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Hallo zusammen,

mir gehen die meisten täglichen Dinge nur noch extrem schwer von der Hand.
Nicht nur die Zukunft sehe ich als ein graues, düsteres Szenario.
Auch der Alltag ist nur noch sehr schwer auszuhalten.
Ein tägliches Müssen, kein Wollen mehr.
Keine Kraft...!
Angst vor Hartz 4.
Angst vor einer schwerwiegenden Erkrankung.
Angst vor jeder ärztlichen Untersuchung, wegen eventueller Schmerzen und schlimmer Diagnose.

Ich will mich endlich aufraffen, weil Krankheit und Sterben ja sowieso keine Verstecke akzeptieren.

Bin für jede Antwort sehr dankbar.
Tom

02.09.2016 01:28 • 02.09.2016 #1


4 Antworten ↓


Cati
Hallo Tom,

die Zeilen, die du eben geschrieben hast, das hätte ich genau so auch schreiben
können, vor anderthalb Jahren.
Ich hatte null Lebensfreude. Ich wusste gar nicht mehr, wie sich das anfühlt, Freude
am Leben.
Ich hatte Probleme im Job...Mobbing, Überlastung, aber ich hatte auch Angst davor,
den Job aufzugeben, und um mich in einer anderen Firma zu bewerben, fehlte mir die
Kraft...und bedingt durch das Mobbing war mein Selbstbewusstsein auch stark
beschädigt...ich schleppte mich so durch den grauen Alltag und zum Arzt ging ich
auch jahrelang nicht mehr.
Es gab zwar Menschen, mit denen hätte ich darüber reden können, aber ich schämte
mich. Ich dachte, es liegt alles nur an mir. Daβ ich halt total unfähig bin.

Eines Tages ging es mir dann so schlecht, daβ ich doch zu einem Hausarzt gegangen
bin. Ich hatte meine psychischen und physischen ( Schlafstörungen, Kopfschmerzen )
Symptome auf ein Blatt Papier geschrieben. Weil ich mich so schämte, ich hatte Angst,
daβ ich den Mund nicht aufkrieg, wenn ich vor dem Arzt sitze.

Er sagte, " Was führt Sie zu mir ? "
Ich gab ihm mein Schreiben und sagte, " Lesen Sie das bitte, ich möchte wissen, ob
ich damit bei einem Arzt richtig bin oder ob Sie meinen, ich stelle mich nur an."
Ich fühlte mich furchtbar, als er das durchlas. Aber ich hatte mir vorher geschworen,
ich gehe wenigstens einmal zu einem Arzt und höre mir seine Meinung dazu an.

Er las das schweigend durch und griff dann sofort nach einer Krankschreibung.
Der Facharzt stellte später fest, ' Burn Out und Angststörung. '

Das war der Beginn eines langen Weges...wann ich am Ziel sein werde, weiß ich
nicht...mal geht es gut, mal gibt es einen Rückschritt...meine Ängste sind manchmal
weg und ich fühle echte Lebensfreude und Zuversicht...dann rausche ich wieder ein
Tal und habe Angst vor der Zukunft.

Ja, wie du schreibst, das Aufraffen muβ man erst mal schaffen.
Dazu braucht man Kraft. Ich habe das auch lange nicht geschafft.

Sorry für den langen Text.

Ich wünsche dir alles Gute, Tom.

Liebe Grüße.

02.09.2016 08:40 • x 1 #2



Sisyphos-Gefühl / Leben in einer Tretmühle

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enten
Hallo Tom,
hast du diese Gefühle schon länger? bezw. haben sich diese im Zusammenhang,mit dem Tod deines Vater´s verstärkt/verändert?
Das alles klingt sehr mut-und hoffnungslos.
Depressive Verstimmung oder Depression,daran schon mal gedacht?
Mit deinem Vater hast du auch deine Kindheit,einen Teil deiner Vergangenheit verloren.
Fühlst du dich entwurzelt?
Siehst du da einen Zusammenhang?
Liebe Grüße

02.09.2016 09:00 • x 1 #3


@Cati :
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Da steht sehr Vieles drin, was wohl genauso auch auf mich zutrifft.
Sicher bräuchte ich zunächst einfach mal eine Auszeit von mehreren Wochen.

@enten :
Es ist ein seit langer Zeit schleichender Prozess, der sich durch den (zuerst) Tod meiner Mutter und nun auch meines Vaters extrem verstärkt hat.
Tom

02.09.2016 17:57 • #4


Cati
Hallo Tom.

Für mich war es das Beste, daβ der Hausarzt mich einige Wochen
krankgeschrieben hat. So wurde ich sofort aus der belastenden
Situation im Job herausgenommen.
Er ist kein Psychiater. Aber er sagte zu mir ," Pillen helfen da nicht. "
Und er hatte recht.

Auf den Termin beim Facharzt, der die endgültige Diagnose stellte,
musste ich ein paar Wochen warten.
Der hat mir dann eine Gesprächstherapie empfohlen.
Ich mache diese Therapie nun seit 1 Jahr.

Meine Mutter starb vor 10 Jahren.
Sie wird mir immer fehlen. Man hat nur eine Mutter, und wenn sie nicht mehr
da ist, fehlt etwas, für immer. Ich empfinde es jedenfalls so.

Du hast deinen Vater erst kürzlich verloren. Mein herzliches Beileid, Tom.


Ich habe zu meiner Therapeutin mal gesagt, ich war zwar schon eine
erwachsene Frau über dreißig, als meine Mutter starb, aber ich fühlte mich
wie eine Halbwaise, ist das albern ?
Sie sagte, nein, das ist überhaupt nicht albern, so zu empfinden.

Alles Gute, Tom.

Liebe Grüße.

02.09.2016 20:00 • x 1 #5




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