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Hallo zusammen

Erst einmal möchte ich mich ein wenig vorstellen. Ich bin weiblich, 41 Jahre alt, Mutter und verheiratet. 2013 begann es das ich langsam und schleichend nicht mehr vor die Tür mochte. Immer wenn ich Raus musste, zum Einkaufen oder spazieren gehen, bekam ich fürchterliche Symptome. Anfangs nur Herzrasen und Schwindel. Später dann sogar Schlaganfall Symptome. Einmal war es so schlimm das ich sofort auf die Stroke Unit kam und insgesamt 14 Tage in der Klinik blieb um alles auszuschließen. das war im Sommer 2014. Ich hatte fürchterliche Angst obwohl nichts gefunden werden konnte. Gerade raus aus der Klinik, zack in die nächste. Weil ich dachte die Ärzte hätten etwas übersehen. Ich wollte Gewissheit. So ging es bis zum Herbst. Ende 2014 bin ich in eine Klinik für Psychosomatik gegangen. Dort wurde mir klar das es die Psyche ist.

Diagnosen: Agoraphobie (wobei ich gern Menschen um mich habe. Wenn ich umfalle oder mir draußen was schlimmes passiert, wird wohl von 100 Leuten einer einen Rettungswagen rufen. So meine Gedanken dazu)
Generalisierte Angststörung/mit gelegentlichen Panikattacken
Es hat mir sehr geholfen und ich bin nach wie vor in ambulanter Therapie. Dennoch werde ich meine Ängste nicht los. Ich habe immer Angst vor Krankheiten. Hab ich Kopfschmerzen - Gehirntumor. Hab ich Herzrasen oder Schmerzen - Herzinfarkt. Habe ich Taubheitsgefühle einseitig - Schlaganfall. Hab ich Schwindel - falle ich gleich tot um. .

Am liebsten würde ich dann immer sofort in die nächste Klinik rennen und mich durchchecken lassen. Es ist furchtbar schlimm diese Ängste nicht in den Griff zu bekommen. Einerseits sage ich mir dann immer das wirklich alles untersucht wurde und ich nichts habe und andererseits kommen dann Gedanke wie, ja aber weil vor 2 Jahren alles gut war, muss es ja jetzt nicht alles gut sein. Vielleicht ist es ja jetzt doch ein....(Schlaganfall usw.)

Ich hoffe hier auf ein paar Gleichgesinnte zu treffen um sich gegenseitig etwas zu unterstützen und Erfahrungen auszutauschen.

Liebe Grüße
Little-Dreamer

23.04.2020 13:25 • 10.05.2020 #1


34 Antworten ↓


Hotin
Hallo Little-Dreamer,

willkommen hier im Forum.

Bestimmt findest Du hier eine große Zahl von Usern, denen es ähnlich geht wie Dir.

Die Angst vor Krankheiten steht fast immer stellvertretend für eine andere Angst.
Dadurch lässt sie sich so schlecht beseitigen und natürlich erst recht gar nicht finden.

Schließlich bist Du bestimmt schon zigmal untersucht worden und nie wurde etwas
Schlimmes gefunden.
Somit bleibt die Frage. Was war damals um das Jahr 2013 herum? Hat sich damals etwas
wichtiges in Deinem Leben verändert?
Und weiter. Wie ist es um Dein Selbstbewusstsein bestellt? Kannst Du Deine Meinung gut vertreten?
Fühlst Du Dich privat ernst genommen und auch wichtig?
Hast Du genug Freizeit? Womit entspannst Du Dich am liebsten?
Und wie viele Stunden täglich schläfst Du etwa?

Viele Grüße

Bernhard

23.04.2020 13:41 • x 1 #2


Hallo Bernhard,

also meine Ängste kommen aus meiner Kindheit. Was genau der Auslöser war konnten wir bisher noch nicht genau definieren. Aber es hat ganz sicher mit meiner Kindheit und meinen Eltern zu tun.

Und nein, bisher wurde nichts schlimmes gefunden. Das stimmt. Dennoch bleibt die Angst. Weil was gestern gut war, kann heute schon anders sein,....
2013 war nichts Besonderes. Was um diesen Zeitpunkt herum das alles ausgelöst hat weiß ich nicht. Wie gesagt weiß ich das die Ursache in meiner Kindheit liegt.

Mein Selbstbewusstsein ist gut. ich bin wirklich zufrieden mit mir. Kann meine Meinung vertreten und mache es auch. Ich lasse mich nicht unterbuttern o.ä. falls Du das meinst. ich bin unabhängig, habe mein eigenes Geld und bin somit auch nicht abhängig von meinem Mann. Unsere Ehe läuft super. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben.
Ich meditiere regelmäßig und schlafe etwa 7 Stunden.

Das Problem ist halt das ich wirklich ein Haufen verschiedener Symptome habe, die immer plötzlich kommen. Also nicht langsam schleichend, sondern zack - sind sie da. Wenn ich dann Taubheitsgefühle z.B. habe, die dann einseitig sind, bekomme ich sofort Angst vor einem Schlaganfall. Vom Kopf her ist das alles klar das ich nichts haben kann. Aber emotional sieht es leider anders aus.

Liebe Grüße

23.04.2020 14:54 • x 1 #3


Hotin
Hallo Little-Dreamer,
Zitat:
meine Ängste kommen aus meiner Kindheit. Was genau der Auslöser war konnten wir bisher noch nicht genau definieren. Aber es hat ganz sicher mit meiner Kindheit und meinen Eltern zu tun.


Dann solltest Du möglichst mit jemandem, der Dir ein gutes Feedback gibt, beispielweise ein
Gesprächstherapeut, mal nach möglichen Auslösern aus der Kindheit suchen.

Zitat:
Das Problem ist halt das ich wirklich ein Haufen verschiedener Symptome habe, die immer plötzlich
kommen. Also nicht langsam schleichend, sondern zack - sind sie da.


Viele Symptome, die auch noch fast immer plötzlich kommen sprechen fast eine sehr deutliche Sprache.
Vielleicht ist ja wirklich fast alles in Ordnung, wie Du es beschreibst.
Bist Du eine 100%ige? Überlastest Du Dich oft? Kennst Du Deine Grenzen gut?
Oder powerst Du Dich zu oft aus? Treten die Symptome bei Belastung auf, oder mehr,
wenn Du Dich entspannst?

Zitat:
Vom Kopf her ist das alles klar das ich nichts haben kann. Aber emotional sieht es leider anders aus.


Wenn Du sagst, Dein Selbstbewusstsein ist gut. Wie ist es dann möglich, dass Du bei jedem neuen Symptom
sofort unsicher wirst und an eine Krankheit glaubst? Wie kommt es zu diesem Widerspruch?
Warst Du früher oder war jemand in eurer Familie mal schwer krank?
Oder warst Du früher zuhause überbehütet und kanntest nur wenig Probleme?

Irgendwo wird ein Grund liegen. Den kannst nur Du allein finden.

23.04.2020 15:53 • #4


Lieber Bernhard,

ich schrieb doch das ich schon lange in Therapie bin. Aber bisher konnten wir den genauen Auslöser nicht finden. Wir sind auf der Suche. Einiges ließ sich bereits herausfinden aber eben nicht alles.

Ich überlaste mich tatsächlich sehr oft. Ich gehe oft an meine Grenzen. Ich kann auch zum teil nicht alles stehen und liegen lassen. Ich habe ein Kind. Da kann ich nicht immer so planen wie ich es gern hätte. Da kommt auch mal etwas dazwischen.

Die Symptome treten unabhängig von Belastung oder Ruhe auf. Es ist wechselnd.

Ich weiß nicht woher diese Unsicherheit kommt. Wenn ich es wüßte wäre ich schon 10 Schritte weiter. Woher soll ich wissen was ich nicht weiß?

Es gab zu hause sehr viele Probleme. Überbehütet? Eher im Gegenteil. Schwer krank war bei uns niemand. Zumindest nicht das ich wüßte.

Wie gesagt bin ich schon lange in Therapie und habe mich hier angemeldet um mich austauschen zu können. Zu sehen ob es noch mehr Menschen gibt die das selbe erleben wie ich. Ich möchte einfach Erfahrungen austauschen oder sich Gegenseitig etwas Mut machen und beruhigen. Verstehst Du was ich meine?

Liebe Grüße

23.04.2020 16:23 • x 1 #5


Hotin
Zitat:
Ich überlaste mich tatsächlich sehr oft. Ich gehe oft an meine Grenzen.


Was treibt Dich so an, dass Du sehr oft an Deine Grenzen kommst?
Wem willst Du damit etwas beweisen. Dir selbst oder wem sonst?
Kannst Du Dir vorstellen, dass dieses häufige Überlasten irgendwo seine Spuren
hinterlässt?

Ich denke ich verstehe schon, was Du meinst. Wenn allerdings keine
Krankheiten da sind, wird es irgendetwas anderes sein, was Dich nicht so richtig
zufrieden werden lässt.
Wie Du Dich entspannst, dazu hast Du gar nichts gesagt. Gibt es für Dich keine Entspannung?
Gibt es etwas, was Du nur für Dich alleine machst?

23.04.2020 18:35 • #6


Doch ich sagte, ich meditiere regelmäßig.
Ich will niemandem etwas beweisen. Es ist der Alltag mit meinem Kind der sehr anstrengend ist.
Mein Kind bringt mich oft an meine Grenzen. ADHS. Das ist nicht leicht. Ich habe 1x pro Woche Therapie, mein Kind 1x pro Woche einen anderweitigen Termin. Dann der normale Alltag. Haushalt, Einkauf, Hausaufgaben, Essen kochen, Wäsche,....Mein Mann hilft mir sehr viel nach der Arbeit. Wir teilen das gut weil ich auch arbeite. Aber es bleibt wenig Zeit übrig. Ich gehe noch 1x pro Woche zum Yoga. Abends bin ich völlig erledigt und bin froh wenn ich in mein Bett komme. Ab und zu ist unser Kind mal bei meiner Schwester damit wir mal relaxen können. Aber das ist selten. Mir fällt es auch schwer richtig zu entspannen. Ich habe immer viel Alltag im Kopf was noch alles erledigt werden muss usw.
Meine Mutter war nie für mich da. Ich will für mein Kind (6) da sein. Mein Mann sagt auch immer ich soll mehr für mich tun. Aber wir sehen uns auch nicht oft durch die Arbeit. Da bin ich froh wenn wir Abends noch 2 Stunden für uns haben. Ich genieße ja die Zeit mit ihm. Aber ich mache Yoga wie gesagt einmal in der Woche am Abend. Und Meditation.

23.04.2020 19:48 • x 2 #7


Hotin
Hallo Little-Dreamer,


danke für Deine umfangreichen Antworten. Zunächst werden ich mal keine weitere
Fragen stellen.
Ich denke, Dir könnte helfen, wenn Du mehr Zeit für Dich zum echten Entspannen
hättest. Yoga und Meditation sind sicher zur Entspannung gut geeignet.
Nur frage ich mich, ob diese Arten von Entspannung im Grunde nicht vor allem dazu dienen,
noch besser für die Familie funktionieren zu können.
Damit möchte ich Dich aber nicht in eine falsche Richtung führen.
Da auch Dein Mann empfiehlt, Du solltest mehr für Dich tun, würde ich mit Deiner Therapeutin mal über
dieses Thema sprechen.
Es ist toll, wenn Du für Dein Kind und die Familie alles gibst. Aber wo bleibst Du?

Viele Grüße

Bernhard

23.04.2020 20:49 • #8


Es ist ja nicht so das ich nur das mache. Natürlich treffe ich mich auch mit Freundinnen o.ä.
Aber mein Tag ist so voll das ich kaum Zeit finde. Das stimmt schon. Ich arbeite von 8 bis 12, komme nach Hause, Hausaufgaben mit meinem Kind und dann Termine wie Therapie z.B. oder Arzt etc., Einkauf, Haushalt usw. oder ich bin am Nachmittag anderweitig mit unserem Kind beschäftigt. Spielen, in unserem Garten arbeiten, Unternehmungen oder wir bekommen Spielbesuch. Also ganz normal halt. Abends essen kochen, wenn mein Mann länger arbeitet. Sonst macht er das wenn er zeitig zu Hause ist. Und dann macht er noch kleine Dinge die liegen geblieben sind. 20 Uhr schläft unser Kind und gegen 22/23 Uhr gehen wir schlafen. Der Wecker klingelt bei mir um 5.30 Uhr. Und dann geht's weiter wie gehabt. Mein Therapeut weiß davon. Aber ich finde für mich keine Lösung. Abends um 20 Uhr noch etwas machen,.....dazu fehlt mir dann auch echt die Energie. Es ist nicht stressig. Aber es ist viel. Stressig ist es hin und wieder wegen ADHS bei unserem Kind. Oma und Opa haben wir leider nicht mehr. Nur noch einen Opa. Aber der ist schon 91Jahre alt. Und meine Schwester arbeitet Vollzeit mit Kind. Mit Familie im Hintergrund, gäbe es sicher etwas mehr Luft im Alltag. Es ist ein bisschen wie ein Hamsterrad.

Es ist aber nicht so das ich erst Angst bekomme wenn Symptome da sind. Ich glaube das hast Du missverstanden. Ich habe generell Angst schwer krank zu sein oder eine schlimme Erkrankung zu bekommen. Wenn dann Symptome auftreten, bekomme ich regelrecht Panik und würde am liebsten zum nächsten Arzt rennen. Die Ängste sind das schlimmste für mich. Sie begleiten mich 24 Stunden am Tag.

24.04.2020 08:22 • #9


Jules80
Hallo Little Dreamer,

Ich kann Dich sehr sehr gut verstehen. Ich habe 2 Kinder ( 15 und 17 ) beider psychisch belastet die große wegen mobbing davon hat sie ein Trauma und der große auch durch Akne sehr sehr stark und schmerzvoll mit Depressionen und starkem ads. Ich kenne den Spagat zwischen Alltag und Ruhepausen für mich sehr gut und weiß das da wenig Platz ist. Gab es bei Dir Todesfälle oder schwere Krankheiten die Dich belastet haben ? So fing es bei mir vor 13 Jahren an. Es sind verlustängste und Hypochondrie und Angst und Panik. Ich kenne das wenn man denkt man bekommt gleich einen Herzinfarkt weil die Brust so spanne rtw 5 mal gerufen alles super mein Herz könnt bis heute nicht besser sein.... super das Du Yoga und Therapie machst das ist doch mal was ! Ich kann Dir den Tipp geben immer mal wenn Du kannst ne Pause zu machen. Ist Dein Sohn bei der ergo warte dort und lese ein Buch. Sind Freunde von Deinem Sohn da dann entspann 30 min auf dem Sofa im Garten oder rufe eine Freundin an oder schreib hier. Kauf Dir ein Mandala Malbuch für Erwachsene und Stifte ( es sind dann nur Deine Stifte ) und immer wenn Du denkst okay jetzt kommt ne Attacke dann malst Du in dem Buch und wenn es nur 5 min sind

Kopf hoch Du schaffst das Du bist stark und brauchst einfach nur paar Pausen am Tag. Vielleicht könnte Dein Sohn auch in der Schule wenn alles wieder normal ist dort die Hausaufgaben machen und Mittag essen. Dann hast Du nach der Arbeit bisschen Zeit für Dich ( einkaufen oder kurz entspannen und Dein Sohn hat Spaß und kann mit seinen Freunden sein. )

Wenn die Panik kommt empfehle ich Dir Skills ( die 5 Sinne anzuwenden ) ein Sinn reicht aber es hilft

Ganz viel Kraft und lieb umärmelt

24.04.2020 08:45 • x 1 #10


Vendetta1981
Zitat von Little-Dreamer:
Es ist aber nicht so das ich erst Angst bekomme wenn Symptome da sind. Ich glaube das hast Du missverstanden. Ich habe generell Angst schwer krank zu sein oder eine schlimme Erkrankung zu bekommen. Wenn dann Symptome auftreten, bekomme ich regelrecht Panik und würde am liebsten zum nächsten Arzt rennen. Die Ängste sind das schlimmste für mich. Sie begleiten mich 24 Stunden am Tag.


Ich denke, dass genau hier auch dein Grundproblem liegt. Du vertraust weder deinem Körper, noch dem Urteil der Ärzte. Das geht sehr vielen Angstpatienten so. Man hat sich ein Verhalten angewöhnt, alles infrage zu stellen und mit jedem Mal in an dem ein Symptom auftritt, verschärft sich aufgrund der Bewertung der Zustand. Jedes Symptom bestätigt deine Grundangst an etwas zu leiden, obwohl die Symptome ansich keine Krankheit darstellen sondern ein Symptom deiner Angsterkrankung. Das läuft im Endeffekt auf die Henne oder Ei Frage hinaus, was jetzt das Problem ist. Habe ich Angst und produziere daraufhin diese Symptome oder kommen die Symptome und habe daraufhin Angst, weil die Symptome aus heiterem Himmel und ohne Angstgefühl entstehen.

Dazu gesellt sich noch ein weiteres Problem. Mit jedem Auftreten der Symptome ist man völlig überzeugt, dass es jetzt soweit ist. Jetzt ist der Schlaganfall da, jetzt der Herzinfarkt usw. Eigentlich hat man Symptom X schon 100 mal erlebt und trotzdem fühlt es sich immer wieder neu und bedrohlich an.

Die Einordnung wie sich das zusammensetzt, muss gelernt werden. Wenn man das versteht und damit meine ich nicht das Verstehen im Sinne von das Gesagte zu verstehen sondern deine Gefühle zu verstehen, baut sich auch wieder ein Grundvertrauen auf. Die Sorgen und Skepsis sind bis ins Unterbewusstsein eingedrungen und bestimmen von dort deine Gedanken.

Ich würde dir gerne ein paar Tipps mitgeben, vielleicht helfen sie dir:

1. Du bist gesund. Dieser einfache Satz sollte dir jeden Tag vor Augen sein. Das kann in Form eines Gegenstands sein, der dich an diesen Satz erinnert. Du kannst es dir auch selbst sagen. Hauptsache ist, du wiederholst diesen Vorgang immer wieder. Das ist wichtig zur Durchbrechung des Denkmusters.

2. Akzeptiere dass du eine Krankheit hast, die sich nicht mit Medikamenten bekämpfen lässt sondern nur durch eine Änderung deiner Herangehensweise und den Umgang mit deinen Symptomen. Die am Anfang undefinierte Angst, führte zu einem Symptom. Dieses Symptom hast du als bedrohlich empfunden und damit eine Angst als etwas Begründetes definiert. Dieser Vorgang hat sich immer weiter entwickelt und hat sich mit jedem Symptom gesteigert. Die fortwährende Bestätigung der Ängste produziert neue und wiederkehrende Symptome. Diese wiederum steigern die Angst. Das ist ein Pingpong Spiel aus gegenseitiger Bestätigung.

3. Lege dir ein Symptomtagebuch an. Angstpatienten produzieren eine Vielfalt an Symptomen und auch wenn der 100ste Stich in der Herzgegend auftritt, so erscheint es einem wie das erste Mal. So eine Liste kann dir helfen die Angst zu nehmen, weil du weißt dass du genau das bereits erlebt und überlebt hast. Damit behälst du den Überblick über das Geschehene.

4. Erwarte keine Wunder. Eine Angsterkrankung baut sich über einen langen Zeitraum auf und bis man begreift, dass man gesund ist und es lediglich Angst ist vergeht eine ganze Zeit. Eine Angststörung zu behandeln benötigt Zeit und es gibt immer wieder Rückschläge. Je länger das ganze geht, desto länger dauert auch der Heilungsprozess. Daher ist es wichtig, so früh wie möglich daran zu arbeiten, seinen Angstkreislauf zu durchbrechen. Rückschläge lassen sich nicht vermeiden. Es wird immer mal einen Tag oder zwei geben an denen die Symptome stärker sind. Diese Tage könntest du als eine Art "Test" sehen. Wie du dich an genau diesen Tagen verhälst, sagt aus wie weit du bereits im Akzeptanzprozess gekommen bist.

5. Schaff dir Denkpausen. Sich vom psychischen Stress zu erholen ist sehr wichtig. Aber es ist keine Heilung. Die symptomfreie Zeit soll dir zeigen, dass du fähig bist problemlos durch den Tag zu kommen und deine Zweifel an deiner Gesundheit lindern, nicht mehr und nicht weniger.

Alles Gute.

24.04.2020 09:41 • x 3 #11


Hallo Jules 80,

Dankeschön. Es tut gut mal zu lesen das es icht nur mir so geht!
Ja, Verlustängste und Hypochondrie und Angst und Panik habe ich auch. Herzneurose kenne ich nur zu gut.
Ja, es ist nicht immer leicht im Alltag zwischen Job und Familie.
Ich versuche schon seit langem, alles mögliche liegen zu lassen. Ich lese auch sehr gern was ich natürlich zwischendrin auch mache. Bei uns in der Schule gibt es leider kein Mittagessen welches dort angeboten wird. Und eine andere schule kommt nicht in Frage weil diese einfach zu weit weg für ein 6 Jähriges Kind. (30Km)
Wenn ich dann noch hin und her fahren soll, zwischen Arbeit und Schule, wird es noch schwieriger und ich hätte noch weniger Zeit durch die Fahrerei.
Danke für Deine lieben Worte.

Liebe Grüße an Dich.

24.04.2020 10:03 • x 1 #12


Hallo Vendetta1981,

Vielen herzlichen Dank. Jedes Wort von Dir, würde ich unterschreiben.
Du hast Recht. Absolut.
Deine Tipps sind wirklich toll. Danke.
Das mit dem Symptom-Buch finde ich prima! Auf diese Idee bin ich noch gar nicht gekommen.
Vielen lieben Dank für Deine Ausführliche Nachricht. Es ist wirklich wie Huhn und Ei.
Ich habe wirklich vieles schon 100 mal erlebt und doch immer wieder Angst. Das stimmt.

Ich habe auch div. anderer Erkrankungen die mich belasten. Zum einen HWS und LWS, jeweils schon eine OP gehabt, Borreliose 2018, Hauterkrankung Couperose, Gallen OP 2019 - musste plötzlich raus weil ich von jetzt auf gleich eine sehr schlimme Gallenblasenentzündung bekam, und dann die Psyche halt. Von Agoraphobie mit Panik, über Panikattacken, Verlustängste, Hypochondrie. Das ist schon ein Paket welches ich mit mir herum trage.

Ich weiß nicht was der Auslöser war. Außer das mein Opa, als ich 23 war gestorben ist, der mir sehr sehr wichtig war, ist nichts weiter passiert. Meine Oma strab 2018, aber da war ich ja schon lange mit meinen Ängsten beschäftigt. Aber meine Kindheit war alles andere als gut. Das ist die Ursache. Das weiß ich mittlerweile. Nur ändert das Wissen ändert nichts an meinen Ängsten. Aber die Idee mit dem Buch werde ich auf jeden fall versuchen!

Vielen Dank und liebe Grüße an Dich

24.04.2020 10:13 • x 1 #13


Hotin
Zitat:
Es ist aber nicht so das ich erst Angst bekomme wenn Symptome da sind. Ich glaube das hast Du missverstanden.
Ich habe generell Angst schwer krank zu sein oder eine schlimme Erkrankung zu bekommen.


Du hast Recht, ich hatte es ein wenig anders aufgefasst.
Im Grunde ändert dies aber nicht sehr viel daran.
In unserer teilweise fast perfekten Welt haben wir alle ein wenig Angst, eine schlimme
Erkrankung zu bekommen. Weil dann können wir das hohe Niveau, auf dem wir leben nicht
mehr halten.
Dir scheint ein wenig die innere Sicherheit zu fehlen, dass Dir nichts passiert.
Diese Sicherheit versuchst Du Dir immer wieder mal von einem Arzt zu holen.
Viel einfacher kannst Du Dir diese Sicherheit mit der Zeit selbst geben.
Wie oft redest Du mit Dir selbst?
Ich rede ständig mit mir selbst. Dies mache ich, weil ich etwas brauche, was die Ängste, welche
aus dem Unterbewusstsein immer wieder hochkommen, klein hält.
Wir denken mit unserem Bewusstsein. Das funktioniert aber nur sehr langsam.
Damit wir schnell denken und handeln können, nehmen wir deshalb beim Denken überwiegend
bereits Vorgedachtes aus unserem Unterbewusstsein. Unser Unterbewusstsein denkt aber nicht.
Es ist wie ein Vorratskeller.
Und da liegt bei Dir aus irgendwelchem Grund die von Dir beschriebene Angst vor dem Krankwerden.
Diese Angst kannst Du nicht einfach löschen. Sie liegt halt da.
Du kannst das aber auf andere Weise lösen. Du kannst neben dieses Angstgefühl ein
Sicherheitsgefühl in Dein Unterbewusstsein selbst einspeichern. So etwas funktioniert, wenn Du Dir,
so oft wie möglich selbst Sätze sagst, die Du selbst glaubst und regelrecht auswendig lernst,
Was Du auswendig lernst, dass speicherst Du automatisch im Unterbewusstsein.
Auf diese Weise hast Du Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt.
Also kannst Du auf diese Weise auch lernen mit weniger Ängsten zu leben.
Solche beruhigenden Sätze können sein.

Ich brauche keine Angst davor zu haben krank zu werden. Mir wird nichts passieren.
Sollte ich mal krank werden, wird mir mein Körper das rechtzeitig eindeutig zeigen.
Mit unserer guten medizinischen Versorgung werde ich im Notfall alles wieder hinbekommen.
Ständig wechselnde Symptome scheinen etwas von Überlastung zu zeigen.
Ich werde versuchen mehr Ruhephasen in meinen Alltag einzubauen.
Bei einer Krankheit muss ich nicht sofort reagieren. Es reicht, wenn ich das erst einmal
tagelang beobachte. Erst wenn ich etwas einem Arzt genauestens beschreiben kann,
weil es ständig da ist, lohnt es sich zum Arzt zu gehen.

Bilde auch eigene Sätze

Gelingt es Dir, solche beruhigenden Sätze in Dein Unterbewusstsein einzuspeichern,
hast Du nach einiger Zeit sowohl die Krankheitsängste, als auch die Beruhigungen in Deinem Unterbewusstsein.
Das sollte Dir helfen innerlich ruhiger zu werden.
Bevor Du Dich von einem Arzt beruhigen lässt, kannst Du Dich immer erst einmal selbst beruhigen.
Erst wenn Du sicher bist, dass irgendetwas dauerhaft nicht normal
verläuft, lohnt sich dann ein Weg zum Arzt.

Wie Jules80 denke ich auch. Nichts hilft besser, als wenn Du in Deinen Alltag immer wieder
Pausen einbaust. In dem, von Dir beschriebenen Laufrad ist es schwierig, Dich selbst
zu spüren und zu lenken. Dies Art von Selbstreflektion benötigen wir jedoch, um
innerlich ausgeglichen zu werden. Und um uns selbst zu reflektieren, benötigen wir
neben anderen Dingen viel, viel Zeit.
Der Mensch ist nicht dafür geschaffen von morgens bis zu Schlafengehen zu funktionieren.

24.04.2020 10:20 • x 5 #14


Jules80
Das hast Du sehr schön geschrieben Hotin !

24.04.2020 10:24 • #15


Hotin
Zitat von Jules80:
Das hast Du sehr schön geschrieben Hotin !


Vielen Dank.
Ich freue mich immer, wenn es ungefähr verstanden wird, wie unser Denken funktioniert
und dass wir uns selbst viel Gutes tun können, wenn wir uns selbst beruhigen.

24.04.2020 10:28 • x 1 #16


Vielen lieben Dank!
Sehr gut geschrieben! Danke Dir.

24.04.2020 11:56 • x 1 #17


Guten Morgen, ich bin heute Nacht durch ein Stechen in meinem Kopf wach geworden. Auch ist mir Nachts manchmal schlecht und ich habe Bauchschmerzen. Sind das Anzeichen von einem Gehirntumor?

07.05.2020 07:31 • #18


Calima
Nein. Eher von zu spätem/ zu vielen/ falschen Essen, Unglücklicher Schlafposition, Stress, zu wenig Bewegung und daraus resultierenden Verspannungen oder einer Unverträglichkeit. Vielleicht auch ein Magen-Darm-Infekt.

Gehirntumore machen keine Bauchprobleme, falsche Körperregion .

07.05.2020 07:55 • x 2 #19


Zitat von Calima:
Nein. Eher von zu spätem/ zu vielen/ falschen Essen, Unglücklicher Schlafposition, Stress, zu wenig Bewegung und daraus resultierenden Verspannungen oder einer Unverträglichkeit. Vielleicht auch ein Magen-Darm-Infekt.Gehirntumore machen keine Bauchprobleme, falsche Körperregion .

Und das Stechen im Kopf ? Sorry bin gerade echt am durchdrehen

07.05.2020 08:18 • #20




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