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Hallo,

Ich mache gerade eine akute Phase mit Angst und Panik durch.

Hatte vor 1,5 Jahren eine Erschöpfungsdepression die auch durch Angst und Panikattacken begleitet wurde.
Konnte mich davon sehr gut erholen und bis auf 2 kleinere Einbrüche lies es mich die letzten Monate in Ruhe.

Vor 1,5 Monaten fing ich eine neue Arbeit an und ab Herbst wollte ich eigentlich noch ein Studium nebenbei machen.
Leider verfolgen mich seit 3 Wochen wieder vermehrte Angst/Panikattacken und Schlafprobleme.

Der Trigger war wohl das ich in letzter Zeit wieder vermehrt gespührt hab das mein Körper solche "Ich will einfach nur liegen und weinen" Signale geschickt hat bzw, das mir alles zuviel wird.

Die letzten 2 Wochen waren ein auf und ab, hatte schlechte Phasen und sehr gute und gestern, nachdem ich dachte ich bin über den Berg hat es mcih dann leider doch wieder voll erwischt und will einfach nicht weggehen.

Ich nehm seit 1,5 Wochen wieder Venlafaxin 75mg und zum schlafen 150mg Trittico und bei bedarf Xanor 0,25 und gehe wieder in Therapie.

Ich bin gerade etwas überfragt wie ich hier weiter vorgehen soll, zur Zeit hab ich einfach nur Angst das ich nächste Woche beim arbeiten wieder diese Panik/Angst aushalten muss.

Soll ich einfach noch ein bissl durchhalten bis die Medikamente anschlagen oder lauge ich mich dadurch noch mehr aus?
Oder besser doch mal 1 Woche Krankenstand das ich mich wieder beruhigen kann?

13.08.2021 08:06 • 28.09.2021 x 1 #1


62 Antworten ↓


moo
Guten Morgen Radler

eine echte Erschöpfungsdepression hinterlässt Spuren, die man mitunter auch jahrlang noch spürt. Bei mir sind es nun schon über 6 Jahre, dass ich mich auf dem Weg der Besserung befinde. Allerdings habe ich sehr viel dafür getan - sowohl für die Erschaffung des Burn-outs wie danach für die Umsetzung der sich daraus ergebenen Einsichten.

Teil dieser Einsicht war, die größten Stressfaktoren zu beenden, sofern irgendwie möglich. Und es war vieles möglich, wenn auch für viele Beteiligte eine nicht immer angenehme Umstellung.

Natürlich ist jeder Mensch anders. Jedoch ging meine Bimmel an, als ich las, dass Du neben einem neuen Beruf auch noch ein Studium parallel machen willst. Das sind zweifelsohne Herausforderungen, die sich ein Ex-Burn-outler (wir bleiben es m. E. eh für immer...) in Kombination wirklich dreimal überlegen sollte.

Normalerweise arbeiten bei uns die Nebennieren nur noch auf Minimalleistung und das für z. T. lange Zeit. Jede Panikattacke schwächt sie zusätzlich. Daher mein akuter Tipp: Mach eine Woche krank, besser noch, zwei.

13.08.2021 08:20 • x 2 #2



Akute Phase der Angst vor der Angst

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Es ist doch ziemlich deutlich: du mutest dir zu viel zu und übergehst die wichtigen Inseln der Ruhe in deinem Alltag. Muße, Natur, Liebe, Nichtstun, Entspannen, Leerlauf. In deinem Satz "Ich will einfach nur liegen und weinen" ist es so schön ausgedrückt. Warum machst du es nicht? Jeden Tag auch mal hinlegen und gegebenenfalls weinen? Wenn du immer rotierst und "Entspannung" bei dir auch wieder nur Aktion und/oder Ablenkung ist, wundert es nicht, dass du Ängste, Panikattacken und Depressionen hast. Hat dich die Therapie nicht in diese Richtung geführt?
Ganz liebe Grüße

13.08.2021 08:32 • x 4 #3


Zitat von moo:
Guten Morgen Radler eine echte Erschöpfungsdepression hinterlässt Spuren, die man mitunter auch jahrlang noch spürt. Bei mir sind es nun schon über 6 Jahre, dass ich mich auf dem Weg der Besserung befinde. Allerdings habe ich sehr viel dafür getan - sowohl für die Erschaffung des Burn-outs wie danach für ...

Danke für deine Antwort.
Mein damaliger Burnout war mMn kein richtiger Burnout, war nur für 5 Wochen im Krankenstand.
Der Grund für den Burnout war nicht wirklich überarbeitung sondern das ich sehr lange nach einem Infekt nicht richtig gesund war und das hat so wie heute dieses "Überfordert sein" Gefühl ausgelösst.

Es irritiert mich hald das ich guten Phasen das Gefühl habe ich könnte das ja schaffen und mir nur die Angst in die quere kommt. Es macht auch nichts wenn ich das Studium abbrechen muss ...

13.08.2021 08:36 • x 1 #4


Zitat von Fauda:
Es ist doch ziemlich deutlich: du mutest dir zu viel zu und übergehst die wichtigen Inseln der Ruhe in deinem Alltag. Muße, Natur, Liebe, Nichtstun, Entspannen, Leerlauf. In deinem Satz "Ich will einfach nur liegen und weinen" ist es so schön ausgedrückt. Warum machst du es nicht? Jeden Tag auch mal hinlegen und ...

So direkt hat er es nicht gesagt aber stimmt er meinte schon ich muss mehr Bedürfnissorientiert handeln.

Ich schaffs hald dann auch oft nicht das ich auf der Couch so richtig abschalte den irgendwann kommt die Angst vor Nacht und dem einschlafen.

Ich würde gerne weinen aber es fällt mir irgendwie schwer das es raus kommt. So ein reiner Weinkrampf ohne Panik und Verzweiflung wäre mal schön! Kann man das lernen?

13.08.2021 08:42 • #5


Zitat von cyclingdude:
So direkt hat er es nicht gesagt aber stimmt er meinte schon ich muss mehr Bedürfnissorientiert handeln. Ich schaffs hald dann auch oft nicht das ich auf der Couch so richtig abschalte den irgendwann kommt die Angst vor Nacht und dem einschlafen. Ich würde gerne weinen aber es fällt mir irgendwie schwer das es raus ...

Das weiß ich nicht. Ich kenne das Weinen und erlebe es als sehr großen Schmerz, der tief an die Substanz geht. Danach fühle ich mich zwar etwas aufgeräumter, aber wurde auf lange Sicht den Schmerz nicht los. Mir tut dann alles unendlich leid: Eltern, Kindheit, Leben, Kämpfen, Sinnsuche, diese ungeheure Anstrengung und die Sehnsucht nach innerem Frieden, diese unerfüllte Sehnsucht. Vielleicht solltest du die Couch nicht als Plattform für dein persönliches Zur-Ruhe-kommen wählen sondern einen Spaziergang durch die Natur und das Verweilen in ihr. In die Stille hören
Liebe Grüße

13.08.2021 08:58 • x 1 #6


Ich glaub ich muss mir eingestehen das ich mich da übernommen hat und mich mein Hirn schon warnt und sagt ich halte die emotionale Doppelbelastung nicht aus! Ich bin heute soweit das ich das Studium Absage und mich Mal nur auf die Arbeit konzentriere. Mein Kopf dankte es mir gleich mit merkbarer Entspannung! Ich mach mir zwar Hoffnungen das es mir dadurch gleich besser geht aber wsl. Ist auch nur mit der Arbeit eine Herausforderung. Sie wirkt aber zumindest schaffbarer auch wenn ich mal eine schlechte Phase habe.

Ich geb dem ganzen jetzt Mal ein paar Tage und hoffe die Panik und Angst legt sich dadurch. Falls nicht melde ich mich sicherlich wieder

13.08.2021 18:34 • #7


Nora5
Zitat von cyclingdude:
Ich würde gerne weinen aber es fällt mir irgendwie schwer das es raus kommt. So ein reiner Weinkrampf ohne Panik und Verzweiflung wäre mal schön! Kann man das lernen?

ja, definitiv! Ich übe es gerade

13.08.2021 23:05 • #8


Nora5
Zitat von cyclingdude:
Soll ich einfach noch ein bissl durchhalten bis die Medikamente anschlagen oder lauge ich mich dadurch noch mehr aus?
Oder besser doch mal 1 Woche Krankenstand das ich mich wieder beruhigen kann?

Hey Du,
das wird Dir niemand beantworten können. Und das steht auch niemandem zu!
Es geht um deinen Körper, Deine Psyche und Dein Leben! Hör darauf, was Dein Bauch Dir sagt.
Was brauchst Du im Moment?
Nach meinem Burnout brauchte ich acht Monate Arbeitsstunden zählen, um diese runter zu kriegen und mich selbst umzuprogrammieren. Jetzt hab ich mir diese ungesunden Sachen abgewöhnt.
Jetzt zur Zeit geht es mir super mies, aber ich weiß, die Arbeit hilft mir auch sehr, Struktur zu finden und zu sehen, was ich kann. Das gibt mir Kraft und stabilisiert mich

13.08.2021 23:09 • #9


Nora5
Zitat von cyclingdude:
Bedürfnissorientiert

tolles Psychologenwort

13.08.2021 23:10 • x 1 #10


Nora5
Zitat von cyclingdude:
Ich schaffs hald dann auch oft nicht das ich auf der Couch so richtig abschalte

das hatte ich richtig lange das Problem. Jetzt gehts viel besser. Meine Lösung war Hörbuch in Kombination mit Videospiel. Und Brettspiele mit Freunden, die so knifflig sind, dass ich 100 % fokussiert sein muss

13.08.2021 23:11 • #11


Nora5
Zitat von cyclingdude:
Ich geb dem ganzen jetzt Mal ein paar Tage und hoffe die Panik und Angst legt sich dadurch. Falls nicht melde ich mich sicherlich wieder

viel Erfolg! Melde Dich auch, wenn es gut ist!

13.08.2021 23:13 • #12


Schlaflose
Zitat von cyclingdude:
Vor 1,5 Monaten fing ich eine neue Arbeit an und ab Herbst wollte ich eigentlich noch ein Studium nebenbei machen.

Das kann kaum jemand schaffen, selbst wenn man psychisch vollkommen stabil ist. Ein Studium, wenn man es ernsthaft betreibt, ist quasi ein Vollzeitjob. Man kann nebenher ein paar Stunden einen Aushilfsjob machen, aber mehr geht nicht, ohne dass entweder das Studium oder die Arbeit leidet.

14.08.2021 07:16 • #13


Hallo, gestern Abend und heute ging es mir phasenweise schon wieder sehr gut, ich hab zwar schon noch öfters solche überforderte Momente wo ich merke das die Panik zünden will aber sie findet jetzt nicht mehr so viel Brennstoff. Ich war gestern wieder so euphorisch aber heute merke ich das es sicher noch ein Kampf wird! Danke für eure lieben Tipps!

14.08.2021 13:26 • #14


Und wieder eine Nacht mit Angst und Verzweiflung werde mich nächste Woche krankschreiben lassen und hoffe das ich bald einen Termin bei einem Psychiater bekomme, würde mich am liebsten einweisen lassen! Hoffe das Venlafaxin erleichtert mir das alles bald ein wenig.

15.08.2021 07:43 • #15


Mich würde jetzt noch eine Meinung von euch interessieren. Mein Panik und Angst kommt auch oft auf der Couch wenn ich eigentlich entspannen will. Ich merke dann ein Gefühl der Angst und Hilflosigkeit, beginne zu schwitzen und meine Arme werden ganz kalt.

Es wird dann aber keine richtige Panikattacke sondern bleibt in dem Stadium.

Macht es hier Sinn es eher auszuhalten und versuchen klein zu reden oder soll ich lieber die Situation verlassen, kurz aufstehen und durchatmen bis es besser ist? Oder doch lieber eine xanor nehmen?

15.08.2021 10:36 • #16


Bewege dich - am besten sportlich, lass Spannung ab durch Kraftanstrengung. Mindestens eine halbe Stunde.
Danach schau, wie es dir dann geht.
Liebe Grüße

15.08.2021 10:44 • #17

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Hotin
Zitat von cyclingdude:
Mich würde jetzt noch eine Meinung von euch interessieren. Mein Panik und Angst kommt auch oft auf der Couch wenn ich eigentlich entspannen will. Ich merke dann ein Gefühl der Angst und Hilflosigkeit, beginne zu schwitzen und meine Arme werden ganz kalt.


Nicht nur Deine Panik und Angst kommen besonders dann hoch, wenn Du Dich entspannen möchtest.
Anderen Menschen geht es oft genauso. Das sollte Dir zeigen.
Du solltestmöglichst bald einen Weg finden, Deine innere Ruhe und Dein inneres Gleichgewicht
wieder zu erhalten.

Zitat von cyclingdude:
Oder besser doch mal 1 Woche Krankenstand das ich mich wieder beruhigen kann?


Wenn Du Deine Art zu denken und Dein Verhalten nicht veränderst, wie kann sich dann da etwas beruhigen?

Zitat von cyclingdude:
Vor 1,5 Monaten fing ich eine neue Arbeit an und ab Herbst wollte ich eigentlich noch ein Studium nebenbei machen.
Leider verfolgen mich seit 3 Wochen wieder vermehrte Angst/Panikattacken und Schlafprobleme.


Kann es sein, dass das, was Du Dir im Moment vorgenommen hast, derzeit etwas zu viel ist?

15.08.2021 11:02 • #18


@Hotin
Zitat:
Kann es sein, dass das, was Du Dir im Moment vorgenommen hast, derzeit etwas zu viel ist?


Ja natürlich! Neue Arbeit, Partnerin ist schwanger und eigentlich wollte ich noch studieren, letzteres hab ich jetzt aber schon abgeblasen und hatte gehofft ich nehm der Panik damit den Brennstoff.

Zitat von Hotin:
Deine innere Ruhe und Dein inneres Gleichgewicht
wieder zu erhalten.


Das würde ich ja auch gern, aber je mehr ichs versuch desto mehr mach ichs falsch -.-
Ich nehme mir jetzt mal bewusst den äußeren Stress damit ich mich dem inneren Stress widmen kann. Und mit widmen mein ich nur das ich in Krankenstand geh und einfach versuche die Tage ein bisschen zu genießen und das zu machen wonach mir ist!

15.08.2021 11:23 • x 1 #19


Hotin
Zitat von cyclingdude:
Und mit widmen mein ich nur das ich in Krankenstand geh und einfach versuche die Tage ein bisschen zu genießen und das zu machen wonach mir ist!

Und wonach ist Dir?

15.08.2021 12:02 • #20



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