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CosmicPancake
Für mich geht es heute auch in den Urlaub und ich bin wie immer sehr aufgeregt. Ich versuche es als normale Aufregung zu akzeptieren. Der Urlaubsort ist etwa 350km von zu Hause entfernt und wir waren schon oft dort. Bisher ging es mir nach kurzer Eingewöhnung immer sehr gut dort und so wünsche ich auch, dass es dieses Jahr wird.

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K
Dann wünsche ich dir einen schönen Urlaub und dass du dich schnell an deine neue Umgebung gewöhnst🍀

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A


Agoraphobie und Urlaub

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P
Hallo, ich würde hier gerne weiter machen in diesem Thread damit ich nicht extra einen neuen Eröffnen muss. Mein Urlaub hat mich mich gefühlt zerstört. Ich leide "offiziell"diagnostiert seit 11 Jahren, eigentlich sind es bereits über 20 Jahren an einer generalisierten Angststörung und einer Agoraphobie. Diese hat sich in den letzten Jahren enorm gesteigert. Ich gehe seit Monaten eigentlich seit Jahren nicht mehr raus. Alles erledigt meine Frau und mein Sohn. Manchnal gibt es Tage, da gehe ich mal Müll wegbringen oder ich schaffe es manchmal zu meinen Hausarzt mehr ist aber nicht drin. Nun war ich das letzte mal im Urlaub ich glaube 2018. Jeden Meter een ich von meiner Wohnung weiter weg bin, macht mir wahnsinnige Probleme. Nun war ich dieses Kahr extrem motiviert, meinen Teufel den Finger zu zeigen und wollte unbedingt mit an die Ostsee. Schönes ruhes Haus gemietet gefühlt im Nirgendwo aber Strand und Meer um die Ecke.

Nun begann 2 Wochen vor dem Urlaub so eine merkwürdige Wahrnehmungsstörungen ich glaube man nennt es Derealisation, ich kannte das schon von früher, weil ich das mal tageweise hatte, wenn viel Streas und Überlastung stattfand. Ich denke, dass war der erste Hinweis meine Unterbewusstsein der sagte, lass es lieber bleiben. Ich hörte nicht drauf und versuchte mich weiter zu motivieren. Die letzten Jahre war es denn immer so, dass ich eine Nacht vorher mental zusammengebrochen bin und die Urlaube abgesagt habe. Meine Familie ist denn alleine gefahren. Es war diesmal wieder so. Eine Nacht vor der Fahrt, stand ich wieder im Wohnzimmer, hab fast geheult und zu meiner Frau gesagt, ich kann nicht mitkommen mir geht es so unendlich schlecht. Ich sagte zu ihr, lass uns das mirgen fruh entscheiden ob ich mitkomme oder nicht. Nächsten Tag ging es mir elendig schlecht, die Nacht nicht geschlafen, Puls hich6, Blutdruck trotz Medis bei 170/100 alles auf Anschlag und ich sah alles um mich herum nur benebelt und hab garnicht mehr richtig reagiert.

Ich habe auch Angst Auto zu fahren vor allem Autobahn. Ich bin seit über 1 Jahr kein Auto mehr gefahren (als Beifahrer) und Autobahn das letzte mal vor über 6 Jahren. Auch die Fahrzeit con 3 Stunden waren fur mich utopisch lang. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und sagte, ich komme mit. Wir fuhren los und mir ging es wie man sich denken kann, abgrundtief schlecht. Hab mir Kopfhörer aufgesetzt und mir irgendwas beruhigendes angehört. Das hat halbwegs funktioniert. Wir kamen an, und ich nahm irgendwie das erstes mal wirklich die Realitat war, dass ich weit weg bin von Zuhause, das hier nichts ist, kein Arzt, kein Krankenhaus, Handyempfang schlecht und das alle steigerte meine Angst immer weiter. Meine Wahrnehmung wurde so schlimm, dass ich dachte ich kippe jetzt um. Ich verbrachte den ganzen restlichen Tag nur in meinem Zimmer, meine Oberschenkel zitterten (hatte ich noch nie) mein Puls lag bei 130 in Ruhe und mein Blutdruck bei 210/120. Meine Angst wurde so groß, dass ich meine Gedanken nicht ubter Kontrolle bekommen habe, meine Frau wollte sie Feuerwehr rufen, was mich wiederum in weitere Angat versetzte weil ich nicht wusste, wo die mich hinbringen und wie es denn weitergeht. Also blieb ich einfach im Zimmer liegen und hoffte, die Nacht zu überstehen une mich irgendwie zu beruhigen. Das passierte nicht. Ich bleib die ganze Nacht wach, sie zweite in Folge. Nachsten Tag lief rum wie Frankenstein, Puls hoch, Blitdruck hoch und am schlimmsten war diese Wahrnehmungsstörungen. Ich hatte das Gefühl das alles ringsherum von mir nicht mehr wirklich real / essistent ist. Ich dachte so muss aich ein Dro. anfühlen. Ich war emotional leer, am Ende und lief wie benebelt umher. Ich find Nachmittags an zu weinen. Wir brachen den Urlaub nach 1 Tag ab. Nun bin ich seit 1 Woche wieder Zuhause und hatte gehofft, dass sich nun alles wieder beruhigt aber irgendwie tat es das nicht. Puls und Blutdruck sind wieder normal und ich spüre diese Angst und enorme Anspannung nicht mehr. Was geblieben ist, ist aber dieses benebelte nicht ganz da zu sein. Es gab zwiwchendurch Tage bei denen ich das Gefühlt hatte, es sei besser und freut mich denn auch gleich wie nen Keks. Nächsten Tag, zack alles wieder da. Das macht mir nun Angst. Ich habe gelesen, dass mein Nervensystem die Tage auf absoluten Hochtouren gelaufen ist und ich mich auch diversen Ängsten gestellt habe (Urlaub weit weg von Zuhause, Autobahn, Auto fahrennuber mehrere Stunden) und das das zu viel war. Muss sich das Nervensystem nicht langsam beruhigt habebln nach einer Woche? Oder habe ich jetzt die Büchse der Oandorra geöffnet ?

x 2 #63


P
Ich wollte den Beitrag etwas von Fehlern befreien, aber ich kann diesen nicht mehr editieren und bearbeiten. Kein Ahnung wieso.

#64


CosmicPancake
@Puffel1981 Ich denke, dass das vielleicht zu viel Konfrontation auf einmal war. Bei der Vielzahl an Dingen, die Du vermeidest würde man sukzessive beginnen und nicht alles auf einmal. Bist du in Therapie?

Ich bin gestern sehr gut in den Urlaub gekommen und hatte nur beim Besuch des Supermarktes Angst gespürt, die ich aber durch positive Gedanken gut eindämmen konnte. Leider habe ich die erste Nacht sehr unruhig geschlafen (laut meiner SmartWatch die schlechteste seit langem) und ich bin mit einem ängstlichen Gefühl wach geworden. Hat jemand Ideen, wie ich jetzt optimal die gute Erfahrung von gestern ausbauen kann und Rückschritte vermeide?

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S
Editieren kann man nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters. Finde ich auch doof.
Ja schade mit deinem Urlaub. Vielleicht solltest du mit kleineren Schritten in deinem Alltag dein Vermeidungsverhalten versuchen abzubauen, der Urlaubsversuch war wohl ein zu großer Schritt und du hattest keine Skills mit der Angst umzugehen. Das ist dann natürlich sehr unangenehm und wirkt auch noch nach. Wie sieht es aus mit Therapie und Medikamenten?

x 1 #66


S
Oh da haben wir fast zeitgleich geantwortet und das gleiche gedacht. 🙂

#67


S
Zitat von CosmicPancake:
Leider habe ich die erste Nacht sehr unruhig geschlafen (laut meiner SmartWatch die schlechteste seit langem) und ich bin mit einem ängstlichen Gefühl wach geworden. Hat jemand Ideen, wie ich jetzt optimal die gute Erfahrung von gestern ausbauen kann und Rückschritte vermeide?

Du hast immerhin geschlafen, wenn auch unruhig. Gib dir Zeit zum ankommen und ängstliche Gefühle in der neuen Situation dürfen sein. Was ist heute geplant?

#68


CosmicPancake
Zitat von silberauge:
Du hast immerhin geschlafen, wenn auch unruhig. Gib dir Zeit zum ankommen und ängstliche Gefühle in der neuen Situation dürfen sein. Was ist heute ...

Noch gar nichts. Ich denke wir werden in Ruhe frühstücken und ein bisschen die Umgebung erkunden.
Ich habe das Gefühl von Unruhe, aber mein Puls ist noch okay. Manchmal bekomme ich dann die Kurve, manchmal bleibt's den ganzen Tag so.

#69


S
Langsam angehen lassen und ein bisschen ablenken klingt gut, die Unruhe löst sich dann sicher nach und nach auf. Dann erstmal gutes Frühstücken👍

x 1 #70


Kruemel_68
@Puffel1981 Beim lesen Deines Beitrages tun sich bei mir viele Fragen auf. Du schreibst, Du schlägst Dich seit 20 Jahren mit dem Problem herum. In dieser langen Zeit scheinst Du Dich sehr wenig mit den "Grundlagen" einer Angststörung beschäftigt zu haben.

Warst Du bereits in Therapie? Kennst Du die theoretischen Grundlagen, wie eine Angststörung "funktioniert". Hast Du jemals einen medikamentösen Ansatz probiert? Hast Du jemals geschaut, welche Probleme Deiner Angststörung zugrunde liegen und bist diese angegangen? Was hast Du in den letzten 11 Jahren unternommen, um wieder das Haus verlassen zu können? Arbeitest Du?

Ich kenne es von mir so, dass ich in den letzten 10 Jahren, in denen ich mich mit dem Problem rumschlage, Schritt für Schritt immer mehr über mich und die dahinter liegenden Ursachen gelernt habe. Ich habe Tonnen an Büchern gelesen, die Erfahrung gemacht, dass Medikamente mir nicht helfen und nicht mein Weg sind, und Dutzende von Stunden in Therapiesitzungen verbracht. Ich habe entsprechend der dort gewonnen Erkenntnisse mein Leben umgekrempelt und bin so Schritt für Schritt da raus gekommen. Insbesondere habe ich der Angst aber nie so viel Raum gelassen, damit sie mich in meinem Haus einschließt. In dem ich immer und immer wieder in kleinen Schritten dagegen angekämpft habe.

Und die Betonung liegt hier auf "in kleinen Schritten". Ich frage mich ernsthaft, wie Du auf die Idee kommst, 350 km in den Urlaub zu fahren, wenn Du es zeitweise nicht mal zum Hausarzt schaffst. Das kann doch nur schief gehen. Ja, Du wolltest es Deiner Familie zuliebe machen. Das verstehe ich. Aber bei einer Angststörung hilft der Vorschlaghammer nun mal nicht.

Ein grundlegender Schlüssel ist die Akzeptanz. Ich akzeptiere erst einmal diese Krankheit und dass ich nicht alles machen kann. Und ich schaue für mich, was geht und das kommuniziere ich meiner Familie gegenüber. Parallel dazu bemühe ich mich mit allen Kräften, dass es mir besser geht. Und auch das kommuniziere ich meiner Familie gegenüber. Ich gebe nicht auf, aber akutell geht nur das und das.

Mein Mann möchte auch gern seit Jahren wieder einen Flugurlaub machen. Aber das wird mit mir nicht mehr machbar sein. Ich schaffe Autoreisen bis ins angrenzende Ausland (Niederlande, Österreich, Elsass etc.), mehr aber nicht. Und das habe ich meinem Mann ganz klar kommuniziert und ihm freigestellt, dass er sehr gern mit jemand anderem mal eine Flugreise ohne mich machen kann. Da bin ich fein mit. Und damit übernehme ich Selbstfürsorge für mich und akzeptiere, wie ich aktuell bin. Und ich vermeide damit einen kompletten Breakdown, so wie Du ihn gerade erlebst. Alle sind jetzt wahrscheinlich gefrustet, weil der Urlaub abgebrochen werden musste und Du wirst wahrscheinlich noch Wochen brauchen, bis sich Dein Nervensystem nach diesem GAU erholt hat.

Deine Familie fühlt sich natürlich auch für Dich verantwortlich und möchte Dir helfen. Und in dieser Situation ist es für Angehörige total gut und hilfreich, wenn Sie von Dir auch mal den Freifahrtschein bekommen: "Ich schaffe das jetzt aktuell nicht, aber ich würde mich freuen, wenn Ihr ohne mich in Urlaub fahrt, die Zeit ohne mich genießt und Spaß habt." Das entlastet die Angehörigen ungemein. Und, wie gesagt, Du solltest Dich dringend darum kümmern, Deinen Weg raus aus der Angst zu finden.

x 4 #71


blue1979
@Puffel1981 Hi ich denke durch die massive Ausschüttung von Stresshormonen braucht dein Nervensystem nun einfach paar Wochen zur Erholung und ich würde nun abwarten.
Es ist ein Balanceakt zwischen sich herauszufordern ohne sich zu überfordern und das lernt man leider selber mit der Zeit.

Ich finde es unglaublich mutig das du die Reise angetreten bist aber dein Nervensystem war schon über 1000% angespannt mit Derealisation und du hattest keinen Angstplan- was machst du bei akuter Dekompensation? Daher war der Abbruch richtig und du hättest da keinen Urlaub mehr gehabt sondern durch schlaflose Nächte noch weitere Verschlechterung riskiert.

Hast du schon mal über Bedarfmedikamente nachgedacht und hast du schon Therapien gemacht?

Wenn deine Familie allein in Urlaub fährt, könntest du allein zu Hause bleiben? Ich kann das nicht und fahre daher deswegen schon mit, ist aber ein anderes Thema.

x 2 #72


K
Wir fahren morgen wieder und mein Urlaub war bis jetzt ein Auf und Ab, dummerweise habe ich mir am
Mittwoch noch einen Schnupfen eingefangen. Das hat die Sache nicht besser gemacht. Mein Mann hat mir aus einer Apotheke Pascoflair mitgebracht, das hat etwas geholfen und Alk. B. wegen dem
Hopfen. Ich hatte in jeden Urlaub Heimweh, tatsächlich war es hier aber am schlimmsten. Ich glaube es liegt daran, dass hier keine größeren Städte sind und Berge🙈 die haben mich irgendwie eingeengt, Was hilft ist Ablenkung und dass du dir sagst, dass du in Sicherheit bist. Das sage ich mir die ganze Zeit. Wie sieht es bei dir aus? Wieviel km seid ihr von zu Hause entfernt? Meine letzte Therapeutin hat gesagt, das Geheimnis ist das Zulassen der Angst. Es ist tatsächlich so, dass irgendwann die Angst etwas nachlässt. Ich sage mir oft nach Anspannung kommt Entspannung. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch und auch noch den Mittwoch Vormittag hatte ich extremes Herzstolpern und Herzrassen mit einer Panikattacke. Irgendwann habe ich mir dann gesagt, dann sterbe ich halt, weil ich auch irgendwie nicht mehr konnte. Trotz Herzrasen bin ich dann irgendwann eingeschlafen. Ich habe am Mittwoch nicht gewusst wie ich den Tag überstehen soll. Vielleicht muss man wirklich eine sch.gal Einstellung bekommen. Ein wenig geholfen hat auch zu sagen, wenn es nicht mehr geht nach Hause zu fahren. Schwierig war allerdings auch, dass mein Sohn auch extremes Heimweh hat, er hatte immer Bauchschmerzen und ihm war schlecht. Er fühlte sich hier auch nicht sicher. Mein Mann tat mir da echt schon leid.

x 3 #73


K
UPS Kilometer wurden ja angeben🙈 sorry.

@puffel, ich würde auch mit einer kurzen Entfernung starten. Angst zu lassen und aushalten dass ist das Ziel und dann merken, dass nichts passiert. Ich habe das versucht zu machen. Ich muss aber auch sagen, dass es ein Auf und Ab ist. Weiter als 4 Stunden weg von zu Hause geht aktuell auch nicht. Fliegen und Kreuzfahrt würde auch nicht.

#74


Phyllis1
Zitat von Puffel1981:
Ich gehe seit Monaten eigentlich seit Jahren nicht mehr raus. Alles erledigt meine Frau und mein Sohn.

Was heißt das konkret, du gehst gerade mal bis zum Briefkasten oder Mülleimer, sonst bewegst du dich
nur in deiner Schutzzone Haus? Bist du in EU-Rente?

#75


P
Ich habe vorhin fast 1 Stunde daran gesessen hier zu antworten und habe den Beitrag auch abgeschickt. Nun wollte ich schauen, ob schon eine Antwort da ist und sehe es gibt gar keinen Beitrag von mir? Wo ist der hin? Jetzt muss ich wieder alles neu Schreiben traurig Also ich setze mich heute Abend nochmal dran und antworte ausführlich.

#76


Pineapplejuice
@Puffel1981 Am besten kopierst du deinen Beitrag, bevor du ihn (erneut) abschickst. So ist er nicht ganz verloren, wenn er wieder "verschwindet".

#77

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P
Das hatte ich sogar gemacht, aber nach dem Absenden des Beitrages hab ich den Laptop runtergefahren. Nachdem ich den PC hochfahren habe war nichts mehr in der Zwischenablage, somit alles weg. Ich schreibe den Text jetzt in Word oder einem Editor extern und kopiere ihn nachher hier rein.

x 1 #78


P
So, da meine Antwort vorhin schon so extrem lang geworden ist, versuche ich das jetzt etwas kürzer zu fassen.
Zunächst meine Diagnosen: generalisierte Angststörung, Agoraphobie und neuerdings steht auf den Überweisungen auch
irgendeine Schlafstörung ist aber jetzt nebensächlich. Die generalisierte Angststörung habe ich seit 2017 diagnostiziert und die Agoraphobiekam etwas später, glaube so 2020 herum. Aber eigentlich lebe ich damit seit meinem 17. Lebensjahr. Ich bin jetzt 44.

Gleich vorweg: Man weiß nicht, was der Grund meiner Ängste ist. Das heißt, ich hatte eine superschöne Kindheit, ich bin das älteste Kind, habe noch zwei jüngere Geschwister,
super Verhältnis mit meinen Eltern, keinerlei Konflikte oder besondere Ereignisse, die das rechtfertigen könnten. Ich weiß heute, dass meine Mutter sehr behütet und vorsichtig mit mir umgegangen ist. Ich war das erste Kind, sie war mit 17 Jahren sehr jung, und alle wollten nur das Beste für mich. Sie wollte jeglichen Stress und Böses von mir fernhalten, Kategorie Käseglocke. Da könnte ein Ansatz zu finden sein. Ansonsten ist es eine Mischung aus Genen, antrainierten falschen Verhaltensweisen und Denkmustern und vor allem Dauerstress gewesen, der das ausgelöst oder begünstigt hat. Und genau damit möchte ich auch einsteigen in der Geschichte.

Meine ersten Symptome begannen mit 17 Jahren im zweiten Lehrjahr meiner Ausbildung. In der S Bahn bekam ich auf einmal Herzrasen und Schweißausbrüche. Zunächst ignorierte ich das, da es aber zunehmend öfter vorkam, nun auch an anderen Orten, ging ich zum Arzt. Anders als heute, wo du schnell in die psychische Ecke gestellt wirst, begann man, mich komplett auf links zu drehen und mich "körperlich" zu untersuchen. Außer deinem hohen Blutdruck stellt man nichts fest, ich bekam Betablocker und Diazepam für meine Anfänge. Ich habe das Zeug allerdings nur einmal nehmen müssen und es hat mich weggehaun. Ich lernte also, damit zu leben, weil man mir sagte, es sei alles in Ordnung. Ich mache den Ärzten heute ein wenig den Vorwurf, dass niemand sagte: „Das könnte auch psychosomatisch sein. Gehen Sie mal zum Psychologen. Ich lernte also mehr oder weniger die nächsten Jahre, damit zu leben. Mal ging es einigermaßen gut und mal nicht. Da ich zunehmend immer öfter in der Notaufnahme landete mit Blutdruck- und Herzbeschwerden, meinte man irgendwann, ich solle mal einen Psychologen aufsuchen, weil das alles körperlich keinen Krankheitswert habe. Ich machte also 2018 eine ambulante kognitive Verhaltenstherapie und schloss diese auch ab. Allerdings mit mäßigem und kurzzeitigem Erfolg, da innerhalb kürzester Zeit alles wieder da war. Also überwies man mich zum Facharzt für Psychiatrie, bei dem ich heute noch in Behandlung bin. Dort machte ich nochmal eine psychisch funktionelle Ergotherapie (nichts gebracht) und er bot mir zusätzlich Medikamente an. Mit Medikamenten stehe ich allerdings etwas auf Kriegsfuß, da ich diese ablehne. Bis auf meine Blutdruckmedis nehme ich ansonsten nichts. Allerdings bin ich jetzt dazu übergegangen, seit 2 Monaten Opipramol einzunehmen. Die Dosis ist lächerlich, aber ich wollte nichts unversehrt lassen. Bisher keinerlei Erfolg zu verzeichnen. Die generalisierte Angststörung ist auch in den letzten Jahren zunehmend in den Hintergrund und die Agoraphobie immer mehr in den Vordergrund gerückt. Es wurde gefragt, ob ich arbeiten gehe, oder ob ich Rentner bin oder wie ich mein Leben meistere, ohne herauszugehen.

Arbeiten geht gar nicht mehr. Ich bin gelernter Handwerker, bin aber sehr schnell in den Bürobereich gewechselt und habe jahrelang selbstständig als Sachverständiger für den Berliner Senat in einem anderen Bereich, Ich bin Betriebswirt mit dem Schwerpunkt Personal und habe immer wieder versucht zu arbeiten, aber nach 3–6 Monaten habe ich wieder selber gekündigt, weil der Stress mich umgebracht hat. Das heißt, ich sitze seit nun 2 Jahren zu Hause, bekomme keine staatlichen Leistungen (Frau verdient zu viel) und mache nichts. Ich wurde vor einigen Jahren vom Jobcenter aufgefordert, einen Antrag auf EMR zu stellen, der natürlich abgelehnt wurde. 20 Stunden kann ich ja noch irgendwie arbeiten, mit diversen Einschränkungen, die zu berücksichtigen sind. Und wenn ich sage, ich gehe nicht mehr raus, dann ist das genauso, wie ich es schreibe. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einkaufen war, muss etliche Jahre her sein, meine Frau macht das oder wir lassen liefern. Ich muss alle 3 Monate mal zu meinem Hausarzt, der ist aber direkt über die Straße. Ansonsten stehe ich den ganzen Tag am Fenster und trinke Kaffee und gucke, wie die Menschen ihr Leben leben. Ich glaube inzwischen auch, dass ich deswegen eine mittlere Depression entwickelt habe .

Ich lese sehr viel und kenne meine Krankheit. Mein Psychiater sagte mal zu mir, dass wir die Plätze tauschen könnten, weil ich einfach viel zu viel lese. Es liegt also nicht am theoretischen Verständnis, was meine Krankheit ist und wie ich ihr begegne, sondern es ist die Umsetzung des Ganzen. Meine Psychologin meinte damals zu mir, dass ich einen so starken Charakter habe. Übersetzt heißt das wohl "festgefahrene harte Verhaltens- und Denkmuster" die ich mir in den letzten 20 Jahren eingeprägt habe, dass ich die nie wieder gänzlich losbekomme. Dafür komme ich einfach 20 Jahre zu spät. Ich habe über die Jahre gemerkt, dass eine meiner größten Ängste Verlustängste sind. Ich habe Angst, meinen Sohn zu verlieren, meine Frau, meine Eltern und Geschwister. Ich merke, wenn ich via Sprachnachricht mit irgendjemandem meiner Freunde über alltägliche Dinge kommuniziere und ich fange auf einmal an, über meine Angst, meine Angst, meine Eltern mal zu verlieren oder meinen Sohn, fange ich aus dem Nichts an zu weinen. Gestern sah ich bei Instagram eine Delfinmutter, die noch kilometerlang ihr totes Kalb mit sich trug, um ihre Trauer zu verarbeiten. Ich fange bei so was an zu weinen. Das ist wohl nicht normal. Ich habe Angst, herauszugehen, weil ich meinen sicheren Platz zu Hause aufgebe und davon ausgehe, dass irgendwas passiert. Also diese typischen Agoraphobie-Gedanken. Ich kippe um, bekomme keine Hilfe, und habe ständig Angst, dass mir oder den anderen etwas passiert. Autounfall, Messerangriffe, irgendwelche Katastrophen.

Ich habe direkt um die Ecke bei mir eine psychosomatische Klinik und dort habe ich erstmalig zu Coronazeiten angefragt, wie es mit einer Aufnahme aussieht. Man teilte mir mit, dass ich als Ungeimpfter nicht aufgenommen werde. Also versuchte ich es 2 Jahre später, ich glaube 2023, noch einmal. Es kam zu einem Erstgespräch und man schaute sich meine Diagnosen und bisherigen Versuche an, daran etwas zu ändern. Erste Frage war: Nehmen Sie Tabletten? Wenn nein, sind Sie damit einverstanden, welche zu nehmen? Ich sagte Nein. Danach war das Gespräch beendet mit der Aussage, alles, was wir hier in der Klinik am Tag machen, haben sie bereits gemacht und es würde nichts bringen. Zu dem verweigere ich die Aufnahme von Medikamenten, die für das Therapieziel aber wichtig sind. Viel Glück Ihnen, tschüss. Nun nehme ich ja seit 3 Monaten Opipramol und wir haben nochmal einen Versuch gestartet und ich habe am 12.08. ein Gespräch.

Aber so richtig daran glauben tue ich nicht, dass es was bringen wird. So, ich glaube, ich bin am Ende des Märchens angelangt. Ich denke mal, es werden noch Fragen kommen, die ich dann beantworte, aber das große Ganze ist jetzt erstmal raus.

#79


S
Zitat von Puffel1981:
Allerdings bin ich jetzt dazu übergegangen, seit 2 Monaten Opipramol einzunehmen. Die Dosis ist lächerlich, aber ich wollte nichts unversehrt lassen. Bisher keinerlei Erfolg zu verzeichnen.

Die Dosis ist wohl zu niedrig? Dann kann da auch nichts helfen.

Zitat von Puffel1981:
Ich glaube inzwischen auch, dass ich deswegen eine mittlere Depression entwickelt habe .

Ja, das klingt ganz danach und da hat das Opipramol auch seine Grenzen.

Zitat von Puffel1981:
Zu dem verweigere ich die Aufnahme von Medikamenten, die für das Therapieziel aber wichtig sind.

Die passende Medikation könnte dich aus dem Loch ein Stück herausholen bzw. Therapie fähiger machen. Warum lehnst du Medikamente so ab?

#80


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Dr. Christina Wiesemann
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