@Puffel1981
Zitat von Puffel1981: Man weiß nicht, was der Grund meiner Ängste ist. Das heißt, ich hatte eine superschöne Kindheit, ich bin das älteste Kind, habe noch zwei jüngere Geschwister,
super Verhältnis mit meinen Eltern, keinerlei Konflikte oder besondere Ereignisse, die das rechtfertigen könnten.
Genau das hätte ich vor 5 Jahren auch gesagt. Das ist de facto auch so. Trotzdem liegen die Ursachen für solche hartnäckigen Angststörungen in der Kindheit.
Zitat von Puffel1981: Ich weiß heute, dass meine Mutter sehr behütet und vorsichtig mit mir umgegangen ist. Ich war das erste Kind, sie war mit 17 Jahren sehr jung, und alle wollten nur das Beste für mich. Sie wollte jeglichen Stress und Böses von mir fernhalten, Kategorie Käseglocke. Da könnte ein Ansatz zu finden sein.
Das ist auf jeden Fall eine ungünstige Komponente, die da mit reinspielt.
Zitat von Puffel1981: Ansonsten ist es eine Mischung aus Genen, antrainierten falschen Verhaltensweisen und Denkmustern und vor allem Dauerstress gewesen, der das ausgelöst oder begünstigt hat
Gene - nein. Epigenetik - ja. Antrainierte Verhaltensweisen und Denkmuster - absolut.
Ich schildere Dir jetzt mal meine Sicht der Dinge auf die Ängste, so wie es sich beim mir verhält: In der Regel lieben Eltern ihre Kinder und sie wollen nur das Beste für sie. Aber auch sie bringen halt ihre Geschichte und nicht verarbeitete Glaubenssätze mit. Das, was auf ein Kind negativ wirkt, sind nicht einzelne Ereignisse oder bestimmte Begebenheiten. Es ist die ganze Atmosphäre, in der das Kind aufwächst und die es förmlich in sich aufsaugt. Logischerweise kann es das aber nicht rational beurteilen wie ein Erwachsener, sondern sich Dinge nur aus seiner (unlogischen) Kindersicht erklären. Viele Dinge bezieht es auf sich (Schuld) und sucht mit seinen Mitteln und Möglichkeiten einen Ausweg. Daraus bilden sich Glaubenssätze, die auch im Erwachsenenleben noch aktiv sind weil wir sie in der Regel nicht anpassen. D.h. wir leben ein Erwachsenenleben, bewerten aber noch durch die Kinderbrille.
Mal ein Beispiel von mir: mein Vater hat mich wirklich sehr geliebt. Mein Verstand weiß das. Aber er strafte mit Liebesentzug. Wenn ich eine "Verfehlung" begangen hatte, sprach er manchmal tagelang nicht mehr mit mir. Ich war ein unglaublich sensibles und ängstliches Kind und für mich waren diese Situationen sehr bedrohlich und schrecklich. Ich passte also mein Verhalten an, dass ich immer lieb und brav war, nie Wiederworte gab, meine Meinung für mich behielt und besonders Wut und Aggression nicht zuließ. Dieses Verhalten lebte ich auch Erwachsene - was auch erst mal geht. Aber irgendwann meldet sich die Seele, weil ich alles schluckte, alles wegdrückte, immer ja sagte, mich nie abgrenzte. Und da die Seele nicht reden kann, kommuniziert sie mit uns über körperliche Symptome und Ängste. Ja, ich hatte auch eine großartige Kindheit. Ich wurde nie geschlagen. Aber das, was der Liebesentzug bei mir angerichtet hat, war viel, viel schlimmer und verheerender bei mir als gelegentlich Mal eine Backpfeife (was jetzt natürlich kein Aufruf sein soll, Kinder zu schlagen!). Bei Dir wird das zu einem großen Teil die Glasglocke und das Verhalten Deiner Mutter gewesen sein, gegen das Du jetzt kämpfst.
Vielleicht bekommst Du jetzt mal den Hauch einer Idee, wo die Ursachen für solche Erkrankungen liegen können. Und diese Hintergründe kannst Du in keiner Klinik und keiner Verhaltenstherapie aufdecken. Das braucht unglaublich viel Zeit, Mut und Ehrlichkeit mit sich selbst. Ich bin diesen Weg gegangen und ich kann nur sagen - je mehr Glaubenssätze ich bei mir aufgelöst habe, desto weniger Ängste hatte ich und die körperlichen Symptome gingen mehr und mehr zurück.
Und - ganz wichtig - es geht hier nicht um Schuld oder Schuldzuweisen, sondern darum es erst einmal zu verstehen und zu akzeptieren.