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rainbow13
Hallo

Schon seit ich ganz klein bin, begleiten mich die unterschiedlichsten Ängste. Als ich klein war besonders die Verlustangst. Ich war überzeugt, dass ich verlassen werde. Ich hatte immer Angst, dass mich meine Eltern verlassen. Dann waren Neubeginne auch immer sehr schwer, aber irgendwie habe ich es immer geschafft. Dann in der Pubertät ist die Angst zu vertrauen bewusst geworden. ich tue mich sehr schwer jemandem zu vertrauen. Ich bin sehr misstrauisch. Dann habe ich auch immer Angst verletzt oder enttäuscht zu werden, daher beuge ich lieber vor und lasse niemanden zu nahe an mich ran oder breche den Kontakt schon vorher ab, bevor ich überhaupt verletzt werden kann. Dann auch anfangs Pubertät hatte ich eine kurze Phase in der ich Todesangst hatte, ich war überzeugt, dass ich in den nächsten 2 Wochen sterben werde und hatte Panikattacken. Die verschwanden dann von alleine wieder. Und jetzt vor etwa einem Jahr habe ich eine Agoraphobie entwickelt. Besonders die Bahnhofhallen, öffentliche Plätze, Einkaufshäuser und die öffentlichen Verkehrsmittel wurden zu einer grossen Herausforderung. Ich weigerte mich, mich einschränken zu lassen und habe viele verschiedene Strategien entwickelt, wie ich mein Leben trotzdem unter Kontrolle haben kann und weiterfunktionieren kann. Meine Lieblingsstrategie ist, Kopfhörer in den Ohren, damit ich mich ein wenig abgrenzen kann, dann weiss ich auch zu welcher Zeit ich einkaufen gehen muss, in welchen Laden, wo die Dinge sind. Aber Einkaufen ist nicht immer ganz einfach, da ich auch noch Angst habe die falsche Entscheidung zu treffen und mich daher im Laden nicht entscheiden kann, was ich nehmen soll. Daher setze ich mir immer einen Zeitrahmen, in dem ich den Einkauf erledigen muss. Im Zug weiss ich immer wo ich sitzen muss, dass die Chance am kleinsten ist, eine Attacke zu bekommen, ich kenne eigentlich alle Züge. Aber leider kann ich nicht immer eine Attacke verhindern. Über offene Plätze laufe ich immer schnell wenn ich diese nicht vermeiden kann. Wenns ganz schlimm ist mache ich ein Zählspiel (1-2-1, 1-2-3-2-1, 1-2-3-4-3-2-1,... usw.) Das hilft mir, da ich mich konzentrieren muss, damit ich nicht falsch zähle. Wenns gar nicht mehr geht, dissoziiere ich. Manchmal nehme ich ein Temesta (R) das fällt mir jedoch oft schwer, weil es für mich ein Kontrollverlust darstellt, wenn ich eins nehmen muss. Häufig begründe ich es auch so, dass ich es sowieso nicht verdient habe eins zu nehmen und ich es auch ohne medikamentöse Unterstützung schaffe. Auch Sudoku lösen hilft mir solange ich nicht zu stark Angst habe.
Ich erwarte nicht dass ich angstfrei werde, aber dass es wieder ertragbarer wird.
Momentan gehe ich die Schule, was nicht immer ganz einfach ist, besonders in den Pausen die Zimmerwechsel sind sehr herausfordernd, da es viele Schüler auf den Gängen hat. Nächsten September beginne ich zu studieren, mal schauen wie ich das mache.
Auch begleitet mich ein ständiges Gefühl in Gefahr zu sein, ich schlafe immer mit abgeschlossener Tür, damit sicher niemand rein kommen kann.
So das wäre meine Angstbiografie..

Liebe Grüsse
rainbow

16.11.2014 21:14 • 18.11.2014 #1


6 Antworten ↓


Hotin
Hallo rainbow13

sehr interessant und verständlich, mit wieviel Kraft Du durchs Leben gehst und wie wenig Zufriedenheit
dabei herauskommt. Du kannst doch mit dieser Kraft zehnmal soviel erreichen!
So verkrampft, wie Du durchs leben gehst, so schwimme ich. Ich bin immer froh, wenn ich schon nach kurzer
Strecke müde und abgekämpft aus dem Wasser komme.

Wenn Du Dich schwer tust mit Vertrauen, liegst Du vielleicht ja gar nicht so völlig falsch. Der Mensch ist ein
Raubtier. Stell dir mal vor, ich würde jedem glauben und vertrauen. Dann hätte ich kein Geld mehr, keine Freunde,
vielleicht auch keine Arbeit, hätte ein falsches Weltbild usw. Zum Leben und Überleben muss jeder Mensch kämpfen.
Wer nicht kämpft, geht unter, wird von anderen ausgenutzt, wird krank.
Allerdings, Dir selbst kannst und musst Du völlig vertrauen! Sonst führst Du ein ehern unscheinbares, freudloses,
von Ängsten belastetes Leben. Wie ist das mit der Wahrheit bei Dir, oder beschummelst Du Dich oft?

Zitat:
Dann habe ich auch immer Angst verletzt oder enttäuscht zu werden, daher beuge ich lieber vor und lasse niemanden zu nahe an mich ran oder breche den Kontakt schon vorher ab, bevor ich überhaupt verletzt werden kann.


Ich befürchte, Du verstehst da aber etwas gewaltig falsch. Was hast Du denn für eine Lebenseinstellung?
Immer da, wo sich zwei Menschen begegnen gibt es zwei verschieden Wünsche. Die eine will ins Kino, die andere
lieber shoppen gehen. Zur Lösung dieser Frage gibt entweder eine immer nach, weil sie glaubt, sie steht nicht auf
gleicher Rangstufe. Oder im Unterschied zum Verhalten von Tieren kennt der Mensch den Weg des Kompromisses.
Dies eröffnet beiden die Möglichkeit ihr Glück zu finden. Also heute machen wir das was Du möchtest, aber nächste
Woche nehmen wir meinen Vorschlag.
Außerdem wenn Du Kontakte vorher abbrichst, bist zwar nicht Du, sind aber Deine Mitmenschen bestimmt oft enttäuscht.
Angstfrei kannst Du nicht werden. Tiere und Meenschen steuern sich mit der Angst. Wir brauchen sie. Du fährst ja auch nicht Auto ohne Lenkrad. Ertragbarer wird die Angst dann, wenn Du Deine Lebenseinstellung und Deine Bewertungen
abänderst. Das geht neutral - davon hast Du keinen Nachteil, ober große Vorteile.

Viel Grüße

Hotin

17.11.2014 23:35 • x 1 #2



Ängste meine ständigen Begleiter

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rainbow13
Lieber Hotin

Danke für deine Antwort

Zitat:
wie wenig Zufriedenheit dabei herauskommt


Da hast du wohl oder übel recht. Aber ich wüsste nicht wo ich wäre wenn ich meine Kräfte nicht gegen meine Ängste eingesetzt hätte. Wenn ich so getan hätte als ob sie nicht da wären, sie wären trotzdem da. Wie macht ihr das? Man kann sie ja nicht einfach ignorieren. Sie sind nun mal da.

Zitat:
Allerdings, Dir selbst kannst und musst Du völlig vertrauen! Sonst führst Du ein ehern unscheinbares, freudloses,
von Ängsten belastetes Leben. Wie ist das mit der Wahrheit bei Dir, oder beschummelst Du Dich oft?


Das gelingt mir nicht immer. Aber wenn es gelingt, gehts mir besser. Ich glaube das hängt sehr von der Phase ab, in der ich gerade stecke. Gibt sicherlich Momente, in denen ich mir was vormache.

Ja ich glaube ich habe schon oft Menschen verletzt, indem ich sie abgewiesen habe. Das tut mir auch Leid, aber in diesem Moment hatte ich das Gefühl, ich sei in grosser Gefahr.

Mein Ziel ist auch nicht angstfrei zu werden, Angst kann sehr hilfreich sein, jedoch nicht in diesem Masse. Ja ich glaube du hast recht, dass ich meine Lebenseinstellung ändern sollte, aber ich glaube nur wenn ich diese ändere werden meine Ängste nicht in einem Mass sein, das ok ist. Es wäre ein erster Schritt.

Liebe Grüsse

18.11.2014 20:42 • #3


mary33
Angst vor der angst...kenne ich gut....leide schon seit 17jahren.....dachte ich bin geheilt und vor 4 Wochen wieder diese blöde Angst....Alles wieder da....Herzklopfen Herzrasen Angst meine beine sind wackelig ich kriege schlecht Luft.....ja die liebe Angst....

18.11.2014 20:53 • #4


Owleander
Hallo du Energiebündel

Zitat von rainbow13:
Wenn ich so getan hätte als ob sie nicht da wären, sie wären trotzdem da. Wie macht ihr das? Man kann sie ja nicht einfach ignorieren. Sie sind nun mal da.


Mein Ziel ist auch nicht angstfrei zu werden, Angst kann sehr hilfreich sein, jedoch nicht in diesem Masse. Ja ich glaube du hast recht, dass ich meine Lebenseinstellung ändern sollte, aber ich glaube nur wenn ich diese ändere werden meine Ängste nicht in einem Mass sein, das ok ist. Es wäre ein erster Schritt.

Liebe Grüsse


Doch, du kannst sie ignorieren und du ignorierst sie auch schon. Dein Zählspiel zum Beispiel. Die pure Ablenkung und es funktioniert ja auch. In dem Moment wo du zählst, schenkst du der Angst keine oder weniger Aufmerksamkeit als dem Zählspiel und deswegen wird es erträglicher. Da hast du also schon mal ein gutes Mittel gefunden, was dir hilft.
Die Ängste sind dann zwar trotzdem da, aber zumindest nicht im Vordergrund.

Ich habe wirklich sehr, sehr schlimme Ängste und Panik gehabt und erst mit dem ändern meiner Einstellung wurde es besser. Allen mir hilfreichen Methoden und Mittelchen vorweg aber musste ich lernen, dass ich ok bin, so wie ich bin. Ich musste lernen mich erst mal selbst zu mögen und es mir selbst wert zu sein, etwas für mich selbst zu tun.
Danach war der Knoten geplatzt.

Ich bin heute immer noch ein Angsthase, aber ich erobere mir so langsam mein Leben zurück. Schlechte Tage nehme ich jetzt einfach als gegeben hin, ich nehme sie an und verfluche mich nicht mehr dafür. Dadurch bin ich innerlich ruhiger geworden und je ruhiger ich werde, desto besser wird meine allgemeine Stimmung und je besser die ist, desto einfacher ist es mit der Angst umzugehen.

18.11.2014 21:36 • x 2 #5


rainbow13
Zitat von mary33:
Angst vor der angst

Ich glaube mit dieser Angst haben hier schon sehr viele Erfahrungen gesammelt. Und ich finde diese Angst sehr störend, da sie erst recht diese Angst auslöst vor welcher ich Angst habe.

Zitat von Owleander:
Doch, du kannst sie ignorieren und du ignorierst sie auch schon.

Ich habe wirklich sehr, sehr schlimme Ängste und Panik gehabt und erst mit dem ändern meiner Einstellung wurde es besser. Allen mir hilfreichen Methoden und Mittelchen vorweg aber musste ich lernen, dass ich ok bin, so wie ich bin.


Ja da hast du recht, aber ich finde meine Ängste leiten mich trotzdem. Ich ignoriere sie teilweise, aber nicht immer. Konzertbesuche oder Samstagshopping-Tage vermeide ich komplett, die sind unerträglich. Ich frage mich manchmal auch, was ich aus diesen Ängsten lernen soll. Wenn das vorbei ist, kann ich mit extremen Ängsten umgehen, aber was bringt mir das? Ich sehe in diesem Masse einfach keinen Sinn in der Angst.

Diesen Satz sollte ich mir auch mal noch beibringen. Aber ich habe das Gefühl, dass das noch eine Weile dauert. Ich weiss auch nicht wie ich mir diesen Satz beibringen sollte, ich glaube ihn einfach nicht. Ich finde der stimmt nicht. Hattest/Hast du Medikamente?

Deine Worte geben mir Hoffnung, dass irgendwann das Ganze wieder etwas besser werden kann.

18.11.2014 22:13 • #6


Owleander
Nicht jede Angst macht Sinn

Die Angst vor der Angst ist der Übeltäter, der uns in die Vermeidungshaltung bringt. Kann ich absolut nachvollziehen, ich vermeide auch vieles.
Aber ich versuche mich nicht weiter einzuschränken als absolut nötig. Niemals würde ich einen Samstags-Shopping-Bummel machen. Das wäre so, als würde ich von mir selbst erwarten, dass ich den 4. Schritt vor dem ersten gehe. Das kann nicht klappen.

Versuch es mal mit kleinen Zielen. Ich gehe zB in der Woche in der Mittagszeit einkaufen, wenn es mir möglich ist. Dann sind die Läden hier recht leer und ich fühle mich dann besser, als würde ich zur Stoßzeit gehen. Da würde ich sterben, also sehe ich zu, dass ich normale Routine in harmlosere Situationen kriege und dann kann ich mich immer noch mal zur Stoßzeit zum Einkaufen begeben. Und dann irgendwann mal Samstags zum Bummeln. Aber mit kleinen Zielen hat man eben auch Erfolgserlebnisse und nicht nur Fehlversuche.

Medikamente hatte ich ausprobiert, mir persönlich haben sie aber nichts gebracht. Ich habe Sertralin bekommen, was aber bei mir nicht die Ängste gedämpft hat, sondern Antidepressiv wirkte. Dann habe ich Cypralex stattdessen bekommen, aber die musste ich so hoch dosieren bis eine schwache Wirkung eintrat, dass die Nebenwirkungen nicht auszuhalten waren.
Ich hab das dann damit aufgegeben, bin sowieso nicht so der Freund von Psychopharmaka.

18.11.2014 22:23 • #7




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