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Hallo,
bisher war ich nur ein stiller Mitleser.
Ich heiße Christian, ich bin 36 Jahre alt und wohne nähe Hamburg. Vor ca. 11 Jahren ist mein Vater an einem Hirntumor erkrankt und daran qualvoll gestorben. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens. Kurz darauf hatte ich meine erste Panikattacke und ging jeden Tag durch die Hölle.
Erst durch eine Therapie wurde alles ein wenig erträglicher. Wir haben viel über meinen Vater geredet und ich konnte auch die schwierige Beziehung zu ihm aufarbeiten. Ich habe einiges in meinem Leben geändert.
Die Angst und Panikzustände blieben trotzdem, obwohl ich denke alles Mögliche ausprobiert zu haben.
Vorgestern stieß ich auf eine Website, (Link darf ich glaube ich nicht einfügen) die Dame heißt Christina Tissl. Seitdem grübel ich nur noch.

Irgendwie spricht Sie mir aus der Seele. Sie hat jahrzehntelang eine Angststörung gehabt, verschiedene Therapien hinter sich und ist davon überzeugt dass Ihre Restangst konditioniert war.
Ich denke das das wirklich auf mich aber auch auf viele andere zu treffen kann.
Was haltet Ihr davon?
Kennt jemand diese Website und kann mir seine Erfahrung teilen? Bisher habe ich mir die Videos noch nicht angeschaut.

Christian

18.10.2015 18:02 • 19.10.2015 #1


6 Antworten ↓


Filou
Hallo Christian,

wow, ich bin mega beeindruckt. Freue mich total für dich, hoffe das es mir auch bald so super geht. Nachdem ich meine Tabletten abgesetzt habe, habe ich wieder mehr Ängste, die vorher weg waren. Will aber keine Tabletten nehmen. Hoffe das auch dies sich in nächster zeit ablegt. Ich guck mir mal die Seite an. Glingt gut Danke für den Tipp

Viele Grüße

18.10.2015 18:11 • x 1 #2



Keine Angst & Panik mehr - konditioniertes Verhalten?

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Danke für deine Antwort Filou.
Tabletten hab ich nie genommen, davor hatte ich zuviel Respekt.
Ich habe mich ein wenig mit konditioniertes Verhalten beschäftigt. Sehr interessantes Thema.
Damit werde ich mich wohl noch eine Weile auseinandersetzen, denn ich will endlich raus aus dieser Angst!

Christian

18.10.2015 18:24 • #3


Ich kenne jetzt die Seite nicht, würde aber behaupten, dass es doch irgendwie auch logisch ist oder nicht?

Die übertriebene Angst ist etwas, was dein Gehirn gelernt hat, also kannst du es ihm auch wieder VERlernen.

Das Problem ist ähnlich wie die Abnehmerei.
Angefressen hat man es sich schnell, das Essverhalten wird irgendwann zur Gewohnheit,
aber abzunehmen und sich sein verinnerlichtes Essverhalten wieder abzugewöhnen ist super schwer.
Rauchen wäre jetzt auch ein Beispiel...

Bei der Angst ist es exakt genau so.
Die Angst kommt plötzlich, übermannt einen total. Erschüttert und schockiert so sehr.
Das speichert das Gehirn und bringt es also jetzt immer zum Vorschein,
wenn man angespannt ist oder ähnliche Situationen wiederholt erlebt.
Das kann man dem Gehirn natürlich wieder abtrainieren.
Aber je öfter und je länger man die Angst spürt, desto schwerer ist es.
Aber nicht unmöglich.

Im Grunde ist die Angst nur ein kleiner Hinweisgeber, dass irgendwas im Leben schief läuft.
Das Problem ist nur, dass wir alle falsch reagiert haben. Wir haben uns nämlich nicht gedacht:
"Mensch, jetzt muss ich aber aufpassen." Sondern eher: "Oh Gott, was ist das? Was will das von mir?"
Und dann haben wir uns nur noch auf die Angst und die Angst vor der Angst konzentriert.
Und nicht auf das eigentliche Problem!

Aber das kann man uns erst mal auch nicht vorwerfen.
Denn die Angst ist nun mal eine riesen Watsch'n, die uns getroffen und schockiert hat.
Da schaut man eben erst mal blöd.


Also zurück zum Thema: JA, ich bin sicher, das ist der EINZIG mögliche Weg:
Die Angst muss verlernt werden.
Die Angst muss weg gedacht werden.
Das Verhalten muss konditioniert werden.

Sau schwer.
Aber möglich.

Eben genau so, wie abnehmen und zum Rauchen aufzuhören.

18.10.2015 18:48 • x 1 #4


Stimmt, das hört sich wirklich logisch an.
Danke für deinen Text Paddelmädchen. Das gibt mir zu denken und ich werde mir die Videos anschauen und berichten.

Christian

18.10.2015 19:53 • #5


Filou
Paddelmädchen, ich gebe dir da auch voll kommen recht. Dein Beispiel mit dem Abnehmen finde ich gut, aber ist schon schwer dabei zu bleiben. Und noch schwerer wenn man Angst hat. Aber klar, die Angst hat man sich auch irgend einer Situatuion her angelernt und die muss man auch verlernen. Manchmal ein schwieriger und langer Weg.

18.10.2015 20:09 • #6


Ich möchte noch etwas ergänzen:

Wir selbst haben die Angst so groß gemacht.
Wir selbst haben ihr die Möglichkeit gegeben, so groß zu werden.
Wir selbst können Sie wieder klein machen (NICHT verschwinden lassen).
JA, wir KÖNNEN sie konditionieren.

Warum?

Hört euch mal um.
JEDER hat schon ähnliche Erfahrungen gemacht.
Das fällt mir erst auf, seit es mir selbst passiert ist.
"Das hat mich so schockiert, dass ich eine PA bekommen hab."
"Da hatte ich total Herzrasen."
"Ich bin seit Wochen total Nervös, weil ich so viel Stress habe."

Diese Leute haben ALLE das, was wir haben.
Sie denken sich nur nix dabei.
Bzw. ziehen rechtzeitig die Notbremse und hören auf ihren Kopf und Körper.

Vor Jahren hatte ich mal eine PA. Die konnte mir nix.
Die hatte ich Nachts und am Vormittag hab ich schon gar nicht mehr darüber nachgedacht. Das Thema war für mich mit dem Gedanken "Es war aber auch ne stressige Woche, nie eine Sekunde Pause für mich, ständig Leute um mich rum, ständig Termine." erledigt.

Wenn man es so betrachtet, würde man jetzt meinen, es ist leicht, das Ganze wieder los zu werden. Man müsste sich ja NUR sagen: "Danke liebe Angst für den Hinweis, ich pass jetzt wieder besser auf mich auf."

Aber dieses Gefühl, dass einem die Angst nicht nur gleichgültig ist, sondern, dass man ihr sogar noch dankbar für den Hinweis ist, das ist schwer sich wieder beizubringen, oder wie du Christianx sagen würdest, sich zu konditionieren.

Wie gesagt: Trotzdem aber möglich!

Lest mal meinen Beitrag "mein neues Leben".
Da steht sehr viel drin, was mir persönlich viel geholfen hat.

Und nehmt euch vor: JETZT sofort anzufangen, die Situation zu verändern. Nicht erst morgen oder später. Je länger ihr wartet desto schwerer ist es.

Ihr müsst euch Folgendes verinnerlichen:

- Lebt "einfach" weiter, als wäre die Angst nicht da.
- Ignoriert sie. Bzw. sagt euch: "Guten Morgen Angst, auch wenn du da bist, mach ICH mir heute einen schönen Tag."
- Lenkt euch ab. Ständig. Immer. Andauernd. Ich habe mich so oft wie möglich mit Leuten getroffen. Freunden. Bekannten. Gespräche lenken hervorragend ab. Das Ganze ist natürlich mit Angst extrem anstrengend, aber es hat mir wirklich sehr gut geholfen.
- Dann hat sich bei mir langsam aber sicher eine Akzeptanz für die Situation eingestellt und ich habe begonnen zu spüren, WAS mir die Angst sagen will.

Also: wenn es euch besser geht, fangt dringend an, die Grundsituation zu verbessern. Denn die Angst kommt tatsächlich nicht grundlos. Also forscht nach: Was läuft schief? Was tut euch nicht gut?

Als Beispiel:
Vor kurzem hab ich mich maßlos über Jemanden geärgert. So sehr, dass ich es nicht beschreiben kann. Da es aber Jemand ist, den ich regelmäßig treffen MUSS, da sie zur Familie meines Mannes gehört und zwangsläufig auf Geburtstagen etc. anwesend ist, wollte ich mich im Nachhinein nicht aufregend, weil ich gern lernen möchte, besser mit ihrer Bösartigkeit umzugehen.

Als wir wieder zu Hause waren hab ich schon gemerkt, wie mein Gedankenkarusell losging und als meine Beine unkontrolliert zum Zittern anfingen und ich meinen Herzschlag spürte, wusste ich, es muss jetzt raus.

Ich hab meine ganze Wut raus gelassen und mich bei meinem Mann richtig ausgek*tzt. Danach war ich sofort entladen und entspannt und nichts mehr von Nervosität und Angst zu spüren. Tja.... Hier muss ich definitiv noch an mir arbeiten.

19.10.2015 10:24 • #7




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