarbe per Handy betrachtet war auch ok.

Als dann der Puls bei 160 war und ich am ganzen Körper zitterte, dachte ich mir, es wäre doch mal an der Zeit, jetzt Hilfe zu holen :-)

Ich sprach einen Mann an, der neben seinem Auto gerade telefonierte und er rief sofort 112 an. 112 kam auch recht schnell! Mein Puls war da immer noch bei 120 und ich kauerte recht erbärmlich auf der Erde.

Dann durfte ich einsteigen in das schöne orange Fahrzeug mit den blau blitzenden Lichtern. Es wurden die bekannten Fragen gestellt (Herzprobleme bei den Eltern, Krankengeschichte, Bluthochdruck, Stress etc.), EKG gemacht, Blutzucker gemessen, alles ok. Der Defibrillator wurde auch schonmal bereitgestellt, sehr beruhigend :-) Da war mein Puls aber schon wieder bei 90.

Dann sagten sie, dass eigentlich alles ok wäre. Ich könnte, wenn ich mich unsicher fühle, aber gern in die Notaufnahme kommen. Ich wählte letzteres. Wenn ich schon abkratze, dann vorher nochmal untersucht werden.

In der Notaufnahme lag ich ca. 5 Stunden auf einem Bett im Gang, krasse Zustände da. Blut abnehmen, EKG. Eine hübsche junge Ärztin kam irgendwann mit ihrer Nachricht: "Bei Ihnen ist alles ok! Aber lassen Sie es bitte nochmal beim Kardiologen abklären mit dem Herzrasen!"

Da nahm ich sie zur Seite und raunte ihr ins Ohr: "Könnte das auch eine Panikattacke gewesen sein, FRAU DOKTOR?" Sie zuckte zusammen (draußen schlugen gerade Blitze ein nach alter Gruselfilm-Manier). Sie: "Ja, es könnte eine kleine Attacke gewesen sein, aber bitte klären Sie das beim Kardiologen trotzdem nochmal ab". "Ok Frau DOKTOR" sagte ich und ließ ihren Arm los und blickte noch einmal in ihre hübschen blauen Augen.

Dass der Text etwas seltsam geworden ist, liegt daran, dass ich mir 2 mg Tavor eingeworfen habe, um die Taxifahrt vom Krankenhaus nach Hause überhaupt zu überstehen, war ja noch voll zittrig und wollte keinen zweiten Zusammenbruch riskieren.

FAZIT: Ich finde es ziemlich seltsam, dass immer bei körperlichen Anstrengungen Attacken auftreten, wo man doch sagt, man soll viel Sport machen und sich bewegen. Ich war davor immer Sportler gewesen, habe sogar den Großglockner bestiegen. Gerade Spazieren gehen, ist doch lächerlich.Ich habe irgendwie das Gefühl, dass mit dem Herz und/oder Blutdruck was nicht stimmt und werde das vom Kardiologen überprüfen lassen. "Kardiologe brauchen wir nicht", meinte meine Ärztin ja, denn "vor 2 Jahre war ja auch nix". Hatte sie wohl vergessen, dass in 2 Jahren einiges passieren kann.

--> Wie ist euer Eindruck von dem ganzen?
--> Auch schonmal gehabt?
--> Ich sollte das nochmal vom Kardiologen mit 24h EKG/Blutdruck klären lassen oder?

Auf das Thema antworten


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Hamburg
470
  13.02.2018 08:24  
Hallo Squashplayer,

für mich liest es sich so, dass Du Deine Psyche mit der Masse an Übungen überforderst. 7 km hat für mich persönlich auch nichts mehr mit einem Spaziergang zu tun aber das nur am Rande. Auf mich wirkt Dein Aktionismus übertrieben - als müsstest Du Dir etwas beweisen und wolltest Deine Agoraphobie auf Biegen und Brechen besiegen. Und das ist Stress für Deinen Seelenzustand.

Versuche mal, etwas mehr Entspannung in Dein Leben zu bringen und reduziere Deine Übungen vom Umfang und von der Entfernung her. Es geht nicht darum, Deine Agoraphobie zu besiegen, sondern im Einklang mit ihr zu sein. Dein Nervenkostüm muss sich beruhigen und nicht noch mehr aufgepeitscht werden.

Grüße Perle

Danke2xDanke


3019
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  13.02.2018 08:39  
Also....deine Angst zeigte sich ein bisschen am Rande und sagte dir, > Hey ich habe weiche Beine> mir ist das, was du vorhast etwas viel.
Eigentlich ein guter Punkt um sich zu sagen hey okay ich schaffe das und das ist ja nur Angst und die tut mir nichts und weiter zu machen.

Dann hast du den Fehler gemacht immer weiter in dich hineinzuhorchen.
Angst treibt denPuls hoch - ganz normal. Und in Bewegung, wo der Puls ohnehin schon ein bisschen gefordert ist, steigt der Puls natürlich einfach mal einen Tacken höher.

Und dann bist du schlicht in Panik verfallen und hast deine Angst durch den Ruf der 112 als gerechtfertigt bestätigt.

Es gibt so etwas wie >Vorwärtsvermeidung> Also: schnell schnell, schnelle Erfolge, ich muss doch...
Vor allem WEIL du sonst ein großartiger Sportler warst, bist du nun also schnell dabei, dich zu überfordern.

Und dabei tritt keine Besserung ein im Gegenteil.
Angst kann man ncihtbiegen und brechen. SIe braucht Zeit und Geduld und irgendetwas will sie dir sagen.
Hast du da schon mal hingehört?
Warum legt gerade dich eine Agoraphobie flach, dich als Sportler?
Dafür gibt es einen Grund und ich glaube nicht, dass der in der Kardiologie zu finden ist.
Denn was du da an Symptomen erlebt hast, sind ganz klassische Angstsymptome und ein Puls von 120 ist jetzt so riesig nicht.

Grüße



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10904
  13.02.2018 08:43  
squashplayer hat geschrieben:
Ich finde es ziemlich seltsam, dass immer bei körperlichen Anstrengungen Attacken auftreten, wo man doch sagt, man soll viel Sport machen und sich bewegen. Ich war davor immer Sportler gewesen, habe sogar den Großglockner bestiegen. Gerade Spazieren gehen, ist doch lächerlich.

Hallo,
zum Sport und Panikattacke möchte ich was schreiben. Wenn man eine Panikattacke hat, dann nennt man das auch "fight or flight". Das bedeutet, daß der Körper in Angst alle Körperstoffe zur Verfügung stellt, um Höchstleistung zu erreichen. Der Körper kann diese Stoffe aber nicht in der Menge von selbst zurück nehmen, wie er sie in verdammt kurzer Zeit zur Verfügung stellte. Da wir aber weder Flucht noch Kampf bewältigen, sondern es nur psychisch aussitzen (oder auf dem Gang einer Notaufnahme liegend), können sich allerhand Zipperlein einstellen - bis hin, daß Puls und Blutdruck nicht mehr richtig funktioniert (u.a. wegen Adrenalinüberschuß). Durch Sport nach einer Panikattacke fördert man den Abbau aktiv und verhindert so körpereigene Irritationen.

Es gibt Leute, die kontinuierlich Sport machen, weil sie sich dann besser fühlen, da sie auf diese Weise regelmäßig ihren Körper fordern. Das muß kein Gewaltmarsch sein. Es gibt auch Leute, die spontan nach einer Panikattacke ein paar Kniebeuge machen oder ein paar Treppen hoch rennen.
Es geht nicht darum, was lächerlich ist - sondern einfach um Aktivität nach Panik und nicht um einen Gewaltmarsch, wenn man schon mit weichen Knien los geht. :wink:

Danke2xDanke


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Bärlin Spandow
2964
  13.02.2018 08:50  
Reenchen hat geschrieben:
Es gibt Leute, die kontinuierlich Sport machen, weil sie sich dann besser fühlen, da sie auf diese Weise regelmäßig ihren Körper fordern.


Mache ich seit 2 Jahren regelmäßig. Habe in den 2 Jahren ein Mal pausiert, da hatte es junge Katzen geregnet. Ich brauche das auch zum Stressabbau. Habe aber gemerkt dass es besser wirkt, wenn ich langsam gehe. Mit einem Gehstock geht es ja sowieso
etwas langsamer.





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  13.02.2018 09:07  
Danke für eure Beiträge - ja ich habe ganz schön viele Konfrontationsübungen gemacht und fühlte mich nach der letzten auch recht kaputt. Oder sagen wir mal so, durch sie hat sich ein unglaublicher Streß angestaut. Der hat sich dann vermutlich im Stadtpark "entladen". Ich gehe aber dennoch zum Kardiologen, da die letzte Untersuchung schon ein paar Jahre her ist und ich dass ausschließen kann. Persönlich glaube ich auch nicht dass da was ist.

Danke für eure Antworten!



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  13.02.2018 09:30  
squashplayer hat geschrieben:
Danke für eure Beiträge - ja ich habe ganz schön viele Konfrontationsübungen gemacht und fühlte mich nach der letzten auch recht kaputt. Oder sagen wir mal so, durch sie hat sich ein unglaublicher Streß angestaut. Der hat sich dann vermutlich im Stadtpark "entladen". Ich gehe aber dennoch zum Kardiologen, da die letzte Untersuchung schon ein paar Jahre her ist und ich dass ausschließen kann. Persönlich glaube ich auch nicht dass da was ist.

Danke für eure Antworten!

Konfrontation heißt nicht unbedingt, auf Biegen und Brechen täglich gewaltsam der Angst aussetzen. Das kann nach hinten los gehen und deine Schilderung zeigt das leider. Immer nur soviel konfrontieren, wie körperlich zu bewerkstelligen ist und darauf achten, das eigene Maß kontinuierlich zu erweitern und die eigene Sicherheit zu steigern. Da das auf eigene Faust schwierig ist, wäre psychologische Betreuung besser, wo man das alles auch aktiv aufarbeiten kann.



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daham in mein wigwam
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  13.02.2018 10:06  
ich habe auch Schwäche Anfälle - immerhin schon 12 (!) Jahre :shock:
noch nie konnte oder wollte ein Weißkittel etwas finden, das wenigstens vorübergehend
geholfen hätte.....angeblich altersbedingt normal - eine freche Ausrede, sonst nichts
der Überweisungs Schein wird einbehalten zum Praxiserhalt und die Gegenleistung ist
faktisch NULL, Beschwerde nimmt die "Gesundheitskasse" gar nicht zur Kenntnis, man
könne angeblich nichts machen............

ich greife hier mal einen Fall heraus, der schon einige Jahre her ist
nach einer Fahrt auf der Autobahn suche ich nach einer Gehstrecke, dazu steuere ich
ein Minidorf an, das ich früher schon mehrmals registriert, aber niemals näher betrachtet
habe - die Teerstraße endet in einem Kiesweg wo sich parken läßt
links zweigt ein weiterer fester Weg zu einem Waldstück ab, genau mein Fall

ich nehme vorsichtshalber eine Krücke mit, denn mein Gehvermögen war damals
schon begrenzt, nur eben nicht so krass wie heute :?
Entfernung bis zum Wald, hmm.........schätze mal weniger als 1 km, das Waldstück
auch nicht allzugroß, evtl auch nicht länger als der Weg dorthin
eigentlich zu kurz - so dachte ich vorher - denn eine Stunde hätte es schon sein
dürfen, ich fühle mich fit genug dafür

ich geh nicht sonderlich schnell, hab doch genügend Zeit, ab und zu Sonne durch
die Wolken, genau die richtige Mischung, zu warm wird´s bestimmt nicht

auf dem Rückweg brauche ich die Krücke bei jedem Schritt - was für ein Glück daß
die mitgenommen habe, ursprünglich fühlte ich mich fit genug auch ohne auszu-
kommen

mitten im Wald das deutliche Empfinden, daß die Strecke zu lang war..........?
wäre ich doch bloß früher umgekehrt - wieso merke ich das nicht rechtzeitig ?

aus dem Wald raus auf ca halber Strecke zurück das AUS :shock:
ich muß stehenbleiben, kann keinen Schritt mehr machen und stütze mich mit beiden
Händen auf die Krücke........die Häuser nicht weit weg von mir, aber dort steht ver-
mutlich niemand am Fenster, Uhrzeit so gegen 14 Uhr

einfach rätselhaft, war es Angst ? aber vor was denn ?
ein Handy hatte ich damals noch nicht, also abwarten bis sich die Schwäche legt
wie lange war das ? ehrlicher Weise keine Ahnung

zurück zum Fahrzeug mit Minischritten....im Auto greife ich zu Korrodin dem damaligen
Nothelfer für eben solche Fälle
1o Tropfen auf ein Stück Würfelzucker..........aber hier blieb die Wirkung aus :(
einfach nur komisch sowas......wie lang ging nichts mehr ? hab ich Radio gehört zur
Ablenkung ?.......keine Erinnerung mehr
es brauchte deutlich länger als sonst bis von innen her das Gefühl kam, daß ich wieder
fahrbereit war........danach problemlose Heimfahrt über 50 oder etwas mehr km
weitere Störungen gab es nicht



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  13.02.2018 11:38  
weichei75 hat geschrieben:
...es brauchte deutlich länger als sonst bis von innen her das Gefühl kam, daß ich wieder
fahrbereit war........danach problemlose Heimfahrt über 50 oder etwas mehr km
weitere Störungen gab es nicht

Ich denke, das war fehlendes Vertrauen in die eigene Leistung und dennoch eine wichtige Erfahrung, weil es geleistet wurde! :daumen:

An einer Krücke durch die Botanik zu watscheln, wäre auch im Experiment mit einem Gehgesunden nicht ohne. Man muß mehr Kraft aufwenden, um den Körper zu transportieren, als hätte man einen gesunden Fortbewegungsreflex. Sicherlich kommt vor allem aber das Alter dazu, denn mit 20 bewegt man sich wie ein Wiesel und mit zunehmenden Alter eher so, daß man beim Schuh zubinden überlegt, was man noch erledigen kann, wenn man schon mal unten ist.

Danke1xDanke




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  13.02.2018 12:58  
weichei75 hat geschrieben:
weichei75


Hey weichei75,

interessant dein Bericht. Du schreibst ja "Schwächeanfall". Das fand ich interessant. Für mich ist nämlich nicht klar, ob ich einen Schwächeanfall hatte oder es eine Panikattacke war. Und genau das ist doch so wichtig zu wissen, da man daraus ja ableitet, wie man weiter vorgeht.

Für einen Schwächeanfall würde ja sprechen, dass z.B. der Blutzucker zu niedrig ist, dass der Blutdruck absackt, dass man blass ist und kalten Schweiß hat. Traf bei mir nicht zu - ich sah aus wie das blühende Leben, aber das Herz raste wie verrückt. Mein Blutzucker war bei 120, gute Gesichtsfarbe und alles. Keine Atemnot, Erbrechen, Ödeme.

Ich tendiere bei mir in Richtung Panikattacke aufgrund von Überlastung in den Vortagen. Ich habe vor dem Spaziergang nämlich nicht meinem Körper zugetraut, dass er den Spaziergang schafft und hatte mehr und mehr Angstgedanken je weiter ich mich von zu Hause entfernte.

Vertrackte Sache das Ganze....

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