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123

Feuerschale
Och Mann, jetzt hab ich nicht nur mit einem emotionalen Klumpatsch zu tun, sondern
auf der Sach- Erwachsenenebene läuft es auch nicht rund
Nummer der Verwaltungsfirma ist in Geschäftszeiten nicht zu erreichen.
Alternativnummer: Mailbox. Zweite Alternativnr: Die Frau sagt sie gibt es weiter und macht den
Auftrag.

Anruf beim Klemptner: Er reagiert nur, wenn der Verwalter anruft, damit kein Zweitauftrag,
ect.
Dann zwei Stunden später Nachfrage beim Klemptner: Hat der Verwalter angerufen? Nein.

Anruf beim Verwalter: Doch, Kollege hat angerufen, rufen sie die andere Nummmer an zum
nachfragen. Wegen einer weiteren Sache und zwei Emailanfragen von mir mit Nebenkosten, Anfragen von Feb. und März sagen sie, sie hätten ein Emailproblem gehabt. Aber zwei Monate? Und der Server speichert doch Sendungen und nach dem Emailproblem kommen die dann.
Klingt nach Ausrede.

Ich rufe nochmal Festnetz an, die andere Nummer, da hab ich die gleiche Dame dran wie von
Nummer eins, die mich weitervertröstet hat auf diese zweite Nummer und sagt ich kann sie ganz schlecht hören, rufen Sie die Mobilnummer an.
Ich fühle mich rundum verarscht und sitze auf einem verstopften Mistrohr.

Sollte der Verwalter wirklich einen Auftrag gegeben haben, dann nicht bei der üblichen Firma aber woanders. Oder er lügt und macht nichts und das fände ich auch unerträglich so ein Verhalten.
Also auf Mailbox gesprochen er soll mir dringend RM geben,
da heute ja die eine Firma kommen sollte und ich nicht auf den Kosten sitzen bleiben will.
Bei meiner zweiten Mailboxnachricht an die Verwalter hab ich auch gesagt, ich stehe
unter Druck, brauche eine Rückmeldung, und das nicht funktionieren der Technik über mehrere
Monate nehme ich ihnen nicht ab , ich fühle mich veräppelt. Habe aber ein schlechtes Gewissen,
weil ich mich schon wie ein Psycho aufführe irgendwie mit Anklagen.

Aber es muss doch heute irgendwie gehen. Bin ab morgen voll auf Arbeit und will auch mal wieder auf Klo.

19.04.2021 11:12 • #81


moo
Ich glaube, ich würde der HV vors Büro s.c.h.e. ! Leider ist es oft so, dass man als Mieter der Depp ist.

Wenn es nicht an der Hebepumpe läge, würde ich Dir mein Rohreeinigungsgerät zuschicken. Aber das bedarf schon professioneller Reparatur.

Danke für Deine o. g. Erläuterungen. Du hast ordentlich Einsicht in Deine Ursachenlage, wie? Das ist schon mal eine gute theoretische Basis. Hapert's denn immer (!) in der Praxis oder nur ab und zu?

19.04.2021 12:37 • x 1 #82



Tiefe Beunruhigung, wenn Sachen nicht laufen

x 3


moo
Bzgl. solch schwerwiegender Technikprobleme würde ich per Einschreiben eine Mietminderung um x% androhen. Das wirkt oft Wunder und es gibt keine Ausreden mehr. Dafür gibt es Musterbriefe.

Ich glaube, Dein Hauptproblem ist der Kontrollverlust. Damit übernimmst Du aber im Grunde exakt die Hauptprobleme Deiner Mutter, nur ohne das Symptom des Trinkens sondern stattdessen der Angst und des Zwanges. Dir hier zu mehr Geduld zu raten, wäre zwar richtig aber würde Dich kaum erreichen.

Darum würde ich folgendes tun: Sobald Du merkst, dass Angst und Zwang versuchen, den (vermeintlichen!) Kontrollverlust zu kompensieren, denke daran dass das genau der Weg Deiner Mutter war! Nutze sie persönlich (!) als schlechtes Vorbild. Stelle Dir ihr versoffenes Gesicht und ihre hysterische Gewalt bildlich vor! Aber NICHT aus der Kinder- sondern aus der Erwachsenenperspektive.
Wichtig ist, dass Du dies als neutraler Beobachter tust, nicht als Betroffener.
Der entscheidende Punkt ist, dass wir trotz umfangreicher Psychotherapie immer noch oft (nahezu körperlich) unsere Eltern nachahmen. Durch die neutrale Betrachtung und Bewertung (ohne Schuldzuweisungen) emanzipiert sich der Geist nach und nach.
Ich kenne das aus der Suchttherapie - es funktioniert bei Betroffenen jeden Alters. Man darf das elterliche Verhalten ruhig mal nüchtern bloßstellen. Das ist etwas anderes als sie lächerlich zu machen und völlig legitim und notwendig.

19.04.2021 13:03 • x 1 #83


Feuerschale
@moo, danke für die Antworten. ja, ich war auch sehr sehr wütend und ohnmächtig.
Verdient hätten sie es. : Ich hatte diffuse Rachepläne.

Ich hätte nicht mehr damit gerechnet, aber der Laden hat eine Chefin die sich dann um meine
Motz-Mailbox Nachricht noch gekümmert hat. Der erste Mensch dort, der kommuniziert
statt zu ignorieren und auch noch etwas deeskalierend wirkte.

Die Pumpenfirma kam, ich hätte sie aber so oder so kommen lassen, und jetzt mit Segen
dieser Pappnasen. Es steht noch eine weitere Sanierung an und dann vermutlich ein neues
Spiel, die zu aktivieren, aber für heute läuft es erst mal soweit. Auch das Rohr.

Der Umgang mit K ontrollverlust und dann auf das Verhalten der Mutter umswitchen,
den Gedanken finde ich interessant.
Ich finde, ich komme sehr nach meiner Mutter, auch wenn ich sie als Anti-Vorbild
erlebt habe. Ich denke auch, dass sie selber voller Ängste und Zwänge war
und einiges auch mit Alk dann abmilderte.

Und ich bin ihr leider treuer als ich das will, auch in einer Art Lebensverweigerung,
mich im Leben zu bewegen oder Freude zu empfinden oder Kontakte zu schließen
und dafür ist da eine Resignation und Verbitterung.
Mittlerweile lebe ich fast wirklich wie sie oder sehe die Welt durch ihre Augen.

Nur dass mir die Rest-Selbständigkeit immer wichtig war, einen Job haben und eine Wohnung.
Das hat sie nie erreicht. Sie ist mit 16 Trinkerin geworden (arbeitete zu der Zeit
in einer Sektfabrik)und dann ist sie gleich von meinem Vater aufgegabelt worden und
ist vom Elternhaus gleich zum Vater und sie musste sich nie selbst um was kümmern.
War nur am motzen und am hassen, hatte sehr viel Selbstmitleid und hat viele Leute
beneidet und verletzt.

Heute bin ich aber selber verantwortlich, wie ich lebe, und ich denke, ich habe schon ein paar Optionen,auch mehr als sie. Dafür kann ich ja dankbar sein, dass ich z B einen Beruf lernen
konnte, dass ich Therapie machen konnte.
.
Auch wenn die emotionalen Strickmuster immer noch anspringen und sie kosten Kraft.
Es ist wie ein schlechter Film.

Mir das zu verbildlichen, wenn Angst und Zwang einsetzen, dass es so stark mit Mutter zu tun hat
und ich ihr da gerade folge, das ist ein guter Tip.
Bis jetzt sehe ich mich da eher selbst in der Kindperspektive und dass meine Mutter Theater
macht und straft und ich gehorsam und unsichtbar sein will.

Aber es gibt auch den Aspekt, dass meine Mutter oft genug emotional und im Verhalten
Lernmodell war und ich das dann als große Option in mir drin habe, aber eine die ich nicht will.

Was mir auch ein kleines bisschen geholfen hat, ich hab so einen ganz ruhigen, aufmerksamen
und tiefenentspannten Zahnarzt, und ich merke der ist so komplett anders als meine Mutter.
Ich hab mir versucht den so im Problem vorzustellen und wie jemand reagiert, der eher ruhig
und sanft ist und Sachen sachlich löst. Es gibt eine Alternative.

Aus der Sicht eines Beobachters ist es dann vielleicht nochmal etwas anderes, eine andere
Distanz. Das hab ich jetzt beim zweiten Lesen nochmal herausgelesen, dass das den Unterschied
macht.

Emanzipierung des Geistes klingt super, das würde ich mir schon mehr wünschen.
Ich merke es, wenn ich verwurstelt bin und drin hänge und mag es nicht.

Wegen der Frage, ob es oft in der Praxis hapert. Ich denke, einiges bekomme ich erledigt,
aber ich lebe auch vermeidend an vielen Stellen, damit ich nicht zu oft mit
Kontrollverlust konfrontiert bin. Plus dem oft größeren emotionalen Rattenschwanz
und Stress, der dann losgeht.

Das Vermeidende macht das ganze Leben aber auch sehr öde,als wäre man noch
ein Gefangener in einem alten Film.

19.04.2021 14:44 • x 1 #84


moo
Zitat von Feuerschale:
Aber es gibt auch den Aspekt, dass meine Mutter oft genug emotional und im Verhalten
Lernmodell war und ich das dann als große Option in mir drin habe, aber eine die ich nicht will.

Was mir auch ein kleines bisschen geholfen hat, ich hab so einen ganz ruhigen, aufmerksamen
und tiefenentspannten Zahnarzt, und ich merke der ist so komplett anders als meine Mutter.
Ich hab mir versucht den so im Problem vorzustellen und wie jemand reagiert, der eher ruhig
und sanft ist und Sachen sachlich löst. Es gibt eine Alternative.


Gutes Gegenbeispiel!

Ja, Lernmodell ist ein sehr treffender Begriff - deutlich besser als Vorbild, denn letzterer bezieht einen selbst mental automatisch stark ein wenn man nicht aufpasst.

Zitat von Feuerschale:
Aus der Sicht eines Beobachters


Ja, das ist der Dreh- und Angelpunkt für die meisten von uns. Man lernt ungern, wenn man persönlich angesprochen wird, aber leicht und gern, wenn man selber von sich aus draufblickt und sich quasi seine eigenen Gedanken macht (= Selbst-Einsicht).

Zitat von Feuerschale:
Das Vermeidende macht das ganze Leben aber auch sehr öde, so als wäre man noch ein Gefangener in einem alten Film.


Besser kann man es wohl schwerlich ausdrücken. Ich persönlich entwickelte im Praxisprozess (Beobachten - siehe oben) eine gesunde Wut über das Vermeiden (nicht gegen mich, der vermeidet). Weil dadurch einfach das Leben abläuft und nicht aktiv gelebt wird. Es war einfach zum kotzen, immer den gleichen Film zu erleben und passiv von der Vermeidung konsumiert zu werden. Diese Wut hat meinem Automatismus seinerzeit endgültig den Stecker gezogen. Ich habe laut gesagt: Ich mag nicht mehr - ich sch.e.i.s.s. drauf - egal welche Konsequenz folgt! Und was folgte? Die Freiheit!

Das wünsch ich Dir und uns allen hier.

19.04.2021 17:17 • x 2 #85


Feuerschale
Hallo und danke für die Anregungen
Zitat von moo:
Ja, Lernmodell ist ein sehr treffender Begriff - deutlich besser als Vorbild, denn letzterer bezieht einen selbst mental automatisch stark ein wenn man nicht aufpasst.
Du meinst, dass ein Vorbild persönlicher ist und man dann eine Art von Loyalität
empfindet oder Autorität, und man dann Gefahr läuft, nicht frei zu sein?
Das könnte wohl schon passieren.

Und bei Eltern ist die Gefahr wohl besonders groß, also die extrem starke Loyalität
die verlangt wird oder wo man als Kind auch denkt, die gibt man.
Mir hat aber immer der Text von Khalil Gibran gut gefallen.
https://www.zgedichte.de/gedichte/khali...inder.html
Zitat von moo:
Man lernt ungern, wenn man persönlich angesprochen wird, aber leicht und gern, wenn man selber von sich aus draufblickt und sich quasi seine eigenen Gedanken macht (= Selbst-Einsicht).
Hm, stimmt. Manchmal gibts bei so einem persönlichen Lernverhältnis auch noch
so ein Autoritätsgefälle, und es gibt schon ganz fixe Lern- und Erkenntnisinhalte, die man
aufnehmen soll und gut reproduzieren.

Da kann einem das selber erkennen auch etwas vergehen.
Oder man traut es sich nicht mehr zu, weil einem schon fixe Meinungen präsentiert werden
und oft auch Erwartungen und Bewertungen, dass man es bloß auch richtig wiedergibt.
Zitat von moo:
Ich persönlich entwickelte im Praxisprozess (Beobachten - siehe oben) eine gesunde Wut über das Vermeiden (nicht gegen mich, der vermeidet). Weil dadurch einfach das Leben abläuft und nicht aktiv gelebt wird. Es war einfach zum kotzen, immer den gleichen Film zu erleben und passiv von der Vermeidung konsumiert zu werden.
Das mit dem konsumiert finde ich interessant ausgedrückt.

Denn ich empfinde Konsumieren als das Gegenteil von aktiv leben, und ich glaube, es ist so oft
Ersatz für einen aktiven Sinn. Also auch das Konsumieren von sonstigen Dingen, Essen, Medien
ect.

Aber dass man selbst auch schon konsumiert wird, wie z B von der Vermeidung, daran hatte ich
noch nicht gedacht.

Das ist ja fast so wie bei der Unendlichen Geschichte, wo das Reich Phantasien vom Nichts gefressen wird.
Zitat von moo:
Diese Wut hat meinem Automatismus seinerzeit endgültig den Stecker gezogen. Ich habe laut gesagt: Ich mag nicht mehr - ich sch.e.i.s.s. drauf - egal welche Konsequenz folgt! Und was folgte? Die Freiheit!
Hast du es denn auch so erlebt, dass die Freiheit auch Unruhe oder
Stress bringt?
Man hat ja nicht mehr so eine Schonhaltung, erlebt mehr Reize, hat mehr Auslöser.

Viele Situationen sind ganz neu dann auch, das kennt man nicht und hat noch nicht so
die Bewältigung dafür.

Die eigenen Vorfahren haben sowas z B noch nie gemacht und man hört die ganzen schlechten Geschichten und dass die Welt an dieser Stelle endet, dass es sowieso unmöglich ist,
und die Leute auf der anderen Seite des Zauns sowieso schlecht sind.
(Gut, heute durch Social Media bekommt man mit, dass die Welt doch etwas größer ist,
aber die gefühlte Welt, wie man aufgewachsen ist und was da so galt, das ist doch tiefer
eingeprägt finde ich).

Kann es sein, dass Freiheit ziemlich anstrengend ist, zumindest am Anfang?

Aber auf jeden Fall dann auch lebendig.
Und besser als so eine sinnlose Öde.
Zitat von moo:
Das wünsch ich Dir und uns allen hier.
Danke, ja das wünsche ich auch uns allen.

20.04.2021 05:35 • x 1 #86


moo
Danke für den Dialog und das wunderbare Gedicht von Khalil Gibran!

Freiheit von Zwängen finde ich erstmal befreiend . Was ich dann mit dieser Freiheit anfange, ist erstmal eine schöne Aussicht. In meinem Fall bedeutete es konkret, mir zu erlauben, eigene Erfahrungen zu machen.

Die Vermeidung an sich empfinde ich aber als weitaus anstrengender - es ist wie mit angezogener Handbremse zu fahren. Oder zu stehen, im Extremfall.

Unsicherheit kann (!) Stress erzeugen, aber sie ist immerhin real! Sicherheit ist eine Illusion des abhängigen Geistes. Einer Illusion das Recht zu gewähren mich zu konsumieren und mir dafür dann gleich auch noch selbst die Schuld zu geben ist einfach nur crazy.

Unsicherheit hingegen ist ein typisch negativer Begriff, den unsere deutsche Vermeidungsvolksseele hervorgebracht hat. Ich würde Unsicherheit eher positiv als Möglichkeitspotenzial bezeichnen. Nicht im Sinne von positivem Denken sondern von subjektiver Entscheidungshoheit.

Michael Ende war übrigens ein großer Freund des Zen. Nicht umsonst spielt das Nichts in seinen Werken oft eine sehr dominante Rolle. Ich war kürzlich auf (!) seinem Grab. Mann kann tatsächlich darauf umhergehen und sich hinsetzen und ein Buch lesen

Das Nichts macht den meisten Menschen Angst, weil sie es als unsicher (sic!) empfinden. In Wahrheit jedoch entspringt die Welt dem Nichts, ist auf Nichts gestützt und deshalb un(er)greifbar. Wer (?) sollte schon ergreifen...

20.04.2021 13:21 • x 1 #87


Calima
Zitat von Feuerschale:
Kann es sein, dass Freiheit ziemlich anstrengend ist, zumindest am Anfang?

ich glaube, nicht nur am Anfang. Freiheit bedeutet immer auch, Verantwortung für sein Tun zu übernehmen, und das ist immer wieder herausfordernd. Wobei ich Freiheit auch ein sehr großes Wort finde. Ich bin da ein wenig bei Janis Joplin: Freedom's just another word for nothing left to lose. Wobei es immer etwas zu verlieren gibt - und sei es die Freiheit selbst.

Zitat von moo:
Sicherheit ist eine Illusion des abhängigen Geistes.

Aber um mit Schopenhauer zu sprechen: Die Zerstörung von Illusion bedeutet noch lange keine Wahrheit, sondern erst einmal eine Erweiterung der inneren Öde. Gehört wohl schon ein wenig mehr zur gern zitierten Freiheit als das Aufgeben von Sicherheit .

20.04.2021 15:06 • x 2 #88


Feuerschale
Hallo moo!
Zitat von moo:
Dialog
so eine Art Verhältnis liegt mir glaube ich eher
Aber man kommt manchmal nicht aus seiner Haut ich klein doof und du weißt ect

Das freut mich, dass dir Khalil Gibran gefällt. Er hatte wohl wenig mit dem Zen zu tun,
aber mir gefällt das wenig Menschenrollen-zentrierte, eher Lebenskraft-zentrierte.
Zitat von moo:
Freiheit von Zwängen finde ich erstmal befreiend . Was ich dann mit dieser Freiheit anfange, ist erstmal eine schöne Aussicht.
Es ist auf jeden Fall befreiend, nicht im Zwang sein zu MÜSSEN, von Emotionen
so dermaßen gesteuert zu sein und gar nicht mehr so links und rechts schauen
zu können. Und keine Wahl zu haben, sondern das immer gleiche dann so
weiterzumachen.
Zitat von moo:
Die Vermeidung an sich empfinde ich aber als weitaus anstrengender - es ist wie mit angezogener Handbremse zu fahren. Oder zu stehen, im Extremfall.
Da ist schon eine Menge zu tun, den Status Quo zu erhalten.
Zitat von moo:
Unsicherheit kann (!) Stress erzeugen, aber sie ist immerhin real! Sicherheit ist eine Illusion des abhängigen Geistes.
Emanzipation des Geistes klingt auf jeden Fall gut.

In der letzten Therapie gab es auch immer mal so eine Freiraumübung, dass man in Distanz
geht zu dem üblichen Theater.
Das war für mich erstmal unvorstellbar, gerade wenn alles so dicht, turbulent und
alternativlos wirkt. Aber dann ging es doch und da war schon ein aufatmen und mehr
so ein Gefühl von Beweglichkeit dann.
Zitat von moo:
Unsicherheit hingegen ist ein typisch negativer Begriff, den unsere deutsche Vermeidungsvolksseele hervorgebracht hat. Ich würde Unsicherheit eher positiv als Möglichkeitspotenzial bezeichnen. Nicht im Sinne von positivem Denken sondern von subjektiver Entscheidungshoheit.
Unsicherheit ist schon irgendwie negativ verknüpft.
Ich weiß auch nicht, ob das so wegen der Schaffe Schaffe Häusle Baue Mentalität
kommt. Oder dem Gedanken an Besitz = fest = meins = Sicherheit.

Ich war vor über einem Jahr mal in einem anthropologischen Museum, und der Gruppenführer
des Museums war ganz Feuer und Flamme für das Thema und meinte aber auch,
Besitz sei so der Anfang des Übels gewesen.
Spuren von Sesshaftigkeit gingen mit Spuren von Mord auf den menschlichen Knochen
(meist Schädelknochenspuren) einher.
Zitat von moo:
Michael Ende war übrigens ein großer Freund des Zen. Nicht umsonst spielt das Nichts in seinen Werken oft eine sehr dominante Rolle. Ich war kürzlich auf (!) seinem Grab. Mann kann tatsächlich darauf umhergehen und sich hinsetzen und ein Buch lesen
Das ist interessant.
Hab gerade gelesen, dass er in München auf einem Waldfriedhof beigesetzt wurde und das
heute da auch noch Lesungen stattfinden und das Grab ist wohl sehr kreativ
gestaltet.
Zitat von moo:
Das Nichts macht den meisten Menschen Angst, weil sie es als unsicher (sic!) empfinden. In Wahrheit jedoch entspringt die Welt dem Nichts, ist auf Nichts gestützt und deshalb un(er)greifbar.
Hm, ich hab letztens erst gelesen, man könnte sich mal Gedanken machen,
wozu die Welt
eigentlich da ist und woraus entstanden ist.
Das ist wohl Geschmackssache, aber dass der Mensch da im Mittelpunkt stehen soll
und seine Ambitionen und Vorstellungen, das glaube ich dann doch nicht.
Zitat von Calima:
ich glaube, nicht nur am Anfang. Freiheit bedeutet immer auch, Verantwortung für sein Tun zu übernehmen, und das ist immer wieder herausfordernd. Wobei ich Freiheit auch ein sehr großes Wort finde. Ich bin da ein wenig bei Janis Joplin: Freedom's just another word for nothing left to lose. Wobei es immer etwas zu verlieren gibt - und sei es die Freiheit selbst.
Bei Verantwortung finde ich oft den schwierigsten Schritt, die eigene Antwort auf eine
Situation zu kennen.
Oft ist da Abhängigkeit von Anderen, Gewohnheiten, die angstlindernd sein sollen
oder man richtet sich auch ganz nach außen.
Wenn die Antwort da ist, gibt das aber auch so nach meinem Erleben Kraft für
das weitere.
Und dann folgt das Antwort konsequent umsetzen, da gibt es dann schon auch Rückfälle,
Müdigkeit, Antwort wieder verloren und den Kampf gegen das gewohnte.
Zitat von Calima:
Zitat von moo:
Sicherheit ist eine Illusion des abhängigen Geistes.


Aber um mit Schopenhauer zu sprechen: Die Zerstörung von Illusion bedeutet noch lange keine Wahrheit, sondern erst einmal eine Erweiterung der inneren Öde. Gehört wohl schon ein wenig mehr zur gern zitierten Freiheit als das Aufgeben von Sicherheit .
Was wäre dann Wahrheit, nach (oder in) der man lebt? So etwas wie eigene Werte, die man
dann leben kann, wenn man nicht von der Illusion gebremst ist, oder ein anderes z. B.
religiöses Wertesystem, nach dem man sich dann richtet?
Vielleicht ist die Wahrheit ja leer und öde.

21.04.2021 05:40 • x 1 #89


moo
Zitat von Feuerschale:
Das freut mich, dass dir Khalil Gibran gefällt. Er hatte wohl wenig mit dem Zen zu tun, aber mir gefällt das wenig Menschenrollen-zentrierte, eher Lebenskraft-zentrierte.

Er wird aber in einigen Zen-Kreisen gerne immer wieder rezitiert. Vor allem in Richtungen die versuchen, andere Mystiker und deren Einsichten in die Praxis zu integrieren (z. B. der ehemaligen Sanbo-Kyodan-Linie). Lebenskraft-zentriert - ja, ein schöner Begriff!

Zitat von Feuerschale:
In der letzten Therapie gab es auch immer mal so eine Freiraumübung, dass man in Distanz geht zu dem üblichen Theater. Das war für mich erstmal unvorstellbar, gerade wenn alles so dicht, turbulent und alternativlos wirkt. Aber dann ging es doch und da war schon ein aufatmen und mehr so ein Gefühl von Beweglichkeit dann.

Das hört sich nach Kommunikativer Bewegungstherapie an? Magst Du den konkreten Übungsverlauf mal beschreiben? Würde mich interessieren.

Zitat von Feuerschale:
Besitz sei so der Anfang des Übels gewesen.

Gut nachvollziehbar. Ich glaube aber, das Empfinden von Unsicherheit ist dem Mensch-Sein inhärent. Zumindest wenn keine Einsicht, Weisheit entwickelt wurde.

Zitat von Feuerschale:
das Grab ist wohl sehr kreativ gestaltet.

Oh ja, da gibt es viel zu bestaunen: https://images.app.goo.gl/8VBQDdqMCkcbDBTd9

Zitat von Feuerschale:
dass der Mensch da im Mittelpunkt stehen soll und seine Ambitionen und Vorstellungen, das glaube ich dann doch nicht.

Ich auch nicht, aber erleben (!) wir es auch so? Die Illusion eines subjektiven Ichs bedingt ja diese Vorstellung. Das Um-Mich-Drehen beginnt ja da, wo Welt-Wahrnehmung durch Ich-Bewusstsein vom ursprünglich nonpersonellen Erlebensvorgang separiert wird. Die so empfundene Dualität bedingt somit automatisch eine (nachvollziehbare) Unsicherheit in jeder Hinsicht.

Zitat von Feuerschale:
Bei Verantwortung finde ich oft den schwierigsten Schritt, die eigene Antwort auf eine Situation zu kennen. Oft ist da Abhängigkeit von Anderen, Gewohnheiten, die angstlindernd sein sollen oder man richtet sich auch ganz nach außen. Wenn die Antwort da ist, gibt das aber auch so nach meinem Erleben Kraft für das weitere.
Und dann folgt das Antwort konsequent umsetzen, da gibt es dann schon auch Rückfälle,
Müdigkeit, Antwort wieder verloren und den Kampf gegen das gewohnte.

Schon richtig, aber wenn es als Kampf empfunden wird, war die Einsicht nicht ausreichend tief. Verständnis entzieht Zwangsverhalten die Grundlage. Je mehr Verständnis desto mehr Freiheit (oder treffender: weniger Unsicherheit). Freiheit ist eher die Abwesenheit von Unsicherheit/Unfreiheit. Hier kommt wieder o. g. Nichts oder Leerheit ins Spiel. Wahre Freiheit ist letztendlich die Aufhebung der Dualität zwischen frei und unfrei, zwischen Ich und Welt.

Zitat von Feuerschale:
Was wäre dann Wahrheit, nach (oder in) der man lebt? So etwas wie eigene Werte, die man dann leben kann, wenn man nicht von der Illusion gebremst ist, oder ein anderes z. B.
religiöses Wertesystem, nach dem man sich dann richtet?
Vielleicht ist die Wahrheit ja leer und öde.


Deinen letzten Satz möchte ich als letztendlich äußerst zutreffend bezeichnen, aber das Öde würde ich definitiv weglassen. Leerheit ist niemals irgendwie - sie entzieht sich der Bewertung und war deshalb schon immer unantastbar. Eben weil sie nicht ist...

21.04.2021 07:49 • x 1 #90


Feuerschale
Zitat von moo:
Das hört sich nach Kommunikativer Bewegungstherapie an? Magst Du den konkreten Übungsverlauf mal beschreiben? Würde mich interessieren.

Es ging da um das Focusing als Methode (https://de.wikipedia.org/wiki/Focusing.
Man hat sich erstmal im Raum und im Körper orientiert und alles so wahrgenommen.
(im Sitzen gegenüber vom Therapeuten).
Dann hat man die Themen, die einen so bewegen wahrgenommen, aber versucht,
dazu Distanz herzustellen.

Manchmal haben wir da auch noch das mit Imagination gemacht, also Dinge weit
weg zu stellen, vor die Tür ect. Oder denen zu versprechen du kannst ja gleich
zurück

Und dann hat man eins der wichtigsten Themen ausgesucht und in der Wahrnehmung
so fokussiert, und mehr darauf geachtet, wo es im Körper sitzt, mit welcher
Empfindung.
Manchmal so mit dem Hinweis, ob es etwas sagen will oder etwas braucht, aber man
hat es nicht so ganz kognitiv oder imaginativ gemacht, sondern doch mehr so
vom Empfinden aus.

In einem Buch über Focusing hatte ich gelesen, dass aber dieser Wechsel aus
Empfinden eines Themas im Körper und dann einen Begriff finden / als Griff
genannt schon etwas lösen könnte.
Ich glaube, ansonsten ging es auch mehr um ein so Dasein und Verstehen, nicht so
um Analyse.

Zitat:
Zitat von Feuerschale:
dass der Mensch da im Mittelpunkt stehen soll und seine Ambitionen und Vorstellungen, das glaube ich dann doch nicht.

Ich auch nicht, aber erleben (!) wir es auch so? Die Illusion eines subjektiven Ichs bedingt ja diese Vorstellung.
Das so erleben ist zweifelsohne da.
Man begreift sich ja auch irgendwann als Person, bekommt Zuschreibungen, formt das
eigene Bild weiter, und es gibt bestimmte Anforderungen und Vergleiche.

Scham würde es auch nicht geben, wenn man nicht denken würde, ich als einzelne Einheit
bin irgendwie komisch und habe versagt.
Zitat:
Die so empfundene Dualität bedingt somit automatisch eine (nachvollziehbare) Unsicherheit in jeder Hinsicht.
Ja, das fühlt sich schon so an.
Als müsste ich dann in der Welt bestehen und die Welt kann mal gut und mal
böse zu mir sein.
Auch ist der Gedanke an den Tod nicht so erbaulich.
Zitat:
Verständnis entzieht Zwangsverhalten die Grundlage. Je mehr Verständnis desto mehr Freiheit (oder treffender: weniger Unsicherheit).
Das erschließt sich mir nicht gleich, da muss ich nochmal drüber nachdenken.
Ist es so ähnlich wie das, was ich oben beschrieben habe beim Focussing. Man betrachtet
etwas, aber hat eine Distanz und schaut dann, ob man es verstehen kann?

Es klingt so, als könnte das Verständnis dann etwas verbinden.

21.04.2021 15:48 • x 1 #91


moo
Herzlichen Dank für die nähere Erklärung. Ich habe mir auch den kompletten Link-Inhalt durchgelesen. Das Focussing ist offenbar ein Erlernen der Fähigkeit, jegliches Erleben in der subjektiven Form auszudrücken (quasi FORMumlieren) und somit eine gewisse Distanz zwischen Erleben und Erleber(in) herzustellen. Durch die entstehende Distanz soll eine angemessene Einschätzung und entsprechende Reaktionsweisen ermöglicht werden. Dein Bild mit dem Griff, der verbindet stellt dann den sich schließenden Kreis dar: Zurerst trennen, dann wieder verbinden.
Mir gefällt diese Methode, sofern ich das Prinzip richtig verstanden habe?! Ob man das im Alltag immer so anwenden kann? Wahrscheinlich eher zu bestimmten, stillen Kontemplationszeiten mit jeweils ein oder zwei Themen?

Zu Deiner Frage am Ende Deines Beitrags: Die befreienden Einsichten von denen ich oben ansatzweise sprach, werden nicht explizit mit einer Technik wie dem Focussing erreicht, sondern schlicht regelmäßig kontempliert. Es ist im Grunde egal, ob ich diese Themen separiere oder nicht. Was allerdings dabei dem Focussing ähnlich ist: Es geschieht eher nonverbal. Du kannst es vielleicht intuitives Verstehen nennen.

Was verstehen?

Letzten Endes drei Einsichten:

1. Absolut alles Erleben ist vergänglich, ständiger Veränderung und Abhängigkeit unterworfen.

2. Ein Selbst kann nirgends gefunden werden. Dementsprechend gibt es weder ein Innen oder Außen, Ich oder Welt, Gewinn oder Verlust, Aufstieg oder Abstieg, Hier oder Dort usw.

3. Daraus ergibt sich notwendigerweise eine dem Erleben inhärente Unzulänglichkeit, Leidhaftigkeit, Mangelhaftigkeit.

Der Fachbegriff für diese Art von Kontemplation ist yoniso manasikara und bedeutet auf gut Deutsch weises Erwägen. Durch wiederholtes Betrachten der Dinge, wie sie wirklich sind versteht der Geist in zunehmendem Maße die obigen drei Erlebensmerkmale.

Und genau hier gilt: Je mehr Einsicht, umso weniger Verblendung, umso weniger Wollen oder Nichtwollen, desto weniger Zwänge, Leid etc.

Es geht hier also ums Ganze, nicht nur darum, wieder gesellschaftlich zu funktionieren und sein Leben irgendwie rumzubringen.

Du kannst es für die Westentasche auch auf einen sehr trefflichen, knappen Nenner bringen:

Ohne mich gibt's kein Problem. (Ayya Khema)

21.04.2021 18:06 • x 1 #92


Feuerschale
Hallo,
diese Distanz zum Erlebten ist beim Focusing als Effekt wohl gut möglich, ebenso
schafft das Formulieren wohl eine Distanz.
Ich denke, es ist ähnlich wie dem Schreiben, dem ja auch nachgesagt wird, dass es
wirre Gefühle oder Zustände auch ordnen kann.
Wobei man beim Schreiben sicherlich auch sich sehr imaginativ aufhalten kann und
nicht sehr real sein.

Beim Focussing wird auch noch sehr auf die Körperempfindungen geachtet, besonders
im Brust- und Bauchraum soll man darauf achten, wie sich das empfundene Problem
dort anfühlt und wie sich dieses Empfinden DORT verändert, wenn man dem Problem Aufmerksamkeit gibt,oder einen Namen, oder Verständnis.

Ich muss aber sagen, dass ich es ALLEINE, ohne Therapeutin, bei einem akuten Problem
nicht gut hinbekommen habe und auch kaum glauben konnte, dass es da eine Änderung gibt
(die gefühlte Änderung wird Shift genannt, so langsam erinnere ich mich wieder).

Im akuten sehr verwickelten Zustand ist es wohl schwerer es anzuwenden, als bei
kleineren Themen, wo noch eine gewisse Ruhe da ist.
Zitat von moo:
Zu Deiner Frage am Ende Deines Beitrags: Die befreienden Einsichten von denen ich oben ansatzweise sprach, werden nicht explizit mit einer Technik wie dem Focussing erreicht, sondern schlicht regelmäßig kontempliert.
Vielen Dank für die Erläuterung.

Ich vermute sehr, dass es ein längerer Prozess ist zwischen dem weitergehenden
(buddhistischen) Wissen vom Kopf her und und einem wirklich verstehen und
selber die Zusammenhänge spüren.

Grundsätzlich bin ich aber auf die Idee von deinem ersten Beitrag neugierig, und den
praktischen Ansatz, dass man seine eigene Situation und emotionalen Reaktionen aus
Distanz anschaut, ggf. bewusst hat, wie sehr man da einem Elternteil folgt, und dafür
auch ein Gefühl bekommt oder eine Art Erkenntnis und Handlungsspielraum.
Nicht nur ein Kleben im Zwang und die ganze Unruhe dabei.

So gesehen kann ja vieles, was beunruhigt, auch eine Art Einladung sein, zu sehen,
wo man verstrickt ist, und es könnte da eine Entwicklung möglich sein.

22.04.2021 15:17 • x 1 #93


Feuerschale
In den letzten Tagen schiebt sich ein neues Thema in den Vordergrund.
Beunruhigung, wenn ich selbst nicht nach den Erwartungen meiner Familie laufe.
Das dreht sich total im Kopf, dass ich so Gespräche führe, dass ich mich melden müsste,
vorschlagen müsste, was Mutter und Schwester erwarten, ohne für mich selbst
Stellung zu beziehen (oder diese gar so richtig zu kennen).

Einerseits denke ich, dass sich mein Kopf immer irgendwelche Sachen sucht, die nicht
laufen, und wo man sich dran festbeißen kann auf etwas neurotische Art. Ein Gefühl von
da ist was falsch, ich muss das verhindern und durchdenken, immer wieder.

Aber im Fall von meiner Familie hatte ich eigentlich schon immer das Gefühl, dass
es gar nicht so eine Begegnung gibt, aber jeder so seine feste Rolle einnehmen
wollte.

Mein Vater (selig), war der Denker, der sich zurückzog mit mehreren Schnap.
und Bieren in der Gartenlaube, und in alten Geschichten festhing.
Er war so stark in der Imagination drin, dass er mit mir gar nicht einen Dialog führte,
sondern mir Sachen andichtete, die seiner Vorstellung entsprachen.
Da gab es in der Hinsicht wenig Erwartungen, nur halt überhaupt keinen Kontakt.

Der wusste auch noch nichtmals, welche Schule ich besuche, oder später, welche Art
von Ausbildung ich machte, ob ich mich in der Welt zurechtfand oder nicht,
Therapie machte oder nicht, das war alles null Thema.
Und als ich früh heiratete, auch etwas aus Protest, da kam er mit Hausschuhen,
betrunken, ungewaschen und in sich verschlossen vor sich hinsinnierend zur Hochzeit,
weil meine Schwester ihn dahin schleppte.

Meine Mutter trank sehr viel, war sehr impulsiv aggressiv und manchmal mit Gewalt-
ausbrüchen, sehr sprunghaft und ohne an jemandem so interessiert anzuknüpfen,
aber sie war sehr neidvoll und im Suff verletzte sie all die Menschen, Verwandtschaft,
also die erwachsene Verwandtschaft, die am Anfang noch kam. Nachher kam keiner
mehr und ich war ihr Nummer eins Blitzableiter. Immer wenn ich selber mal was
dachte, oder was gestalten wollte, oder eigenständig sein wollte, hetzte sie
Schwester und Vater gegen mich auf, wurde aggressiv, beschimpfte und weiteres
und ich galt als seltsam, komisch, sei in einer Sekte ect.
Von ihr fühlte ich mich auch nie wahrgenommen, es gab keinen kontakt, aber sie konnte
mir sehr unangenehme Empfindungen verschaffen mit Angst, Schlägen, Beschimpfungen,
sodass ich schon lernen musste auf sie zu achten und es ihr irgendwie Recht zu machen.

Obwohl sie mich ja nicht kannte und offensichtlich auch nicht mochte, sie schaute mich
oft angewidert an zu den Bemerkungen komisch, wollte sie nie, dass ich weggehe
und eine eigene Wohnung hab. So ein Blitzableiter war vielleicht doch ganz hilfreich.

Die eigene Wohnung war komplett im Nirvana für sie, nicht existierend,
und es gab immer nur Lockversuche,komm her und da dann still und stumm mit sitzen.
Es gab aber auch Steuerversuche, wenn ich da war. Zb rede doch mit dem, gehe doch
zu dem (im Haus), also alles eigenständige, wie ich meine Kontakte gestalten wollte,
wie mit wem reden ect, das gab es nicht.
Irgendwelche Vorstellungen, was ich tun sollte, wo ich keine Ahnung hatte, wo das
herkam und was ich damit anfangen sollte.

Als ich von meiner Mutter mal wollte, dass wir uns an einem neutralen Ort treffen,
Idee von der Therapeutin, wurden mir Riesenvorwürfe gemacht und es gab ein
Riesentheater. Wie ich es wagen konnte, sie in diese Welt zu locken, die doch so
komplett außerhalb ihrer Wirklichkeit liegt. Es hagelte Vorwürfe und war extrem
ätzend, als wir es mit der Schwester mal durchzogen.
In meinen Wohnungen war sie noch NIE.

Meine Schwester war die Starke, die Managerin, in der Familie, freundlich, optimistisch.
Probleme mit Alk. und Gewalt ignorierte sie komplett. Dass ich in Therapie ging
ignorierte sie komplett (einmal so der Kommentar wie kann man denn zu Fremden
gehen und seine Familie so verraten)
Meine Schwester kommt in der Welt so zurecht. Sie hat einen jahrzehntelangen
Partner, Kinder, 2 beendete Ausbildungen, jetzt selbständig noch zwei Läden.

Und sie war für mich eine Art Mutterersatz, der Idee nach, aber ohne eine warme
Emotion oder ein sich kennen, ohne mich in den Dialog einzubeziehen.
Sie hatte starke Vorstellungen wie eine heile Welt aussehen soll.
Dass ich selbständig werden sollte / könnte, war auch nie ihr Ziel.
Sie hat sich als Mutter verkauft, aber sie war keine, und es war ja im Grunde
auch nicht ihre Aufgabe. Sie spielt in dem Drama eine eigene Rolle, aber sie empfindet
kein Leid, baut sich vieles auf, ist sehr beliebt und hat viel Gesellschaft um sich
rum.

Eigene Emotionen und Standpunkte konnte ich in dieser Familie viele Jahre
oft gar nicht fühlen und äußern, aber wenn es mal zaghaft hervortröpfelte,
ging meine Schwester in die Flucht, wurde ganz starr und machte zwanghaft was
im Haushalt, ignorierte mich total.

Meine Schwester hatte aber einen Plan für mich, unten in die kleine Wohnung ziehen,
wo immer Hochwasser reinkommt, in ihrem Laden helfen für damals 5 Mark die Stunde,
alternativ in der Schuhfabrik arbeiten, wo der Nachbar / aus dem selben Clan des
Mannes immer hinfährt und sonst alles gut gute Miene machen.
Meine Schwester hat auch null mitbekommen, welche Schule ich besucht hab, oder
dass ich studiert hab, oder dass ich Probleme hatte mit Nähe und Beziehungen
und es hat sie auch nicht interessiert, dass ich mir selber nichts aufbauen konnte
so richtig. Aber ich hätte mich in ihrer Welt halt so mitdrehen können, auch still
und stumm.

Je mehr Therapie ich machte und Selbsthilfegruppen, umso mehr Konflikte gab es,
zumindest von meiner Seite, für die anderen war ich ja nur extra dämlich und sch.,
oder ich wurde einfach ignoriert und es wurde geflüchtet und weggelächelt.

Auch für meien Schwester ist es ein Ding der Unmöglichkeit, in meine Wohnung zu
kommen. Sie hat aber keine Fahrängste oder gar keine Zeit, denn besondere Termine
wie irgendwelche Reiki Zahnärzte 80 km weg bekommt sie hin, mein Wohnort ist
etwas mehr als ein Drittel weg.

Ich hab immer wieder den Kontakt zur Familie abgebrochen.
Aber im Verlauf der hiesigen Therapie hab ich nach ca 8 Jahren Funkstille den Kontakt
wieder aufgenommen.
Und es kommen immer die Erwartungen ach ich dachte du hättest mal angerufen
oder komm vorbei. An und für sich ist das auch nichts böses, also Wunsch nach
Kontakt äußern, und alles in allem sind die Treffen nett, wobei ich das letzte
Mal auch Migräne hatte und ich dann fluchtartig auch gehen musste und gemerkt
hab, wie alte Ängste und zwänge aufkamen bei Kleinigkeiten, weil dort der Klo
nicht richtig ablief un dich richtig Ängste hatte ich werde da bestraft.

Und dann wurde ich halt einseitig beschallt von meiner Schwester und sie hört so
gar nicht zu und sie kann sehr viel Output p. min. geben. Insgesamt kommt sie
aber freundlich und nett rüber, hat eine nette Stimme, ich denke da bin ich eher
grummelig und unangenehmer für viele Menschen.

Jetzt sitze ich aber in der Wohnung und spüre irgendie den Erwartungsdruck.
Es sind zwei Wochen nach meinem letzten Besuch verstricken, ohjee ich muss
mich melden.

Es ist wieder so, dass Telefonate zum großen Teil (eher so 90%) von mir ausgegangen sind
und Besuche zu 100%. Auch diese Wohnung haben sie noch nicht gesehen,
aber es wird immer wieder gesagt, du musst mal kommen, oder wenn ich dann doch
nicht anrufe, ruft meine Schwester an und sagt ich dachte du meldest dich mal
und es fühlt sich an wie Majestätsbeleidigung irgendwie, dass ich nicht voreilig
gesprungen bin. Teilweise werden jetzt auch ihre Kinder vorgeschoben, dass sie
Kuchen backen ect und es immer einen Grund gibt, dass ICH zu IHNEN komme.

Wobei es mir wirklich stressig wäre, von meiner Zurückgezogenheit die letzten
Jahre dann plötzlich drei bis vier Leute Besuch zu bekommen, auch noch so kritisch
mit dem Haushalt und wie was gemacht wird.
So eine Person und vielleicht noch ein Kind würde mir ja völlig reichen, ist ja auch
Corona, aber um Gottes Willen, solche individuellen Wünsche sind nicht drin.

Ich merke wie ich so verbissen werde in der Sache und so rumrechne. Wenn ich so rechne,
ich mache 100 % die gar nichts, sind das halt auch keine schönen Gedanke.
Es nimmt in meiner Freizeit Raum im Kopf ein- ich hab Freizeit- ich sollte mich wohl
bei meiner Familie melden.

Ich möchte auch nicht auf Null Kontakt wieder gehen, aber ich würde mir wünschen,
dass ich selber souveräner werde, wie ich den Kontakt gestalten will, oder auch
dann aushalte, wenn sie halt gar nicht nach meinen Wünschen vorgehen und ich
dann eben auch erstmal nichts mache und nicht nach ihren Wünschen voreilend
springe. Es löst bei mir aber aus, dass das irgendwie nicht geht und falsch ist,
so eine Art Abhängigkeit.

Was ich auch schade finde, wenn ich da so verkrampft bin, denn eigentlich sollte
so ein Kontakt doch auch etwas herzlicher sein, mit mehr Freude und Freiwilligkeit
und nicht so mit Berechnung, jetzt muss ich ja mal wieder.
Aber mir wurde das von meiner Familie all zu oft vorgerechnet, was ich alles muss,
was ich schuldig bin, wie schlimm ich sonst bin ect.
Was anscheinend aber viel realer ist: Wenn ich in ihrer Welt nicht auftauche,
dann bin ich für sie Luft und gar nicht existent. Sie würden sich nie einen mm
zu mir vorbewegen oder sich wirklich mal für mich interessieren.

Darum müsste ich ja irgendwie auch ein souveränes Limit finden, wozu ich bereit
bin und wo nicht. Ich müsste irgendwie mehr so mein eigenes haben,
und aus dem Zentrum dann sagen, passt mir jetzt auch oder passt mir nicht,
aber da ist außer Arbeit und Wohnung selbständig erhalten nicht sonderlich viel.
Und dieses von der Familie und Erwartungen angefüllt sein und mich nicht mehr
spüren zieht sich wie ein Faden durch mein Leben, leider immer noch.

23.04.2021 19:42 • x 1 #94


moo
Guten Morgen ,

langer Beitrag, lange Antwort... :

Zitat von Feuerschale:
Das dreht sich total im Kopf, dass ich so Gespräche führe, dass ich mich melden müsste, vorschlagen müsste, was Mutter und Schwester erwarten, ohne für mich selbst
Stellung zu beziehen


= Ein klassisch aus Erfahrung gelerntes Verhalten, namens vorauseilender Gehorsam.

Zitat von Feuerschale:
Ein Gefühl von da ist was falsch, ich muss das verhindern und durchdenken, immer wieder.


Das ist ein Begleitgefühl des vorauseilenden Gehorsams: Du hast Dein Leben lang auf Feedback von Deiner Familie gewartet, aber nie erhalten. Die ständigen Anschuldigungen erzeugten unterbewusst die Gewissheit es liegt immer (!) an MIR.

Zitat von Feuerschale:
Mein Vater (selig), war der Denker, der sich zurückzog mit mehreren Schnap. und Bieren in der Gartenlaube, und in alten Geschichten festhing.


A-ker sind keine Denker, sondern Repetierer. Sie wiederholen den alten Käse, weil keine Entwicklung mehr stattfand und findet.

Zitat von Feuerschale:
Er war so stark in der Imagination drin, dass er mit mir gar nicht einen Dialog führte, sondern mir Sachen andichtete, die seiner Vorstellung entsprachen.


Logisch: Meine Meinung steht fest, verwirrt mich bitte nicht mit Tatsachen! Jegliche Fakten von außen könnten das süchtige Weltbild, das ständig alles auf den Konsum berechtigend (!) ausrichtet, ins Wanken bringen und den kümmerlichen Rest des Selbst-Bildes zerstören.

Zitat von Feuerschale:
Meine Mutter trank sehr viel, war sehr impulsiv aggressiv und manchmal mit Gewaltausbrüchen, sehr sprunghaft und ohne an jemandem so interessiert anzuknüpfen,
aber sie war sehr neidvoll und im Suff verletzte sie all die Menschen, Verwandtschaft,
also die erwachsene Verwandtschaft, die am Anfang noch kam. Nachher kam keiner
mehr und ich war ihr Nummer eins Blitzableiter.


Ähnlich wie Dein Dad, nur eben mit anderer kommunikativer Ausprägung. Ist auch eine Entwicklung, die sie in Ihrer Kindheit, Jugend und in ihrer Rolle an der Seite ihres Mannes durchgemacht hat. Nichtsdestoweniger ist sie ebenso ungeeignet wie Dein Vater, eine Familie zu gründen.

Zitat von Feuerschale:
Obwohl sie mich ja nicht kannte und offensichtlich auch nicht mochte, sie schaute mich oft angewidert an zu den Bemerkungen komisch, wollte sie nie, dass ich weggehe
und eine eigene Wohnung hab. So ein Blitzableiter war vielleicht doch ganz hilfreich.


A-iker wünschen sich grundsätzlich keine Veränderungen. Alles muss so bleiben, damit sie weiterhin Gründe (Ausreden!) für ihren Konsum finden. Deswegen sind sie für ihr Umfeld auch so toxisch (= Co-Abhängigkeit von Angehörigen). Sie lähmen unsere eigene Entfaltungs- und Entwicklungsfähigkeit.

Zitat von Feuerschale:
es gab immer nur Lockversuche,komm her und da dann still und stumm mit sitzen.


Wie ein Möbelstück, das ja nicht verrückt werden darf. Alles so, wie es immer war... Ein klassischer Zug des süchtigen Geistes.

Zitat von Feuerschale:
Als ich von meiner Mutter mal wollte, dass wir uns an einem neutralen Ort treffen, Idee von der Therapeutin, wurden mir Riesenvorwürfe gemacht und es gab ein
Riesentheater. Wie ich es wagen konnte, sie in diese Welt zu locken, die doch so komplett außerhalb ihrer Wirklichkeit liegt. Es hagelte Vorwürfe und war extrem ätzend, als wir es mit der Schwester mal durchzogen. In meinen Wohnungen war sie noch NIE.


Klar, A-iker brauchen den Heimvorteil. Auswärtsspiele sind die Hölle für sie. Außerdem ist dort u. U. kein Nachschub verfügbar. A-iker sind zutiefst verunsicherte Menschen und benötigen ihr selbsterschaffenes Gefängnis um sich halbwegs sicher zu fühlen.

Zitat von Feuerschale:
Meine Schwester war die Starke, die Managerin, in der Familie, freundlich, optimistisch. Probleme mit Alk. und Gewalt ignorierte sie komplett. Dass ich in Therapie ging ignorierte sie komplett (einmal so der Kommentar wie kann man denn zu Fremden
gehen und seine Familie so verraten). Meine Schwester kommt in der Welt so zurecht. Sie hat einen jahrzehntelangen Partner, Kinder, 2 beendete Ausbildungen, jetzt selbständig noch zwei Läden.


Das war ihr Weg, mit der dysfunktionalen Familiensituation umzugehen. Es ist legitim und verdient einen gewissen Respekt. Solange ihr Weg aufgeht, behält sie verständlicherweise ihre Scheuklappen bei (ggü. Deiner Therapie). Man kann es ihr nicht verdenken. Ob sie für Dich ein Vorbild sein kann, wage ich zu bezweifeln.

Zitat von Feuerschale:
Aber ich hätte mich in ihrer Welt halt so mitdrehen können, auch still
und stumm.


Sie ist offenbar Pragmatikerin und wer bei mir mitmacht, muss ihre Regeln akzeptieren. Das hat sie für sich beschlossen und zieht das auch durch. Rücksicht bedeutet hier brechen der eigenen Regeln.

Zitat von Feuerschale:
Je mehr Therapie ich machte und Selbsthilfegruppen, umso mehr Konflikte gab es, zumindest von meiner Seite, für die anderen war ich ja nur extra dämlich und sch., oder ich wurde einfach ignoriert und es wurde geflüchtet und weggelächelt.


Es ist logisch, dass jemand der aus derlei Familienverhältnissen ausbricht, als persona non grata abgestempelt wird. Das hat mit Dir überhaupt nichts zu tun.

Als ich erstmals eine Psychoanalyse anfing, wollten meine Eltern keine Details wissen, weil sie ahnten, dass sie da u. U. nicht so gut wegkamen. In Wirklichkeit hatten sie wenig Schuld, aber nahezu alle Eltern mögen es gar nicht, wenn jemand von außen ihre Erziehungsfehler (die überall stattfinden) aufdeckt. Ist verständlich, aber letztendlich für sie eine vertane Chance, zu lernen.

Zitat von Feuerschale:
Ich hab immer wieder den Kontakt zur Familie abgebrochen.


Hätte ich an Deiner Stelle auch.

Zitat von Feuerschale:
Aber im Verlauf der hiesigen Therapie hab ich nach ca 8 Jahren Funkstille den Kontakt wieder aufgenommen.


Weshalb? Wegen dem oben beschriebenen vorauseilenden Gehorsams?

Zitat von Feuerschale:
Und es kommen immer die Erwartungen ach ich dachte du hättest mal angerufen oder komm vorbei. An und für sich ist das auch nichts böses, also Wunsch nach
Kontakt äußern, und alles in allem sind die Treffen nett


Ja, nett! Wenn es das ist, was Du Dir von den Treffen erhoffst, dann kannst Du sie ja weiterführen. Sie gehen von Dir aus und Du weißt auch, was von der Schwester/Mutter kommt: Nichts Nennenswertes! Im Grunde ist jedes Treffen für Dich eine Ent-Täuschung. Du kannst diese Treffen aber auch als Bestätigung (!) nutzen, dass dort für Dich (zum Glück!) nix zu holen, zu bekommen ist. Du hast bis heute nichts bekommen, was sollte jetzt noch kommen?

Ich weiß, das sind keine schönen Worte und es tut mir leid, das so unverblümt sagen zu müssen. Jeder will von seiner Familie geliebt werden. Aber glaube mir: A-iker als Eltern und eine (notwendigerweise) abgestumpfte Schwester sind nicht zu mehr fähig! Es hat nichts mit DIR zu tun!

Zitat von Feuerschale:
Jetzt sitze ich aber in der Wohnung und spüre irgendie den Erwartungsdruck. Es sind zwei Wochen nach meinem letzten Besuch verstricken, ohjee ich muss
mich melden.


Was passiert denn im schlimmsten Fall, wenn Du Dich nicht mehr meldest - nie mehr?

Zitat von Feuerschale:
Es ist wieder so, dass Telefonate zum großen Teil (eher so 90%) von mir ausgegangen sind und Besuche zu 100%.


So hast Du es gelernt und so wird es immer sein, wenn Du so weiter (re-!) agierst.

Zitat von Feuerschale:
und es immer einen Grund gibt, dass ICH zu IHNEN komme.


Diese Gründe habe ich oben bereits aufgeführt. Auch hier wirst Du konsumiert. Das manipulative Deiner Familie greift / funktioniert immer noch.

Zitat von Feuerschale:
Wobei es mir wirklich stressig wäre, von meiner Zurückgezogenheit die letzten Jahre dann plötzlich drei bis vier Leute Besuch zu bekommen, auch noch so kritisch
mit dem Haushalt und wie was gemacht wird.


Das ist auch Dein gutes Recht, zu bestimmen wieviele Leute in Deine (!) Wohnung kommen. Corona hin oder her. Die Wirtin ist die Chefin!

Zitat von Feuerschale:
Ich merke wie ich so verbissen werde in der Sache und so rumrechne. Wenn ich so rechne, ich mache 100 % die gar nichts, sind das halt auch keine schönen Gedanke.
Es nimmt in meiner Freizeit Raum im Kopf ein- ich hab Freizeit- ich sollte mich wohl bei meiner Familie melden.


Du hast zu rechnen gelernt. Sie haben es Dir vorgelebt. Stell Dir mal Dein Er-Leben vor, wenn Du die 100% für Deine (!) Interessen nutzen würdest! Es gibt ein Leben außerhalb der eigenen Familie!

Zitat von Feuerschale:
Ich möchte auch nicht auf Null Kontakt wieder gehen, aber ich würde mir wünschen, dass ich selber souveräner werde, wie ich den Kontakt gestalten will, oder auch
dann aushalte, wenn sie halt gar nicht nach meinen Wünschen vorgehen und ich
dann eben auch erstmal nichts mache und nicht nach ihren Wünschen voreilend
springe. Es löst bei mir aber aus, dass das irgendwie nicht geht und falsch ist,
so eine Art Abhängigkeit.


Hier hast Du selber den vorauseilenden Gehorsam erkannt! Du musst den Kontakt ja nicht abbrechen, aber Du solltest Deine Erwartungshaltung eindeutig korrigieren. Mehr als Smalltalk ist nicht drin. Der kann ja auch ganz nett sein, wie Du oben sagtest. Ich kenne einen Freund, der das seit 15 Jahren genauso handhabt und seitdem gibt es keine Enttäuschung mehr für ihn. Er sieht seine Treffen mit der Mutter und ihrem Mann als ein generöses Zeitgeschenk an Muttchen, wie er immer liebevoll sagt. Er geht heute völlig souverän mit einer Situation um, die ihn früher fast um den Verstand brachte...

Zitat von Feuerschale:
Was ich auch schade finde, wenn ich da so verkrampft bin, denn eigentlich sollte so ein Kontakt doch auch etwas herzlicher sein, mit mehr Freude und Freiwilligkeit
und nicht so mit Berechnung, jetzt muss ich ja mal wieder.


Hier muss ich eindeutig widersprechen: Angesichts der geschilderten bisherigen Verhältnisse kann (!) der Kontakt zu dieser Familie nicht herzlich oder freudig sein - das wäre Selbstbetrug! Es wäre möglich, wenn Deine Mutter sich zum Entzug entschließen würde aber selbst dann wäre der Weg idR noch weit, bis Ihr sowas wie ein normales Mutter-Kind-Verhältnis ermöglichen könntet. Erst dann wäre auch an dem Verhalten Deiner Schwester was zu drehen.
Bitte begehe hier nicht den Fehler und mache Dir auch noch Vorwürfe, dass Du evtl. zu kalkulativ bist! Erstens hast Du ja Recht mit Deinen Überlegungen! Und zweitens ist das auch eine Art Selbst-Schutz, der aber leider inzwischen etwas zwanghafte Züge annimmt.
Durch Reflektionen wie diese hier, verlagerst Du Deine Position und die Zwangsgedanken werden schwächer. Wie ganz oben schon gesagt: Je mehr Einsicht, desto freier bist Du.

Zitat von Feuerschale:
Aber mir wurde das von meiner Familie all zu oft vorgerechnet, was ich alles muss, was ich schuldig bin, wie schlimm ich sonst bin ect.


Das kannst Du getrost unter mist ablegen

Zitat von Feuerschale:
Was anscheinend aber viel realer ist: Wenn ich in ihrer Welt nicht auftauche, dann bin ich für sie Luft und gar nicht existent. Sie würden sich nie einen mm
zu mir vorbewegen oder sich wirklich mal für mich interessieren.


Ganz genau - das musst Du Dir immer wieder vor Augen führen. Dadurch minderst Du die Neigung zum vorauseilenden Gehorsam. Du darfst hier aber nicht den Fehler machen und deshalb an Deiner Wertigkeit zweifeln sondern einsehen, dass Mutter und Schwester sich selber in diese Haltung hineinmanövriert haben (durch Suff und Verzweiflungspragmatismus). Auch Hass oder Verachtung sind hier übrigens unangebracht.
Wenn ich (!) es von außen betrachte, kann ich Dir bestätigen, dass Du wohl mit Sicherheit die Einzige in dieser Familie bist und warst, die letztendlich autark geblieben ist, auch wenn es sehr schmerzhaft für Dich war, diesen Weg zu gehen. Die Familie hat Dich nicht besiegt...

Zitat von Feuerschale:
Darum müsste ich ja irgendwie auch ein souveränes Limit finden, wozu ich bereit bin und wo nicht.


Genau - schreibe Dir dieses Limit auf und handle danach. Auch sie werden lernen, dass Du immer dann den Raum/das Haus verlässt, wenn sie zu weit gehen. ABER: Erwarte NICHTS mehr von ihnen außer ein wenig Unterhaltung und vergiss nie, dass hier A.l.k. im Spiel ist. Das wird im Übrigen auch recht gut funktionieren, denn Smalltalk ist erwartungsgemäß deren Hauptinhalt. Sobald es zu tricky für sie wird, machen sie zu oder machen Vorhaltungen. Hier spätestens ist der Zeitpunkt erreicht, wo Du sagen kannst: Gerade fällt mir ein, dass ich noch zum Einkaufen muss oder meine TV-Sendung bald anfängt - und weg bist Du und autonom geblieben. Das kannst Du lernen!

Zitat von Feuerschale:
Und dieses von der Familie und Erwartungen angefüllt sein und mich nicht mehr spüren zieht sich wie ein Faden durch mein Leben, leider immer noch.


Ja, das sieht man. Aber Du siehst es immerhin auch. Und das ist der Anfang vom Ende des Fadens.

24.04.2021 09:57 • x 1 #95


Feuerschale
Guten Morgen moo! Vielen Dank für deinen ausdauernden Beitrag und die interessanten
Informationen.Besonders das Denken bei Sucht interessiert mich, weil es mir verstehen hilft,
wie meine Familie gedacht hab und was ich auch selber übernommen habe als normal.
Die Grenze zu Co-Süchtiger und Süchtiger ist sehr schwimmend, finde ich.
Zitat:
Du hast Dein Leben lang auf Feedback von Deiner Familie gewartet, aber nie erhalten. Die ständigen Anschuldigungen erzeugten unterbewusst die Gewissheit es liegt immer (!) an MIR.
Meine Wahrnehmung und Interessen wurden nie gesehen oder bekräftigt oder eher als falsch
und schlecht hingestellt . Das verunsichert sehr, ich hatte viele Jahre DP / DR Erlebnisse, weil ich
und alles mir zu unwirklich vorkam.
Stattdessen kamen Erwartungen, die ich nicht sehr nachvollziehbar fand und oft auch sprunghaft,
die aber durch Gruppenzusammenschlüsse oder auch Folgen per Worten, Strafen usw meine
ganze Realität so ausgemacht haben.

Das eigene Wahrnehmen hat sich erst durch Therapie und auch Selbsthilfegruppen dann
verändert, dass ich eine andere Art Feedback bekommen habe und mich selbst mehr
wahrnehmen konnte. Aber sicher bin ich mir da nicht, da war das andere doch sehr viel mächtiger.
Zitat:
Nichtsdestoweniger ist sie ebenso ungeeignet wie Dein Vater, eine Familie zu gründen.

Sollte man meinen, aber da hat man sich früher wohl nicht soviele Gedanken gemacht,oder die
Vorstellung hat gereicht ja da müssen Kindern sein.Wir waren auch mehr ein Unfall.
Beim ersten Kind hat meine Mutter erst im 8. Monat gemerkt, dass sie schwanger war.

Hatte es auch mal mit Hellinger versucht, der ja auf starke Störungen in den Vorgenerationen
schaut und in so einem Fall sagt man da wohl eher Danke für das Leben, dass du mir geschenkt
hast, den Rest mache ich alleine.
Zitat:
A-iker wünschen sich grundsätzlich keine Veränderungen. Alles muss so bleiben, damit sie weiterhin Gründe (Ausreden!) für ihren Konsum finden. Deswegen sind sie für ihr Umfeld auch so toxisch (= Co-Abhängigkeit von Angehörigen). Sie lähmen unsere eigene Entfaltungs- und Entwicklungsfähigkeit.
Und das Bild Entwickeln ist unmöglich und die Ängste an den Grenzen hab ich ja sogar
auch sehr übernommen. Das war ja nicht nur im Leben schwer, ohne Unterstützung, und da
geht ja auch so mal was schief, wenn man was versucht, sondern die Bremsen und
Verunsicherungen durch Familie folgten zusätzlich.
In der Jugend bin ich zwar oft mit dem Kopf durch die Wand, aber es folgte ein Riesentheater.

Später war ich dann zwar die äußeren Bremsen eher los, aber die Introjekte machten mir zu
schaffen, bis hin zu völliger Identifizierung mit den ganzen Vorstellungen, insb.von meiner Mutter.
Dann alles alleine schaffen ohne Vorbilder und auch Rückschläge, das raubte mir die
letzte Energie, sodass ich mich selber zurückzog und resignierte.

Ich hatte auch ein Händchen dafür, mir ähnliche Partner und Bekannte zu suchen, die auf
Entwicklung nicht soviel Wert legten oder das nicht nachvollziehbar fanden.
Die dann die Resignation und Blockade bekräftigten.
Wenn ich mal ein kurzes Selbstgefühl hatte, war der Weg zum Rückfall nicht weit.
Zitat:
Klar, A-iker brauchen den Heimvorteil. Auswärtsspiele sind die Hölle für sie. Außerdem ist dort u. U. kein Nachschub verfügbar. A-iker sind zutiefst verunsicherte Menschen und benötigen ihr selbsterschaffenes Gefängnis um sich halbwegs sicher zu fühlen.
Ja, das finde ich irgendwie nachvollziehbar. Wenn man einmal aufhört mit Entwicklung,
dann fühlt man sich dem ganzen nicht mehr gewachsen.
Da hab ich auch weniger Hass und Verachtung sondern eher Bedauern und Mitleid
für meine Eltern. Sie erleben ja nichts schönes.

Dass man den Kindern ein Gefühl für das Leben verwehrt oder zumindest sehr große Steine
in den Weg legt, das hätte besser laufen können.

Aber soweit ist mir das in der Therapie und eigenen Prozessen dann schon klar geworden,
dass sie es nicht mit bewusster böser Absicht gemacht haben, sondern aus ihrer Perspektive
gar nicht besser wussten und können.

Das einzige, was ich vorwerfen könnte ist, dass sie ihre Wahl ignoriert haben, das Leben
anders zu sehen, Beziehung anders zu leben.
Zitat:
Das war ihr Weg, mit der dysfunktionalen Familiensituation umzugehen. Es ist legitim und verdient einen gewissen Respekt. Solange ihr Weg aufgeht, behält sie verständlicherweise ihre Scheuklappen bei (ggü. Deiner Therapie). Man kann es ihr nicht verdenken.
(Schwester) Ja, sie hat sich mit einer Art Optimismus und Pragmatismus ihren Weg gebahnt
und macht es noch.Wahrscheinlich muss sie auch für sich rechnen, was sie geben kann, damit
alles andere überhaupt erhalten bleibt. Da bleibt nicht viel Spielraum.

Ich merke, wenn ich das auch respektiere, dass meine Schwester es auch schwer hat und
ihren eigenen Umgang hat, und darin ja auch irgendwie konsumiert ist und rigide, dann
habe ich auch mehr Verständnis.

Sie hatte eh nie die Verantwortung für mich als Kind, das hat sie sich pragmatisch auch
mit so aufgelastet. Und ich war über jeden Strohhalm dankbar.

Und sie hat absolut null damit zu tun, dass ich eine Sehnsucht hab nach seelisch da sein
und Freiheit fühlen und einer weiten Wahrnehmung der Welt.
Das gab dann auf meiner Seite auch oft Frust, wenn das nicht vorkam, und auf ihrer Seite Überforderung, wenn sie das spürte, und war auch ein Punkt, wo sie dichtmachte, flüchtete usw.

Was ich ihr auch hoch anrechnen muss, sie ist nie so aggressiv und zerstörerisch wie meine
Mutter, wenn ihr was nicht passt. Sie hat da schon ein sehr nettes freundliches Wesen,und
sie blendet dann aus und wendet sich ab.
Zitat:
Es ist logisch, dass jemand der aus derlei Familienverhältnissen ausbricht, als persona non grata abgestempelt wird. Das hat mit Dir überhaupt nichts zu tun.
Ja, nicht einverstanden sein und anderes wollen, oder hier auch notwendig brauchen, denn
ich hab offen unter diesem System gelitten, das passt den anderen nicht, die mit dem System
gut klar kommen.

Die anderen kamen mir auch agierender und gestaltender vor, das hab ich mich nicht getraut
und mir fehlte ja auch die Basis ich bin. Mir fehlte das Formulieren von Vorstellungen und
anderen sagen So läufts.

Und wenn, kam das ja rüber wie ein Zwergenaufstand, der entweder ignoriert wurde oder
es kamen die ersten Betitelungen,wie ich auf was komme.
Selbst wenn das So läufts ja nur mich alleine betraf, wurde ich da aber angegangen.

An diesem Abgrenzen hab ich noch echt zu knabbern. Und gleichzeitig zu sagen ich bin wer,
ich hab ein Gewicht, wenn es um meinen Raum, meine Zeit, meinen Willen geht, was
meine eigenen Dinge angeht.
Zitat:
Als ich erstmals eine Psychoanalyse anfing, wollten meine Eltern keine Details wissen, weil sie ahnten, dass sie da u. U. nicht so gut wegkamen. In Wirklichkeit hatten sie wenig Schuld, aber nahezu alle Eltern mögen es gar nicht, wenn jemand von außen ihre Erziehungsfehler (die überall stattfinden) aufdeckt. Ist verständlich, aber letztendlich für sie eine vertane Chance, zu lernen.

Um Schuld geht es ja eigentlich auch gar nicht oder Fehlersuche.Aber ich glaube, das denken
viele, dass da eine Art Gerichtsverfahren auf sie zukommt.
Es besteht schon irgendwie eine Angst, genauer hinzusehen.
Dabei könnte ein Gespräch doch einfach nur etwas zeigen, eine Verbindung bringen und dann für
sich erst mal wirken. (statt Tabu, Blockade).

War die Methode der Psychoanalyse denn gut für dich?
Konnte die wirklich so im Unbewussten etwas bewirken?
Zitat:
Zitat von Feuerschale: 
Aber im Verlauf der hiesigen Therapie hab ich nach ca 8 Jahren Funkstille den Kontakt wieder aufgenommen.


Weshalb? Wegen dem oben beschriebenen vorauseilenden Gehorsams?
Nein.
Einmal hatte die Therapeutin sich interessierter gezeigt, wie meine Eltern aufgewachsen sind,
was das für ein Grundstück war, da war auch eine kleine Firma drauf ect und sie war sogar mal
da hat sie gesagt, wobei ich das schon überraschend fand.

Und sie meinte auch, dass ich ja auch ein Recht auf meinen Heimatort hätte, denn ich fühlte mich
wie eine Vertriebene auch etwas, und ich war so gerne am Fluss und der Mündung spazieren
und bin jahrelang nicht mehr dahin.

Letztendlicher Auslöser war aber eine Art von psychotische Phase, die ich Ende letzten Jahres
hatte. Zum einen war die Motivation währenddessen etwas absurd (passte zu der empfunden
Geschichte ) Und ich hatte das Gefühl, dass diese Phase auch meine tieferen Werte hochgebracht hat.
Ich bin zum einen Vegetarier geworden, und zum anderen fand ich es doch zu kopfig und herzlos,
den Kontakt ganz abzubrechen, so schwer es auch ist, ihn zu halten.
Ich war dann schon gerührt, als ich meine Mutter gesehen hab, hab sie auch umarmt, obwohl
wir das nie gemacht hatten.

Jetzt ist meine Welt wieder normaler und die Ratio viel mehr da, aber eine Art von Kontakt
halten, eher lose, ist immer noch ok.
Ich vermute, es wird eine Riesenübung, mit meinen Erwartungs-Erwartungen klar zu kommen,
mit diesen Introjekten hauptsächlich, denn so sehr zerrt meine Familie ja real gar nicht an mir,
wenn ich mich wieder außerhalb ihrer Welt befinde.
Zitat:
Zitat von Feuerschale: 
Jetzt sitze ich aber in der Wohnung und spüre irgendie den Erwartungsdruck. Es sind zwei Wochen nach meinem letzten Besuch verstricken, ohjee ich muss
mich melden.



Was passiert denn im schlimmsten Fall, wenn Du Dich nicht mehr meldest - nie mehr?
Von ihrer Seite kommt da eigentlich nicht mehr viel.
Meine Mutter zieht seltsame dramatische Erklärungen heran, warum ich mich so verhalte
(die könnte irgendwelche Horror-Dramen intonieren, wenn sie von Menschen und
der Welt spricht oder sie von mir einzelne Dinge erfährt ), würde aber selber kaum mal
anrufen oder Kontakt suchen.
Sie würden über mich absurdes, unwahres denken, aber das könnte ich auch in der Präsenz
nicht ausräumen, das machen sie sowieso.

Im Grunde hab ich aber gesehen, die kommen schon ganz gut ohne mich klar.

Also mehr kann ich von dem Kontakt nicht erwarten, als mal Kaffee trinken und
Strategien finden, dass man da keine Migräne bekommt und innerlich nicht abgeht.
Mal rausgehen, einzeln mit den Kindern mal unterhalten, Katze streicheln, praktisch
mithelfen usw.

Das schwierigste ist für mich, eine Dosis zu finden, wieviel Kontakt ich will und die zu vertreten,
hauptsächlich schon in mir drin das klar zu haben und für ok zu befinden.Da höre ich innen
eher du musst wie ein alternativloses Programm incl. begleitender Emotionen, Druckgefühl.

Aber auch wenn dezente oder direkte Hinweise von meiner Schwester kommen ich dachte,
du meldest dich mal. Da fühle ich mich irgendwie hilflos in die Ecke gedrängt, sehe nichts
als Gründe für mich an, warum ich nicht will, sondern es fühlt sich an wie Verteidigung und
Ausrede,oder da ist Leere und mir fällt überhaupt nichts ein.

Ich will so und so, das reicht mir erst mal wäre mir total fremd. Und so laviere ich und
reagiere wieder um die Denkweise von Mutter und Schwester.
Zitat:
Auch hier wirst Du konsumiert.
Konsumiert finde ich wirklich einen guten Begriff, da wo durch eigene Einstellungen,
Tätigkeiten, Umfeld das wahre Selbst nicht so sein darf. Und man selber agiert nur noch nach
Vorstellungen.
Zitat:
Durch Reflektionen wie diese hier, verlagerst Du Deine Position und die Zwangsgedanken werden schwächer. Wie ganz oben schon gesagt: Je mehr Einsicht, desto freier bist Du.

Ja, ich merke dass manches doch so deutlicher wird, eine andere Perspektive kommt oder
Verständnis, warum die anderen das so wollen und warum ich so reagiere.
Zitat:
Die Familie hat Dich nicht besiegt...
Im Grunde sind das alles Opfer. Aber dort sind sehr rückständige blockierte Strukturen.
Ich fand es nur immer auch schade, dass man es weiterlebt. Bis ich ja selber bei mir merke,
dass ich an manchen Stellen doch sehr verharre.

Vielen Dank nochmal für den Austausch und einen guten Sonntag!

25.04.2021 09:05 • x 1 #96


moo
Zitat von Feuerschale:
Das verunsichert sehr, ich hatte viele Jahre DP / DR Erlebnisse, weil ich
und alles mir zu unwirklich vorkam.


Als Kind von A-ikern lernt man vor allem eines: Verunsicherung und Orientierungslosigkeit.

Zitat von Feuerschale:
Danke für das Leben, dass du mir geschenkt
hast, den Rest mache ich alleine.


Das finde ich eine vernünftige Einstellung!

Zitat von Feuerschale:
An diesem Abgrenzen hab ich noch echt zu knabbern. Und gleichzeitig zu sagen ich bin wer, ich hab ein Gewicht, wenn es um meinen Raum, meine Zeit, meinen Willen geht, was meine eigenen Dinge angeht.


Es ist von eminenter Wichtigkeit, Zuständigkeiten zu erkennen. Also Deine Sache, meine Sache, ihre Sache.

Zitat von Feuerschale:
War die Methode der Psychoanalyse denn gut für dich? Konnte die wirklich so im Unbewussten etwas bewirken?


Absolut, Unbewusstes wurde bewusst und darum geht es ja. Ich benötigte nur 6 Termine, dann ließ mich die Therapeutin ziehen. Sie war Freudianerin, genau was ich zu dem Zeitpunkt brauchte...

Zitat von Feuerschale:
Meine Mutter zieht seltsame dramatische Erklärungen heran, warum ich mich so verhalte (die könnte irgendwelche Horror-Dramen intonieren, wenn sie von Menschen und der Welt spricht oder sie von mir einzelne Dinge erfährt ), würde aber selber kaum mal anrufen oder Kontakt suchen.
Sie würden über mich absurdes, unwahres denken, aber das könnte ich auch in der Präsenz nicht ausräumen, das machen sie sowieso.


Typisch.

Zitat von Feuerschale:
Das schwierigste ist für mich, eine Dosis zu finden, wieviel Kontakt ich will und die zu vertreten,


Das geht alles über die o.g. Zuständigkeiten.

Zitat von Feuerschale:
Ich will so und so, das reicht mir erst mal wäre mir total fremd. Und so laviere ich und reagiere wieder um die Denkweise von Mutter und Schwester.


Was sie über Dich meinen und sagen, ist deren Sache. Sie müssen in dieser Wahrnehmung leben und auch am Ende das Tages die entsprechende Ernte einfahren.

Zitat von Feuerschale:
Ich fand es nur immer auch schade, dass man es weiterlebt.


Der Buddha nannte das Altern nach Rinderart: Sie kommen zur Welt, werden älter und schwerer und sterben, ohne diese Daseinsrunde genutzt zu haben.

25.04.2021 15:53 • x 1 #97

Sponsor-Mitgliedschaft

moo
Und ich danke auch für den Austausch - immer wieder gut!

25.04.2021 17:36 • x 1 #98


Feuerschale
Zitat von moo:
Es ist von eminenter Wichtigkeit, Zuständigkeiten zu erkennen. Also Deine Sache, meine Sache, ihre Sache.
Ja, das ist hilfreich.

Und es hilft mir gar nicht, sich in Sachen aufzuhalten, die in der Imagination eines anderen
(hier Schwester / Mutter) stattfinden. Und wo ich mich oft noch drum drehe.

Da ist es meine Sache, mein Leben dann von einem anderen Angelpunkt aus zu leben.
Zitat:
Absolut, Unbewusstes wurde bewusst und darum geht es ja. Ich benötigte nur 6 Termine, dann ließ mich die Therapeutin ziehen. Sie war Freudianerin, genau was ich zu dem Zeitpunkt brauchte...
Schön, dass es für dich hilfreich war.
Zitat:
Was sie über Dich meinen und sagen, ist deren Sache. Sie müssen in dieser Wahrnehmung leben und auch am Ende das Tages die entsprechende Ernte einfahren.
Ja, ebenso wie ich.

Darum wollte ich nochmal etwas mehr Struktur und Balance in mein Leben bringen und
hab mir das Nur für Heute etwas zu Gemüt geführt (das hab ich damals in einer
anonymen Gruppe kennengelernt).
https://www.gluecksarchiv.de/inhalt/leb...nnes23.htm

War mir auch gar nicht bewusst, dass das von einem Papst kommt, der das selber in
schwerer Krankheit und behinderter Lebensweise entwickelt hat,
aber die Anonymen Gruppen mischen ja verschiedene Weisheiten aus Spiritualität,
Psychologie, Lebenshilfe und Sozialem, gehören aber selber keiner Organisation an.

Und werde mich jetzt grob an diesem Nur für heute auf mich angepasst orientieren
- dass ich was für Ernährung tue, Gesundheit tue, Erleben, Pflichten, eher meditieren
als Kopfkino pflegen, etwas anregendes lesen, mich irgendwo einbringen und solche Dinge.
Für die Aspekte suche ich mir jeden Tag machbare Aufgaben und Orientierung.

Da wird auch gesagt Hüte dich vor einem -Hast und Unentschlossenheit.

26.04.2021 10:01 • x 1 #99


moo
Zitat von Feuerschale:
Darum wollte ich nochmal etwas mehr Struktur und Balance in mein Leben bringen und
hab mir das Nur für Heute etwas zu Gemüt geführt (das hab ich damals in einer
anonymen Gruppe kennengelernt).


Starke Seite - herzlichen Dank dafür! Dieses Nur für heute finde ich eine wichtige und richtige Formulierung: Sie setzt die Last der Zeit-Illusion ein Stück weit außer Kraft und ermöglicht das erneuernde Erleben eines Umkehrens hier und jetzt.

Ich bin auch fest überzeugt, dass jeder Mensch jederzeit (unmittelbar wirkmächtig!) umkehren kann in die heilsame Bahn - egal was früher war. Nicht Zeit und Wegstrecke sind karmisch entscheidend, sondern die Richtung auf die der Geist zielt.

26.04.2021 17:05 • x 2 #100



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