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Chaotika

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Guten Tag,-
vielleicht bin ich hier fehl am Platz, ich weiss es nicht, von daher bitte ich um Unterstützung.

Seit knapp 14 Jahren leide ich unter Depressionen, medikamentös und mehrfach stationär behandelt. Auslöser damals wohl die Trennung/Scheidung. Trotz Behandlung habe ich mich nie richtig gesund gefühlt. Dann erfolgte eine kurze glückliche Zeit mit einem neuen Partner, er verstarb. Die Umstände tragisch.
Das ist nun schon 1 1/2 Jahre her, ich arbeite halbtags. Früher habe ich gewerkelt, bin in die Stadt gegangen,- auch zu Veranstaltungen, aber das letzte hatte mich schon immer Überwindung gekostet.
Jetzt ist es so, dass ich, ausser wenn ich zur arbeite gehe, das Haus überhaupt nicht mehr verlasse.Vielleicht noch gerade, um das allerwichtigste einzukaufen.Ich finde für alles mögliche Ausreden .
Soziale Kontakte ausserhalb der Arbeit habe ich keine, wenn ich mal z.B. zum Schwimmen gehe, mache ich das 1-2x, dann schaff ich es wieder nicht, dahin zu gehen.
Ich kann nicht sagen, woran es liegt,aber es geht irgendwie nicht, dass ich das Haus verlasse.Medikamente nehme ich, Opipramol, aber das allein hilft wohl nicht.An Aktivitäten mache ich absolut nichts mehr, am liebsten zieh ich mir die Bettdecke über den Kopf.

Kennt Ihr diese Phasen? Komm ich da mit List und Tücke alleine wieder raus? Wie geht Ihr damit um, wenn Euch die Welt zu viel wird?

Ich bitte sehr um Hilfe.
Chaotika

21.04.2014 16:56 • 25.04.2014 #1


22 Antworten ↓


Schlaflose

Schlaflose


18824
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Du schreibst, dass du Opipramol nimmst. Das ist das schwächste Antidepressivum, das es gibt. Es gibt eine Menge sehr viel wirksamerer ADs. Vielleicht solltest du wechseln.

21.04.2014 17:14 • #2


Chaotika


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Ich hatte davor Zymbalta, Opipramol, irgend so ein Neuroleptika, allerdings nie das Gefühl, dass sie geholfen haben, die Trauer sass immer im Hals,zugedeckt mit Medis, ich kanns nicht anders beschreiben.
Aber so isoliert und abgekapselt habe ich vorher nie gelebt, da gabs immer noch irgendwelche Aktivitäten.

21.04.2014 17:21 • #3


PamukPrenses


hallo:) als neues mitglied heisse ich dich erstmal willkommen!
was hast du denn für behandlungen hinter dir? machst du zur zeit eine therapie? opipramol ist im übrigen ein mittel gegen angst hauptsächlich, zeichnet sich nicht grade als antidepressivum aus. fühlst du dich denn ängstlich oder "einfach" antriebslos?
von alleine geht diese phase sicher nicht weg-ich stecke auch in sowas drin, weil meine angst grade hochkonjunktur hat. du müsstest dich aktiv mit dem auseinandersetzen, was schief läuft-alleine oder in therapie.
wenn mir die welt zuviel wird, frage ich mich selbst, wie es mir geht, nehme das gefühl an und dann mach ich was entspanntes,
wie lesen oder meine lieblingsserie schauen oder tagebuch schreiben! hilft aber auch nicht immer...
lieben gruß!

21.04.2014 17:28 • #4


Chaotika


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Danke für die nette Begrüßung!
Ich habe ambulante Psychotherapie bekommen, zwischendurch Akuttherapie und stationäre.
Opipramol habe ich bekommen, als mein Partner starb- aber seitdem keine Psychotherapie mehr, weil ich sie nicht begonnen hatte, ich fühlte mich dort unerwünscht, zu anstrengend, nicht willkommen.
Antriebslos bin ich lange schon, aber ich bin zumindest aus dem Haus gegangen, in die Stadt, in den Park, in den Garten, auch einkaufen.
Jetzt geht das nicht mehr, was zu essen findet sich immer irgendwie und wie letztens- Blumen beim Bruder giessen,- mein Gott, das hat gedauert, bis ich endlich hingefahren bin. Erst wollt ich mit dem Rad und hab hin und herüberlegt, welchen Weg und ob überhaupt und dann wars wieder dunkel und ich hab das Auto genommen, um schnell wieder zu Hause zu sein.
Verstehst du, ich mach mir einen Kopf so lange, bis ich diese Aktivität nicht mehr machen kann, weil die Zeit dafür vorbei ist oder weils dann dunkel geworden ist, die Geschäfte schon geschlossen- ich find vor mir immer Ausreden, die Wohnung nicht zu verlassen.

21.04.2014 17:42 • #5


PamukPrenses


du solltest dir auf jeden fall einen therapeuten suchen, bei dem du dich wohl fühlst.ih bin sicher, es findet sich einer aber aus welchen gründen findest du immer ausreden? das kaputt-denken kenne ich zu gut, aber welches gefühl steht da im vordergrund? immer noch antriebslosigkeit? wenn ja, woher kommt das? hinterfragst du dein verhalten oft genug?

21.04.2014 17:47 • #6


Schlaflose

Schlaflose


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Für Depressionen zur Antriebssteigerung sind Fluoxetin, Cipralex, Venlafaxin und Sertralin geeignet. Ich würde mir an deiner Stelle einen Termin beim Psychiater machen und mich auf ein anderes AD einstellen lassen.

21.04.2014 17:49 • #7


Chaotika


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nein, bei den Ausreden spielt immer Ängstlichkeit oder Unsicherheit eine Rolle, ist das Fahrrad sicher, welchen Weg wähle ich, ist der auch sicher, was ist, wenn dieses oder jenes passiert, klaut man mir vielleicht das Rad trotz Schloss, ich trau mich ja nicht mal, das Fahrrad aus dem Keller zu holen, weil dann könnte man mich ja beobachten und mich belächeln oder tratschen oder oder oder.
Es ist diese ja,aber- Schleife.

21.04.2014 17:53 • #8


Schlaflose

Schlaflose


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Warum sollte man dich beobachten und belächeln, wenn du dein Fahrrad aus dem Keller holst? Das machen Tausende von Menschen, es ist nichts Auffälliges oder Besonderes.

21.04.2014 17:58 • #9


Chaotika


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das sag ich mir auch und trotzdem ist diese Unsicherheit da, belächelt oder verspottet zu werden.Egal obs das Rad ist oder die Walkingstöcke oder sonst was.
Ich sag mir dann, gut vielleicht nicht jetzt, machs später, wenns bisschen dunkler ist und ist es dann dunkel sag ich mir, neee jetzt nicht, jetzt ist dunkel, wer weiss, wer dir auflauert usw.
Es hört sich verrückt an, was ich da schreibe, aber es sind meine Gedanken, Empfindungen

21.04.2014 18:03 • #10


Schlaflose

Schlaflose


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Dann scheinst du auch eine soziale Phobie zu haben, das ist typisch dafür, dass man Angst hat, was die Leute in bestimmten Situationen von einem denken. Ich habe das auch, allerdings bei anderen Situationen.

21.04.2014 18:14 • #11


Upintheclouds


Hallo.
Ich bin soweit ich weiß nicht depressiv oder so irgendetwas und nehme auch keine Medikamente, dementsprechend kann ich dir auch nicht sagen, woran es liegt, aber das Beispiel mit dem Fahrrad kenne ich nur zu gut. Einfach aus dem Haus zu treten ist für mich seltsam, wenn ich den Müll raustragen muss, überlege ich Stunden wie und weigere mich Tage, weil ich einfach "nicht kann". Natürlich habe ich zwei gesunde Beine, natürlich kann ich theoretisch, aber die Türschwellen sind fast schon magische Türschwellen. Es ist so schwer die zu passieren. Sobald ich draußen bin fühle ich mich extremst beobachtet und verängstigt ... deswegen liege ich sehr gerne im Bett rum, mit der Bettdecke über dem Kopf. Ich laufe regelmäßig, aber nur wenn ich es schaffe um 6 loszulaufen, damit mich ja keiner beobachtet und dann laufe ich noch immer nur am Feld draußen! Da denke ich auch, dass die Leute komisch glotzen, weil ich Laufkleidung anhabe. Obwohl es tausend Leute tun. Und wenn ich es ganz frühmorgens nicht raus schaffe verschiebe ich es immer weiter ... Zu Mittag habe ich erst gegessen. Um vier sind zu viele Leute unterwegs. Um sechs gehen sich alle Leute spazieren, vielleicht sogar mit Hunden. Wenn ich an Hunden vorbeilaufen, jagen die mir nicht nach? Ich habe Angst vor Hunden. Um acht gehts dann. Um Acht ist es dann leider dunkel und am Feld allein im Stockdunkeln? Zu gefährlich, ich habe Angst im Dunkeln. Perfekt, ein weiterer Tag daheim vergeudet.
Ich weiß nicht, ob das bei dir das Gleiche ist? Aber wenn es so ist, dann würde ich dir vorschlagen dich mit einer Freundin oder Arbeitskollegin zu etwas zu verabreden, am besten kommt sie her und holt dich sozusagen ab, das funktioniert bei mir immer am besten. Wenn ich in Gesellschaft bin geht das alles plötzlich.
Tut mir leid, dass ich nicht besser helfen kann.
Glg. Clouds.

21.04.2014 18:24 • x 1 #12


PamukPrenses


das hört sich insgesamt eher nach angststörung an, als nach depression. diese änsgte sind ja immer unlogisch, dieses "alle szenarien" durchdenken.
du hast ja einiges belastendes drchgemacht, deswegen solltest du dir wirklich einen therapeuten suchen und das ganze verarbeiten. medikamente schieben doch eh alles nur auf die lange bank!

21.04.2014 18:36 • #13


Chaotika


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Liebe Clouds,-
genau so ist es, du verstehst die Situation.
Nur leider habe ich nicht das Glück wie Du, dass jemand vorbeikommt. Ich lebe hier allein und bis auf meinen Bruder habe ich niemand anderen, die Kollegen wohnen im anderen Ort.
Und ich schwöre, das ist keine Ausrede.

21.04.2014 18:50 • #14


Chaotika


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Danke auch dir, Pumuk und Schlaflose.

21.04.2014 18:52 • #15


Upintheclouds


Das macht die Sache schwerer. Wie wäre es wenn du wirklich eine Therapie machst? Ich denke nämlich auch darüber nach, mich zumindest bei einer Psychologin zu erkundigen, ob das besorgniserregend ist ...
Wenn du keine andere Wahl hast, als alles alleine zu bewältigen, dann solltest du dir mal von jemandem der sich auskennt deine Möglichkeiten auflisten lassen, lebend da rauszukommen.
Das macht ja auch keinen Spaß, wenn man dadurch ständig besorgt und gestresst ist oder als Alternative daheim vergammelt und verkümmert.
Ich hoffe du findest deine Lösung,
liebe Grüße Clouds.

21.04.2014 19:10 • #16


nanetou

nanetou


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das hört sich nicht schön an.

Ich hatte im Februar einen ich würde mal sagen Zusammenbruch. Meine Oma die mich großgezogen hat ist im September verstorben. Ich schätze mal das war der Auslöser. Ich habe es die ganze Zeit verdrängt. Es fing damit an das meine Beine plötzlich ganz wackelig wurden und meine Hände anfingen zu zittern und mein Herz raste. Bin zum Arzt, die haben dann nach einer halben Stunde endlich mal ein EKG geschrieben. Na ja, bis dahin waren die Symptome auch schon längst wieder weg. Und laut Arzt alles i.O.. Jedenfalls fühlte ich mich seit dem Tag ständig wackelig auf den Beinen und ein paar Tage später ging nichts mehr. Ich kam absolut nicht mehr hoch jede Bewegung die ich versuchte zu machen brachten mein Herz zum rasen und ich fühlte mich schlapp. Ich konnte nicht mehr raus gehen. Lag nur noch auf dem Sofa herum. Mein Arzt macht viel mit Homöopathie und verordnete mir dann Nerodoron gegen Erschöpfungszustände und Aconitum gegen meine Panik. Er sagte zu mir, nehmen sie ihren Hund und gehen sie raus. Da es zu dieser Zeit auch noch recht grau draußen war viel mir das natürlich besonders schwer.
Zwei Wochen hat es bei mir gedauert bis ich mal wieder nen Fuß vor die Tür setzten konnte und wieder ein paar Stunden arbeiten gehen konnte. Sparziergänge aber nur wenn mein Mann dabei war. Alleine ging gar nicht. Ich hatte regelrecht Angst alleine raus zu gehen. Als es die ersten Frühlingsblumen gab habe ich mir regelmäßig eine Strauß Blumen aus dem Supermarkt mitgenommen. Ich brauchte einfach Farben um mich herum. Wenn die Sonne draußen war habe ich mich mit einer Wolldecke und meinem Strickzeug in den Garten gesetzt und eine Tee getrunken. Ich merkte richtig wie gut mir das tat. Das hat mir unheimlich geholfen. Ich hoffe du schaffst das auch irgendwann wieder und kannst das Leben wieder genießen.
Such dir einen neuen Therapeuten/in es muss doch möglich sein das es auch für dich jemanden gibt der dir da raus helfen kann.

22.04.2014 13:59 • #17


Chaotika


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Lieben Dank Euch allen, ich habe am Freitag einen Termin beim Hausarzt.

Es fällt mir unheimlich schwer, offen über mein Problem zu reden. Viel lieber wäre ich taff und sorgenfrei- und so muss ich zugeben, dass ich mein Leben nicht auf die Reihe bekomme.
Wie kann ich das vermitteln, dass ich 2 Leben führe, eins ausserhalb der Wohnung nach außen hin selbstbewusst und angstfrei, das andere ängstlich und zurückgezogen. Ich kann das selbst nicht begreifen, was mit mir los ist.
Es klingt wirklich verrückt, aber ich bin froh, wenn ich die Tür hinter mir zumache und mich keiner sieht oder anspricht.

22.04.2014 15:10 • #18


PamukPrenses


hallo:)
ich weiss, das klingt immer so leicht, aber ich bin grade selbst da dran und daher schreibe ich dir das: du sagst, du wärest lieber taff und sorgenfrei. kann ich total verstehen, wäre ich auch gern. mir sagen im moment alle, "akzeptiere die realität". das heisst, du musst vor allen dingen aufhören, anders sein zu wollen und annehmen, dass es dir im moment nicht gut geht. davon geht es natürlich nicht weg, aber du kannst lernen, dich selbst zu akzeptieren und nicht gegen dich selbst zu kämpfen. du bist jetzt nun mal so! im nächsten schritt musst du schauen, warum das so ist. und da kannst du mit der veränderung ansetzen.
es ist natürlich schwer, über solche dinge zu sprechen, aber genau dafür gibt es ja therapeuten. die urteilen nicht und du musst dich für gar nichts schämen und kannst das geschehen immer lenken. diese erfahrung mache ich auch grade
ich glaube einfach, so wie du das schilderst, fühlst du dich ja auch sehr allein mit dem ganzen? das muss aber nicht so sein
es kommen wieder bessere zeiten, du musst auf jeden fall ganz fest daran glauben!

22.04.2014 17:07 • #19


Chaotika


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Ich kann mir das nicht eingestehen, weil ich sonst untergehe, verstehst du, ich kämpfe dagegen an, ich will nicht krank sein, depressiv, ängstlich.Innerhalb der Familie klopft man mir auf die Schultern, es wird schon wieder, du musst auch mal was unternehmen, geh doch mal raus, jetzt ist aber gut,- wer kennt sie nicht diese Durchhalteparolen.Aner ich kann einfach nicht mehr, ich möchte weinen und weinen, all meine Verzweiflung, meine Trauer, meine Einsamkeit, ich möchte mich in meinen Tränen vergraben. Diese Parolen, sie tun mir weh, ich wünschte, es nimmt mich mal einer in die Arme und sagt ich versteh deinen Schmerz, aber es gibt niemanden.
Und ich mag mich nicht so verletzt zeigen, mit so viel Trauer im Gesicht. Es soll niemand sehen und ich lass keinen an mich ran, weil ich Angst habe, noch mehr verletzt oder bewertet zu werden.
Entschuldige bitte, das ist kein Angriff gegen dich, ich bin ja dankbar, dass ich hier meine Last von der Seele schreiben kann.

22.04.2014 17:28 • #20




Dr. Reinhard Pichler

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