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Katze84
Hallo zusammen,

bin ganz neu hier und hoffe, dass ihr mir evtl. Wege und Möglichkeiten aufzeigen könnt, wie ich mich meiner Angst umgehen kann.

Ich bin 29 Jahre alt und war vor 7 Jahren bereits in einer Psychotherapie aufgrund einer Angst- und Wahrnehmungsstörung (Derealisation). Der Therapeut hatte mir damals gut geholfen und ich habe gelernt mit der veränderten Wahrnehmung umzugehen. Bis letztes Jahr war auch soweit alles super. Hin und wieder mal Derealisation in extrem stressigen Situationen oder wenn ich nicht genügend Schlaf bekommen habe, aber das war alles zu meistern und ist auch wieder verschwunden.

Ende letzten Jahres fing es langsam wieder an, nachdem ich mein Studium abgeschlossen habe. Es war so, als wäre eine riesen Last von mir abgefallen und die Angst kam dadurch wieder zum Vorschein. Zudem ist zwischen den Jahren in der Familie etwas vorgefallen, was mich zusätzlich komplett aus der Bahn geworfen hat. Seit diesem Tag habe ich TÄGLICH eine veränderte Wahrnehmung und Angstgefühle. Einmal sogar eine Panikattacke, aber das habe ich mittlerweile wieder im Griff. Ich weiß, dass mir während der seltsamen fremden Wahrnehmung nichts passieren kann, aber allein das Gefühl "nicht wirklich da zu sein" "nicht die volle Leistung an der Arbeit zu erbringen", "nicht konzentriert genug Autofahren zu können", ... macht mir unheimlich Angst. Ich stehe dann komplett neben mir, bin nicht ich selbst und habe sooo viele Gedanken im Kopf, die ich nicht ordnen kann und mich noch wirrer machen.

Zudem habe ich Angst in Baustellen auf Autobahnen. Vor 7 Jahren hatte ich meine erste Panikattacke in einer 10 km langen Baustelle, weil ich der Situation nicht entfliehen konnte. Furchtbar war das! Das hatte ich die Jahre über im Griff, jedoch ist es jetzt so stark wie noch nie zurück gekehrt. Es hat sich sogar schon auf das normale Autofahren übertragen. JEDEN Morgen nach dem Aufstehen überprüfe ich automatisch als erstes meine Wahrnehmung. Dadurch entsteht den ganzen Tag ein Teufelskreis. Kennt das jemand? Momentan habe ich so schlimme Angst, dass es nie wieder normal wird. Autofahren habe ich geliebt, Autobahnen bin ich sooo gern gefahren. Jetzt finde ich es nur noch furchtbar, wenn ich längere Strecken fahren muss, zum Teil meide ich alle weiten Strecken wenn es irgendwie möglich ist.

Ich will dass ich wieder NORMAL sehe und wahrnehme. Ich will wieder am Leben teilnehmen ohne ständige Derealisation. Ich weiß, dass es durch die ständigen Kontrollen noch schlimmer wird. Bin auch seit einem halben Jahr wieder in therapeutischer Behandlung, aber viel gebracht hat es noch nichts. Ich kann irgendwie nirgends ansetzen was die Therapievorschläge angeht, die Gedanken machen mir einen Strich durch die Rechnung.

Wird es wieder normal werden irgendwann? Ich will wieder leben.

31.08.2014 20:44 • 24.11.2019 x 1 #1


6 Antworten ↓


Hallo Liebes.

Ich habe auch diese veränderte Wahrnehmung, also Depersonalisation bzw auch Derealisation.
In schweren depressiven Phasen ist diese Wahrnehmung ständiger Begleiter. Wenn es mir besser geht klingt es ab. Manchmal hab ich es tagelang, manchmal garnicht bzw nur während/vor einer Panikattacke.
Oft entwickelt sich bei mir auch eine panikattacke durch diese Depersonalisation.
Manchmal steh ich deswegen so sehr neben mir dass sich alles anfühlt als hätte ich es noch nie erlebt, als wäre ich gerade eben erst auf die Erde gekommen und würde alles zum ersten mal sehen und spüren. Meistens spüre ich aber garnichts. Es ist wirklich grausam.

Aber es geht vorüber. Mir ging es mal Monatelang richtig gut da hatte ich alles soweit im Griff da gabs auch keine veränderte Wahrnehmung...
Wichtig ist es, dass wir unsere Probleme und auch akuten probleme nicht verdrängen... sondern uns mit allem auseinandersetzen und daran arbeiten.
Ich habe mal gelesen dass dieser Zustand quasi eine Flucht ist quasi ein sich abschotten. Hab aber auch gelesen dass diese Depersonalisation eine "normale" biologische Reaktion unseres Körpers ist bei hoher stressiger Belastung bzw bei dauerhafter hoher Anspannung. Würde auf jeden Fall Sinn machen, ich erkläre mir das jedenfalls so
Es gibt auch diverse Tricks um mit diesem Gefühl umzugehn zb immer Reize setzen durch wärme, Kälte oder auch so Armbänder die man so schnerren kann um sich zu spüren. Wichtig ist alles nutzbare zu nutzen nur es darf nicht gefährlich für dich sein. Aber ich weiß wenn es tagelang da ist...dann entwickelt man so eine Art gleichgültigkeit...also ich zumindest.

Ich wünsche dir alles Gute

01.09.2014 14:47 • #2



Angst vor veränderter Wahrnehmung

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Artemis Ann
Hallo Katze,

Ich kenne deine Probleme gut. Ich habe völlig unregelmäßige Wellen von Depersonalisation und Derealisation, die bei mir meistens zwischen 1 und 5 Stunden andauern und mehrtägige depressive Phasen einläuten. Ich kenne das Gefühl "nicht da zu sein"...
Am schlimmsten ist, dass diese Wellen total unvorbereitet und ruckartig aufkommen, dann in depressive Phasen übergehen und dann langsam mit gelegentlichen Rückfällen abklingen. Aber weil es bei mir kein Dauerzustand ist (Was natürlich gut ist, aber trotzdem), kann ich mich nicht daran gewöhnen, und zum Beispiel einem Therapeuten immer nur aus der Erinnerung erzählen, und nie direkt aus dem Gefühl, weswegen niemand was dagegen machen kann außer mir selbst, und ich weiß nicht wie.

Ich hoffe sehr, dass du einen Weg da raus findest, es muss furchtbar sein das andauernd zu haben, aber ich bin sicher du schaffst das! Du hast es doch schonmal geschafft, oder? Denk daran!

Viel Glück und liebe Grüe, Artemis

01.09.2014 15:48 • #3


Hallo darf ich fragen ob ihr da ohne Medikamente rausgekommen seid oder habt ihr ein ad eingenommen ? Ich leide auch an einer Art dauerbenommenheit , weiß nicht ob ich es direkt als derealisation bezeichnen würde .. Das schlimme ist aber das ich den Zustand dauerhaft habe .. Also von morgens bis abends , nur nachts hab ich meine Ruhe davor .. Ich hab auch schon mal cipralex versucht aber leider nicht vertragen .. Auch an der Benommenheit hat sich nicht wirklich viel geändert .. Möchte es eigentlich gerne ohne Medi schaffen aber es ist so anstrengend das die ganze zeit zu haben .. Viele Grüße !

01.09.2014 17:18 • #4


Katze84
Danke für eure lieben Worte, es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine mit diesem Problem ist. In meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis gibt es niemanden, der mich versteht. Außer mein Freund. Wenn ich ihn nicht hätte, wüsste ich nicht in welch tiefen Loch ich stecken würde.

Trotz der Benommenheit gehe ich Tag für Tag normal arbeiten, auch wenn ich immer das Gefühl habe, dass ich keine volle Leistung bringen kann. Ich will aber nicht, dass die Angst siegt und ich somit zu Hause bleibe weil ich es mir nicht zutraue.. Gestern habe ich sehr viel darüber nachgedacht und bin sehr tief in Negativgedanken reingerutscht. Das Ergebnis war, dass ich heute Nacht fast kein Auge zugemacht habe vor lauter Herzrasen. Ich habe einfach Angst, dass es nicht weggeht, auch wenn ich es schonmal geschafft habe.

Im April diesen Jahres war es so heftig, dass mein Hausarzt mir Opipramol verschrieben hat. Die Angst habe ich damit zwar besser in den Griff bekommen, jedoch war den ganzen Tag lang so sediert und müde, dass mit mir nichts anzufangen war. Daher habe ich es nach 3 Wochen wieder abgesetzt. Heute Nacht war ich kurz davor wieder damit zu beginnen, aber ich habe es mit pflanzlichen Beruhigungsmitteln versucht. Ich will es ohne Medikamente schaffen, weil ich befürchte, dass ich davon dann nicht mehr loskommen könnte.

Was macht ihr an Tagen, wo ihr etwas vorhabt und es geht euch so dreckig? ich bin wie in einer Wolke. Der Gedanke, dass ich 200 km Autofahren müsste, drückt auf mich ein, alles wird unrealer und man wird so müde, dass man nur noch schlafen möchte. Mein Therapeut sagt ich soll eine Gleichgültigkeit vor dem Gefühl entwickeln. ich weiß nur nicht wie, denn es stört mich doch so sehr im Alltag! Die Lebensqualität ist im Moment annähernd verloren gegangen.

01.09.2014 19:12 • x 1 #5


Hallo Katze,

du sprichst mir quasi aus der Seele, ich leide auch an Derealisation und depersonalisation. Häng jetzt seit 5 Wochen dauerhaft in dem Zustand und habe auch Mega Angst das es nie mehr weg geht. Es ist zwar bis jetzt immer nach ca 4-6 Wochen weg gegangen aber die Angst ist so stark das ich mich richtig verrückt mache.
Auch das mit dem Autofahren kenn ich, du hast alles auf den Punkt gebracht.
Ich glaube am besten kommt man daraus, wenn man nicht immer sagt es ist noch da sondern so tun als wäre alles gut und alles weiterhin machen, dann verfliegt es. Es ist echt total schwer, in der zeit Kapsel ich mich eig immer von allem ab weil ich vor den Situationen Angst hab, nicht voll da zu sein.

Ich hoffe uns geht es bald allen wieder richtig gut...so ist es kein leben

26.01.2015 01:42 • #6


Hallo ich bin männlich 27 jahre alt . Und ich leide auch unter .... ich weiß selber nicht was ich habe und kanns nicht wirklich erklären. Meine wahrnehmung hatt sich vor ca 1 jahr verändert. Mal stärker mal schwächer . Ich habe ein paar fragen an euch , villeicht findem wir so unser problem und den grund dieser veränderung .
- ist euro wahrnemung im dunkeln auch anders ,aber nicht augen zu machen ich meine in einem dunkeln raum.

- hat es bei euch auf ein schlag angefangen oder wie kam es schleichend

- habt ihr viele Dro. genommen oder gar keine

Ich habe das gefühl das unsere augen uns ein streich spielen . Wie nehmen wir den etwas wahr mit den augen also muss es doch an den augen liegen .
Als bei mir es angefangen hatt wurde 6 monate später eine netzhautablösung festgestellt . Ich hatte dann eine veränderte wahrnehmung und durch die ablösung der netzhaut noch schwaeze fusseln im sichtfeld . Das kann doch nur zusammen hängen .

24.11.2019 19:31 • #7




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