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Bishou
Mein ursprünglicher Beitrag war wohl etwas zu lang. Zumindest habe ich keine Antworten erhalten; dabei wäre ich wirklich froh über eine außenstehende, neutrale Meinung. Generalisierte Angsstörung oder einfach nur normale oder etwas stärkere Ängstlichkeit? Oder fällt euch etwas ganz anderes dazu ein? Ich fasse die im ursprünglichen Beitrag genannten Beschwerden 'mal zusammen:

- schon als Kind und bis heute Angst im Dunkeln (ungutes Gefühl, Nervosität, sobald es Dunkel wird; auch Angst davor, dass in der Nacht die Angst wiederkommt)
- Angst vor der Angst, vorm Erschrecken, Angst, dass ich wieder in eine Angstphase gerate, die mich behindert

(die beiden ersten treten dauernd - wenn auch in verschiedenem Ausmaß - auf und das schon seit ich mich zurückerinnere)

- Angst um Familienangehörige, meinen Freund
- seit einigen Monaten extreme Angst vor Krankheiten (Tollwut, grüner Star, Tumor, Herz~, ...), vorher nie um Krankheiten gesorgt, erst im äußersten Fall zum Arzt gegangen; häufig Angst (im Schlaf) zu sterben

Diese Angst begleitet mich, wie gesagt, schon mein ganzes Leben, allerdings gibt es gute Phasen und schlechte Phasen, die immer jeweils ein paar Monate andauern und sich abwechseln.

Besonders in Stress-Phasen (Uni (!), Familienstreit, viele Verpflichtungen, ...) kommen die schlechten Phasen zu Tage.


Ich habe Montag sowieso einen Termin beim Arzt und möchte ihn fragen, ob er mich zum Psychologen überweist (das muss man doch, damit die Krankenkasse das zahlt, oder? Habe damit keine Erfahrung.). Aber es würde mir helfen, wenn ich vorher noch eine andere Meinung (außer meiner eigenen und der meines Freundes, der das mehr oder weniger nicht ernst nimmt) hören könnte!

Danke an alle, die antworten!



Hier nochmal der ursprüngliche Beitrag:

Zitat:
Hallo, Leute!

Ich bin jetzt 21 und die Angst ist eigentlich schon mein ganzes Leben lang mein treuer Begleiter. Ich kann mich nicht daran erinnern, für längere Zeit keine Angst gehabt zu haben. Schon als kleines Kind hatte ich furchtbare Angst im Dunkeln. Nachdem sich mein Bruder mit 2 Jahren einmal in der Fußgängerzone verlaufen hatte (meine Eltern haben ihn stundenlang gesucht - so kam es mir damals zumindest vor), wollte ich ihn aus Angst, es würde nochmal so etwas passieren, nicht mehr alleine in den Garten gehen lassen. Das ging irgendwann weg. Die Angst im Dunkeln (bzw. ein ungutes, sehr unruhiges Gefühl) ist bis heute ein großes (peinliches) Problem.
Ich habe auch Angst vor Geistern oder ähnlichem. Ich weiß, das hört sich bescheuert an. Aber das macht mich nachts fertig ... Ich habe schon von vielen Bekannten Geschichten über solche Dinge gehört und dann kommt mir manchmal der Gedanke, wenn ich nachts die Augen aufmache, taucht plötzlich etwas vor meinem Gesicht auf (wie in einem Horro-Film). Das ist so eine intensive Angst, dass ich mich manchmal zusammenkauere und es lange braucht, bis ich mich dazu überwinde, mich wieder zu bewegen. Ich denke, hier spielt vorallem mit 'rein, dass ich Angst vor dem Schreckmoment habe (Angst vor der Angst). Ich glaube eigentlich nicht daran, dass es böse Geister gibt, die uns etwas antun wollen ...
Das ist die schlimmste direkte Angst. Also, eine richtige Panik, würde ich sagen.
Dann gibt es aber noch diese Ängste, die ich als extreme Sorgen bezeichnen würde. Im Moment rede ich mir vorallem alle möglichen Krankheiten ein. Ich habe Mouches Volantes auf dem Auge (die total harmlos sind) und habe zwischendurch Angstattacken, weil ich denke, ich habe einen Tumor im Hirn oder grünen Star oder was weiß ich! Ich hatte letztens Druck auf der Brust (und mein Hausarzt hatte Mittagspause! Katastrophe!) und habe letztendlich den Notarzt gerufen. Die wollten mich natürlich nicht mitnehmen ... Ich freue mich eigentlich jeden morgen, dass ich noch lebe. Ebenso mache ich mir Gedanken, dass meiner Familie oder meinem Freund etwas Schlimmes geschehen könnte (Krankheiten, Schaden durch andere Personen, ...). Das war schonmal so schlimm, dass ich häufig um 3 Uhr nachts meine Mutter angerufen habe, um zu hören, ob alles in Ordnung ist (die Arme!).

Dabei weiß ich ja, dass es krankhaft ist, dass es keine rationalen Sorgen sind! Aber was wäre wenn ...? Das denke ich dann immer.

Die Einschränkungen sind bei mir - im Vergleich zu anderen - glaube ich, noch relativ gering. Zwischendurch habe ich schlimme Phasen von Schlafmangel (im Moment habe ich das halbwegs unter Kontrolle). Oft überwinde ich mich einfach, etwas zu tun, wovor ich Angst habe (z.B. durch einen dunklen Park gehen), was aber nicht unbedingt zur Folge hat, dass ich erleichtert aufatme und sage: Ach, war ja gar nicht so schlimm! Manchmal steigert es die Panik noch. Das kommt immer drauf an.

Ich habe außerdem ein großes Problem damit, mich auf andere (Ärzte, Freunde, Eltern, ...) zu verlassen!

Wie gesagt, dauert dieses Phänomen schon mein gesamtes Leben an. Allerdings nicht durchgängig. Ich habe gute Phasen und schlechte Phasen, die meist ein paar Monate andauern und sich abwechseln.

Eine Therapie habe ich noch nicht gemacht. Ich habe es mit Mantra und sowas versucht, aber ich glaube, bei mir helfen nur noch die harten Sachen. Wink (Damit meine ich jetzt nicht Tabletten, etc.)

Was meint ihr? Generalisierte Angststörung oder doch etwas anderes? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

11.07.2008 20:45 • 14.07.2008 #1


5 Antworten ↓


Christina
Hallo Bishou,

ja, das klingt ganz nach Generalisierter Angststörung, v.a. das hier:
Zitat von Bishou:
Ebenso mache ich mir Gedanken, dass meiner Familie oder meinem Freund etwas Schlimmes geschehen könnte (Krankheiten, Schaden durch andere Personen, ...). Das war schonmal so schlimm, dass ich häufig um 3 Uhr nachts meine Mutter angerufen habe, um zu hören, ob alles in Ordnung ist (die Arme!).


Das Folgende spricht eher für phobische Ängste, die Du vielleicht aus irgendeinem Grund aus der Kindheit mitgenommen hast. In der Kindheit selbst sind solche Ängste eher normal.
Zitat von Bishou:
- schon als Kind und bis heute Angst im Dunkeln (ungutes Gefühl, Nervosität, sobald es Dunkel wird; auch Angst davor, dass in der Nacht die Angst wiederkommt)
- Angst vor der Angst, vorm Erschrecken, Angst, dass ich wieder in eine Angstphase gerate, die mich behindert


Das wiederum sind Krankheitsängste:
Zitat von Bishou:
- seit einigen Monaten extreme Angst vor Krankheiten (Tollwut, grüner Star, Tumor, Herz~, ...), vorher nie um Krankheiten gesorgt, erst im äußersten Fall zum Arzt gegangen; häufig Angst (im Schlaf) zu sterben
Und die sind eng verwandt mit Zwangsstörungen.

Da es Dich belastet und sogar schon Deiner Mutter den Schlaf geraubt hat , darf man sicher von krankhaft sprechen. Es scheint doch über normale oder etwas stärkere Ängstlichkeit hinauszugehen. Dass es immer schon so war, hat m.E. nicht so viel zu sagen, bestätigt nur, dass es Menschen gibt, die anlagebedingt ängstlicher sind als andere. Diese Geistergeschichte kenne ich übrigens. Mir hatte - mit 21 und in der ersten eigenen Wohnung - damals der Film Poltergeist abends und nachts richtig ungute Gefühle beschert, obwohl ich eigentlich keine Angst im Dunkeln hatte. Das hat sich aber ausgewachsen...

Bei Deinen Ängsten zu unterscheiden und sie nicht einfach unter krankhafte Angst zusammenzufassen, hat den Grund, dass sie streckenweise unterschiedlich behandelt werden. Bei der Generalisierten Angststörung muss man lernen, das ständige sich Sorgen zu stoppen. Oft müssen auch Beschwerden behandelt werden, die aus der chronischen Anspannung entstehen (Kopfschmerzen, Verspannungen, Schlaftstörungen). Bei den phobischen Ängsten muss man lernen, die Angst auszuhalten und sich zu konfrontieren. Bei den Krankheitsängsten wird es darum gehen, übertriebene Rückversicherungen (= ständige Arztbesuche) zu unterlassen, wieder mehr Vertrauen in den eigenen Körper zu entwickeln etc.

M.E. solltest Du in Therapie. Du scheinst ja grundlegend kein besonderes Vertrauen in Dich, die Welt und das Leben zu haben, und das äußert sich jetzt schon bei mehreren Baustellen. Ich weiß nicht, ob eine Therapie unumgänglich wäre, sicher aber wäre sie hilfreich.

Liebe Grüße
Christina

13.07.2008 11:22 • #2



Habe ich eine generalisierte Angststörung?

x 3


Bishou
Danke dir! Das war wirklich hilfreich. Ich wusste gar nicht, dass das stellenweise behandelt wird, aber ist ja eigentlich klar, dass man das nicht alles in einen Topf werfen kann.

Ich sehe das mit der Therapie ähnlich.

Ich denke einerseits, dass ich jetzt schon ziemlich viel geschafft habe. Vorallem vor ein paar Monaten habe ich mich sehr vielen Ängsten gestellt und mir ging es auch richtig gut. Jetzt geht es mir zwar wieder schlechter, aber einige Verbesserungen sind trotzdem geblieben.

Aber andererseits habe ich immer so starke Rückfälle, dass es mich am Lernen hindert (wegen Schlafmangel, Sorgen, Arztbesuchen, ...). Daher hatte ich überlegt, eine Therapie zu machen. Ich werde auf jeden Fall morgen den Onkel Doktor 'mal darauf ansprechen. Hoffe nur, der nimmt mich ernst ...

Jedenfalls vielen Dank für die Antwort! Es ist schwer zu unterscheiden, ob die Ängste normal oder krankhaft sind, wenn sie von Freunden/Familie immer nur als lächerlich abgewunken werden ...

Geisterfilme sind übrigens echt fies ... Die schau' ich mir gar nicht mehr an. ^^ Obwohl ich sie super-spannend finde. Vielleicht kann ich es ja irgendwann wieder, ohne danach wochenlang nicht schlafen zu können ...

13.07.2008 15:59 • #3


Hallo Bishou! (hat der Name eigentlich eine spezielle Bedeutung? klingt asiatisch)

Ich glaube es könnte helfen wenn du dir klarmachst was dir genau Angst macht bzw warum du Angst hast, dann kann man es meistens wiederlegen und sich vor Augen halten, dass es eigentlich Unsinn ist, sich davor und davor zu fürchten. Angst heißt in meinen Augen auch immer sich vor etwas zu fürchten weil einem das Wissen/die Erfahrung fehlt das ganze nüchtern zu sehen. Ist zumindest meine Ansicht.

zB. fürchten sich sehr viele Menschen schrecklich vor dem Fliegen, zumindest das erste mal, eben weil ihnen die erfahrung fehlt. Da hilft auch das Wissen, dass es extrem unwahrscheinlich ist in nem Flugzeug sein leben zu verlieren(glaub 50 mal unwahrscheinlicher als auf der Straße) nicht. Dass du deine Mutter wachgeklingelt hast und dich um deine Familie, deinen Freund so sehr sorgst zeigt eigentlich nur, dass sie dir sehr viel bedeuten und du nicht willst, dass ihnen etwas zustößt. Ich glaube du bist ein sehr sorgsamer und mitfühlender, emotionaler Mensch, das ganze vermischt sich allerdings mit deiner Angststörung...

Ich kann dir nicht sagen was du dagegen tun kannst, ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass man sich seiner Angst stellen muss, um sie zu überwinden, und das kannst du nur alleine schaffen, ich wünsche dir viel Glück dabei!

LG.
Marcus

13.07.2008 16:41 • #4


Bishou
Hi, Markus!

Also, Bishou ... hm, ich hab' den Nick schon ziemlich lange. Hab' ihn ausgesucht für eine Seite, auf der man Gedichte veröffentlichen kann. Ich weiß nicht mehr warum, ist bestimmt schon 5 jahre her. Seitdem benutze ich den immer. Aber der Klang ist doch schön oder? ^^

Das mit dem rationalen Denken, was du gesagt hast, stimmt auf jeden Fall. Es hilft mir schon oft, wenn ich mir vor Augen halte, dass meine Angst mit größter Wahrscheinlichkeit nicht zutrifft und vorallem, dass diese Angst sich auf meiner extremen Ängstlichkeit / Angststörung / ?? gründet und eben irrational ist. Allerdings hilft es manchmal auch nicht. Dann weiß ich zwar, dass das was ich mir einrede völlig unwahrscheinlich und irrational ist, aber meine Angstgefühle bleiben (man könnte sagen: meine Gefühle gehorchen mir nicht). Das ist z.B. der Fall, wenn ich diese nächtliche Panik bekomme. Es gelingt mir ganz selten, die alleine in den Griff zu bekommen ...
Aber generell stimmt das schon. Es ist auf jeden Fall hilfreich. Und vielleicht sollte ich mich noch mehr darauf konzentrieren.


Zitat:
du bist ein sehr sorgsamer und mitfühlender, emotionaler Mensch, das ganze vermischt sich allerdings mit deiner Angststörung...


Das stimmt voll und ganz! Ich bin auf jeden Fall sehr emotional (vorallem, wenn es um die Menschen geht, die mir wichtig sind). Das kann schon sein, dass das sich zumindest auf meine Angststörung negativ auswirkt. Eben dieser Gegensatz zwischen Denken und Fühlen ... der ist bei mir, glaub' ich, ziemlich ausgeprägt.

Ich hatte deshalb schonmal gedacht, ich hätte Borderline (und hab' mir das dann auch eingeredet, wie den Tumor, den grünen Star, ...) und dachte, vielleicht kommt meine Angst daher. Aber das glaube ich eigentlich nicht mehr.

Aber andererseits bin ich auch ganz froh, dass ich emotional bin. Dafür nehme ich die Machtkämpfe mit der Angst gerne in Kauf. ^^

Zitat:
das kannst du nur alleine schaffen


Ja, das fürchte ich auch. Das ist eine ganz schöne Herausforderung, aber ich weiß, dass du recht hast und deshalb habe ich auch so lange mit mir gehadert, was den Psychologen angeht ... jetzt hadere ich schon wieder. ^^ Naja, ein erstes Gespräch wird nicht schaden, oder? Vorallem möchte ich wissen, ob da nicht noch ganz andere Sachen zu Grunde liegen, die mir überhaupt nicht bewusst sind und die ein Psychologe vielleicht besser herauskitzeln kann - wenn er gut ist (erstmal so einen finden).

Ach, ich neige dazu Romane zu schreiben. Es tut einfach so gut, das alles 'mal zu erzählen! Und vorallem 'mal ernsthaftes Feedback zu bekommen! Alleine diese Diskussion hilft mir schon sehr sehr viel.

Danke!

Ich hab' gerade übrigens deinen Beitrag Hallo erstmal gelesen und mir kommt es auch so vor, als hätte ich hier noch die geringsten Probleme. Vielleicht sind wir noch zu jung um richtige Probleme zu haben (ohne jetzt jemanden diskriminieren zu wollen!). ^^ Bin ja auch erst 21 (aber letztens hat mich eine 17jährige gesiezt, wie furchtbar). Aber vielleicht nehmen wir unsere Probleme auch einfach nicht als so drastisch wahr - und das ist, denke ich, auch gut; denn, wenn man das Gefühl hat, eine Übermacht gegen sich zu haben, dann wird alles völlig aussichtslos. Danke für deine positive Einstellung!

13.07.2008 20:45 • #5


Naja es ist halt so, dass die meisten Probleme hausgemacht sind, und dass man selbst dafür verantwortlich ist, dass man mit ihnen leben muss.

Das weiß ich aber auch erst seit nem Jahr oder so, davor hab' ich gerne andren die Schuld gegeben, tja, selbst schuld :)

Ich habe so ziemlich alle meine Probleme in den Griff gekriegt, hab mein Übergewicht abgetreten(hatte ja schon fast sowas wie ne Fresssucht, und gut 110kg auf der Wage, jetzt sinds 80 seit nem halben jahr, von XXL auf M in 9 Monaten) und mein äußeres aufpoliert. Bin auch viel selbstsicherer geworden, naja das einzige wo ich noch schwächel ist eben der soziale Bereich, aber das wird auch noch, genauso wie du deine Ängste noch in den Griff bekommst.

Drüber nachzudenken und zu lachen ist eh das beste Mittel, freut mich wenn ich dir etwas helfen konnte! Kleiner Tipp: Erwarte dir von nem Psychologen nur keine Wunder! Wie du schon sagtest, musst du erstmal an einen guten kommen, und auch die sind nur Menschen und keine Wunderheiler ;)

13.07.2008 23:26 • #6




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