Pfeil rechts
25

Ich bin froh, dass dir der Schuldruck genommen wurde. Siehst du, hier hast du die Bestätigung: mit den Leuten kann man reden und es finden sich Möglichkeiten. Ich habe, wenn ich genau darüber nachdenke, noch nie ein Situation erlebt, die vollkommen aussichtslos war.

Hast du deine Therapeutin angerufen und berichtet?

Erstmal einen Plan zu haben finde ich sehr gut. Und damit du nicht ins Bodenlose fällst: in deinen Ferien konntest du dir eine Art Struktur schaffen, die dir gut tat. Du hast also Ressourcen, an die du anknüpfen kannst.

So schwierig es gerade jetzt für dich ist, lese ich doch eine Erleichterung aus deinen Zeilen? Wie als ob du gelandet wärst nun. Ich finde das wirklich gut und wichtig, dass da jetzt etwas ins Rollen kommt, und es jetzt um dich und deine Gesundheit geht.

Fühl dich gedrückt

30.09.2016 11:31 • #81


TheCheshireCat
Erleichtert bin ich schon, aber noch ist da einfach diese Anspannung, weil ich keinen konkreten Plan habe. Das macht mich immer ganz kirre.
Komme gerade vom Arzt, habe eine Überweisung an einen Psychiater bekommen. Wurde jetzt mal eine Woche krank geschrieben.
Mein Arzt meinte, wir können ja schauen, dass man mich mit Medikamenten so weit stabilisiert, dass ich die Schule weiter machen kann. Das ... halte ich im Moment für weniger sinnvoll. Aber gut, das entscheidet ja wenn dann sowieso der Psychiater, wie das mit den Medikamenten so läuft. Und ich natürlich.

Meine Therapeutin konnte ich nicht erreichen Die ist Freitags scheinbar gar nicht da. Jetzt hänge ich so ein bisschen in der Luft. Mein Arzt hat mich gefragt, was ich in diesem Jahr Pause denn mache, wenn ich nicht zur Schule gehe. Ich weiß das ja gar nicht. Man kann doch nicht einfach ein Jahr lang nichts machen?
Auch wenn ich mir das wünschen würde. Also, nicht komplett "nichts", aber du weißt ja, was ich meine. Geht denn sowas überhaupt?
Oder MUSS man sich dann in stationären/halbstationären Aufenthalt begeben?
Ich will ja nicht faul wirken, ich brauche nur einfach eine Auszeit. Urlaub! Die Ferien haben ja nicht gereicht.

Meine Gedanken kreisen gerade. Jetzt muss ich bis Dienstag warten, bis ich das besprechen kann. Das macht mich wirklich unruhig. Wie läuft denn das alles überhaupt?
Wie war das bei dir? Kann man "einfach so" Pause machen?
Ich will mich nicht zombifizieren lassen von irgendwelchen Tabletten, und dann so meine Ausbildung machen. Das kann es doch nicht sein.

30.09.2016 13:07 • #82



Täglich Nervosität und Aufregung ohne Grund

x 3


Ich konnte genau wie du nicht mehr zur Arbeit. Habe schon morgens geweint und abends auch wenn ich nach Hause kam. Mein Arzt hat dann eine Erschöpfungsdepression diagnostiziert und mir zu einem Klinikaufenthalt geraten. Nach einigen Wochen Wartezeit (zu Hause) konnte ich dann in die Klinik. Danach hab ich versucht mit arbeiten, ging aber nicht: wieder dasselbe, Anspannung bis zum Gehtnichtmehr, nur noch geschlafen, Tinnitus laut wie Sau, Rückenschmerzen LWS BWS, Hautausschlag. Also wieder Krankgeschrieben. Dann lief die Arbeitsstelle aus (befristet) und ich wurde arbeitslos. Aktuell bin ich beim Arbeitsamt, da hab ich noch Rahmenfrist bis nächstes Jahr Juni (dann ist fertig mit Geld). Ich bin aktuell zu 30 % arbeitsfähig, das nach einem Jahr des Zusammenbruchs (August 2015). Seit etwa einem Monat geht es mir bedeutend besser, das schreibe ich einem neuen Medikament zu, das auf Noradrenalin und Dopamin wirkt anstelle von Serotonin.

Für mich persönlich ist dieses Medikament ein Segen, da ich zuvor überhaupt nicht die Kraft hatte, irgend etwas umzusetzen von dem, wozu mir geraten wurde.

Weisst du, du wärst ja nicht ein ganzes Jahr nur untätig zu Hause. Gerade wenn es eine Erschöpfungsdepression ist, brauchst du eine Struktur, einen Halt von aussen. Und auch dringend eine Pause! Da nützen alle Medis nix, da ist erstmal raus aus dem Hamsterrad angesagt, Ruhe finden, zu sich kommen. Manchmal folgt bei Burnout ein stationärer Aufenthalt und die Tagesklinik zur Stabilisierung. Muss aber nicht zwingend sein, es kommt ganz darauf an, wie es dir geht. Was immer dabei sein sollte, ist Therapie. Und Therapie ist viel intensive Arbeit! Die Menschen haben oft das Gefühl, man sitzt nur untätig zu Hause rum. Aber dem ist nicht so, wenn man Therapie macht, da gehen innere Prozesse los. Man muss sein Leben überdenken, sich mit schmerzhaften Dingen auseinandersetzen. Sich Gutes tun, sich bewegen, etc.

Wenn es "nur" eine Angststörung ist, ohne Erschöpfung, dann helfen Medikamente tatsächlich. Ich musste auch während meiner Ausbildung zur Laborantin zu Medikamenten greifen: es ging nicht mehr anders, ich kam da nicht raus.

Aber du hast da auf jeden Fall ein Wörtchen mitzureden. Das ist dann nicht so, dass du zu Medikamenten gezwungen wirst.

30.09.2016 22:36 • #83


TheCheshireCat
Ich möchte nur ganz einfach nicht vollstationär in eine Klinik. Tagesklinik okay, aber nicht 24 Stunden. Das würde vieles noch verschlimmern, denke ich. Ich brauche einfach auch etwas vertrautes, einen Rückzugsort.

Medikamente brauche ich, da bin ich mir jetzt sicher. Die Angst ist jetzt wieder fast permanent da, meine Muskeln sind ständig verspannt, Schultern tun dauernd weh. Habe gerade nur im Bad Staub gesaugt, musste mich danach gleich wieder hinlegen. Das war ein Kraftakt sondergleichen, ich fühl mich als hätte man bei mir die Energie abgeschalten. Mein Herz klopft grade wieder, als hätte ich einen Marathon beendet.

Insgesamt ist alles so surreal, als würde ich Schlafwandeln. So richtig helfen tut da auch nichts. Vom Essen/Trinken wird mir meistens schlecht, Fernsehen und Musik hören geht auch nicht, zu viele Reize.

Meine Überweisung an einen Psychiater war ja als dringend gekennzeichnet, daher konnte ich bei der KVB Servicehotline anrufen, damit die mir einen Termin in den nächsten 4 Wochen verschaffen. Sollten innerhalb von 48 Stunden zurückrufen, noch habe ich nichts von ihnen gehört. Ich hoffe, es findet sich was, Baldriparan bringt gar nichts mehr.

Ich könnte eigentlich schon wieder schlafen, dabei will ich eigentlich gar nicht, an sich möchte ich ja aktiv sein, aber allein das Staubsaugen war schon wieder zu viel...
*seufz*
Da macht man ja was mit...
Und meine Eltern kommen heute zurück, das wird ein Spaß. Erzählen will ich ihnen noch nichts...

02.10.2016 15:02 • #84


Hallo thecheshirecat

Die Erschöpfung spricht schon für eine Erschöpfungsdepression, sprich Burnout. Auchdass du Musik, Fernsehen etc. nicht mehr erträgst. Das hatte ich auch, war alles Zuviel. Regelrechte Schwächeanfälle nach ein bisschen Haushalt, wie du beschreibst mir Herzklopfen, zittrig, schwach, unendlich müde.

Warum hast du denn Angst, es deinen Eltern zu erzählen? Spätestens jetzt sollten sie begreifen, dass es dir wirklich schlecht geht!

02.10.2016 19:48 • #85


TheCheshireCat
Ich werde es meinen Eltern schon erzählen, allerdings möchte ich erst mit meiner Therapeutin und ggf. mit meiner Schule alles besprechen.
Mir einen Plan machen, für mich selber. Wenn ich es ihnen jetzt schon erzähle, dann bringt das wahrscheinlich viel durcheinander, und möglicherweise entschließe ich mich dann doch wieder zu etwas Falschem. Erstmal will ich das mit mir selber klären.
Außerdem sind sie grade aus dem Urlaub zurück, und meine Mutter belastet die Sache mit meinem Vater, der ihr wohl während ihrem Urlaub doch wieder eine Mail geschrieben hat. Da wäre es ja auch besser, ich habe gleich einen Plan parat, sonst macht sie sich auch wieder zu viele Gedanken. Dann ist alles so schwammig, das will ich nicht.

Mein Arzt meinte bzgl. Burnout nichts, ich habe ihm die Symptome geschildert. "Anpassungsstörung" steht zumindest auf dem gelben Zettel.
Aber ist ja auch egal, wie es heißt, ich will nur, dass es wieder weg geht. Das ist das einzige, was grade zählt.

Ein bisschen traurig bin ich heute aber schon geworden. Da ist mir erst so richtig klar geworden, dass ich die ganzen netten Menschen aus meiner Klasse ja dann gar nicht mehr sehen werde. Sowas ist selten, eigentlich kam ich noch nie so gut klar mit Mitschülern. Mehr im Gegenteil, ich war meistens froh, sie nie mehr sehen zu müssen. Mir wurde auch schon geschrieben, dass man sich trotzdem noch hin und wieder zum Kaffeetrinken treffen muss, das ist auf jeden Fall schön.
Naja, am Ende wäre man ja ohnehin wieder auseinander gegangen ... Bin nur direkt über mich selbst überrascht.

03.10.2016 02:31 • #86


Ach weisst du, du siehst das zu schwarz/weiss. Die haben schon recht, man kann sich ja trotzdem für ein Kaffee oder zu einem Schwatz treffen. Die sind ja nicht weg, auf einem anderen Kontinent, sondern immer noch da

03.10.2016 12:43 • #87


TheCheshireCat
Guten Morgen @freisein,

Da mich meine Mutter heute in die Schule geschickt hätte, da ich ja "nicht krank bin", habe ich ihr alles erzählt.

Sie wurde gleich laut, meinte, sie kriegt die Krise, jetzt ist sie in der Küche und weint.
Ich habe ihr gesagt, dass das alles gar kein Problem ist, aber im Moment ist sie gar nicht ansprechbar...

Deshalb wollte ich gar nicht erst irgendwas sagen Naja, aber sie hat nachgefragt...

04.10.2016 07:41 • #88


Hallo thecheshirecat

Ojemine...... Vielleicht ist bei ihr jetzt endlich der Groschen gefallen und sie realisiert, wie schlecht es dir geht? Habt ihr mittlerweile noch miteinander geredet?

04.10.2016 18:25 • #89


TheCheshireCat
Sie ist wortlos zur Arbeit gegangen und hat auch als sie wieder gekommen ist nichts gesagt...

Irgendwann ist sie nochmal gegangen, weiß nicht wohin, aber ich habe sie auf dem Weg zur Therapie nochmal wo laufen sehen (evtl Einkaufen?). Naja, jetzt bin ich aus Therapie zurück und wollte eigentlich mit ihr sprechen, aber scheinbar ist sie zum Sport gegangen.

Ich glaube, sie will sich im Moment nicht damit befassen...

Meine Therapeutin hält es für eine gute Idee, für eine Weile zu meinem Freund zu ziehen, auch die Idee mit der Tagesklinik (v.a. wegen der Verhaltenstherapie).
Mir wurde klar, unter welchem Druck ich zusammengebrochen bin - nicht nur der Stress des vielen Lernens, sondern, und vor allem, diese innerliche Verausgabung, weil nichts gut genug erscheint, keine volle Punktzahl, keine mündliche Eins. Das ist der Dreh- und Angelpunkt, und daran will ich in diesem Jahr arbeiten.

Mich selbst wertschätzen können. Mich "gut genug" fühlen. Leistungen nicht überzubewerten. Es ist so schwer...
Es war schon immer so. Davon wegzukommen wird nicht einfach, aber es muss weg, sonst macht es mich noch mehr kaputt...

Ich werde mir dann, wenn alles gut läuft, wo noch einen Praktikumsplatz in der Klinik von meinem Pflegepraktikum suchen. Ich habe gehört, da wird gesucht, auch gegen Bezahlung.
Struktur ist dann doch wichtig...
Auch wenn ich grade gern nur Urlaub will.

Aber ein Jahr ist lang.

04.10.2016 19:58 • #90


@TheCheshireCat ein sehr eigenartiges Verhalten deiner Mutter. Als würde sie vor allem davonrennen. Ich finde es auch eine sehr gute Idee, bei deinem Freund zu wohnen. Das, was du von deiner Mutter schreibst, ist meiner Meinung nicht das, was du brauchst um zu genesen.

Es ist nie gut genug sagst du, das ist jetzt noch an deiner Leistung angemacht, aber das sitzt viel tiefer. Auch deiner Mutter kannst du es anscheinend nie Recht machen. Kein Wunder also. Es ist gut, dass du dies jetzt schon erkennen kannst und an dem arbeitest. Denn wenn dies unbewusst bleibt, es wird immer einen Teilbereich geben, wo man es noch besser machen kann, noch perfekter. Nur, Befriedigung gibt das nur ganz kurzfristig, es ist eher ein Hamsterrad, in das man hineingerät. Und irgendwann ist der Hamster völlig aus der Puste.

Fühl dich feste gedrückt
Gehst du morgen zu deinem Freund?

04.10.2016 21:08 • #91


TheCheshireCat
Noch nicht, er ist die nächste Zeit selbst nicht zuhause wegen seiner Arbeit.
Ich werde aber nochmal zur Schule fahren, wegen der Abmeldung, muss überhaupt fragen, wie das läuft.

Einen Termin beim Psychiater habe ich jetzt auch, am 27ten, ist auch gar nicht so weit weg, hatte schon Befürchtungen.

Und ja, das mit dem krankhaften Perfektionismus, das ist schon lange so, habe das heute meiner Therapeutin erzählt (hab heute zum ersten Mal geweint), sie meinte, wenn die Mutter immer sehr besorgt ist und Angst hat, dass aus dem Kind nichts wird, verinnerlicht das Kind das selbst.
Quasi immer die Frage - bin ich (lebens)fähig?

Es belastet mich schon sehr. Ich kann kaum Komplimente annehmen, meistens lehne ich sie sogar ab, einfach weil es sich falsch anfühlt.
Manchmal hält mein Freund mir eine Rede, dass ich mich nicht so schlecht machen soll. Dann sickert schon mal was durch.
Aber anhalten tut das nie lang... Und außerdem muss das ja von einem selber kommen.

Ich wünschte, ich könnte jetzt schon "umziehen", und alles wär schon geregelt. Aber naja, wird schon.
Meine Mutter ist immer noch nicht zuhause, und ich denke, ich werde mal schlafen gehen...

Bin ziemlich müde. (Habe heute morgen 5 Stunden am Stück gezeichnet... )

04.10.2016 21:46 • #92


Weisst du, das mit dem Perfektionismus kenne ich auch von mir. Irgendwann war es dann so, dass mir dieser Perfektionismus alle Freude am Machen genommen hat. War wie ein Zwang. Also hab ich nichts mehr gemacht, weil perfekt war es in meinen Augen eh nie.

Aber im Grunde ist es bei mir einfach die Angst, nicht zu genügen, mit der Konsequenz, abgelehnt zu werden...

Eine gute Nacht wünsche ich dir

04.10.2016 22:35 • #93


TheCheshireCat
@Freisein ich war gestern nochmal in der Schule um meine Krankmeldung abzugeben und hatte noch ein Gespräch mit der Schulleiterin. Im Grunde sind wir so verblieben, dass sie sich meldet, wenn sie noch was braucht oder es etwas zu besprechen gibt, aber es sollte eigentlich alles kein Problem sein.

Daheim habe ich dann meiner Mutter alles noch mal erklärt. Sie sagte zunächst einmal, das Vertrauen in mich, dass ich das wirklich durchziehe und nicht nur untätig zuhause sitze, das hat sie nicht mehr. Weil ich das ja jede Ferien sage und doch nie was mache.

Ich habe ihr dann versucht zu erklären, dass ich mir Struktur schaffen kann, es dauert einfach nur, bis mein Kopf umschaltet, bis sich alles wieder setzt. Sie meinte, letzten Sommer war es doch genauso und ich habe ihr irgendwie klar gemacht, dass es am Ende ja doch ging.

Dann hat sie gefragt, was ich denn jetzt überhaupt vorhabe zu tun, ich sagte ihr sowas wie Tagesklinik oder so, sie sagte "Ja was, 'oder so'?!". Sie kann es nicht haben, dass ich noch keinen konkreten Plan habe. Dabei kann ich ja noch gar keinen haben, ich war ja noch nicht mal beim Psychiater.
Ich finde das doch selber beschissen...

Sie hat gefragt, wie ich mir so sicher sein kann, dass das klappt, und was ist, wenn ich gar keinen Platz in einer Klinik bekomme. Wie ich einfach schon mal ohne Plan die Schule abbrechen kann.

Sie meinte auch noch, dass Synlab das jetzt bestimmt auch komisch findet, dass ich pausieren muss wegen der Psyche, und die bestimmt lieber wen gesundes hätten.
Ich habe ihr gesagt, dass die doch sehen, dass meine Noten gut sind, mehr braucht sie doch nicht zu interessieren.

Dass doch bis jetzt immer alles gut wurde, dass ich den Realschuleabschluss, das Fachabi geschafft habe, trotz Rückschlägen.

Am Ende hat sie wieder viel geweint, auch als ich ihr erzählt habe, dass ich mich nie gut genug fühle, und woher das kommt, und irgendwann war mir klar, das mit mir war nur ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.

Irgendwann sind wir auf die Couch und ich meinte, da ist doch noch mehr, da läuft doch irgendwie grade alles nicht gut bei ihr, bei so einer Reaktion.

Dann hat sie alles erzählt, wie schlecht es ihr geht, wie schlimm meine Rückschläge für sie sind, weil sie einfach nur will, dass es aufhört. Dass sie immer, wenn es mir nicht so gut geht und ich abends länger weg bin, schlimme Gedanken bekommt, ich würde mir irgendwas antun oder mich umbringen.

Dass sie schon seit über einem Jahr (das Gespräch hatten wir letztes Jahr schon mal) über Scheidung nachdenkt weil mein Stiefvater einfach nur total teilnahmslos, total egoistisch ist.
Er ist immer wichtig, dann kommt irgendwann mal der Rest. Im Grunde darf immer nur er alles entscheiden, auch im Urlaub - wenn sie etwas machen will, was ihr gefällt, ihm aber nicht, muss sie es allein machen.

Er hat einfach kein Feingefühl, ist aber selber sehr sensibel und immer gleich beleidigt. Seit er befördert wurde (Beamter, Einbürgerungsbehörde) ist es sowieso schlimmer, ständig will er nur seine Ruhe, redet kaum beim Abendessen, ließt immer nur Zeitung und ab 8 Uhr abends läuft eh der Fernseher. Aber es wird auch immer nur das geschaut, was er will.

Wenn meine Mutter mal irgendwas sagt, was ihn irgendwie nervt, reagiert er gleich total patzig und das ist einfach unnötig.
Sie sagte, wenn das so weitergeht, bringt sie das um.

Allerdings verdient sie sehr wenig, und könnte sich die Scheidung und alles danach vermutlich gar nicht leisten.
Im Beruf (Buchdruck) arbeitet sie sich auch auf, sie sagt schon seit Ewigkeiten, dass sie einen anderen Job will. Zusätzlich frustrierend ist, dass ihre Freundin, die als Kassiererin in einer Dro. arbeitet, mehr verdient als sie.

Insgesamt stimmt auch ihr Freundeskreis nicht. Das habe ich schon gemerkt, weil sie eigentlich immer mir alles erzählt. Als hätte sie sonst keinen, der zuhört.
Aber scheinbar ist das wirklich so.
Ihre Freundinnen haben einfach alle diese ekeligen Bilderbuchfamilien, erzählen immer so viel, und meine Mutter will da schon gar nichts mehr von sich erzählen. Sie meinte, "Was wollen die mir da dann schon sagen. 'Oh, das tut mir aber leid für dich'? Davon kann ich mir auch nichts kaufen."

Dann noch die Sache mit meinem Vater, der sie auch partout nicht in Ruhe lässt.

Ich meinte, sie bräuchte wohl auch mal eine Reha. Sie sagte, sowas kriegt sie bestimmt nicht. Dass ihre letzte Therapie schon nur noch zähneknirschend genehmigt wurde. Dass die Versicherung auch irgendwann mal sagt, bringt eh nix mehr.


Ich bin total verunsichert.
Außerdem hat meine Schulleiterin nochmal angerufen, grade eben. Sie meinte, ich muss nächste Woche noch mal reinkommen für ein Gespräch. Angeblich ist das alles mit dem Pausieren jetzt doch nicht so einfach.
Und dass ich für nächste Woche doch noch eine Krankmeldung brauche.

Jetzt habe ich wieder total Angst. Mir ist wirklich zum Heulen und ich fühle mich richtig allein mit diesem Problem. Ich habe das Gefühl, keiner kann mir wirklich weiterhelfen, weil sowohl Hausarzt als auch Therapeutin mich nach meinem Plan gefragt haben.

Und ich habe gar keinen richtigen Plan. Ich hatte gehofft, wenigstens die hätten mir Vorschläge machen können. Aber ich stehe einfach nur irgendwie allein da.
Ich hab so Angst, dass das alles nicht klappt...

Und dann hätte meine Mutter ja wieder recht...
Ich will doch nur gesund werden...

06.10.2016 14:20 • #94


Zitat von TheCheshireCat:

Daheim habe ich dann meiner Mutter alles noch mal erklärt. Sie sagte zunächst einmal, das Vertrauen in mich, dass ich das wirklich durchziehe und nicht nur untätig zuhause sitze, das hat sie nicht mehr. Weil ich das ja jede Ferien sage und doch nie was mache.


Aha. Sehr nett von deiner Mutter dir das in so einer Situation zu sagen. Sie setzt sich ja schon wieder unter Druck und zeigt kein Verständnis für dein Leiden.

Ich habe ihr dann versucht zu erklären, dass ich mir Struktur schaffen kann, es dauert einfach nur, bis mein Kopf umschaltet, bis sich alles wieder setzt. Sie meinte, letzten Sommer war es doch genauso und ich habe ihr irgendwie klar gemacht, dass es am Ende ja doch ging.

Du brauchst sich überhaupt kein bisschen zu rechtfertigen. Dir geht es schlecht und du brauchst Hilfe, um da wieder raus zu kommen. Schade, dass deine Mutter dir nicht hilft.

Dann hat sie gefragt, was ich denn jetzt überhaupt vorhabe zu tun, ich sagte ihr sowas wie Tagesklinik oder so, sie sagte "Ja was, 'oder so'?!". Sie kann es nicht haben, dass ich noch keinen konkreten Plan habe. Dabei kann ich ja noch gar keinen haben, ich war ja noch nicht mal beim Psychiater.
Ich finde das doch selber beschissen...

Ist ja wohl kaum verwunderlich in deiner Situation. Das muss jetzt erst alles aufgegleist werden!

Sie hat gefragt, wie ich mir so sicher sein kann, dass das klappt, und was ist, wenn ich gar keinen Platz in einer Klinik bekomme. Wie ich einfach schon mal ohne Plan die Schule abbrechen kann.

Hallo?! Es ist ein Unterbruch! Und was fällt ihr eigentlich ein, was sollst du denn sonst tun, weiterziehen und dich irgendwann mal vor den Zug werfen, weil alles so unerträglich ist? Sicher kriegst du einen Platz in der Klinik! Die weisen niemanden ab! Und wenn ich das so lese von deiner Mutter, ich würde dir zu einem stationären Aufenthalt raten.

Sie meinte auch noch, dass Synlab das jetzt bestimmt auch komisch findet, dass ich pausieren muss wegen der Psyche, und die bestimmt lieber wen gesundes hätten.
Ich habe ihr gesagt, dass die doch sehen, dass meine Noten gut sind, mehr braucht sie doch nicht zu interessieren.

Richtig. Synlab braucht es nicht zu interessieren.

Dass doch bis jetzt immer alles gut wurde, dass ich den Realschuleabschluss, das Fachabi geschafft habe, trotz Rückschlägen.

Nochmal: du brauchst dich nicht dafür zu rechtfertigen, dass es dir schlecht geht!

Dann hat sie alles erzählt, wie schlecht es ihr geht, wie schlimm meine Rückschläge für sie sind, weil sie einfach nur will, dass es aufhört. Dass sie immer, wenn es mir nicht so gut geht und ich abends länger weg bin, schlimme Gedanken bekommt, ich würde mir irgendwas antun oder mich umbringen.

Dass sie schon seit über einem Jahr (das Gespräch hatten wir letztes Jahr schon mal) über Scheidung nachdenkt weil mein Stiefvater einfach nur total teilnahmslos, total egoistisch ist.
Er ist immer wichtig, dann kommt irgendwann mal der Rest. Im Grunde darf immer nur er alles entscheiden, auch im Urlaub - wenn sie etwas machen will, was ihr gefällt, ihm aber nicht, muss sie es allein machen.

Er hat einfach kein Feingefühl, ist aber selber sehr sensibel und immer gleich beleidigt. Seit er befördert wurde (Beamter, Einbürgerungsbehörde) ist es sowieso schlimmer, ständig will er nur seine Ruhe, redet kaum beim Abendessen, ließt immer nur Zeitung und ab 8 Uhr abends läuft eh der Fernseher. Aber es wird auch immer nur das geschaut, was er will.

Wenn meine Mutter mal irgendwas sagt, was ihn irgendwie nervt, reagiert er gleich total patzig und das ist einfach unnötig.
Sie sagte, wenn das so weitergeht, bringt sie das um.

Allerdings verdient sie sehr wenig, und könnte sich die Scheidung und alles danach vermutlich gar nicht leisten.
Im Beruf (Buchdruck) arbeitet sie sich auch auf, sie sagt schon seit Ewigkeiten, dass sie einen anderen Job will. Zusätzlich frustrierend ist, dass ihre Freundin, die als Kassiererin in einer Dro. arbeitet, mehr verdient als sie.

Insgesamt stimmt auch ihr Freundeskreis nicht. Das habe ich schon gemerkt, weil sie eigentlich immer mir alles erzählt. Als hätte sie sonst keinen, der zuhört.
Aber scheinbar ist das wirklich so.
Ihre Freundinnen haben einfach alle diese ekeligen Bilderbuchfamilien, erzählen immer so viel, und meine Mutter will da schon gar nichts mehr von sich erzählen. Sie meinte, "Was wollen die mir da dann schon sagen. 'Oh, das tut mir aber leid für dich'? Davon kann ich mir auch nichts kaufen."

Dann noch die Sache mit meinem Vater, der sie auch partout nicht in Ruhe lässt.

Ich meinte, sie bräuchte wohl auch mal eine Reha. Sie sagte, sowas kriegt sie bestimmt nicht. Dass ihre letzte Therapie schon nur noch zähneknirschend genehmigt wurde. Dass die Versicherung auch irgendwann mal sagt, bringt eh nix mehr.

Sorry, sowas geht gar nicht. Es geht wieder mal nicht um dich, nur um sie. Ich kenne so ein Verhalten von meiner Mutter und finde es einfach nur zum
Jetzt hat sie wieder die volle Aufmerksamkeit von dir. Du sollst dich um sie kümmern. Die Rollen sind vertauscht, meine Liebe. Dir geht es schlecht, und sie weint dir ins Kittelchen, wie schlecht es ihr geht. Nimmt sie dich überhaupt wahr? Ui, das macht mich gerade richtig wütend!


Ich bin total verunsichert.
Außerdem hat meine Schulleiterin nochmal angerufen, grade eben. Sie meinte, ich muss nächste Woche noch mal reinkommen für ein Gespräch. Angeblich ist das alles mit dem Pausieren jetzt doch nicht so einfach.
Und dass ich für nächste Woche doch noch eine Krankmeldung brauche.

Jetzt habe ich wieder total Angst. Mir ist wirklich zum Heulen und ich fühle mich richtig allein mit diesem Problem. Ich habe das Gefühl, keiner kann mir wirklich weiterhelfen, weil sowohl Hausarzt als auch Therapeutin mich nach meinem Plan gefragt haben.

Und ich habe gar keinen richtigen Plan. Ich hatte gehofft, wenigstens die hätten mir Vorschläge machen können. Aber ich stehe einfach nur irgendwie allein da.
Ich hab so Angst, dass das alles nicht klappt...

Es wird klappen. Es könnte sein, dass du dich so alleine fühlst, weil deine Mutter dir nicht hilft. Dass du dann eventuell auf die Therapeutin und den Hausarzt projizierst. Deine Mutter lässt dich alleine, ja. Deine Therapeutin sicher nicht, und dein Hausarzt auch nicht. Du musst es den beiden sagen, dass du Hilfe brauchst, und ganz konkret auch bei was du Hilfe brauchst.

Und dann hätte meine Mutter ja wieder recht...

Nein, hat sie nicht. Du schaffst das! Auch wenn deiner Mutter lieber ist, dich klein zu halten, damit sie sich gross fühlen kann. Befreie dich!

Ich will doch nur gesund werden...

Ja, und das wirst du auch! Habe ein bisschen Geduld. Der Stein wurde nun angestossen, jetzt muss er noch ins Rollen kommen und dann läuft das.


Fühl dich ganz feste gedrückt du bist nicht allein!

06.10.2016 14:41 • #95


TheCheshireCat
@Freisein
Okay, dankeschön... Das brauche ich grade einfach...
So ein bisschen Rückhalt. Dass mein Freund weggezogen ist, macht mir scheinbar doch mehr zu schaffen, als gedacht.

Aber er ist ja auch für mich da. Ich habe vor, vom 17. zum 23. zu ihm zu ziehen. Und wenn ich mich da nochmal für eine Woche krankschreiben lassen muss. Das ist mir egal.

Morgen kommt er auch wieder her übers Wochenende. Dann kann ich bei ihm schlafen.
Ich brauche grade einfach Zuspruch, und nicht noch mehr Fragen/Erwartungen von außen...
Ich war doch selber noch nie in so einer Situation.

06.10.2016 14:50 • #96


Genau, Zuspruch. Es ist schon so besch. genug, nicht?

Deine Mutter und meine ähneln einander wirklich. Mit den Jahren habe ich erkannt, dass das einzige, was hilft um mich von ihr nicht runterziehen zu lassen, Distanz ist. Ändern kann ich sie nicht, sie ist wie sie ist und schlussendlich meint sie es sicher auch nicht böse. Aber: ihre Negativität tut mir nicht gut, da muss ich mich schützen. Ich begrenze auch die Besuche zeitlich, mehr als 3 Stunden ist nicht gut.

Ich glaube auch dass du dringend Distanz brauchst, um dich mal wieder ein bisschen ordnen zu können, um überhaupt aus diesem Muster rauszukommen.

Kannst du denn nicht länger bei deinem Freund bleiben, wenn du für Klinik angemeldet worden bist bis zu dem Datum, wo du in die Klinik kannst?

06.10.2016 16:11 • #97

Sponsor-Mitgliedschaft

TheCheshireCat
Das habe ich mir auch schon überlegt. Das Problem ist, dass er aber 2 Autostunden von hier wohnt.
Und ich muss ja trotzdem noch wöchentlich zur Therapie.

Nächstes Jahr wird es leichter, da zieht er ja wieder hierher. Da werde ich auch sicher mal öfter bei ihm vorstellig werden. Aber im Moment ist es ein bisschen schwierig.
Stationärer Aufenthalt wäre vielleicht gar nicht blöd, in dem Sinne. Das hat sogar meiner Mutter gemeint.
Aber das möchte ich wirklich nicht. Ich brauche einfach auch ein Stück "Zuhause", wenigstens abends/nachts. Und ich denke, dass eine Tagesklinik da trotzdem gut hilft.
Ich war ja schonmal in einer, allerdings bin ich da nebenher noch zur Schule gegangen.
Trotzdem war ich danach wirklich ein anderer Mensch. Lebensfroher und viel stabiler, und ich hatte wieder mehr Vertrauen in Mitmenschen...

06.10.2016 16:47 • #98


Das klingt doch gut, die letzte Erfahrung mit der Tagesklinik. Und deine Mutter sagt, du hättest keine Pläne...was ist denn das, mit der Tagesklinik... kein Plan oder was?

Ja, das ist schön weit 2 h mit dem Auto. Kannst du denn Auto fahren? Oder müsstest du mit ÖV? Wie lange wäre es dann? Um welche Uhrzeit ist Therapie?

06.10.2016 17:48 • #99


TheCheshireCat
Führerschein habe ich noch keinen.
Allerdings fährt mein Freund immer am Wochenende nach Hause, und würde mich dann eben mitnehmen. Mit dem Zug könnte ich auch fahren, aber das dauert dann noch länger.

Therapie ist immer um 18:00 Uhr.
Bezüglich der einen Woche, in der ich nicht da bin, würde ich meine Mutter mal zu meiner Therapeutin schicken. Die wollten sich ja sowieso mal unterhalten, dann wäre das auch gut ausgenutzt.

Sie macht sich nur immer noch Gedanken, ob das alles überhaupt hinhaut, und ich auch, wobei ich mehr Bammel habe vor dem Gespräch in der Schule nächste Woche.
Ich wünschte, ich hätte am Telefon noch gefragt, inwiefern das "nicht so einfach" ist. Jetzt male ich mir schon wieder so Horrorszenarien aus und fühl mich ein bisschen betrogen, erst sagt man mir, das ist gar kein Problem, und jetzt plötzlich doch?

06.10.2016 19:15 • #100



x 4


Pfeil rechts


Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Mira Weyer