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Hallo zusammen,

ich möchte mich kurz vorstellen. 35 Jahre bin ich alt und habe eine Frau und einen kleinen Sohn.

Seit nun 18 Jahren habe ich eine psychische Krankheit. Ich selber würde sie als generalisierte Angststörung einordnen. Zwei ambulante Therapien habe ich hinter mir, eine habe ich mit 18 Jahren gemacht und eine mit 25.

Meine Lebensumstände sind gut, keine schlimmen diagnostizierten Krankheiten oder Leiden, normales Einkommen und ein stabiles soziales Umfeld (wobei meine Frau im Wesentlichen die sozialen Kontakte hält, ich habe lediglich einen wirklich engen guten Freund).

Aktuell geht es mir „mittelmäßig gut“. Meine Sorgen kreisen momentan sehr um das Thema „Asbest“. Früher waren es gern die Themen „Krebs“ (damit fing es eigentlich an) und HIV (war auch lange Zeit ein Top-Thema bei mir).

An manchen Tagen bin ich symptomfrei und an anderen Tagen reicht eine Kleinigkeit als „Auslöser“ und ich denke jede freie Minute an mein Angstthema.

In einem anderen Thread habe ich was Ähnliches gelesen und möchte das hier – weil mir die Parallele auffiel – auch nennen: Gegenüber mir fremden Menschen bin ich nicht aufgeschlossen, sondern zurückhaltend. Meine Frau meint, sogar in gewisser Weise aggressiv.

Außerdem sehe ich in vielen Dingen vor allem die Gefahr und nicht die Chance. Aus diesem Grund habe ich zumindest einmal angefangen, täglich zu notieren, was schön war und mir gefallen hat. Einfach, um diese Perspektive zu schärfen. – Leider gerät das manchmal in Vergessenheit, da muss ich dran arbeiten.

Ich habe eine Überweisung an einen Psychologen von meinem Arzt bekommen, da ich das Gefühl habe, dass es mir momentan insgesamt nicht so gut geht. Zudem ist es mir sehr wichtig, dass mein Sohn ein gesunder Junge ist und bleibt. Anders als ich, der ich „seltsamerweise“ die gleiche psychische Krankheit habe wie mein Vater und mein Bruder, soll er gesund bleiben.

Die Chancen dafür stehen gut, da meine Frau wirklich ein stabiles Seelenleben hat und viel Positives einbringt. Nur möchte ich das auch! – Und, das ist ja auch wichtig, natürlich will ich selber ebenfalls glücklich sein.

Als ich mit 25 Jahren beim Psychologen war, habe ich auch eine medikamentöse Begleittherapie gemacht (täglich 20mg Paroxetin, wenn ich mich recht erinnere) und war symptomfrei.
Ich habe nichts gegen Medikamente, lediglich die Langzeitwirkungen lassen mich zweifeln. Und die Tatsache, dass ich auch schon einmal ohne Medikamente angstfrei war.

Meine Angst ist es, die Kontrolle zu verlieren. Und wenn ich die Dinge nicht kontrolliere, dann nehmen sie eine schlimme Wendung, fürchte ich. Und weil ich kein Vertrauen in die Fachleute habe, kann ich aber auch nichts deligieren.

Tja, das Dilemma ist nur: immer wieder gibt es Situationen, in denen ich weder kontrollieren, noch die Dinge alleine erledigen kann. Profanes Beispiel: an unserem Schornstein vom Haus ist eine kleine Verkleidungsplatte kaputt, von der ich fürchte, dass sie asbesthaltig ist. Alleine festmachen kann ich sie nicht und klappern lassen geht auch nicht, denn davon geht sie langfristig auch kaputt.

Oder neulich im Keller unseres Hauses: ich wollte an einer alten Deckenlampe die Birne wechseln und „suche“ praktisch nach „gefährlichen Teilen“, inspiziere die Lampe also möglichst genau. Und tatsächlich: an der Kabeldurchführung zwischen Lampe und Decke ist etwas Verdächtiges: eine braune Kabeldurchführung. Ja, vielleicht Gummi, vielleicht aber auch „Irgendwas mit Asbest“.
Und so vermeide ich nun also den Gebrauch eben dieser Lampe, denn wenn sie warm wird, dann kommt es sicherlich zu Luftbewegung und die Asbestfasern gelangen überall hin. Ersetzen der Lampe geht aber auch nicht, weil dann ja die Kabel durch das „gefährliche Teil“ gesteckt werden müssen... auch hier seht ihr mein Dilemma. Ich stecke – gedanklich – fest.

Ich möchte das nicht mehr. Habe eine Überweisung zur Psychotherapie, aber die meisten Psychologen sind überlaufen und haben Wartezeiten von bis zu 1 Jahr. Stehe nun auf 4 Wartelisten. Und hoffe, dass die 3. ambulante Therapie so hilft, dass ich nicht mehr unter dieser Krankheit leide.

Haltet ihr das für möglich, nach einer so lange andauernden Krankheitsgeschichte? Besserung wäre ja auch schon prima, wenn Heilung nicht drin ist...

Viele Grüße
Der Wissenschaftler

26.01.2014 07:45 • 26.01.2014 x 1 #1


2 Antworten ↓


Herzlich willkommen im Forum Wissenschaftler.
Ich habe auch eine Angststörung und bin mir sicher, das du mit einer 3. Therapie deine Angstgedanken und die Suche nach Gefahrenquellen gut wieder in den Griff bekommen kannst. Heilung halte ich persönlich für ausgeschlossen. Aber eine Besserung ist auf alle Fälle drin... Gibt es einen Auslöser für deine jetzige Labilität? Manchmal sind diese Auslöser auch versteckt...

26.01.2014 08:03 • #2


Hallo Salome_79,

ich bin nicht sicher, ob es der Auslöser ist, aber seit der Geburt meines Sohnes habe ich natürlich erheblich weniger Zeit für mich selber. Ich verbringe gerne Zeit mit ihm, er ist ein toller Kerl! - Genau diese Zeit hatte ich aber natürlich vorher zur Verfügung, um andere Dinge zu tun, die jetzt vielleicht ein wenig kurz kommen.

Ein zweiter wichtiger Punkt könnte sein, dass ich auf der Arbeit wieder etwas gelangweilt bin. Die Aufgaben sind nicht herausfordernd genug.

Im Ergebnis bewege ich mich also im Spannungsfeld zwischen privatem Stress und beruflicher Langeweile.

viele Grüße,
Wissenschaftler

26.01.2014 14:18 • x 1 #3




Mira Weyer