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Hallo ihr Lieben.
Gibt es hier noch jemanden der auch so große Angst vor HIV hat? Ich kann draußen kaum etwas berühren, ich muss vorab (sei es Einkaufswagen etc) erstmal alles genau anschauen. Wenn ein roter Fleck drauf ist, kann ich es nicht anfassen. Beim einkaufen: ich möchte eine Creme kaufen, ist an einer Creme ein roter Fleck (Fussel etc) kann ich keine dieser Cremes kaufen. Ständig sucht mein Blick, mein Unterbewusstsein nach roten Flecken. Ich muss mir draußen ständig die Hände desinfizieren. Heute für mich eine Situation die unerträglich war:
Ich war im Supermarkt mit meinem Mann. Dann fiel mir eine Frau (sehr ungepflegt) auf welche sich bückte um etwas aus dem Regal zu nehmen. Das blöde: unser Einkaufswagen war sehr nah an ihr und evtl streifte sie diesen mit ihrem Gesicht. Der Horror für mich: ihr Gesicht war übersäht von blutenden kleinen Wunden. Sowas habe ich wirklich so noch nie gesehen. Ich bin panisch um die Ecke gerannt. Mein Mann hat die frau garnicht wahrgenommen und kam mir hinterher. Ich war völlig aufgelöst. Dann berührte er meine Hand mit der Stelle des Wagens wo evtl. Die Frau mit ihrem Gesicht dran kam. Ab da war ich völlig am Ende. Wir haben dann den Supermarkt verlassen. Ich war am zittern und am weinen.
Ich weiß natürlich dass meine ganze Reaktion völlig unsinnig war und ich kenne die Übertragungswege von HIV sehr sehr gut. Das ich mich so nicht infiziert haben kann weiß ich. Aber die Angst ist so groß das der Verstand da nicht an mich ran kommt. Es war grauenvoll. Danach musste ich erstmal duschen und meine Kleider waschen.
Ich bin völlig am Ende…

21.01.2022 18:07 • 22.01.2022 #1


17 Antworten ↓


Wofo
Hey bist du schon in Therapie das hört
Sich schon sehr weit vorgeschritten an
Das sollte man behandeln es schränkt dich
Ja ziemlich ein im leben


LG

21.01.2022 18:16 • #2



Zwangsgedanken HIV zu bekommen

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Rick
Hallo Flower91,

ich kann aus eigener leidvoller Erfahrung davon berichten: Ich hatte früher große Angst vor HIV-Infektionen im Alltag. Ich habe dauernd Hände gewaschen, mich desinfiziert und konnte draußen fast nichts mehr anfassen. Die Wohnung wurde zu meinem Schutzraum. Ich habe mich ständig testen lassen (wobei die Zeit nach einer vermeintlichen Infektionssituation und dem Test ja immer drei Monate betragen musste, was zusätzlich Qualen bescherte). Einmal bin ich z. B. im Schwimmbad in etwas getreten und blutete am Fuß, bemerkte es aber erst später - ich dachte ernsthaft, ich hätte mich mit HIV infiziert. Darüber hinaus hatte ich große Angst infiziert zu sein und andere (Partner, Eltern etc.) anzustecken.

Ich habe hierzu auch einen oder sogar mehrere Threads erfasst. Heute weiß ich zum Glück, dass meine Gedanken völliger Irrsinn waren. Du kannst dich im Alltag nicht einfach so mit HIV infizieren. Dazu müsste es schon zu einer erheblichen Kontaktsituation kommen (ungeschützter Geschlechtverkehr, große Mengen Blut eines Infizierten schlucken etc. pp.).

Mehrere Therapien und Medikamente haben mir zum Glück darüber hinwegggeholfen.

Ich hoffe, du schaffst das auch.

LG
Rick

21.01.2022 18:16 • x 2 #3


@Rick ohja das hört sich nach mir an.. ich hätte in der Situation im Schwimmbad genauso gedacht. Testen lasse ich mich allerdings nie. Mit den Tests verbinde ich HIV und deshalb könnte ich das nicht. Ich würde so gerne auch endlich eine Therapie starten. Allerdings stehe ich hier lediglich auf sämtlichen Wartelisten und das kann noch dauern.
Ich verzweifle und würde meine Wohnung am liebsten nicht mehr verlassen.
Zum "Glück" zwingen mich meine Kinder dazu. Bei ihnen muss ich funktionieren und so gut es geht schauen dass sie nichts merken. Deshalb vermeide ich sehr viel. Lasse meinen Mann einkaufen.
Ich möchte wieder am Leben teilhaben. Frei sein.. welche Medikamente haben wir geholfen? Ich habe vor Jahren citalopram genommen. Damit ging es mir gut allerdings waren meine Gefühle komplett ausgeschaltet bzw. sehr abgeflacht. Das wollte ich auf Dauer auch nicht..
Ach.. ich weiß nicht mehr weiter..

21.01.2022 18:33 • #4


Rick
@Flower91
Es wird bei dir auch wieder aufwärts gehen. Du brauchst Geduld. Das ist unheimlich schwierig, ich weiß.
Ich nehme momentan Escitalopram, habe aber früher Venlafaxin (Trevilor) und Quetiapin (Seroquel) bekommen. Vor allem Quetiapin soll bei den Zwängen geholfen haben, allerdings habe ich mich tagsüber ganz schön kaputt gefühlt - aufgrund der Nebenwirkungen. Und ich bin fast sofort in den Schlaf gefallen, wenn ich sie genommen habe - was an sich ja nicht verkehrt ist. Das Blödeste an dem Medikament war jedoch, dass ich stark zugenommen habe. Erst nach einer langen Phase der Eingewöhnung haben die Nebenwirkungen nachgelassen, aber das Gewicht habe ich immer noch auf den Hüften.

21.01.2022 18:41 • #5


@Rick Das ist ärgerlich. Wobei ich Gewichtszunahme in Kauf nehmen würde. Allerdings muss ich tagsüber funktionieren und das macht mir Sorge.
Hast du eine Verhaltenstherapie gemacht? Magst du mir davon vielleicht ein bisschen erzählen? Hast du gute Tipps bekommen?

21.01.2022 18:53 • #6


GoodFriend
Die meisten Menschen treffen in ihrem Leben keinen der mit HIV infiziert ist, zumindest hierzulande nicht. Das Virus ist sehr selten und es ist schwer sich damit anzustecken. Ein Freund von mir ist Arzt und arbeitet bei der Blutspende, wo Leute die Blut spenden, HIV Tests machen müssen. Er meinte im Zeitraum der letzten 12 Monate, wäre eine Person HIV positiv gewesen.

Aber scheinbar musst du eher mit deinen Emotionen arbeiten, als mit deinem Verstand.

21.01.2022 19:07 • x 2 #7


Rick
@Flower91

Also das Funktionieren hat bei mir geklappt, allerdings war ich den ganzen Tag wie gerädert. Ich weiß nicht, ob das nur von dem Medikament kam.

Ich habe eine tiefenpsychologisch-fundierte Psychotherapie und eine Verhaltenstherapie gemacht. Wobei mir, glaube ich, die Verhaltenstherapie in meiner persönlichen Situation eher geholfen hat.

Wir haben viel über angstauslösende Gedanken, Gefühle und das daraus folgende Verhalten gesprochen und das Alles bewertet und eingeordnet.

Ich habe in der Therapie gelernt, dass eine Situation sehr schädlich für mich war: Die Rückversicherungen, die ich mir bei meinem Partner und teilweise bei meinen Eltern oder in Internetforen einholen musste. Sprich, das Nachfragen, ob die eingetretene Situation gefährlich sei. Das musste penibel ablaufen. Das heißt, sie mussten zum Beispiel klar und deutlich sagen Nein, es wird nichts passieren. Einfach Ne, alles in Ordnung oder so hat nicht ausgereicht. Zu dem Zeitpunkt waren sie vom Ausmaß überfordert und wussten nicht, dass diese Rückversicherungen für mich Gift waren und alles nur noch schlimmer machten.

In der Therapie haben wir oft darüber gesprochen, was das Schlimmste sei, was passieren könne. Was passiert denn, wenn ich mich tatsächlich mit HIV infiziere? Das Ganze wurde dann mit allen möglichen Konsequenzen schier unendlich weitergesponnen.

Sehr hilfreich waren auch die Konfrontationsübungen: Zum Beispiel draußen auf den Boden fassen und danach die Hände nicht waschen und ein Brötchen mit der Hand essen. Das klingt alles sehr hart, ist es auch, aber es geht nicht von heute auf morgen.

21.01.2022 19:09 • #8


Rick
Zitat von GoodFriend:
Die meisten Menschen treffen in ihrem Leben keinen der mit HIV infiziert ist, zumindest hierzulande nicht. Das Virus ist sehr selten und es ist schwer sich damit anzustecken. Ein Freund von mir ist Arzt und arbeitet bei der Blutspende, wo Leute die Blut spenden, HIV Tests machen müssen. Er meinte im Zeitraum der ...

Ich glaube, das zu wissen, hilft in der Situation nicht. Vielleicht beruhigt es etwas, aber das Problem am Zwang war nicht die HIV-Infizierte Person bei mir, sondern die unsichtbaren Viren. Das versteckte Blut, der Dreck und Alles - worüber der gesunde Menschenverstand den Kopf schütteln würde. Ich hatte vor meiner Zwangserkranung einen Freund, der HIV-Positiv war. Zu dem Zeitpunkt hatte ich nicht die geringste Angst. Ich hätte mit ihm aus einem Glas getrunken und mit ihm das selbe Besteck benutzt - was ja auch kein Infektionsrisiko darstellt.

21.01.2022 19:13 • x 1 #9


@Rick danke für deine ausführliche Antwort. Ohja die Rückversicherungen.. die brauche ich auch. Mittlerweile reichen sie mir von meinem Mann nicht mehr. Ich versuche sie mir dann durch Foren oder Google zu holen. Du kennst es ja…

War dein Psychologe bei den Konfrontationsübungen dabei? Das stell ich mir auch hart vor aber anders geht es wohl nicht..
Ich freu mich aber für dich das du das schlimmste scheinbar hinter dir hast.
Haben sich deine Ängste/Zwänge dann auf etwas anderes als HIV konzentriert? Oder bist du sie komplett losgeworden?

21.01.2022 19:14 • #10


@GoodFriend
HIV ist selten, das weiß ich. Wie gesagt der Verstand ist in dem Moment ausgeschaltet. Es könnte ja DIE eine von 100 Personen sein die es hat… hätte könnte was wäre wenn… das bestimmt aktuell meinen Alltag

21.01.2022 19:17 • #11


Rick
@Flower91
Bezüglich der Rückversicherungen kann ich dir nur raten, nicht zu viel Zeit reinzuinvestieren. Es wird nur noch schlimmer. Aber ich weiß, wie das ist: Sie verschaffen eine kurzzeitige Beruhigung/Entspannung, aber langfristig schaden sie.

Die Psychotherapeutin war in meinem Fall nicht dabei, aber sie hat angeboten mitzukommen.

Ich hatte vor der Angst mit HIV, auch allgemeine Krankheitsängste (z. B. blind zu werden, einen Herzinfarkt zu bekommen, ach an sich habe ich alle Krankheiten schon mal gehabt, wenn du verstehst). Dazu kamen agressive Zwangsgedanken, Grübelzwänge, Wasch- und Putzzwänge etc. Inzwischen bin ich zum Glück komplett frei davon.

21.01.2022 19:19 • x 2 #12


GoodFriend
Zitat von Flower91:
@GoodFriend HIV ist selten, das weiß ich. Wie gesagt der Verstand ist in dem Moment ausgeschaltet. Es könnte ja DIE eine von 100 Personen sein die ...


Ja, verstehe, dass es kein reines Verstandesproblem ist. Dennoch ist 1 aus 100 sehr realitätsfremd. Laut google sind es ca 1 aus 900. Die sind auch nicht gleimäßig verteilt, da unter ihnen auch Randgruppen wie zB Dro. vorkommen. Das Risiko jemand mit HIV zu treffen und sich anzustecken, geht gegen Null.

21.01.2022 19:25 • #13


@Rick Kenn ich. Meine zweite große Angst ist die Angst vor Krebs und allem was womöglich krebserregend sein könnte. Aggressive Zwangsgedanken kenne ich auch.
Du hast mir aber tatsächlich Mut gemacht dass man es schaffen kann.
Ich hoffe schnell einen Therapieplatz zu bekommen. Ich glaube ohne ist es unmöglich da raus zu kommen.

21.01.2022 19:26 • x 1 #14


Rick
@Flower91

Lass dich von diesem - ich nenne es einfach mal - Blödsinn nicht unterkriegen. Du schaffst das! Ich wünsche dir jedenfalls, dass du bald einen Therapieplatz bekommst und das die Chemie zwischen dir und deiner/m Therapeutin/Therapeuten passt.

21.01.2022 19:28 • x 1 #15


@GoodFriend im Alltag soll eine Ansteckung ja generell so gut wie unmöglich sein. Ich verstehe auch nicht warum das nicht in mein Köpfchen möchte…
Die Person heute im Supermarkt sah unglücklicherweise auch noch sehr ungepflegt aus. Dro. kann ich nicht ausschließen. Und dann die ganzen Blutungen Flecken im Gesicht. Ich könnte mich da jetzt leider wieder reinsteigern. Oft denke ich dann, was bringt noch eine Therapie wenn ich jetzt HIV habe lohnt es sich doch nicht mehr..
Bescheuert ich weiß.

21.01.2022 19:29 • #16


GoodFriend
Zitat von Flower91:
@GoodFriend im Alltag soll eine Ansteckung ja generell so gut wie unmöglich sein. Ich verstehe auch nicht warum das nicht in mein Köpfchen ...

Mal davon abgesehen, ist HIV nicht mehr das, was es mal war:
Zitat:
Bei rechtzeitiger HIV-Behandlung tritt Aids heute praktisch nicht mehr auf. Bei einer unbehandelten HIV-Infektion geht man heute von einer Lebenserwartung von acht bis vierzehn Jahren aus.

21.01.2022 20:20 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

@GoodFriend ja das stimmt. Wobei ich mich ja nie teste und somit auch nicht behandelt werden würde. Zudem sollen die Medikamente auch nicht ohne sein…

22.01.2022 06:52 • #18



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