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Hallo Leute,

ich will mich kurz vorstellen. Ich bin männlich und 40 Jahre alt. Ich leide seit mehr als 7 Jahren unter Angst-und Panikstörungen, die sich zunächst über viele Jahre als Hypochondrie geäußert hat mit unzähligen Untersuchungen. Wir haben vor drei Jahren ein Einfamilienhaus bezogen, welches aber doch sehr viele Mängel hat. Sicher geht das vielen Leuten so, aber ich kommt damit leider überhaupt nicht zurecht. Immer wieder entdecke ich Dinge, die so nicht ganz richtig sind. Am Dach, Fassade, Wasserleitungen uvm. Jetzt hatten wir auch schon 3 Wasserschäden, daraufhin die Bäder sanieren lassen und jetzt ist das neue Bad schon wieder nass, weil die Sanierungsfirma Mist gebaut hat. Nur kann ich leider nicht mehr unterscheiden, was normale Probleme sind, die andere auch haben, und was richtige Probleme sind. Jedes kleine Problem lässt in mir massive Ängste hochkommen, ich bekomme schon immer schlechte Laune wenn es Richtung Haus geht. Es geht schon Richtung Vermeidungsverhalten, also nicht aufs Dach kucken etc. bloß nichts entdecken. Denn dann kommt gleich noch ein Zwangsverhalten dazu, wie auf Leiter steigen und die Dachrinnen auf Dreck kontrollieren uvm. ich bekomme dann sofort Puls und Angst und kann an nix anderes mehr denken, bis ich dem Zang (wie in Dachrinnen schauen) nachgegeben habe.
Medikamente nehme ich viele, darunter Olanzapin, Quetiapin und Tianeurax. Was soll ich nur tun? Einfach Haus verkaufen, und irgendwann merkt man dass das ein Fehler war und nur durch die Psyche kam weil die alles so dramatisch aufgebauscht hat? Immerhin haben wir drei kleine Kinder die sich dort wohlfühlen.
Heul!

16.06.2021 10:36 • 17.06.2021 x 1 #1


11 Antworten ↓


moo
Sei herzlich willkommen!

Hat sich seit dem Hausproblem die Hypochondrie erledigt oder kam das "obendrauf"?

16.06.2021 10:55 • #2



Ängste und Zwänge im Zusammenhang mit eigenem Haus

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Hallo,

naja, es wechselt sich gerne ab. Also keine ruhige Minute, ständige Angst und Verzeiflung.

16.06.2021 11:14 • #3


Du Lieber, ich kann das gut verstehen. Es ist ja so ähnlich wie bei mir und vielen anderen. Ich gebe Dir ein paar Gedanken, die Dir vielleicht helfen, eine etwas leichtere Perspektive einzunehmen (Du musst sie wirklich selbst "nehmen", um wieder besser drauf zu kommen).
Gedanke eins: Dein Leiden, der Horrortrip, ist nur in deinem Kopf, also es spielt sich tatsächlich nur in diesem Bereich von ca. 18 x 20 x 16 cm ab. Das finde ich wichtig, zu wissen. Am Gehirn und dessen Tätigkeit hängen dann viele viele Nerven und chemische Botenstoffprozesse, die einem das Leben so gut wie unmöglich machen können. Können! Sie können auch, übrigens innerhalb kürzester Zeit, Glück, Frieden und Wohlbefinden erzeugen.
Gedanke zwei: Dein Leiden entsteht durch Befürchtungen und übertriebene Bewertungen und Reaktionen, Du weißt das. Würdest du ein undichtes Dach oder Wasser im Keller als Kleinigkeit ansehen (bewerten), wäre da gar kein Problem und du würdest ruhig schlafen und zufrieden sein.
Gedanke drei: Es ist der Wunsch nach Perfektion, der den ganzen Teufelskreislauf befeuert wie Benzin im Zylinderkopf des Verbrennungsmotors. Du bist die Zündkerze und willst nur noch eins: zünden. Und der Panik-Motor läuft wie geschmiert.
Gedanke vier: Hattest Du Zeiten in Deinem Leben, in denen Du entspannt und glücklich warst? Wenn ja, erinnere Dich intensiv daran und erforsche, was an Deiner inneren Einstellung anders war.
Gedanke fünf: Befrage und orientiere Dich an deinem nächsten Umfeld. Wie sehen deine Frau, Kinder, Freunde die Sache, das Haus? Bring die Bewertung der Mängel und Schäden herunter auf ein sachliches, am besten sogar noch weiter herunter auf ein unwichtiges Maß.
Gedanke sechs: Mach Dich frei von den Schäden, sie sind unwichtig, Du lebst. Denke Dir Optionen der Freiheit aus: Du könntest das Haus verkaufen und in ein anderes ziehen, das keine Mängel hat. Das bedeutet nicht "Fehler", Du bist frei. Du könntest (sehr gewagt von mir) wie ein Kind denken: das Haus ist ein Abenteuer voller Überraschungen. Mal hier nass, mal fällt dort etwas ab, klasse! Immer ist etwas Lustiges los und man muss die Firma anrufen und nette Leute kommen zu Besuch und reparieren. Koche ihnen Kaffee und biete Kuchen an. Je lockerer und positiver Du die Dinge betrachtest und handelst, desto leichter wird es für Dich (und auch für alle anderen). Sei ein bisschen wie deine drei Kinder, ihr habt damit so viel gutes Potenzial. Alles entspannt sich. Perfekt, das gibt es nicht. Sogar Sir Paul McCartney wird manchmal Probleme mit seinem Haus haben, Häuser haben das nun einmal an sich.
Gedanke sieben: Sehe Haus und Firmen nicht als Feinde an, die Dir das Leben schwer machen wollen. Sie wollen es nicht, im Gegenteil.
Gedanke acht: Medikamente sind hilfreich, können aber nicht Deine eigene innere Einstellung ändern, das musst Du machen. Am besten mit therapeutischer Hilfe, ich wünsche Dir einen Therapeuten, der Dir hilft, vom Perfektionismus wegzukommen und wieder unbeschwerter und fröhlicher, lockerer und lustiger zu werden.
Ganz liebe Grüße

16.06.2021 11:18 • x 4 #4


Calima
Zitat von onlinebraver:
Einfach Haus verkaufen

Nach meiner Einschätzung wird sich die Angst dann einfach eine neue Baustelle suchen. Dafür das Zuhause der Familie zu opfern, wäre schon ganz schön heftig.

Als Hausbesitzerin kann ich dir sagen, dass es völlig normal ist, dass immer irgendwas ist. Meist kommen mehrere Sachen auf einmal, und man hat das Gefühl, da ist echt der Wurm drin, dann ist wieder ein Weilchen Ruhe.

Woran du arbeiten musst, sind deine Ängste und Zwänge. Du glaubst, indem du zwanghaft kontrollierst, wendest du Schaden ab, aber das klappt weder bei Krankheit noch im sonstigen Leben.

Dass man nach einem Schaden erst mal für eine Zeit angespannt ist, ist normal. Nachdem uns nach einem Starkregen der Keller vollgelaufen ist, waren wir die nächsten Male auch auf der Lauer. Da aufgrund der ergriffenen Maßnahmen alles trocken blieb, konnten wir es aber dann auch wieder ad acta legen.

Was passiert, passiert. Dann muss man reagieren und weiß auch konkret, was getan werden kann. Sich vorher verrückt machen, führt zu nix außer Stress.

Zwänge wird man nur los, indem man ihnen nicht mehr folgt. Statt dein Haus ständig zu kontrollieren, mach dir einen Inspektionsplan.

Haben wir auch. Eine simple Exceltabelle, in der die Sachen stehen, die regelmäßig im Blick bleiben sollen. Bei uns zum Beispiel die Kontrolle des Grasdachs samt Dachrinnen, der Weidezäune, der Stromversorgung der Außenbereiche, des Notstromaggregats und die Wartung der benzingetriebenen Arbeitsgeräte. Dafür gibt es Wartungszeiträume zwischen 4 Wochen und 6 Monaten, in denen diese Dinge jeweils überprüft werden.

Das hilft, den Überblick zu behalten und Ausfällen vorzubeugen. Natürlich passiert trotzdem Unvorhergesehenes - aber das ist halt so.

Bis sich Dachrinnen zusetzen dauert das z.B. selbst in unserer absoluten Natur-/Waldlage und mit dem Grasdach Monate. Da alle 3 Monate draufzuschauen, reicht locker.

Vielleicht kommst du damit ein Stück weiter?

16.06.2021 11:41 • x 4 #5


Ach Ihr seid so lieb, wie wichtig Euere Worte für mich sind! Oft könnte ich nurnoch heulen

16.06.2021 11:50 • x 3 #6


Icefalki
Bei diesen Problemen wird man damit konfrontiert, dass man gerade so noch den Alltag bewältigt, kommt etwas negatives hinzu, ist Land unter, also gefühlstechnisch.

Da hilft nur das Hier und Jetzt. Heisst, klare Diagnose, was liegt im Argen. Und welche finanziellen Möglichkeiten sind vorhanden, was kann man selber tun, was nicht.

Mein Mann pflegt immer zu sagen, kostet nur Geld, unsere Gesundheit ist wichtiger.

Wie dir die Vorredner schon geschrieben haben, Sichtweise wechseln.
Haus mag ärgern, aber wenn das auch bissle krank ist, dann seid ihr doch schon zwei. Also kümmern und den Wehwehchen nicht zuviel Raum einräumen. Eines nach dem anderen in Angriff nehmen.

16.06.2021 12:49 • x 1 #7


Zitat von Fauda:
Du Lieber, ich kann das gut verstehen. Es ist ja so ähnlich wie bei mir und vielen anderen. Ich gebe Dir ein paar Gedanken, die Dir vielleicht ...

Sehr schön geschrieben! Ich finde das ist eine tolle Perspektive.

16.06.2021 19:35 • x 1 #8


Vielen lieben Dank für Euere warmen Worte. Ich bin halt in einer Zwickmühle. Jedes Ding macht mir Angst. Beispiel Regenwasserzisterne: da sie nie richtig voll wird habe ich Angst dass sie beschädigt ist. Also ich habe Angst dass es kräftig regnet und die Zisterne nicht voll wird. Das würde meine Theorie bestätigen.
Ich habe aber auch Angst dass sie leer wird weil dann der ganze Dreck vom Boden angesaugt und in die Leitungen gespült wird.
also egal wie es ist ich habe Angst. und so ist das mit fast allen Dingen.
Wisst Ihr was ich meine?

17.06.2021 09:28 • #9


Zitat von onlinebraver:
Vielen lieben Dank für Euere warmen Worte. Ich bin halt in einer Zwickmühle. Jedes Ding macht mir Angst. Beispiel Regenwasserzisterne: da sie nie richtig voll wird habe ich Angst dass sie beschädigt ist. Also ich habe Angst dass es kräftig regnet und die Zisterne nicht voll wird. Das würde meine Theorie ...

Ja, ich glaube wir wissen es: die Angst führt eine Art Eigenleben und sucht sich ständig etwas Neues. Die Auslöser spielen keine wirkliche Rolle, es kann alls Mögliche sein. Ist ein Thema gelöst und nicht mehr mit Angst besetzt, schnappt die Angst ein anderes, egal was.

17.06.2021 10:22 • #10


Abendschein
Zitat von Fauda:
Ist ein Thema gelöst und nicht mehr mit Angst besetzt, schnappt die Angst ein anderes, egal was.

Da wir aber Herr unserer Sinne sind, kann ich dagegen arbeiten und muß nicht vor allem Angst haben,
wenn das so ist und ich habe vor allem Angst, darf ich mich nicht mehr bewegen, denn es können überall
Gefahren lauern. Ich rede aus der Erfahrung heraus, ich hatte 40 Jahre schwere Angst und Panik Attacken.
Ich habe dagegen gearbeitet, es ist nicht leicht und es macht auch nicht schnipp und alles ist weg.
Lange Arbeit an sich selbst. Die Angst wird nie ganz weg gehen, aber ich habe gelernt mit ihr besser
zu leben. Liebe Grüße.....Allerdings bezieht sich meine Angst auf Körper Symptome.

17.06.2021 12:00 • x 3 #11


Zitat von onlinebraver:
Vielen lieben Dank für Euere warmen Worte. Ich bin halt in einer Zwickmühle. Jedes Ding macht mir Angst. Beispiel Regenwasserzisterne: da sie nie ...

Ja ich weiß was du meinst !
Habe ein ähnliches denken.
Ich habe das Haus meiner verstorbenen Eltern geerbt. Bewohnt mit meinem Mann, viel dran gemacht usw. Da war noch alles gut.
Nun habe ich es ganz allein am Backen. Bin geschieden, 2 Wohnungen sind vermietet, eine bewohne ich selbst.
Es stresst mich wirklich sehr !
Ich habe zb ein Wasserproblem. Eine feuchte Kellerwand, obwohl ich ganz oben aufn Berg wohne.
Ich habe schon ALLE hier gehabt, kann eigentlich eh nichts dran ändern, weil die Seite nicht Isolierbar ist.
Mich macht das, und etliche Kleinigkeiten fertig.
Immer denke ich das schlimmste, eigentlich wie im wahren Leben! Ich bin ein Mensch der bei Problemen nicht wirklich Positiv da dran gehen kann.
Wie oft habe ich schon drüber nachgedacht alles zu verkaufen.
Ich liebe und hasse dieses Haus. Es ist meine Heimat, aber es stresst mich.Mein
Vater war auch so. Er empfand das Haus auch nur als Belastung.
Damals verstand ich das nicht, heute schon !
Aber, verkaufen wir jetzt, ziehen zu Miete, ist vielleicht das Problem Haus beseitigt, aber ist es nicht ein grundsätzliches Problem das wir mit Ärger und Sorgen falsch umgehen ?!
Wären wir dann glücklicher ?
Aber auch nicht jeder wird im Eigenheim glücklich.
Für mich steht fest. In 10 Jahren spätestens will ich es verkaufen. Ich möchte mein ganzes Erspartes nicht immer ins Haus stecken.
Irgendwann möchte ich diese Verantwortung nicht mehr haben. Das steht fest !

17.06.2021 12:55 • x 1 #12



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