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 Betreff des Beitrags: Re: Wir sind alle Versuchskaninchen!
BeitragVerfasst: 10.Okt.2011, 22:47 
saidndone hat geschrieben:
Glockenblume hat geschrieben:
Aber es ist dir doch bestimmt aufgefallen, dass viele Leidende Heilung und Besserung durch entsprechende Medis gefunden haben und früher oder später wieder ein angstfreies und menschenwürdiges Leben führen konnten.

Aber es fällt auch auf, dass sich Psychiater überdurchschnittlich im Vergleich zur übrigen Bevölkerung umbringen.

Da stellt sich die Frage nach der tatsächlichen lebensverlängernden Wirkung der Psychopharmaka.



Ich ging mit meiner Aussage von diesem Forum und meinem Bekanntenkreis aus und natürlich meiner Wenigkeit. Über die Suizid-Statistik der Psychiater habe ich keine Kenntnisse.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wir sind alle Versuchskaninchen!
BeitragVerfasst: 10.Okt.2011, 23:02 
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Registriert: 22.Jan.2010, 23:49
Beiträge: 3313
Wohnort: Berlin (Spandau/Staaken)
Ach na ja..., man erzählt den Leuten auch, wenn notwendig, sie sollen Blutdrucktabletten und Betablocker nehmen, weil man lebt dann länger. Und dann nehmen sie alles mit um die 60 schon 10-15 Jahre und fallen trotzdem tot um.

Man kann auch 1 Jahr lang Tabletten gegen Krebs für 50.000€ nehmen und stirbt trotzdem.

Also wenn man das alles so sieht...

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 Betreff des Beitrags: Re: Wir sind alle Versuchskaninchen!
BeitragVerfasst: 11.Okt.2011, 11:09 
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Registriert: 25.Jun.2011, 19:52
Beiträge: 80
Hallo

Um mal wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen, nämlich Ängste.
In den lezten 3 Jahren war ich 4 mal in Therapie (3 mal Stationär + 1 mal Tagesklinik), hab SEHR viele verschiedene Medikamente ausprobiert und das ergebnis war 0!
Klar, die Therapien und Medikamente können schon helfen, manchmal sogar sehr gut, aber nicht auf dauer!
Und trozdem werde ich bald wieder in die Tagesklinik gehen und bestimmt wieder verschiedene Medis bekommen (Eigentlich hab ich schon alle durch :mrgreen: ) obwohl ich mir bewust bin das mir es nicht auf dauer helfen wird.
Aber man klammert sich halt an jedem strohhalm.
Wie vorher schon jemand schrieb, gäbe es keine Medis oder Therapien wäre ich auch schon lange nicht mehr da.
Das ist nur meine Meinung mit meinem Krankheitsbild, bei anderen trifft dieses vielleicht nicht zu.
Angst ist eine der beschissensten Krankheiten überhaupt weil sie einem das ganze Leben versauen kann.
Die Medis können sie vielleicht etwas eindämmen, aber bei einer wirklich schweren sozialen Phobie ist es nur ein Tropfen auf dem heißen stein.
Sorry für meine Rechtschreibfehler.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wir sind alle Versuchskaninchen!
BeitragVerfasst: 11.Okt.2011, 18:11 
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Registriert: 22.Jan.2010, 23:49
Beiträge: 3313
Wohnort: Berlin (Spandau/Staaken)
@ Lancelot

Ohne tiefgreifende Veränderungen im Leben erreichst Du auch mit 100 Medikamenten und 30 Therapien nichts! Das ist das, was hier völlig untergeht, Medikamente und Psychotherapie können nur unterstützen, mehr nicht.
Das Problem ist, die Erwartungen sind hoch und eventuelle ist man dann irgendwann enttäuscht. Aber wenn ich mir dann genau diese Leute ansehe, wirklich was verändert haben die nicht, sind nach wie vor in ihren Denkmustern etc. und Verhaltensweisen.

Sieht man doch hier oft sehr gut. Jeder Psychologe würde bei Angst/Hypochondrie z.B. erstmal gleich sagen: "Weg aus dem Internet oder nicht mehr nach allen möglichen Krankheiten und Symptomen ständig googeln". Und was machen die Leute? Genau das Gegenteil! Sich dann Pillen einwerfen und rumsülzen, wenn nichts hilft. Ohne Veränderung der Handlungsweise wird da auch nichts helfen. So sieht es nämlich aus. :wink:

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 Betreff des Beitrags: Re: Wir sind alle Versuchskaninchen!
BeitragVerfasst: 08.Nov.2011, 01:36 
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Registriert: 07.Nov.2011, 22:11
Beiträge: 1
Also, ich sehe die Sache folgendermaßen: Die aktuelle Lage ist tatsächlich eine Schande, da hat Rainer absolut recht. Fakt ist, dass in zu vielen Fällen weder die Therapieansätze, noch die medikamentösen Ansätze, noch sonstige gesellschaftliche Maßnahmen eine effiziente Hilfe für Menschen mit psychischen Problemen darstellen.
Nichtsdestotrotz ist es so, dass bzgl. der vorhandenen Maßnahmen Psychopharmaka oftmals noch die beste Option sind, was aber in erster Linie nicht für die Medikamente, sondern eher gegen einen optimalen Umgang mit psychischen Problemen spricht.
Ich selber bin ebenfalls mit etlichen Therapieformen und Medikamenten konfrontiert worden und mitunter führten einige Medikamente tatsächlich zeitweise zu substanziellen Besserungen, wobei dann auch wieder Nebenwirkungen und Langzeitprobleme auftraten.

Fakt ist jedenfalls, dass Diagnosen meistens im Grunde rein deskriptiv sind (siehe ICD bzw. DSM) und dass dann durch eine grobe Kategorisierung ("Depression") eine ungefähre Schätzung darüber erfolgt, welche Therapie und welches Medikament dabei helfen könnte.
Dabei liegen unter anderem zwei substanzielle Probleme vor: Erstens kann nicht gesagt werden, welche spezielle Neurotransmitter-Anomalie vorliegt, wenn eine Diagnose gestellt wird. Depressionen sind bspw. in der Regel mit einem Serotonin-und Katecholamin-Mangel verknüpft, es kann jedoch auch sein, dass Katecholamine in erhöhter Konzentration vorliegen. Ähnliche Ergebnisse lassen sich zu den körperlichen Auswirkungen von chronischem Stress finden etc. etc.. Darüber hinaus ist die spezifische Wirkung der Substanz auf den individuellen Patienten nicht bekannt und repräsentative Studien über Folgen einer Langzeiteinnahme, über Toleranzentwicklungen und über Absetzproblematiken existieren in der Regel nicht. Es wird also in der Tat ein Versuch gestartet.
Durch diese Versuche können oftmals gewisse Verbesserungen erzielt werden, aber es treten auch häufig früher oder später Neben-und Folgewirkungen auf, die oftmals negativ, wenn nicht sogar vereinzelt fatal ausfallen.

Allerdings ist die moderne Psychologie im allgemeinen nicht in der Lage, Patienten, die wirklich intensive Probleme haben, ohne Medikamente effektiv zu helfen. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt im allgemeinen als erfolgreichste Variante, aber es ist ein Fakt, dass hierdurch nur Veränderungen erzielt werden können, die der Patient durch sein eigenes Verhalten hervorrufen kann (überdies stehen oft nur 30 Therapiestunden zur Verfügung). Dies hilft zwar in weniger schweren Fällen (oftmals alleine durch die bloße Tatsache, dass überhaupt eine Intervention stattfindet), ist aber bei komplexeren Problemen häufig nur marginal hilfreich. Medikamente sind dann freilich oftmals gut geeignet, um kurzfristig "Ergebnisse" zu erzielen und die Therapieerfolgs-Statistiken zu beschönigen, während die langfristige Gesundheit des Patienten weiterhin fraglich bleibt.

Ich persönlich habe über mehrere Jahre Paroxetin und Trazodon genommen und mit beiden Medikamenten am Anfang beachtliche Verbesserungen meiner Situation erlebt. Im Laufe der Zeit manifestierten sich jedoch de facto immer problematischere Nebenwirkungen, während die Wirkungen abnahmen.
Man muss letztlich einfach der Tatsache ins Auge sehen, dass in allzu vielen Fällen weder durch Therapien noch durch Medikamente langfristig Erfolge erzielt werden können, dass Medikamente jedoch in vielen Fällen eine fragwürdige Brücke darstellen können, die über einen gewissen Zeitraum vor einem kompletten Absturz schützt.


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