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Hallo an alle,

Im September fängt das neue Schuljahr an und ich soll ins Referendariat.
Mir geht es damit überhaupt nicht gut. Ich wollte letztes Jahr schon antreten, doch konnte ich das wg meiner Psyche nicht. Hatte schlimme Angstzustände und Depressionen. War dann 3 Monate in einer Tagesklinik und bin bis heute in Behandlung. Medi nehm ich auch. Das Jahr über gab es immer mal wieder Tiefen. Aber jetzt ist es wieder extrem. Ist mir auch klar, da es ja nicht mehr lange dauert bis es los geht. Und mein Seminarort ist zudem 120 km von zu Hause entfernt. Kann auf keinen Fall umziehen, da ich nicht alleine sein kann und müsste diese Strecke dann jeden Tag mit dem Zug pendeln. Davor graut mir auch!! Das Problem ist, dass mein Körper einfach streikt. Mir ist übel ich kann nix essen, zittere, weine und ich fühl mich wie gelähmt. Wie soll ich das so nur angehen?
Sollte man so überhaupt ins Lehramt starten? Zudem ist es nicht mein Traumberuf!! Aber mit fast 28 nochmal umsatteln?! Meine Family meint ich soll es aufjedenfall probieren. Wie denn, wenn man das Gefühl hat man kann früh nicht mal aufstehen, geschweigeden sich fertig machen und eine 1,5 stündige Zugfahrt überstehen? Mein Freund steht total hinter mir, egal was ich mache. Meine Thera meinte, ich solle auch mal an Alternativen denken, da ich schon eine schwere Angsterkrankung habe.
Und was denk ich selber, so genau weiß ich es nicht. Denke aber, dass ein Lehrer psychisch stabil und stressresistent sein muss und das bin ich bei weitem nicht.
Was denkt ihr??
Ich möchte aufjedenfall im pädagogischen Bereich bleiben.

18.08.2011 22:26 • 21.08.2011 #1


18 Antworten ↓


Schlaflose
Hallo Sternchenundich,

ich habe dir ja schon vor ein paar Wochen geschrieben und dir davon abgeraten. Es ist einfacher mit 28 noch etwas Neues anzufangen, als mit 49, wie ich es jetzt wohl muss.
Wenn du Probleme damit hast, überhaupt aufzustehen und Zug zu fahren ohne Panik zu bekommen, ist es kaum vorstellbar, dass du in einer Klasse stehst und unter Dauerstress deinen Mann stehen kannst. Da kann man nicht einfach rauslaufen, wenn einen eine Panikattacke überkommt, mal ganz abgesehen davon, wie die Schüler reagieren, wenn sie merken, dass man unsicher ist.
Es ist auch nicht so einfach, sich morgens öfter krank zu melden, wenn man es nicht packt - die ausgefallenen Stunden müssen ja vertreten werden. Die Kollegen werden sehr grantig, wenn sie immer wieder einspringen müssen.
Ein weiteres Problem sehe ich darin, dass du nicht mit dem Auto fährst. Bei uns ist es so, dass die Referendare in mehreren Schulen für eigenverantwortlichen Unterricht eingesetzt werden, die 20-30 km voneinander entfernt sind, und sie zwischen den Stunden hin- und her fahren müssen. Außerdem muss man ja auch immer wieder abends wegen Elternabenden oder sonstigen Veranstaltungen kommen. Wenn man da nicht motorisiert ist, ist man aufgeschmissen.

Natürlich kannst du es versuchen, aber ich denke, deine Therapeutin hat recht, dass du langfristig nach Alternativen suchen solltest.

Liebe Grüße

19.08.2011 08:51 • #2



Lehrer werden trotz psychischer Erkrankung?

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Hallo Schlaflose,
Ich denke auch, dass das so nichts bringt. Liege grad noch im Bett, mir ist total schlecht und habe dauernd diese Angstschauer. Fühle mich schrecklich.
Es ist halt immer schwierig, wenn dir deine Familie sagt, dass schaffst du schon, wir glauben an dich. Und ich lege so unheimlich viel Wert auf die Meinung meiner Lieben, was ich nicht sollte. Besonders meine Mutter spielt in dem Ganzen eine (zu) grosse Rolle. Ich hab sie sehr lieb und war schon immer ein Mama Kind. Sie merkt es selber nicht, aber manchmal fallen Kommentare, die mir selber soo weh tun. So nach dem Motto "wenn du das jetzt nicht schaffst, was hat dir dann der Klinikaufenthalt gebracht" , "mit dem 1. Staatsexamen hast du doch nix in der Hand", "mach das doch jetzt erst mal fertig" "du wirst doch nicht noch einmal studieren wollen"... Das bremst mich total. Dann bringt sie immer das Beispiel von der Klinik letztes Jahr, dass ich da auch erst nicht selber hin konnte, weil ich so Angst hatte, mein Bruder musste mich fahren. Ich sah allerdings auch aus wie ein Geist und hätte mich fast einweisen lassen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Im Ref muss ich sofort fit sein. Das is doch ein Vergleich der total hinkt, oder nicht?
Wie ist es jetzt bei dir? Möchtest du auch aufhören oder hast du das schon?

19.08.2011 09:58 • #3


Hallo Sterncheundich,
leider muss ich dir Recht geben, das man als Lehrer eine besondere stabilität benötigt um nicht unterzugehen. Ich denke auch das die Schüler unbewusst sehr schnell merken werden, das du angreifbar bist. Doch am wichtigsten finde ich die Frage, was du den am liebsten machen würdest, in beruflicher Hinsicht! Wieso hast du Lehramt studiert, wenn es eigentlich gar nicht dein Traumberuf ist? Gäbe es vielleicht eine Studiumvariante, in der du das bisherige verwenden kannst? Mal angenommen du bist Sportlehrerin, dann könnte ich mir vorstellen das du z.B in einem Fitnessstudio eine gute Chance hättest..., oder wenn du in Sprachen studiert bist, dann umsatteln als Überetzterin.... Sorry, da ich selber nicht studiert habe, kenne ich mich da nicht so aus...., aber es wird doch bestimmt etwas geben, was deiner bisherigen Ausbildung nahe kommt und weiterhin für dich als Richtung gelten könnte.

Wichtig finde ich aber herauszufinden was du möchtest, und nicht was deine Eltern sich wünschen...., auch wenn ich die Ermutigungen deiner Mutter verstehen kann.
Es einfach auszuprobieren könnte klappen, kann aber auch ein Schuss nach hinten werden! Dies kannst aber nur du entscheiden, wie du mit einer evt. Niederlage umgehen könntest.
Egal wie du dich aber auch entscheiden wirst, bleibe du selbst und verbiege dich nicht um den Erwartungen ANDERER zu entsprechen!

19.08.2011 11:27 • #4


Schlaflose
Hallo nochmal,

ich bin jetzt seit Januar krank geschrieben, wie es weitergeht, weiß ich noch nicht. Das Problem ist, dass ich nicht verbeamtet bin. Als ich eingestellt wurde, ging das nur im Angstelltenverhältnis, und als einige Jahre später allen angestellten Lehrern die Verbeamtung angeboten wurde, hat man mir das verweigert, weil ich schon nach anderthalb Jahren im Schuldienst auf eine stark reduzierte Stelle gegangen bin und mir mein damaliger Chef deswegen eine sehr schlechte Beurteilung geschrieben hat (von wegen nicht belastbar, nicht nicht einsatzfreudig etc.) Wäre ich verbeamtet, müssten sie mir jetzt die Frührente anbieten bzw. eine Verwaltungstätigkeit im Ministerium. Als Angestellter hat man aber kein Anrecht darauf. Mein Chef hat jetzt einen Brief ans Ministerium geschrieben und an die moralische Verpflichtung des Dienstherrn appelliert, mir einen Verwaltungsjob zu geben. Außerdem hat mein Therapeut eine Stellungnahme geschrieben, dass auch nach einer Langzeittherapie nicht davon ausgegangen werden kann, dass ich wieder als Lehrer arbeiten kann. Jetzt muss ich abwarten, was dabei herauskommt.

Ich hätte damals, als das Studium zu Ende ging, auf die Signale meines Körpers hören und nicht in den Schuldienst gehen sollen. Bei mir hat sich das Ganze in Form extremen Schlafstörungen geäußert. Ich habe mich aber immer wieder durchgequält, mich mit Schlaftabletten und später mit Antidepressiva über Wasser gehalten.
Ich bin auch ein Mamakind, wohne immer noch mit ihr zusammen. Sie hat mich damals schon davor gewarnt, für Lehramt zu studieren, das sei nichts für mich. Mir ging es aber ehrlich gesagt, nur ums Studium, weil ich von Sprachen so fasziniert war, und das war auch die schönste Zeit in meinem Leben. Den Gedanken, dass ich ich mal vor einer Klasse stehen muss, habe ich lange Zeit einfach verdrängt. Als es immer näher kam, fingen dann die psychischen Probleme an. Aber ich dachte, dass man das mit der Zeit auch lernen kann, selbstbewusst zu sein und den Boss zu spielen. Nach außen hin habe ich es auch wohl ganz gut geschafft, aber es hat mich unermeßliche Kraft gekostet, und irgendwann ging es einfach nicht mehr.
Ich kann gut verstehen, dass es dir weh tut, wenn deine Mutter solche Sachen sagt, man fühlt sich ja schon ganz schön als Versager. Man will auch nicht, dass die Eltern sich um einen so viele Sorgen machen müssen. Aber wenn es dir so schlecht geht, kannst du einfach nicht anders, das müssen sie doch auch sehen. Der Vergleich mit dem Klinikaufenthalt ist tatsächlich völlig fehl am Platz, dort hattest du ja auch nichts zu verlieren.

Ich kann dir leider auch keinen konkreten Rat geben, was du stattdessen machen könntest. Es sollte etwas sein, was nicht so nervenaufreibend ist, wo es nicht so ins Gewicht fällt, wenn man sich mal nicht gut fühlt.

Alles Liebe

19.08.2011 11:44 • #5


Vielen lieben dank für eure Antworten. Meine Thera hat mich gefragt," wenn sie zaubern könnten, wo würden sie am liebsten arbeiten?" und ich sagte, in einer kleinen päd. Einrichtung, die sich mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Wollte immer soz. Päd studieren, ging aber wg NC nicht. Lehramt war eine Spontanentscheidung und ich habe es immer hinterfragt. Traute mich nicht "umzusatteln".
Jetzt würde ich versuchen in den päd Bereich zu rutschen und evtl noch einen Abschluss nachholen, wenn ich ihn brauche. Könnte ein Studium verkürzen und habe ja einige Wartesemester.
Das mit meiner Mutter ist schon der "Knackpunkt", denke ich, aber sehr kompliziert.

19.08.2011 13:43 • #6


Christina
Hi,

mit 28 würde ich wechseln, selbst wenn ich nochmal ganz von vorne anfangen müsste. Das ist allemal besser, als sehenden Auges ins Unglück zu laufen. Und wenn's zwischenzeitlich ums bloße Geldverdienen geht, könntest du auch an einer Nachhilfeschule anheuern oder bei einer Nachmittagsbetreuung.

Liebe Grüße
Christina

19.08.2011 15:27 • #7


Schlaflose
Hallo Sternchenundich,

wenn du schon eine so genaue Vorstellung von deinem Traumberuf hast, dann solltest du wirklich nicht zögern, diese Richtung einzuschlagen. Schade, dass du dich nicht schon früher getraut hast und viel Zeit verloren hast. Aber es ist nicht zu spät!!

Liebe Grüße

19.08.2011 16:36 • #8


Ja da habt ihr wohl recht, wenn nicht jetzt, wann dann. Einen Nebenjob in einer Nachmittagsbetreuung hätte ich schon. Habe ich ja bis jetzt auch gemacht.
Denke auch, ich hätte schon viel früher die Notbremse ziehen sollen. Doch ich hör einfach immer zu viel auf andere. Ärgert mich selber ungemein. Bin ja jetzt auch im April mit meinem Freund zusammen gezogen und muss erst noch lernen autonom zu werden. Werd jetzt die Tage nochmal in mich gehen und auch einige telefonate führen um raus zu finden, was möglich ist.

19.08.2011 19:53 • #9


Bin mir jetzt sicher, dass ich etwas anderes mache und nicht ins Ref gehe. Ich hätte das schon viel früher machen sollen, aber mit fehlte einfach der Mut. Und eigentlich fehlt der immernoch etwas. Ich tu mich wahnsinnig schwer damit Verantwortung für mein Leben zu übernehmen und eigene Entscheidungen zu treffen, weil ich mir immer denke, was wenn es falsch ist, dann muss ich mir selber die Schuld geben. Kennt ihr das?
Wie oft hab ich mir schon gedacht, ich will anders leben und es dann nie probiert, weil "man das doch nicht machen kann". Jetzt muss ich meine Entscheidung irgendwie meiner Familie verklickern und mir ist schon schlecht, wenn ich nur dran denke. Dabei habe ich ja auch Unterstützer, Freund, beste Freundin. Bin immernoch recht verzweifelt.

21.08.2011 12:05 • #10


Christina
Vielleicht hilft es dir, wenn du dir immer wieder in Erinnerung rufst, dass - egal, wer die Entscheidungen trifft - du es bist, die die Konsequenzen zu tragen hat.

Ich habe viel länger gebraucht als du, um zu merken, dass mein "geplantes" Leben für mich nicht lebbar wäre. Es ist von Vorteil, wenn man sowas etwas früher merkt, die eine Konsequenz, sein Leben radikal zu ändern, ist nämlich unumgänglich. Und das macht man besser freiwillig nach den eigenen Vorstellungen, als gezwungen und gelähmt durch eine psychische Störung.

Liebe Grüße
Christina

21.08.2011 12:45 • #11


Hallo Sternchenundich,

also bei mir ist es komischerweise genau umgekehrt, immer wenn ich als Lehrerin arbeiten kann, geht es mir psychisch besser. Bei mir ist das Problem, dass ich ein Lehramtstudium abgebrochen habe, aufgrund meiner Panikattacken. Trotzdem habe ich die letzten Jahre als Lehrerin in der Erwachsenenbildung Deutsch unterrichtet und immer, wenn ich einen Kurs hatte, ging es mir gesundheitlich gut. Leider ist die finanzielle Situation in der Erwachsenenbildung prekär (niedrige Honorare, keine Zahlung bei Kursausfall oder Krankheit, etc), so dass ich davon nicht mehr leben kann. Daher habe ich mich jetzt mit 34 Jahren dazu entschlossen, erneut zur Uni zu gehen und den Lehramtabschluss nachzuholen. Daher:

Du bist nicht zu alt, um einen anderen Weg einzuschlagen. Toll, dass du jetzt den Mut fasst und neue Wege gehst. Ich drücke dir die Daumen, dass alles gelingt.

Und zum Thema Mutter: Meine Mutter wollte immer, dass ich Pharmazie oder Theologie studiere. Auch heute noch meint sie immer: warum hast du das nicht studiert. Eltern haben manchmal ein völlig anderes Bild als man selbst.

21.08.2011 12:48 • #12


Hallo Sternchenundich,
ich finde es sehr schwierig, dir einen Rat zu geben...Wenn du WIRKLICH den Beruf des Lehrers nicht ausführen möchtest (und nicht nur, weil du angst davor hast), dann würde ich dir auch raten, umzusatteln. Wenn du weiter im pädagogischemn Bereich arbeiten willst (wie etwa der sozialpädagogische Bereich) kannst du ggf. bestimmte Bereiche aus deinem bereits abgeleisteten Studium anrechnen lassen, vieles überschneidet sich...zumindest an unserer Uni.
Was das Ausführen des Lehrerberufes mit einer Angststörung angeht, kann ich sagen, dass ich es meistere !
Jetzt arbeite ich an einer Schule in meinem Wohnort! Ich habe nach wie vor die Ängste...aber gehe zum Glück nicht sehr ins Vermeidungsverhalten. Es gibt viele Tage, an denen ich aufstehe und mich die Ängste überfallen, aber ich habe mich diesbezüglich noch nie krank gemeldet...die Kinder lenken einen ab und ich glaube zu behaupten, dass ich meinen Job nicht schlechter mache als Andere!
Aber natürlich kann man dies nicht verallgemeinern...ich kannn dir nur den Tipp geben, in dich hineinzuhorchen und genau zu klären, warum du den Job nicht machen möchtest. Wenn es nicht an der Angst davor liegt, mache was dir zusagt, egal was andere Leute dazu sagen!
Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Mut, DEINE richtige Entscheidung zu treffen!

Liebe Grüße Sonne

21.08.2011 12:54 • #13


Hallo Christina,
Darf ich dich dann mal fragen wie es bei dir war? Wenn ich es richtig verstanden habe, "musstest" du dein Leben auch änder.
@islandfan
Find ich echt super, dass Du das Studium nochmal aufnimmst!
Ich denke, Eltern wollen ja meist im Prinzip das Beste für ihre Kinder. Aber meine Mutter versteht mich glaub ich nicht richtig und zieht auch Vergleiche zu meinem (psychisch Kranken) Vater. So nach dem Motto: er war auch nie zufrieden und wollte immer was andres. Wieder ein Vergleich der total hinkt. Zum verrückt werdn!!

21.08.2011 13:02 • #14


Hallo Sonne,
Beneidens- und bewundernswert wie du das gemeistert hast und meisterst. Hut ab!
Bei mir ist es ja so, dass ich schon mein ganzes Studium zweifle.
Ich denke, ohne jetzt über deine Angsterkrankung urteilen zu wollen, dass es verschiedene Stufen bzw "Schwierigkeitsgrade" der Angst gibt, oder nicht?
Eine Freundin von mir hatte auch Panickattacken und war in Therapie und sie hat es wieder super in den Griff bekommen.

21.08.2011 13:09 • #15


Christina
Hi,

bei mir war es so, dass ich mein Studium (war schon recht weit) wegen der Agoraphobie sehr lange unterbrechen musste. Als ich wieder eingestiegen bin, hatte sich vieles, u.a. die Prüfungsordnung, geändert und ich musste quasi so anfangen, als hätte ich gerade erst das Vordiplom gemacht. Das wäre die Chance gewesen, was ganz anderes zu machen. Aber nein, Abbrechen kam mir damals wie Versagen vor, also habe ich es durchgezogen, um dann festzustellen, dass ich das berufliche Umfeld furchtbar finde. Übrigens war die Parole "Durchhalten um jeden Preis" jeweils der Auslöser für meine zwei Rückfälle. Mit 35 habe ich beschlossen, doch mein Zweitstudium (Psychologie) zu beenden. Insgesamt habe ich also überdurchschnittlich viel Zeit mit Kranksein oder Studieren verbracht, wobei das Studieren gerne mal einer Aufholjagd gleichkam, also alles andere als entspannt war. Auch da habe ich dem Nützlichen Vorrang eingeräumt gegenüber dem Schöneren. Nebenbei sind andere Lebensbereiche auf der Strecke geblieben.

Heute bin ich klüger. Dieser ganze selbstgemachte Druck ist kontraproduktiv und raubt nur Lebensqualität. Auf lange Sicht legt man sogar besser mal ein Sabbatjahr ein oder geht auf Weltreise (hat 'ne Bekannte von mir zwei Jahre lang gemacht - mit zwischendurch Jobben natürlich, denn sie schwimmt nicht gerade im Geld). Zu alt ist man nur für den vorgezeichneten 08/15-Lebensweg oder für die Verbeamtung. Okay, DSDS, Topmodel, Pilot oder Unternehmensberater geht jenseits der 30 auch nicht mehr... Jedenfalls hat man nur ein Leben und das sollte man sich im Rahmen der unausweichlichen Sachzwänge so schön wie nur möglich gestalten.

Ich hatte (und habe manchmal immer noch) daran zu knabbern, dass "die anderen" an mir vorbeizogen, "gesettled" waren. Und ich habe im Studium immer wieder diejenigen beneidet, die so jung angefangen haben, dass sie mit Mitte 20 fertig waren. Da fühlte ich mich wie ein Alien dazwischen, mitunter so richtig als gescheiterte Existenz. Das kann hart werden, ist aber kein Zeichen dafür, dass es eine Fehlentscheidung war.

Liebe Grüße
Christina

21.08.2011 13:50 • #16


Hallo Sternchen,

Ich denke nicht dass die psychische Erkrankung ein Ausschlusskriterium sein muss, aber in dem Zustand wie du ihn jetzt beschreibst würde ich nicht in die stressige Zeit des Referendariats einsteigen wollen. Das Ref ist sowieso schon anstrengend und psychisch fordernd, aber gerade wenn du da derzeit instabil bist wird es dir nichts nutzen außer vielleicht noch mehr Angst zu machen oder dich frustrieren.
Gerade als Lehrer musst du aber nicht umsatteln, es gibt viele Bereiche in die du trotzdem gehen kannst. Ich kenne ja deine Fächer nicht, aber wenn eine Sprache dabei ist lockt das Verlagswesen, insgesamt natürlich auch die Erwachsenenbildung, und je nachdem ob im Studium auch Erziehungswissenschaften und Pädagogik mit dran waren sind diverse beratende und planende Berufe in diversen Sektoren drin. Ich rate dir dringend dazu dich zumindest zu einer Career Beratung oder zur Studienberatung aufzuraffen. Die werden dir helfen Alternativen zu finden, und mit einem klaren Ziel vor Augen läuft's dann sicher wieder besser

Liebe Grüße,
Bianca

21.08.2011 16:08 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Hallo Bianca,
Meine Fächerkombi ist Deutsch/Englisch. Prüfungen habe ich auch in den Fàchern Pädagogik, Schulpädagogik und Psychologie abgelegt.
Danke für den Tipp mit der Beratung. War schon mal beim Arbeitsamt und das war nicht sooo hilfreich, aber direkt an der uni werd ich's mal probieren.

21.08.2011 16:30 • #18


Hi Sternchen,

ich will Dir eigentlich weder dazu noch davon abraten, Deinen bisherigen Berufsweg fortzusetzen, finde es aber wichtig, dass Du Dir alle Optionen offenhältst.

Jedenfalls befand ich mich auch mal in einer ähnlichen Situation und habe mit Ende 20 ein neues Studium begonnen. Als ich anfing, über den Abbruch meines ersten Studiums nachzudenken, kam mir das zuerst wie Irrsinn, bloßes Wunschdenken und absolut irrational vor, jetzt erscheint es mir als das einzig Vernünftige, was in der Situation zu tun war. Hinter der Entscheidung stehe ich also nach wie vor, auch wenn die Aspekte, die Christina angesprochen hat, manchmal wirklich schmerzhaft sind... Andererseits empfinde ich die Situation zunehmend als normal, auch mit deutlich jüngeren Kommilitonen können sich gute Kontakte entwickeln, in meinem Studiengang bin ich auch schon welchen mitten in den Fünfzigern begegnet.

Nur Mut, Du bist frei

Grüße

pc

21.08.2011 16:49 • #19



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