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201603.12




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Hallo alle zusammen,

ich bin neu hier und habe gleich eine Frage an euch...
Ich bin 50 Jahre alt, weibl, und leider seit Teenagerzeiten an Ängsten. Bis Mitte 30 konnte ich damit leben, dann wurde es schlimmer. Ich habe dann mit Therapien begonnen, hatte 4 Verhaltenstherapien, die haben immer für eine begrenzte Zeit geholfen. Dann kam die Trennung von meinem Mann, zusätzlich eine Depression. Dann tiefenpsych. Therapie und Medikamente. Mit der Therapeutin bin ich nicht gut klar gekommen, die Medikamente musste ich absetzen, meine Leber wurde angegriffen. Dann wieder der Einbruch mit Depression und Ängsten. Es folgten 6 Wochen Tagesklinik und (leichte) Medikamente. Während der Zeit wurde ich ständig mit den Ängsten (Versagensängsten, Verlustängsten, einfach auch generell Angst ohne zu wissen, wovor) konfrontiert. Jeden Tag ging es um Konfrontation und Provkation. Die Ängste blieben, sind nach den 6 Wochen eher schlimmer geworden. Ich habe jetzt gelesen, dass Konfrontation bei lang bestehenden Ängsten gar nicht so gut sein soll...

Jetzt zu meiner Frage: arbeitet ihr mit den Ängsten? Ich soll Montag wieder anfangen mit einer Wiedereingliederung... keine Ahnung, wie ich das packen soll, meine Ängste beziehen sich ja auch auf die Arbeit. Ich habe dem zugestimmt, weil ich keine Alternative weiß. Meine Psychiaterin meinte vor ein paar TAgen, mir helfe keine Therapie. Damit müsste ich mich abfinden... ich muss alleine weiter machen...

Ich würde mich über Antworten freuen...

Viele Grüße
Moni

Auf das Thema antworten


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BaWü
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  03.12.2016 11:42  
Hallo Moni, willkommen bei uns.

Unter welchen Ängsten leidest du denn?





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  03.12.2016 11:47  
Früher waren es Ängste vor Krankheiten. Jetzt sind es Versagensängste. Ich habe das Gefühl, mir ist alles zuviel, ich schaffe nichts mehr. Das lähmt mich total. Und es bezieht sich auf alles mögliche... eben auch auf meine Arbeit. Ich habe große Angst, wieder einen Blackout zu bekommen (hatte ich im August, Panikattacke, brauchte 4 Tage, um einigermaßen wieder runter zu kommen). Ich habe Angst, meine Arbeit nicht mehr vernünftig erledigen zu können, die Grundlagen zu vergessen. Die Angst bewirkt ja auch, dass ich unkonzentriert bin und tatsächlich dadurch schlechter arbeite.



11916
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BaWü
7446
  03.12.2016 12:09  
Geb ich dir recht. Aber bei der Angst zu Versagen steckt auch ein grosser Leistungswille und Antrieb dahinter.

Nur dann, hat man Angst zu versagen.

Ergo, ist nicht Hopfen und Malz verloren, sondern nur der Umgang mit sich selbst ist ein Problem.

Unsere Ängste resultieren auch auf unsere Wahrnehmung von uns selbst. Und der Umstand, mit psychischen Problemen umgehen zu müssen, macht nochmals Druck.

Dabei bleibt es doch nur bei der Tatsache, dass das Funktionieren eben nicht mehr vorhanden ist. Nicht mehr so, wie es mal war.

Nimm das an. Was hast du zu verlieren? Du hast Einschränkungen, na und?

Ich spreche jetzt nur von deiner Arbeit, vor der du dich wieder fürchtest. Du bist doch ein sog. erfahrener Angsthase.

Also, was tun wir alten Hasen? Wir tun es und warten ab. Wenns nicht geht, geht es nicht.

Ein Schritt nach dem andern. Lass den Stress Zuhause. Versuch macht klug.

Was wäre die Alternative, wenns nicht funktioniert?

Danke2xDanke




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  03.12.2016 16:44  
Danke für die Antwort. Die Versagensägste, Ängste bei der Arbeit, sind relativ neu für mich, daran muss ich mich wohl erst gewöhnen.
Du hast recht, es hat viel mit (falscher) Wahrnehmung meiner selbst zu tun. Immer 200% geben, aus Angst, man wird sonst nicht geliebt. Ich habe in der letzten Zeit auch einige Menschen "verloren", durch Trennung, Umorganisation im Job, Wegzug von Freunden, das hat das Problem bei mir verstärkt. Das hat natürlich nichts mit meiner Leistung zu tun, aber mein Gehirn verknüpft das wohl irgendwie.
Eine Alternative zur Arbeit sehe ich zurzeit nicht... Meine Psychiaterin sagt ja, dass bei mir eben keine Therapie anschlägt... nur zuhause sitzen und grübeln macht es ja nur schlimmer.

LG
Moni



11916
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BaWü
7446
  03.12.2016 20:55  
Kenn ich auch. Dieses: ohne Leistung keine Liebe.

Hat mich und kostet mich immer noch innere Überzeugungsarbeit. Ist, wie ein in die Seele eingebranntes Muster, das immer und die immer wieder hervorschaut.

Mir hilft folgendes: ich weiss, dass ich so gepolt bin. Es hat Jahre meines Daseins gekostet, das überhaupt mal zu erkennen. Dann weitere Jahre, es zu akzeptieren, und den Umgang damit zu lernen.

Ich funktioniere jetzt nur noch nach meinen Bedingungen. Ich entscheide alles selbst. Auch, wenn ich mich dafür entscheide, dass ich eben Stress aushalten will, und es mir jetzt eben antue und schaue, wohin es mich führt.

Meine Entscheidung. Wenn ich wieder in mein Fahrwasser komme, WEISS ich, dass ich mal wieder im Schema F hänge.

Dann überleg ich meine Alternativen. Ich habe mich mit 57 Jahren in einer Arztpraxis beworben. Hatte ich mal gelernt..

Dachte, ist ja easy, mit Menschen kann ich. Bin ich auf die Schnauze geflogen. Nix, konnte ich mehr, null Ahnung von allem.

Und in meinem Alter lernt man definitiv wie eine Schnecke. Ich war dann einfach ehrlich. Wenn ihr mich haben wollt, dann nehmt mich mit meinen Fehlern. Ansonsten ist es okay, wenn ich wieder gehe.

Bin jetzt 1 Jahr dabei. Aus irgendeinem Grund mögen die mich. Vielleicht auch, weil ich über mich lachen kann.

Ich selbst hätte mich schon gegen ein jüngeres Modell ausgetauscht, die Tuns nicht.

Ist weiter so eine Geschichte mit der Selbstwahrnehmung.

Mach dir also nur ein bissle Stress, es kommt eh, wie es kommen soll. Und wenns nicht funktioniert, hast du es versucht.

Weisst du, man wird auch gemocht, wenn man einfach nur sich selbst ist. Ehrlich, freundlich, bemüht, bissle dusslig, bissle doof und bissle was Besonderes. Normal kann jeder, will ich gar ich mehr sein.

Und Zuhause rum hocken ist definitiv ätzend.

Packs an und schaue, wohin die Reise geht.

Danke3xDanke




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  04.12.2016 11:01  
Ganz lieben Dank für deine Worte! Ja, ich werde es morgen trotz allem versuchen. Und wenn die Angst stärker wird, einfach mal zulassen und beobachten. Da ist sie ja sowieso fast immer.
Vorgestern war auf arte ein Spielfilm über eine Frau mit Angststörungen. Fand ich sehr gut. Wie der Arzt sagte: Sie haben ständig das Gefühl, vor einem Erschießungskommando zu stehen. Ja, von morgens bis ca. 17h empfinde ich es auch so.
Ich habe mich vorhin drangemacht, trotz des fehlenden Antriebs und der Versagensangst , einen Kuchen zu backen. Ist mir echt schwer gefallen, zu beginnen. Das liegt evtl. an der Depression, keine Ahnung. Aber jetzt ist er im Backofen :-). Den nehme ich morgen mit zur Arbeit.
Wie mutig von dir, dich in der Arzpraxis beworben zu haben! Toll! Ich glaube, dass eine Veränderung im Leben auch so manches bewirken kann. Irgendwie ist die Angst ja auch ein Warnsignal, weil irgendwas schief läuft...
LG
Moni



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BaWü
7446
  04.12.2016 11:05  
Genau, probiere es aus. Und vielleicht kannst du ja offen auf der Arbeit mit deinen Problemen umgehen. Dein Kuchen wird schon mal gut ankommen..

Struktur im Alltag und wieder dazugehören ist das positive daran. Lass es langsam angehen, ich wünsche dir viel Erfolg dabei..

Kannst uns ja schreiben, wie es so war. Und mach dir jetzt im Vorfeld keinen Kopf. Du gehst hin und versuchst es.

An mehr denkst du einfach mal nicht.

Danke1xDanke


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  04.12.2016 14:11  
Es geht mir auch so, dass ich mich von früh morgens bis ca. 17.00 Uhr fühle, als würde ich vor einem Erschießungskommando stehen. Komischweise ist es so, dass ich kurz nach dem Aufwachen ok bin, dann wenn ich anfange zu denken und richtig wach werde, die Anspannung und Beklemmung los gehen. Ich habe in der letzten Woche dann Dinge unternommen, die ich normalerweise nicht mache. Mich mit Leuten treffen, schon gegen Mittag z.B. Am Anfang ist es komisch, aber während ich unterwegs war, war es eigentlich ok. Dann am Abend das Gefühl, mal ganz normal am Leben teilgenommen zu haben und ich war richtig glücklich. Heute morgen wieder, aufwachen, Beklemmung und Anspannung. Den FIlm auf ARTE fand ich ganz gut. Jedoch fand ich es etwas unrealistisch, dass die Frau relativ schnell 1. Medikamente bekam, 2. diese anscheinend vertrug und 3. dann auch relativ schnell wieder am Leben teilnahm. Vielleicht ist das ja auch bei anderen Leuten so, dass die nach 6 Wochen eine Bessserung merken.





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  04.12.2016 14:32  
Ja klar, der Frau ging es relativ schnell besser, war halt ein Spielfilm. Habe es aber so verstanden, dass es am Ende noch nicht alles wieder gut war.

Ich versuche auch, normal zu leben, mich zu verabreden, raus gehen. Ich mach das , aber alles eben mit Angst. Die Angst wird auch nicht weniger mit der Zeit. Das ist mir ja immer in der Tagesklinik erzählt worden: Stellen sie sich der Angst, sie wird dann weniger. Stimmt bei mir leider nicht. Die Konfrontationen dort waren heftig und ich habe die Angst nur heftiger gespürt. Ich versuche , jetzt Schritt für Schritt mehr zu machen, nicht mit der Holzhammermethode.

Habe ja heute einen Kuchen gebacken ohne Perfektionsanspruch, und der ist ganz gut geworden :-). Das ist schon mal ein erster Schritt.
Ich nehme übrigens auch Medikamente, aber eher gegen die Depression (Sertralin 50mg), gegen die Ängste hilft es nicht, und die Depression wird dadurch auch nur leicht gebessert, aber immerhin...


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