Hallo Mona,
nein, Kampfansage war das keine. Es war eine klassische Vermeidungs- und Fluchtstrategie, wobei ich nicht die Situation vermeiden konnte (dazu war die Sache zu wichtig), sondern die Angst. Es hat in dieser Lage seinen Zweck erfüllt und war natürlich besser, als die Präsentation zu schmeißen. Aber auf Dauer verstärken solche Strategien die Angst - auch bei mir. Denn es finden sich dann Gründe, warum die Strategien beim nächsten Mal bestimmt nicht mehr funktionieren, es finden sich Befürchtungen, die man noch nicht hatte, und es nagt am Selbstwertgefühl, Dinge aus massiver Angst heraus generalstabsmäßig planen zu müssen, die "normale" Menschen mit ein bisschen Nervosität abhandeln können. Nicht zuletzt ist es nicht effektiv, sich so viel mehr mit der psychischen Verfassung zu beschäftigen als mit dem Thema, über das man referiert.
Ich habe erst viel später gelernt, die Angst zuzulassen, was ich für die einzig dauerhaft sinnvolle Methode halte. Heute bin ich diverse
Therapien, Therapeutenfehler, Zwischenerfolge und Rückfälle "weiter". Im Januar (endlich!) fange ich eine stationäre Therapie in Bad Dürkheim an. Meine Geschichte braucht aber niemanden zu erschrecken, ich bin nicht repräsentativ, sondern habe "nur" bei der Auswahl der Therapeuten ein sehr schlechtes Händchen gehabt .
@ Heike:
Angst zulassen ist etwas anderes als Angst bekommen. Letzteres kannst Du nicht verhindern, hast keine Kontrolle und fühlst Dich als Opfer. Dadurch entsteht dann auch die Angst vor der Angst. Wenn Du die Angst zulässt, sagst Du Dir, dass die Angst zwar unangenehm ist, Dir aber nichts anhaben kann und sowieso wieder weg geht (hat sie ja wohl bisher immer getan - oder?). Du entscheidest, mit der Angst mitzugehen. Damit hast Du wieder Kontrolle. Es ist so, als würdest Du Dich von einer Welle tragen lassen, statt Dich ihr in der Brandung entgegen zu stellen. Und natürlich ist das sehr leicht gesagt... Aus Erfahrung mit verschiedenen Ängsten und Situationen kann ich bestätigen, dass das funktioniert. Bei einigen Ängsten kann ich mich selbst (noch?) nicht darauf einlassen.
Liebe Grüße
Christina