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Liebe Mitglieder

Ich leide seit längerer Zeit unter Depressionen und Angststörungen. Jahrelang habe ich meine Ängste und Gefühle unterdrückt. So gelang es mir, weitesgehend normal zu leben. Ich musste einfach sehr viel Kraft aufwenden, damit meine Ängste unter dem Deckel blieben. Allerdings war dieses Leben nicht sehr angenehm.

Seit einiger Zeit bin ich in einer Psychotherapie und mache gute Fortschritte. Insbesondere kommen meine Gefühle langsam wieder zurück. Mit den Gefühlen kommen aber auch die Ängste wieder verstärkt zum Vorschein. Ich kann und will meine Emotionen jedoch nicht wieder unter den Deckel schieben. Ohne diesen Deckel oder Schutzschild fühle ich mich den Ängsten ziemlich ausgeliefert. Das verunsichert mich natürlich. Ich muss nun lernen, mit diesen Ängsten (vor allem Angst vor Herzinfarkt und Angst vor der Angst, wobei die Angst vor der Angst zunehmend dominanter wird) umzugehen. Unterdrücken ist keine Option mehr. Ich bin generell weniger unter Spannung, aber eben auch irgendwie empfänglicher für Ängste.

Ich möchte Euch Fragen, ob jemand von Euch auch ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Zudem würde es mich interessieren, ob es üblich ist, das unterdrückte Ängste stärker zum Vorschein treten, wenn man sich öffnet. Ich denke jedoch, dass kein Weg am Öffnen vorbeiführt.

Besten Dank für Eure Antworten!

09.12.2016 17:35 • 10.12.2016 #1


8 Antworten ↓


Hallo Yellowstone

Ich hatte so die Schnauze voll von diesen Ängsten und Depressionen und dem ganzen fühlen müssen, dass ich (unbewusst zunächst) mich mit Tavor "ruhig" stellte. Nach einer gewissen Dauer der täglichen Einnahme hat mich das wunderbar gleichgültig gemacht.

Danach kam das Absetzen dieses Benzos und jetzt kommen auch die Ängste und depressiven Gedanken wieder. Vermutlich geht wirklich kein Weg an dem sich öffnen vorbei. Ich habe aber grosse Mühe damit. Ich fühle mich oft total schutzlos und, wie soll ich das erklären, so porös gegenüber der Umwelt. Als ob alles in mich eindringen könnte.

Einen gescheiten Umgang damit habe ich noch nicht gefunden. Manchmal mache ich so eine Übung für Schutz. Wenn ich draussen bin, dann mach ich eine Ressourcenübung. Ein bisschen hilft das.

09.12.2016 19:33 • #2



Sich öffnen - stärkere Ängste Kennt das jemand?

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Hallo Freisein
Besten Dank für Deine Antwort. Du hast das sehr gut beschrieben. So ähnlich geht es mir auch. Ich nehme seit langer Zeit ein SSRI (Sertralin) und habe nun dievor einiger Zeit die Dosis Schrittweise reduziert.

Ich fühle mich irgendwie ausgeliefert oder ja porös, alles kann in mich eindringen und mich eben auch ein wenn aus der Bahn werfen. Es braucht da sehr wenig. Bei mir sind es nicht die starken Ängste, sondern das wissen, dass es wenig braucht, bis ich einen Anflug von Angst und Panik verspüre.

Sieht also aus, als ob man Da durch müsste. Kennst Du das Buch von Klaus Bernhardt? Es gibt auch einen Thread darüber. Bin nun daran, die Übungen zu machen.

Yellowstone

09.12.2016 20:05 • #3


Hallo Yellowstone,
das kenne ich auch, nehme auch Sertralin, habe aber auch die Dosis reduziert, weil ich irgendwann eigentlich keine Medikamente mehr nehmen möchte, da ich schon einige nehmen muss. Die Unsicherheit ist noch groß, aber so nach und nach wird es besser, jedoch aber verstärkt, wenn man das Wahrnehmen übt. Bei mir braucht es auch nur wenig, um starke Angst zu bekommen, weil die Angst immer präsent ist, allerdings nicht in so hohem Maße, dass ich komplett aus der Bahn geworfen bin. Aber sie ist halt immer da, manchmal im Hintergrund, manchmal drängt sie sich in den Vordergrund. Kommt immer auf die Situation an, dadurch, dass ich meine wirklichen Gefühle auch jahrelang unterdrückt habe, hat sich die Angst zunehmend stark in den Vordergrund gedrängt, aber man kann mit ihr diskutieren, zum Beispiel: ach ja, na kommst du mich mal wieder besuchen? Ich habe jetzt aber keine Zeit, weil ich mich lieber mit angenehmeren Dingen beschäftigen will..so in der Art habe ich gelernt, ganz gut damit umzugehen. Aber es gibt für jeden ja individuell Übungen und Aktionen, die die Angst entschärfen können...mir helfen zum Beispiel auch stramme Spaziergänge mit einer nahestehenden Person, das ergibt ein angenehmes Körpergefühl und somit angenehmere Gedanken...LG Annie

09.12.2016 20:21 • #4


@Yellowstone ja, be mir braucht es auch sehr wenig um mich komplett aus der Bahn zu werfen. Dann bin ich regelrecht ausgeknockt. Und wenn es dann in der Therapie wieder "eingerenkt" wird, habe ich trotzdem noch wochenlange Nachwehen, weil mich das jedesmal sehr viel Kraft braucht.

Ich kenne dieses Buch von Klaus Bernhard noch nicht, hab aber auch viel im Forum immer wieder gelesen, wo der erwähnt wurde. Hast du die Threads verfolgt? Hilft es jemandem wirklich? Oder am Besten: vielen?

09.12.2016 20:28 • #5


Hallo @Annie303

Merci für Deinen Post. Haben also die Ängste / Befürchtungen mit der Dosisreduktion auch eher zugenommen und/oder seit Du sie nicht mehr so stark unterdrückst? Also ich werde nicht wirklich aus der Bahn geworfen, es ist mehr so ein latente Befürchtung und eben leichte Anflüge von Panik vor allem im Bauch in vielen Situationen. Vorher war das weniger der Fall, alles in allem fühlte ich mich aber nicht besser, einfach weniger verwundbar. Ich frage mich eben, ob das üblich ist, wenn man mit dern Unterdrücken aufhört. Du machst ja allem Anschein ähnliche Erfahrungen wie ich.

Grüsse Yellowstone

09.12.2016 20:48 • #6


Hallo Freisein

Ich habe das Buch gestern gelesen. Es enthält tatsächlich gute Tipps und Anregungen. Ich kann aber noch keine wirkliche Aussage darüber machen, ob die Methoden längerfristig ein Verbesserung bringen.

Das Buch kann einen aber auch unter Druck setzen. Die Methoden werden so angepriesen, dass sie immer wirksam sein sollten. Was aber wenn nicht?

Grüsse Yellowstone

09.12.2016 21:00 • x 1 #7


@Yellowstone das ist bei den meisten Büchern so. Eigentlich ist das ein Heilversprechen und das sollte man nie geben.

09.12.2016 21:31 • #8


Hallo @yellowstone,
ehrlich gesagt, sehr viel verändert hat sich nicht, jedoch merke ich es schon extrem, wenn ich mal vergesse, meine Dosis zu nehmen, ich verfalle dann eher in Depressionen, fange an zu weinen und würde am liebsten einschlafen und nicht mehr aufwachen...das ist mir aufgefallen. Aber dann fällt mir ein, dass ich sie vergessen hatte, zu nehmen, dann ist das Problem klar und ich kann mich wieder fangen. Aber wenn ich so zurück denke, als ich noch eine höhere Dosis eingenommen hatte, war es nicht ganz so schlimm, ich habe mehr Situationen, die ich heute meide, irgendwie erledigt. In der Zwischenzeit sind noch einige andere Dinge passiert, die die Ängste verstärkt haben, diese kommen mehr von "außen", also quasi Angst vor Überfällen zum Beispiel, deshalb meide ich bestimmte Wege an bestimmten Zeiten und Wechsel auch schon mal die Straßenseite, wenn ich mich irgendwie "bedroht" fühle. Das hat damit etwas zu tun, weil mir vor einigen Jahren mal etwas passiert ist. An sich klappt es mit der Diskussion mit mir selbst ganz gut, ich sehe die Angst quasi als ein Besucher an, so in der Art...es sind sehr viel verschiedene Ängste, die mich begleiten...LG Annie

10.12.2016 17:50 • #9




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