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Vergissmeinicht

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Ihr Lieben,

ich hinterließ schon meine Angsterfahrung hier in dieser Kategorie.

Nach genau 20 Jahren meldete mich meine Seele wieder in Form einer Depression. Oft meinen wir es käme aus heiterem Himmel. Dem ist m.E. nicht so.

Vorausgegangen war voriges Jahr ein Mobbing auf der Arbeit in miesester Form und ich hatte keine Chance. Ich verlor den Job und mir ging es von Tag zu Tag schlechter. Ich schlief nicht mehr, aß nichts mehr und wusste nicht was los ist. Angst hatte ich keine.

So kam ich erneut in die Klinik, nachdem ich mit Benzos nicht mehr weiterkam. So folgte erstmal ein knallharter Entzug von den Benzos und wusste nicht, ob ich Männlein oder Weiblein war.

Vier Monate war ich im KH. Dann kam ich so einigermaßen klar. "Erlaubt" hatte ich mir die Klinik entgegen meinem anderen Thread, weil es ein anderes Krankheitsbild war.

Nun kamen vor einigen Wochen meine Ängste wieder und tagtäglich ist es abwechselnd entweder Angst oder Depri. Es ist ein harter Kampf und kämpfe letztlich gegen mich selbst, was nicht funktioniert.

Unsere Seele ist schlau und so meldet sich die Angst nicht wie vor 20 Jahren. Es ist diesmal nicht das Herz was mir Angst macht. Eher ist es eine diffuse Angst und daher für mich schlecht greifbar.

So meldete ich mich Gestern hier im Forum an und muss mich halt erneut mit meinem Seelenleben auseinander setzen.

04.08.2015 13:43 • 16.11.2015 #1


55 Antworten ↓


Hotin

Hotin


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Hallo Vergissmeinnicht,

schade das Du Deine Ängste jetzt wieder stärker spürst.

Zitat:
Oft meinen wir es käme aus heiterem Himmel. Dem ist m.E. nicht so.


Wie Recht Du hast. Aber weil Du das weißt, wirst Du den Weg aus der Angst wieder heraus finden.
Zitat:
Ich verlor den Job und mir ging es von Tag zu Tag schlechter. Ich schlief nicht mehr, aß nichts mehr
und wusste nicht was los ist. Angst hatte ich keine.


Deine Enttäuschung war bestimmt so groß, das Du für eine kurze Zeit wenig
Angst gespürt hast.

Zitat:
tagtäglich ist es abwechselnd entweder Angst oder Depri. Es ist ein harter Kampf und kämpfe
etztlich gegen mich selbst, was nicht funktioniert.


Gut das Du das weißt. Auf keinen Fall darfst Du gegen Dich selbst kämpfen.
Du bist nämlich nicht das Problem, sondern die Aufgabe, die das Leben an Dich stellt, scheint Dir so schwierig zu sein.

Zitat:
Unsere Seele ist schlau und so meldet sich die Angst nicht wie vor 20 Jahren.


Ich glaube nicht, das die Seele schlau ist. Wenn der Druck in Dir zu groß wird,
Deine Befürchtungen, das Du keinen Erfolg haben wirst zu stark werden,
kommt der Druck über Angstgefühle irgendwo wieder raus.
Wovor jemand starke Angst hast, wird meiner Meinung nach sehr oft vom Zufall entschieden.
Und das wird jetzt im Moment Deine schwächste Stelle sein. Früher war die woanders.

Viele Grüße und gute Besserung

Hotin

04.08.2015 14:06 • x 1 #2


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Hey Hotin.

Danke vorab für Deine Zeilen und Besserungswünsche.

Nun, damals hatte ich eine Herzphobie. Da ich geschnallt habe, das mein Herz gesund ist, ist es diesmal eine andere Angst.

Hätte nie gedacht, das mich die Angst nochmal ergreift. Nun weiß ich es und vieles fängt von vorne an. Hofffe dennoch aus dem seinerzeitigen Erlernten schöpfen zu können.

04.08.2015 14:15 • x 1 #3


Hotin

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Hallo Vergissmeinnicht,

Zitat:
Hätte nie gedacht, das mich die Angst nochmal ergreift. Nun weiß ich es und vieles fängt von vorne an.


Auch ich habe mal geglaubt und oft erzählt, das die Angst nicht zurück kommt,
wenn man weiß, wie das System funktioniert.
Heute weiß ich es besser. Die Angst ist etwas ganz normales. Sie funktioniert so etwa wie Feuer.
Du musst immer drauf aufpassen.
Wenn Du nicht aufpasst, kann es sich ausweiten. Trotzdem gehen wir ganz normal mit Feuer um.
Nur manchmal brennt es leider ganz schön.
Und so, wie wir lernen, was man mit Feuer nicht machen darf, müssen wir auch lernen, was wir mit
der Angst (also unseren Gefühlen) nicht machen dürfen.
Dann funktioniert das ganz gut.

Zitat:
Hoffe dennoch aus dem seinerzeitigen Erlernten schöpfen zu können.


Bestimmt wirst Du das. Viel Erfolg für Dich und niemals aufgeben.


Viele Grüße

Hotin

04.08.2015 14:37 • x 1 #4


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Danke für das Beispiel und Deinen Denkanstoss Hotin.

04.08.2015 14:40 • x 1 #5


Hugo1974


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Alles sehr gut geschrieben Hotin. Daumen hoch!

07.08.2015 14:33 • x 1 #6


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Bei mir ist es ähnlich. Die Angst kam nach 18 Jahren wieder. Aus der (relativ harmlosen) Angst wurde eine Erschöpfungsdepri, weil ich dank unserer Arbeitspolitik de facto keinen Urlaub machen darf. Das heißt, wenn ich mal ernsthaft arbeitsunfähig werde, geht es direkt in die Privatinsolvenz und meine Familie war Geschichte.

08.08.2015 02:03 • #7


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@ Entwickler

Wie schaffst Du den Job mit den Gefühlen/Symtomen?

Bei mir ist das Mobbing der Depression vorausgegangen. Was ist bei Dir geschehen?

08.08.2015 11:23 • #8


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Bei mir war es so, dass ich ca. 15 Jahre lang zwischen 2 und max. 6 Jahren an einer Stelle war, so dass das Mobbing nie so richtig anfangen konnte. Allerdings war es bei der sechsjährigen Stelle so, dass einer der Vorgesetzten mich loswerden wollte. Eigentlich war es von vornherein langfristig so geplant, dass diese Stelle nicht lange existieren sollte, und am Ende habe ich mich selbst wegrationalisiert. Nur die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um mich zu vergraulen, waren schlimmer als Mobbing. Das waren schon Methoden, die subtil und plump gleichzeitig waren. Ich will da gar nicht mehr dran denken.

Im selben Jahr hatte ich erfahren, dass ich Asperger-Autist bin. Ich wurde erst mit Anfang 40 diagnostiziert. Seitdem suche ich die Schuld nicht mehr bei mir, dass ich mich nirgends richtig integrieren kann, aber Nutzen kann ich daraus auch keinen ziehen.

Emotionen habe ich durch Citalopram nicht mehr viele. Ich muss nur noch funktionieren. Momentan versuche ich, ohne Alk. einzuschlafen. Das geht erstmal nur vorsichtig mit Tabletten. Außerdem habe ich seit 1,5 Jahren keinen Urlaub genommen, weil ich mich selbständig machen musste, und nur Geld verdiene, wenn ich funktioniere. Wenn ich nicht wie jetzt ein Projekt gekriegt hätte, wo es zur Zeit noch kein Stress gibt, wäre ich bestimmt schon zusammengebrochen.

08.08.2015 12:14 • x 1 #9


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Hey Entwickler.

Ja, mag mich auch nicht mehr an die Mobbingaktionen erinnern.

Ist das mit dem Autist vorher nie bermerkt worden? Sei vorsichtig mit Medis und Alk.. Hast Du Familie oder bist/lebst Du alleine?

08.08.2015 12:59 • #10


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Dass ich Asperger bin, hat vorher nie einer bemerkt, weil ich nur leicht im Spektrum bin. Ich lebe mit meiner Familie, aber die meiste Zeit allein im Schlafzimmer im Keller. Also am Wochenende. Von Montag bis Freitag wohne ich arbeitsbedingt ganz allein, und das ist auch besser so.

09.08.2015 08:47 • #11


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@ Entwickler

Nun, wenn es für Dich besser ist, ist es ok. Für einen Außenstehenden schlecht nachvollziehbar.

09.08.2015 11:20 • #12


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Ihr Lieben,

war nach einem Jahr nun heute bei meinem Internisten der gleichzeitig Psychotherapeut ist. Was ich mir früher immer wünschte -ein EKG- lasse ich heute eher zwiegespalten über mich ergehen. Ferner großes Blutbild; Ergebnisse bekomme ich Montag.

Habe ihm dann meinen Entlassungsbericht gegeben und er meinte es wären Welten zu unserem letzten Wiedersehen. Daher will er momentan an der Medikation nichts ändern.

Ich soll entscheiden wann ich ihn brauche und dann zur Therapie kommen. Das zweimal und dann macht er mit mir feste Termine. Er ist ein knallharter Typ und meinte, es würde hart in der Therapie, er habe es nicht einfach so 10 Jahre erlernt und von daher wird es kein Wischiwaschi. Er würde mich auch ärgern, da er möchte, das ich wieder eigene Wünsche/einen Willen habe etc.

Fakt ist, dass ich das Mobbing noch nicht verkraftet habe und mich mit Verlusten schwertue. Ferner prägt alles Erlebte. So auch der letzte Klinikaufenthalt und auch da gibt es einiges aufzuarbeiten, da ich dort 2 schlimme Phasen hatte und er es mit mir erarbeiten soll.

Bin mal gespannt.

14.08.2015 11:07 • #13


Icefalki

Icefalki


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Boah, gut Therapeut. Der würde mir auch gefallen. Meiner ist auch so. Klare Ansage, perfekt.

Und uns gibt's ja auch noch. Wenn's grad mal hart für dich wird..

14.08.2015 20:13 • #14


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Danke Dir Icefalki.

Ja, er ist schwer einzuschätzen und bin echt gespannt. Mir ist allerdings diese Form von Thera lieber als mir nach dem Mund zu reden.

Werde dann berichten

14.08.2015 20:16 • #15


ParoxetinUser


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Puh, das ist aber mal ein markiger Therapeut. Musste da erstmal kurz innehalten was ich davon halte. Aber ich denke mal ohne die Person zu kennen, dass es grundsätzlich hilfreich ist wenn der Therapeut klar Stellung bezieht und auch gleich erwähnt, dass es auch mal weh tun kann.

Ich hab letztes Jahr irgendwo den Spruch "keiner hat behauptet, dass gesund werden leicht ist" gelesen oder gehört. Und ich finde da ist was wahres dran. Vielleicht muss man zur Genesung nochmal durch ein paar schmerzhafte Momente wieder durch, um es damit auch verarbeiten zu können. Wenn es dann danach wirklich besser ist als vorher und vielleicht auch sogar wieder richtig gut, dann hat sich hoffentlich die Auseinandersetzung gelohnt.

Wenn ich das mit meiner Therapeutin so vergleiche. Hm, also die Bezugstherapeutin in der Reha-Klinik hat auch kein offenes Wort gescheut und die Dinge beim Namen genannt, auch wenn es vielleicht mal für mich unangenehm wurde. Aber rückblickend war das sehr hilfreich. Leider nur recht kurz.
Meine ambulante Verhaltenstherapeutin ist da viel softer unterwegs. Ich hab zwar den Eindruck, dass mir das irgendwas bringt in Sachen Stabilität. Aber ich kann das kaum in Worte fassen. Ich find schon die Therapeutin macht das irgendwie ganz geschickt, aber das ist für mich auch wenig greifbar.
Als ich mich mit meiner Hausärztin mal darüber ausgetauscht hatte, gab sie mir den gutgemeinten Rat, dass ich nicht immer sofort so "mechanistisch" oder nach einem "Ursache-Wirkungs-Prinzip" denken oder suchen soll. Sondern vielmehr Dinge auf mich wirken lassen darf. Und ich glaub das ist dann der Ansatz der eher softeren Therapeutin.
Sorry, wollte damit das Thema nicht sprengen.

Was ich noch loswerden wollte zu dem Eingangswort von Dir:
Komischerweise geht bei Grippekranken auch keiner davon aus, dass dieser Mensch nach überstandener Grippe niemals wieder in seinem Leben an einer Grippe erkranken wird. Aber bei psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen scheint der Erwartungsdruck manchmal anders zu sein.
Ich denke es macht's um einiges entspannter, wenn man sich mit dem Grippekranken vergleicht, der ja trotzdem irgendwann wieder einmal in seinem Leben eine neue Grippe bekommen kann. Nur diesmal hat er schon eine Vergleichsmöglichkeit und eine Ahnung was vielleicht helfen kann weil es bei der ersten Grippe schon geholfen hat.

Ich find es übrigens immer wieder bemerkenswert, wie offen ihr hier über so persönliche Themen schreibt.

Wünsch Dir und Euch alles Gute.

14.08.2015 20:49 • #16


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Danke Dir für Deine Wünsche.

Ich denke auch, dass der Thera für mich richtig ist. Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass es erstmal schlimmer wird, auf Dauer gesehen aber hilfreich ist. Werde berichten.

15.08.2015 08:43 • #17


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Ihr Lieben,

war ja beim Jahrescheck und heute zur Ergebnisbesprechung. Alle Werte und EKG supi; mein Arzt ist sehr zufrieden und ich bin es auch.

Kommenden Mittwoch, 8.45 h, erste Therapiestunde. Habe das Glück, das mein Arzt Internist und Psychotherapeut ist. Bin echt gespannt wie ich nach der 1. Stunde drauf bin und wie er es angeht.

17.08.2015 14:39 • #18


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Ihr Lieben.

Hatte heute meine 1. Therapiestunde und nachdem der Thera sagte, erzählen sie mal, sprudelte es einfach so aus mir heraus. Es dauerte nicht lange und er machte mich darauf aufmerksam bei einem Thema zu bleiben.

So war dann heute der Beruf und das Mobbing dran. Zum Beruf gab er mir die Hausaufgabe alle im Umkreis von 30 km niedergelassenen Gärtnereien abzuklappern bzw. mich dann entsprechend vorzustellen. Zum Mobbing selber und die Konsequenzen für mich (Ängste, Depri etc.) konnte und hat er nichts weiter gesagt, weil er meine Biografie dafür zu wenig kenne.

So nebenbei meinte er, dass er eine Langzeittherapie von etwas 3-4 Jahren ins Auge fasst und dachte ich höre nicht richtig. Habe jetzt einmal die Woche 50 min. Termin.

Eine Depression bezeichnete er als Blumenstrauß mit den unterschiedlichsten Blumen wie Angst, Wut, Ärger etc.

Denke, da kommen harte Zeiten auf mich zu. Werde aber den Weg weitergehen.

Danke für´s Lesen und begleiten.

26.08.2015 11:50 • #19


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Ihr Lieben.

Heute stand meine 2. Therastunde an und sie ging fast 2 Stunden. Er meinte worüber ich reden wolle und sagte ihm, um mich besser kenenzulernen, das ein oder andere besser einordnen zu können, würde ich gerne mit meiner Biografie anfangen.

Ergo kamen Kindheit, Mißbrauch, Krankheiten, Schläge, Beziehungsdramen, Verluste und vieles mehr zum Tragen. Er unterbrach mich kein einziges Mal und sagte zum Schluss; Hut ab mit welcher Chronologie, Klarheit und Struktur ich mein Leben schildere. War allerdings einmal kurz vorm Weinen.

Ab nächster Woche geht es dann um die Emotionen, was die Schicksalsschläge aus/mit mir gemacht haben usw.

Danke für´s lesen.

03.09.2015 14:31 • x 1 #20




Mira Weyer

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