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Ich bin Psychologiestudentin und halte nächsten Montag ein Referat über die medikamentöse Behandlung von GAS. Aus diesem Grund würde ich gerne die Meinung und/oder die Erfahrungen von Betroffenen zu diesem Thema wissen.
Wie ging es euch als ihr AD oder Benzos genommen habt?
Seid ihr mit den Nebenwirkungen gut zurecht gekommen?
Sind die Nebenwirkungen mit der Zeit weniger geworden?
Hattet ihr das Gefühl, dass euch die Medikamente viel zu leichtfertig verschrieben worden sind?
Habt ihr euch gut beraten gefühlt?
Habt ihr vielleicht generelle Bedenken, was die medikamentöse Therapie von GAS angeht oder seid ihr starke Befürworter?

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir rege antwortet.
Wen es interessiert, dem schicke ich auch gerne meine Powerpoint-Präsentation.

Vielen Dank im Voraus!!



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28.01.2009 18:58 • 01.10.2020 #1


51 Antworten ↓


Hallo,

ich nehme Cipralex!
Die Nebenwirkungen waren bei mir so stark, dass ich mit Tropfen begonnen habe. ( Ziel war es auf 20 Tr. zu kommen, sprich 10 mg 1 Tabl.) Die ersten drei Wochen habe ich einen Tropf. pro Tag genommen. Ich habe sehr langsam die Steigerung fortgeführt. Im Okt. war ich auf 20 Tr. Mir geht es jetzt viel besser. Habe mich von Anfang an meinen Ängsten gestellt. Wurde durch meine Ärzten sehr gut betreut. Sie hatte mir auch erklärt, dass dieses Medikament auch heilt.
Falls du noch genaueres wissen möchtest schreibe mir.

Gruß
Regi

28.01.2009 20:10 • #2



Medikamentöse Behandlung von generalisierter Angststörung

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Hallo,
ich nahm fast ein Jahr Trevilor und bei Bedarf Tavor.
Trevilor:Beim Einschleichen des Medikaments war ich dauerhaft müde. Ich nahm während der gesamten Zeit der Einnahme des Medikaments ca. 8 Kg zu. Die Panikattacken wurden allmählich weniger und in der Intensität schwächer. Mir ging es mit dem Medikament ganz gut. Beim Ausschleichen hatte ich extreme Nebemwirkungen, obwohl ich die Dosierung über einen sehr langen Zeitraum ganz allmählich runtersetzte: stromschlagartige Empfindungen im Kopf, die man schlecht beschreiben kann, die Unruhe nahm zu, ständig Muskelzuckungen.Ich fühlte mich irgendwie neben mir stehend. Bin seit ca. einem Jahr jetzt ohne Trevilor und ich hoffe auch, dass ich es nie wieder nehmen muss, da es aus meiner Sicht- aufgrund der enormen Absetzungserscheinungen- und entgegen der Ansicht der Ärzte doch abhängig macht.
Tavor:
Half bei rechtzeitiger Einnahme während akuter Panikattacken mit extremer Todesangst und enorm hohen Blutdruck (über 220/135)- allerdings half es mir kaum, wenn die PA schon weit fortgeschritten war- Da bekam ich per Notarzt beispielsweise Valium intravenös verabreicht.
Ich nahm es während meiner schlimmsten Zeiten (täglich mehrere PA) täglich bei Bedarf. Beim Absetzen hatte ich extreme Probleme. Massiver Schwindel, stand neben mir, sah verschwommen und hatte das Gefühl, ich brauche diese Tablette, damit es mir wieder gut geht..Die Phase dauerte ca. zwei Wochen. Seit dem nahm ich keine Tablette mehr, obwohl ich sie für Notfälle aufgehoben habe. Selbst während einer Panikattacke verzichte ich auf die Einnahme. Darüber bin ich sehr stolz.
Es ist einerseits ein super Medikament für Paniker, da schnell dämpfend wirksam.Man fühlt sich beruhigter. Andererseits ist es aus meiner Sicht ein Teufelszeug, da es tatsächlich sehr schnell süchtig macht.

laola

28.01.2009 21:02 • #3


Gobi76
Hallo,

die Diskussion über das Für und Wider von Medikamenten hatten wir hier schon sehr häufig. Ich glaube nicht, dass sich noch viele auf deinen Aufruf melden werden, aber ich empfehle dir, dir alte Beiträge dazu anzugucken. Da wird eigentlich auf alle deine Fragen eingegangen.

LG Gobi

28.01.2009 23:52 • #4


Lisa_Coccinella
Zitat von Psychologiestudentin:
Ich bin Psychologiestudentin und halte nächsten Montag ein Referat über die medikamentöse Behandlung von GAS. Aus diesem Grund würde ich gerne die Meinung und/oder die Erfahrungen von Betroffenen zu diesem Thema wissen.
Wie ging es euch als ihr AD oder Benzos genommen habt?
Sehr gut!
Seid ihr mit den Nebenwirkungen gut zurecht gekommen?
Ja, ich war am anfang so müde und wollte nur schlafen. Aber nach 2 Wochen hat sich das wieder gelegt.
Sind die Nebenwirkungen mit der Zeit weniger geworden?
Ja.
Hattet ihr das Gefühl, dass euch die Medikamente viel zu leichtfertig verschrieben worden sind?
Nein. Meine Psychiaterin hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet.
Habt ihr euch gut beraten gefühlt?
Von der Psychiaterin schon. Nur mein HA hatte keine Ahnung, was mit mir los ist und hat trotzdem Medikamente verschrieben, die mir nicht geholfen habe.
Habt ihr vielleicht generelle Bedenken, was die medikamentöse Therapie von GAS angeht oder seid ihr starke Befürworter?
Ich habe mich am anfang geweigert, Psychopharmaka zu nehmen, aus Angst, man könnte denken, ich wäre Verrückt. Als mir zu schlecht würde, hätte ich alles genommen nur damit wieder besser geht


Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir rege antwortet.
Wen es interessiert, dem schicke ich auch gerne meine Powerpoint-Präsentation.

Vielen Dank im Voraus!!


Hallo Psychologiestudentin,

siehe Antworten in rot

29.01.2009 01:34 • #5


Vielen Dank schon mal für eure Antworten!

@Lisa: Welches Medikament hast du genau genommen?

29.01.2009 11:56 • #6


Wie ging es euch als ihr AD oder Benzos genommen habt?

Ich nehme seit ca. 3 Wochen Opripramol und Citalopram. Merke nur eine geringfügige, bisher unreichende Aufheiterung.

Seid ihr mit den Nebenwirkungen gut zurecht gekommen?

Opripramol keine, Citalopram einige Tage lang ein Mix aus Herzrasen, Bewegungsdrang, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Panik, Blutdruckabfall, sich wie in Watte eingepackt fühlen.

Sind die Nebenwirkungen mit der Zeit weniger geworden?

Ja, nach ca. 10 Tagen, erst bei höherer Dosierung erneut etwas Herzrasen.

Hattet ihr das Gefühl, dass euch die Medikamente viel zu leichtfertig verschrieben worden sind?

Nein, glaube ich nicht.

Habt ihr euch gut beraten gefühlt?

Geht so. Die meisten Infos habe ich im Internet darüber gefunden.

Habt ihr vielleicht generelle Bedenken, was die medikamentöse Therapie von GAS angeht oder seid ihr starke Befürworter?

Ich hoffe, sie werden helfen. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Bin aber dankbar, dass ich sie nun immer besser vertrage.

29.01.2009 12:07 • #7


Erstmal vielen Dank für eure Antworten!

@Regi: Was meinte deine Ärztin mit heilen? In einem Artikel, den ich gelesen habe, stand das es auch Ziel medikamentöser Behandlung sei, das Risiko einer späteren Depression, die häufig bei Patienten mit GAD auftritt, zu verringern. Die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eignen sich dazu natürlich gut, weil sie das richtige Transmittersystem ansprechen.
Ich las aber auch, dass eine Langzeitbehandlung favorisiert wird und dass es oft zu Rückfällen kommt, wenn das Medikament abgesetzt wird. Meiner Meinung nach kann man dann nicht von Heilen sprechen.
Wie sieht denn deine Prognose, was den Zeitraum der Einnahme von Cipralex angeht aus?

@laola: Hast du das Gefühl, dass die positiven Effekte der Medikamente die negativen überwogen haben? Es scheint dir ja jetzt zum Glück besser zu gehen. Wie würdest du diese Medikamente beurteilen, wenn du sie auf Grund einer erneuten Verschlimmerung wieder einnehmen müsstest?

@Wolke: Dann nimmst du also ein Trizyklisches AD und einen selektiven Serotoninaufnahmehemmer. Ich habe ja nicht so eine große Ahnung, aber ich finde die Kombi erstmal komisch. Meistens wird doch eher ein AD mit Benzos kombiniert. Warum nimmst du zwei verschiedene AD?

@all: Habt ihr neben den Medocs auch an einer Therapie teilgenommen?
Hattet ihr das Gefühl, dass sich eure Persönlichkeit verändert habt?
Was löst die eventuelle Perspektive einer Langzeiteinnahme bei euch aus?

29.01.2009 13:08 • #8


@Lisa: Für wie lange Zeit wirst du voraussichtlich die Medocs einnehmen müssen? Machst zusätzlich eigentlich eine Therapie? Welche Medocs hatte dir dein HA verschrieben und hat er deine Störung erkannt?

29.01.2009 13:19 • #9


@Wolke: Dann nimmst du also ein Trizyklisches AD und einen selektiven Serotoninaufnahmehemmer. Ich habe ja nicht so eine große Ahnung, aber ich finde die Kombi erstmal komisch. Meistens wird doch eher ein AD mit Benzos kombiniert. Warum nimmst du zwei verschiedene AD?

Das kann ich nicht sagen, aber habe hier im Forum noch ein paar Leute kennen gelernt, die das gleiche auf einmal verschrieben bekommen haben. Die Fachärztin für Psychotherapie empfahl mir Oprpramol und mein Neurologe verschrieb mir noch zusätzlich das Citalopram (er weiß, dass ich auch das andere nehme).

@all: Habt ihr neben den Medocs auch an einer Therapie teilgenommen?

Habe derzeit eine Therapiesperre bis Ende März (Wartedauer von 2 Jahren nach letzter Therapie).

Hattet ihr das Gefühl, dass sich eure Persönlichkeit verändert habt?

In akuten Fällen bin ich generell ängstlicher als sonst. Durch das Medikament werde ich morgens wach, bin sonst sehr schlapp (aber eigentlich ein Frühaufsteher). Ansonsten bemerke ich nicht viel. Bin derzeit halt ganz unten, obwohl ich sonst ein recht fröhlicher Mensch bin.

Was löst die eventuelle Perspektive einer Langzeiteinnahme bei euch aus?

So lange darf ich kein Alk. trinken. Trinke nicht oft und nicht viel, aber einmal im Monat der Gang in eine Bar wird mir fehlen.
Desweiteren macht es ja nicht gesund, sondern unterdrückt das ganze nur, was mir jetzt hilfreich ist, aber wenn keine Therapie greift, was dann?
Außerdem jedes Mal Kosten für Praxisgebühr und Zuzahlung der Medikamente.

29.01.2009 13:20 • #10


@also, zur Erklärung meiner Ärzt, was sie mit Heilung meint.

Es soll den Hypocampus im Gehirn wieder aufbauen. Natürlich könnte man es auch mit positiven Erlebnissen oder durch Sport. Da es sich sehr langsam aufbaut hilft dieses Medikament. Oder es hilft einen dabei überhaupt sein Leben neu zu ortnen.
Im Mai fangen wir an das Medi auszuscheichen.
Das erste Jahr meiner Erkrankung habe ich nur Johanneskraut Laif 900 und Baldrian genommen. Meine Ungeduld macht mir oft einen Strich durch die Rechnung. Dann standen wir vor einem grossen Umzug. Es schlich sich eine leichte Depression ein, deshalb fing ich mit den Medis an. Ich habe mich vom ersten Tag an meinen Ängsten gestellt.
Arbeite weiterhin an mir. Treibe Sport und gönne mir auch Auszeiten. Ich hoffen das es mir nach dem Ausschleichen nicht wieder schlecht geht. Darf einfach nicht in meine alten strukturen zurückfallen.
Bin auch erst seid drei Monaten wieder in der Lage positive Dinge zu zu lassen.

Gruß

Regi

29.01.2009 14:37 • #11


Hallo Psychologiestudentin,

finde es schön, dass Du Dir Infos bei betroffenen holst....

Zu meinem Fall:

Ich litt vor 11 Jahren schon mal an einer GAS, diese habe ich mit einer Verhaltenstherpie und einer radikalen Lebensumstellung (Trennung vom Partner nach 11 Jahren) wieder in den Griff bekommen und war wieder hergestellt, anscheinend.

Letztes Jahr ging es leider wieder los, warum auch immer. Einen wirklichen Auslöser kann ich bis heute leider nicht finden. Oder sagen wir mal, was ich rausgefunden hab ist, dass bei mir nur minimale Änderungen der Lebensumstände bei mir zu Unbehagen und Angst führen. Aber ich mein, dass hat ja jeder immer wieder mal, aber mir mir haut das anscheinend rein...

Da es im Herbst letzten Jahres so wirklich bergab ging und ich mich immer mehr und übel reinsteigerte (auch extrem ängstigende Zwangsgedanken), bin ich zu einem Psychologen, der mir Citalopram und Seroquel verschrieb. Diese nahm ich erstmal nicht, aus Angst vor den Nebenwirkungen und aus Angst davor, was die Tabletten mit "einem machen". Aber nach 6 Wochen ging's nicht mehr anders. Ich wieder zum Arzt und der empfahl mir dringend die Einnahme. Ich muss sagen, wenn ich schon einen Therapieplatz zu dem Zeitpunkt gehabt hätte, was hier in einer Kreisstadt nicht so einfach ist, hätte ich die Medikamenteneinnahme wahrscheinlich verhindern können, einfach deshalb, weil ich dann Beistand gehabt hätte. Die Beratung beim Arzt jedenfalls war nicht wahnsinnig ausführlich, die meistens Infos kamen dann doch über's Internet.

Ich nahm also dann zu Anfang 10 mg Citalopram und abends 5 Wochen lang Seroquel. Nach einer Woche hab ich dann auf 20 mg. Citalopram gesteigert, das nehme ich auch heute noch. Am Anfang der Einnahme hatte ich einige Tage Brechreiz und 2 Wochen lang fühlte ich mich wie in Watte gepackt und total abwesend, was aber ausser mir, niemand wahrgenommen hat.
Seitdem geht es einigermaßen bergauf. Ich muss nicht mehr den ganzen Tag über mich nach grübeln und kann wieder ohne große Angst raus gehen.
Was ich bis jetzt sagen kann ist, dass mir das Medikament geholfen hat und die Nebenwirkungen sich in Grenzen hielten und aushaltbar waren auch immer auf die Hoffnung hin, dass es bald besser wird.
Auch die familiäre Hilfe war bei mir ausschlaggebend. Meine Eltern verstehen mich und mein Partner hat auch nach einiger Zeit verstanden, dass ich hier nicht simuliere und es mir wirklich beschissen ging. Das alles spielt ja auch zusammen.

Nichts desto trotz möchte ich mich weiterhin um einen Therapieplatz kümmern, damit mich Rückschläge nicht mehr so dermaßen hart treffen und vor allem, dass mich diese Unwirklichkeits- und Entfremdungsgefühle nicht mehr so sehr aus dem Ruder bringen. Ich empfand dies und die die ständigen Gedanken über mich selbst, die sich immer nur im Kreis drehten, das allerschlimmste. Das hat sich mit Citalopram auf einen momentan ertragbares Minimum reduziert. Hoffe, dass es so bleibt

Mein Arzt meinte, die Einnahme solle so zwischen einem halben und einem Jahr dauern. Die Aussicht finde ich jetzt nicht allzu schlimm.
(Das mit dem Alk. von meinem Vorredner: Also mein Arzt meinte, ab und an ein 1/4 Weinchen, wäre okay, wenn's dabei bleibt!). Ich habe das über die Feiertage auch gemacht und hatte keinerlei negative Erfahrungen).
Jedenfalls will ich bis zum Absetzen der Medikamente in Therapie sein, sonst hätte ich schon ein ungutes Gefühl, weil ich auch nicht glaube, dass diese Medikamente heilen, sondern nur für ein "geordnetes Miteinander der Transmitter" im Gehirn sorgen. Ich weiss nicht, ob es gesichert ist, ob nun als erstes die Angst und Depression da waren und das den Serotoninmangel auslöste oder als erstes der Serotoninmangel da war und das die Angst/Depression begündete. Deshalb bin ich mir auch nicht sicher, ob nach dem Absetzen des Medikamentes die Transmitter im Gehirn wieder gelernt haben, ihre Arbeit richtig zu machen.

Viele Grüße
Drea :

29.01.2009 15:32 • #12


Lisa_Coccinella
Zitat von Psychologiestudentin:
Vielen Dank schon mal für eure Antworten!

@Lisa: Welches Medikament hast du genau genommen?


Paroxedura

29.01.2009 16:15 • #13


Lisa_Coccinella
Zitat von Psychologiestudentin:
@Lisa: Für wie lange Zeit wirst du voraussichtlich die Medocs einnehmen müssen? Machst zusätzlich eigentlich eine Therapie? Welche Medocs hatte dir dein HA verschrieben und hat er deine Störung erkannt?


Weiss ich nicht, solange ih krank bin, nehme ich an
Ja, ich mache eine VT
AD, irgendwas mit Fluox und was weiss ich noch was

29.01.2009 16:17 • #14


Lisa_Coccinella
Zitat von Lisa_Coccinella:
Zitat von Psychologiestudentin:
@Lisa: Für wie lange Zeit wirst du voraussichtlich die Medocs einnehmen müssen? Machst zusätzlich eigentlich eine Therapie? Welche Medocs hatte dir dein HA verschrieben und hat er deine Störung erkannt?


Weiss ich nicht, solange ih krank bin, nehme ich an
Ja, ich mache eine VT
AD, irgendwas mit Fluox und was weiss ich noch was

Und nein, er dachte ich bin "nur" eine Hypochonderin, weil ich fast täglich bei ihm war.

29.01.2009 16:18 • #15


Hallo,

es ist nicht so leicht auf die Fragen zu antworten.
Während der Zeit der Einnahme überwogen bei mir die positiven Effekte eindeutig. Angst und Panik wurden gedämpft, die Häufigkeit der PA und die Intensität beim Auftreten nahmen ab. Ich konnte wieder am Leben teilnehmen: einkaufen, aus dem Haus gehen usw.
Während des Ausschleichens der Medikamente hatte ich Tavor und Trevilor des öfteren als Teufelszeug verflucht. Das weiß ich heute (einem Jahr nach dem Absetzen) noch genau. Die Absetzerscheinungen, vor allem die stromschlagartigen Blitze im Kopf (anders kann ich es schlecht beschreiben) beim Absetzen des Trevilor waren extrem eklig und forderten einen starken Durchhaltewillen von mir ab.

Wenn ich die Medikamente noch einmal verordnet bekommen würde:

Ich denke, dass dies nur in Situationen erfolgt, in denen es mir dermaßen schlimm geht, dass ich das Haus nicht einmal mehr verlassen könnte vor lauter Angst und heftigen PA. Ich glaube in der Situation würde ich fast alles nehmen, damit sich der Zustand wieder ändert/bessert, also auch wieder Tavor und Trevilor.
In allen anderen Fällen, würde ich diese Medikamente nie mehr einnehmen. Ich hatte ja auch nach dem Absetzen mal Tiefphasen (Angstzustände, Phasen mit Herzstolpern und häufigeren PA). Die Phasen kommen ab und zu und verschwinden wieder. Ich denke, die Amygdala meines Gehirns und die Chemie dort sind phasenweise im Ungleichgewicht. Mein vegetatives Nervensystem kommt eben erst ganz allmählich wieder ins Gleichgewicht und ist leicht aus der Bahn zu werfen.
Übrigens wusste ich bis vor zwei Jahren nicht einmal, dass es PA und eine generalisierte Angstörung als Krankheit gibt. Ich war psychisch immer stabil und belastbar.Bis es mich aus scheinbar heiterem Himmel voll erwischte.
laola

29.01.2009 20:50 • #16


Nach dem ich etwa 3 Monate eine PA nachd er anderen hatte und dann irgendwann so Hilflos war, das mein Mann mich ins Krankenhaus mit Neurologischer Notaufnahme gebracht hat, der hat mir Tavor gegeben und auch welche mit nach Hause. Ich habe da gleich eine genommen und peng, es wurde fast sofort besser, ich konnte endlich schlafen wurde ruhiger. Ich sollte davon 1mg-1mg-2mg nehmen. Das war auch schon zu Beginn zu viel für mich. Ich habe dann eine Zeitlang 0,5 o-1 genommen und dann später nur bei Bedarf. Wobei ich den Verzicht auf die Medis als oberstes Ziel gesehen habe. Ich habe die Tavor ohne große Beratung und Untersuchung von meinem Hausarzt bekommen. Für ein neues Rezept musste ich nur anrufen. ich denke, da wurde viel zu lax mit umgegangen. Zum Glück war ich auch in psychotherapeutischer Behandlung. Inzwischen bin ich 3 Jahre beschwerdefrei. Zu Problemen beim Absetzten kann ich nichts sagen, ich habe nichts dahingehendes in Erinnerung. ich habe auch nicht das Gefühl gehabt wesensverändert gewesen zu sein, wobei mein Mann schon meint, unter den Tanvor hätte ich immer grinsend auf dem Sofa gesessen. Aber da übertreibt er bestimmt etwas.

31.01.2009 19:28 • #17


Hallo,

gerne gebe ich Auskunft darüber. Ich denke wir sind alle froh, wenn es immer mehr Informationen gibt. Menschen wie sie sind die Zukunft.

Ich habe eine Generalisierte Angststörung mit leichter Depression.
Nehme seit 9 Jahren Trimipramin (Stangyl) 100mg/Tag.
Bei Bedarf Tavor 0,5.

Zu Bginn meiner Erkrankung hatte ich Nebenwirkungen wie Herzklopfen und Magenprobleme und war sehr lichtempfindlich. Aber eines kann man mit Sicherheit sagen, nämlich, daß man die Nebenwirkungen nicht gut von den eigenen Symptomen unterscheiden kann und sich oft nicht sicher ist, ob das nun das Medikament verursacht hat oder man selbst.

Daher denke ich, daß man lieber die evtl. Nebenwirkungen in kauf nehmen sollte, als auf Medikamente zu verzichten.

Ich bin momentan zum zweiten Mal in Therapie. Verhaltenstherapie / tiefenpsychologische Therapie. Zu beginn meiner Erkrankung war ich schon mal 2 Jahre dort und hatte enorme Erfolge zu verzeichnen. Meine Medikamente konnte ich jedoch trotzdem nicht absetzten. Wenn ich es versuchte verstärkten sich meine übrig gebliebenen Ängste.

Dann wurde es vor 1 Jahr wieder schlimmer, ich bekam Dauerschwindel.
Für mich der Hinweis, ich muß noch mal zur Therapie. Ich hab da noch was zu Bearbeiten/lernen.

Meine Therapeutin meinte, daß sie aber denke ich könnte die Antidepressiva bald reduzieren. Wir werden sehen, ob es diesmal klappt.
Man fühlt sich schon immer komisch bei dem Gedanken immer so ein Medikament zu nehmen. Ich denke zwar nicht, daß mich das Medikament in meiner Persönlichkeit verändert aber ganz sicher bin ich mir auch nicht.

Aber ohne die Medikamente hätte ich nicht weiterleben können. Zu Beginn meiner Krankheit wäre ich ohne AD und vor allem Tavor nicht therapierbar gewesen. Ich hätte nicht mal den Weg zum Arzt geschafft.

Alles in allem bin ich sehr froh, daß es diese Medikamente gibt.

Was die Betreuung angeht ist es leider noch erschreckend, wie wenig die meisten Ärzte über diese Dinge wissen. Sogar bei Neurologen war ich schockiert. Sie sehen nur noch die Medikamente und berücksichtigen die Wirksamkeit von Therapien nicht. Sie kennen sich nicht richtig aus und meinen mit Tabletten wäre das Problem gelöst.
Es ist sehr schwer einen guten Neurologen und Therapeuten zu finden.

Ich hoffe sehr, daß die Ausbildung der Neurologen in dieser Hinsicht deutlich verbessert wird.
Die Behandlung von Menschen wie mir sollte immer Hand in Hand mit dem Therapeuten erfolgen.

Falls noch Fragen sind können sie mich gerne kontaktieren.
Ich hoffe, ihnen damit geholfen zu haben.

01.02.2009 00:23 • #18


@farfallina: Danke für deinen ausführlichen Bericht. Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich gerne ein paar Zeilen in meinem Seminar daraus vorlesen.

Ich finde es kommt bei deiner Schilderung ganz gut rüber, dass Psychopharmaka für viele Menschen zwar hilfreich und notwendig sind, die Zusammenarbeit zwischen Therapeuten und Psychiatern aber nicht immer klappt und Medikamente viel zu leichtfertig verschrieben werden.

01.02.2009 16:04 • #19


Danke, danke, danke! Ich finde es echt super, wieviele ausführliche Schilderungen auf meine Anfrage gekommen sind. Gerne würde ich ein paar Sachen in meinem Seminar zitieren. Wenn ihr etwas dagegen habt, dann sagt mir bitte bescheid!

Wenn ich eure Beiträge so lese, dann habe ich das Gefühl, das Medikamente für viele echt notwendig sind.

Was mich nur wütend macht ist, dass die Anzahl von Therapiestunden begrenzt ist und Betroffene in den zwei Jahren bis zur nächsten Möglichkeit eine Therapie zu beantragen kaum eine andere Wahl haben als Medikamente zu nehmen.

Meiner Meinung nach sollten Medikamente nur eingesetzt werden, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Denn selbst wenn sie nicht nur Symptome bekämpfen sondern zum Teil auch heilen, nimmt man den Betroffenen die Möglichkeit ihre Erkrankung Kraft ihres Geistes zu lösen.
Ich denke, wenn es jemand schafft durch die Anwendung kognitiver
Strategien eine psychische Erkrankung in den Griff zu bekommen, dann hat er eine wahnsinnige persönliche Entwicklung durchgemacht.
Der Mensch wächst halt auch an seinen Problemen und der einfachste Weg ist nicht immer der Beste!

Nichtsdestotrotz sollten Menschen mit zu großem Leidensdruck, die vielleicht nicht oder noch nicht auf eine Therapie ansprechen, die Möglichkeit haben ihr Leiden mit Hilfe von Medikamenten zu lindern.

Was denkt ihr über meine Sichtweise?

LG
PS

01.02.2009 16:36 • #20



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Dr. med. Andreas Schöpf