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201806.02




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Mittelfranken
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Grashüpfer hat geschrieben:
Was für kuriose Wege suchen sich die Erinnerungen und Ängste bei dir? Darf ich dich das fragen? Es würde mich wirklich interessieren.


Ich bin extrem misstrauisch bei Ärzten und Behandlungen und Medikamenten. Ich kann erst dann einem Arzt vertrauen, wenn er auf mich eingeht und wenn ich selbst bestimmen kann, was gemacht wird. Große Angst vor Narkosen (Ausgeliefertsein) etc.
Bei mir war das größte Problem die Trennung von meinen Eltern und weg von zuhause zu sein. Das ist bis heute ein ganz großes Problem. Veränderungen, Ortswechsel, Trennungen sind riesige Probleme für mich. Und immer legt es sich sofort auf das Essen, d.h. ich kann dann nichts mehr essen. Große Verlustängste. weil ich damals dachte, meine Eltern hätten mich weggegeben. Ich hatte keine Ahnung warum ich da war, was das sollte, was da mit mir gemacht wurde.

Dieses Trauma hat mein Leben sehr geprägt und hat riesige Auswirkungen bis heute. Es ist aber nicht so, dass meine Angst speziell Männer betrifft, es ist eine allgemeine Angst vor dem Ausgeliefertsein.

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Danke1xDanke


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NRW
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  07.02.2018 00:43  
# weint#

Danke, @kalina . Bei deinen lieben Worten, die sich mit meinen Gefühlen und (schwachen) Erinnerungen mischen, muss ich weinen. Es kommt alles wieder hoch.

Natürlich ist es eigentlich kein Wunder, dass so eine Angst entsteht, da hast du recht. Das Schwierige daran war, dass ich eigentlich keine oder nur ganz schwache Erinnerungen habe. Es ist mehr ein Gefühl. All diese Erlebnisse hat mein Kopf in seinen hintersten Winkel weggeschlossen, um sie überhaupt aushalten zu können. Deshalb sind meine Erinnerungen eher eine schwarze, düstere und ganz bedrohliche Wolke. Aber im Unterbewusstsein ist alles da, alles. Da ich keine konkreten Erinnerungen habe, oder nur so verschwommene, war es schwierig, an sie heran zu kommen und sie so gut es ging an die Oberfläche zu holen, um diesen Zusammenhang überhaupt sehen zu können. Meine Therapeutin damals hat diese Erlebnisse mit mir bearbeitet. Das an die Oberfläche zu holen war schrecklich, es ging mir tagelang schlecht, ich war wieder das Kidn, das das alles noch mal erlebt. Es war schlimm. Aber ich musste da durch, damit das alles ein wenig seinen Schrecken verliert. Seitdem geht es besser. Aber verschwinden wird es nie.

# weint wieder #.

Auf der anderen Seite hat mich das allles wahnsinnig stark gemacht. Ich meine, natürlich wünschte ich, man könnte das alles ungeschehen machen und ich müsste nicht mit diesen Verletzungen und Traumata leben. Aber während ich das hier schreibe, wird mir bewusst, was ich alles überstanden, ja überlebt habe. Wenn man so was schafft - dann schafft man wahrscheinlich fast alle anderen Schwierigkeiten im Leben auch.

Was ich nicht schaffen würde: Eine wirklich schwere Krankheit. Das würde mich total aus der Bahn werfen, und dann käme ich glaube ich nct mehr auf die Füße. Das ist mit meine größte Angst.
Boah, what a Seelenstrip! Jetzt bin ich erschöpft.

# heult Rotz und Putz , alles wieder da ! #

Danke1xDanke


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Mittelfranken
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  07.02.2018 00:54  
:trost: :knuddeln:


Bei mir ist auch vieles verschwommen, aber manche Bilder haben sich in meine Seele eingebrannt. Die Gefühle dazu sind nicht immer da, nur manchmal kommt das ansatzweise hoch und fühlt sich sehr schlimm an.
Ich bin auch in keinster Weise scharf darauf, mich an das alles zu erinnern. Ich weiß und merke aber immer wieder dass ich halt heute noch auf solche Situationen wie das ausgelieferte Kind reagiere.

Ich hoffe, dass ich heute nacht nicht davon träume.

Manchmal ist es auch genug und verdrängen ist auch manchmal wichtig.



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  07.02.2018 01:02  
Oh, das sind wirklich sehr einschneidende Prägungen. Das Misstrauen gg.ü. Ärzten hab ich auch, und mir geht es auch so, dass ich erst Vertrauen habe, wenn sich der Arzt viel Zeit nimmt und sehr auf mich eingeht. Ich glaube außerdem oft, dass es keine Hilfe für mich gibt und fühle mich allein gelassen und zum körperlichen Leiden verurteilt. Mein Krankheitsbild ist extrem selten und auch heute noch kennen viele Ärzte es gar nicht oder haben nur mal ganz entfernt im Studium davon gehört. Seit einigen Jahren bin ich an einer Uniklinik in Behandlung, die sich - als eine von ganz wenigen Kliniken - darauf spezialisiert haben. Zu meiner Ärztin habe ich Vertrauen gefunden und bin froh, eine Anlaufstelle zu haben, wo man mich und mein Hnadicap versteht und wo ich jeder Zeit hin kann, falls mal etwas sein sollte. Ich gehe jetzt 1 x pro Jahr zum Check Up und bin heilfroh, dass man so die kleinsten Veränderungen früh erkennen würde. Aber zum Glück ist alles in Ordnung.

Die Trennungsängste sind bestimmt schrecklich oder? Und die Verlustängste? Das stelle ich mir sehr schlimm vor. Ich habe auch nicht verstanden, was ich da soll, warum man das alles mit mir macht, wo es doch so furchtbar war. Versteht dein Partner oder deine Familie deine Ängste?
Bei mir hat es das Verhältnis zu meinen Eltern eher unterkühlt. Ich konnte nie über meine Gefühle reden, war immer distanziert und verschlossen. In eden letzten 15 Jahren habe ich sehr daran gearbeitet und inzwischen bin ich viel offener und unser Verhältnis ist viel besser geworden. Vieles tut mir so wahnsinnig leid, ich war nicht immer nett zu ihnen, vor allem nicht zu meiner Mom. Ich würde es so gern ungeschehen machen!

Lacht jetzt bitte nicht: Ich habe Angst vor Post. Vor Briefen im Briefkasten. Darin kummulieren diese Ängste von früher. Ich hab Angst, dass man mir was Böses will, der Absender will mir schaden, mich klein machen, und ich fühle mich wieder klein, hilflos, ausgeliefert, niedergemacht. Da spielen noch andere Erlebnisse mit hinein, aber auch die KH-Erfahrungen. Bestimmt denkt ihr ich spinne - aber es ist so. Ich arbeite sehr dara, und zur Zeit wird es besser.

Danke1xDanke


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Mittelfranken
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  07.02.2018 01:04  
Ich hoffe, Du kannst heute nacht trotzdem einigermaßen gut schlafen, Grashüpfer.

:knuddeln:

Ich bin geschieden. Meine Eltern und mein damaliger Mann haben wohl versucht zu verstehen, aber wirklich versteht das kaum jemand. Eigentlich nur derjenige, der es auch kennt.

Was für eine seltene körperliche Krankheit hast Du?

Ich habe auch Angst vor unangenehmen Briefen und gehe äußerst ungern zum Briefkasten. Ich lache überhaupt nicht über Dich. Kann Dich verstehen.

Danke1xDanke


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  07.02.2018 01:12  
kalina hat geschrieben:
:trost: :knuddeln:


Bei mir ist auch vieles verschwommen, aber manche Bilder haben sich in meine Seele eingebrannt. Die Gefühle dazu sind nicht immer da, nur manchmal kommt das ansatzweise hoch und fühlt sich sehr schlimm an.


Geht mir genauso.

kalina hat geschrieben:
Ich bin auch in keinster Weise scharf darauf, mich an das alles zu erinnern. Ich weiß und merke aber immer wieder dass ich halt heute noch auf solche Situationen wie das ausgelieferte Kind reagiere.


Ja, so ist es.

kalina hat geschrieben:
Manchmal ist es auch genug und verdrängen ist auch manchmal wichtig.

Absolut. Sonst könnte man nicht im Hier und Jetzt leben.



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  07.02.2018 01:19  
kalina hat geschrieben:
Ich hoffe, Du kannst heute nacht trotzdem einigermaßen gut schlafen, Grashüpfer.

:knuddeln:


Ach, ich glaube schon :D .

kalina hat geschrieben:
Ich bin geschieden. Meine Eltern und mein damaliger Mann haben wohl versucht zu verstehen, aber wirklich versteht das kaum jemand. Eigentlich nur derjenige, der es auch kennt.

Ja, denke ich auch. Es tut mir leid, dass deine Ehe kaputt gegangen ist. Ich bin auch nach 9jähriger Beziehung allein.

kalina hat geschrieben:
Ich habe auch Angst vor unangenehmen Briefen und gehe äußerst ungern zum Briefkasten. Ich lache überhaupt nicht über Dich. Kann Dich verstehen.

Danke. Vielleicht gibt es das doch öfter als man denkt.... :knuddeln:

So, jetzt muss ich langsam mal in die Federn :D . Gute Nacht, schlaf gut! Ich hoffe, du kannst schlafen. :knuddeln:

Danke1xDanke


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Mittelfranken
1508
  07.02.2018 01:27  
Ich geh jetzt schlafen, liebe Grashüpfer.

Schlaf Du auch gut.
:gaehnen:
Es tut gut, sich das alles mal von der Seele zu schreiben und zu hören, dass andere ähnlich fühlen und ähnliche Probleme noch heute haben. Man fühlt sich selbst dann wenigstens nicht ganz so "außerirdisch".

Danke1xDanke


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  07.02.2018 01:37  
Geht mir ganz genauso, liebe Kalina. Danke für das gute Gespräch!

Schlaf du auch gut, und vielleicht ja bis morgen?

Gute Nacht! :gutenacht:

Danke1xDanke


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  07.02.2018 04:44  
Zitat:
Und scheinbar quatscht dir das kein Therapeut der Welt aus der Seele.


Das kann auch kein Therapeut der Welt, weil sich das Gehirn in diesem Alter ja auch grundlegend strukturiert. Das Gehirn kann man nicht gesund quatschen( wenn es um tiefsitzende und frühe Traumata geht.)
https://www.amazon.de/Wie-das-Gehirn-Se ... hirn+seele

Wobei Psychotherapie/Verhaltenstherapie durchaus das Gehirn verändern kann, nur nicht so tiefgreifend und langfristig (Symptome kehren zurück).
http://www.sueddeutsche.de/leben/psycho ... n-1.922851

Das Thema Krankenhaus-Trauma finde ich auch interessant, ist bei mir auch ein Thema(Krankenhausaufenthalte unter und mit 3 Jahren). Wobei ich mich auch nicht an viel erinnern kann.

Aber zum Thema Erinnern und Traumata würde ich gerne meine Geschichte teilen, auch wenn es keine Krankenhausgeschichte ist.

Meine Ängste sind das Verschlucken/Ersticken von Essen und Angst nicht rechtzeitige eine Toilette aufzusuchen.

Bis ich 19 war konnte ich mich an bestimmte Situationen im Kindergarten nicht mehr erinnern. Von der Schule aus sollten wir im Kindergarten (Fach Pädagogik) 3 Tage nur beobachten und einen Bericht darüber schreiben. Ich ging in meinen alten Kindergarten.

Und dann war das Wissen plötzlich wieder da, nicht mit einem Knall sondern es tauchte danach einfach irgendwie wieder so auf. Ganz sanft, keine Panikattacken oder vermehrten Ängste.

Ich wusste wieder, dass es zu folgendem Vorfall gekommen war: Ich spiele, bin vertieft, man ruft mich, sehr freundlich, Klara komm! Wir wollen ein Lied singen, alle Kinder stehen im Kreis, fassen sich an den Händen,3 Erzieherinnen sind dabei, die Sonne scheint in den Raum, ich freu mich, bin die Letzte die den Kreis schließt, mit der linken Hand fasse ich die Erzieherin an die mich gerufen hat, ein Junge steht im Kreis, wir fangen zu singen an, schäm dich, schäm dich, alle Leute sehen dich, der Junge schaut mich mit großen Augen entsetzt,traurig an, das ist seine Strafe, weil er sich in die Hosen gemacht hat, die Erinnerung endet an der Stelle

Ich habe über diese Erinnerung viel geweint, möchte mich heute noch von den Händen losreißen, zu dem Jungen gehen und ihn trösten und erklären, dass ich das nicht wusste. Fühle mich schuldig obwohl ich unschuldig war.

Dann wusste ich auch wieder, dass ich morgens immer die Pelle von der Milch wegmacht habe (Habe mich geekelt.) und die ganz schnell runtergestürzt habe und dann ganz schnell in meine Stuhle gebissen habe. Ich denke das sie uns zum Aufessen gezwungen haben, warum isst/trinkt man als Kind sonst etwas was man nicht mag. Kann mich auch erinnern, dass ich einmal ganz lange sitzen und Weintrauben aufessen musste. Ich hatte mir zuviele auf den Teller gelegt und brauchte dann so lange zum Aufessen weil ich immer erst die Kerne rauspulen musste, weil ich die nicht mochte. Ein Kind wollte mir helfen, mitessen :-), durfte aber nicht.

Das war damals noch in der DDR, hab da die letzten Jahre als Kind leider noch mitgenommen.
https://www.amazon.de/Krippen-Kinder-DD ... nderkrippe
https://www.amazon.de/Kinder-brauchen-M ... %C3%BCtter

Kind sein ist eigentlich ziemlich doof und gefährlich. Man ist so ausgeliefert.

Ich bin "froh" diese Erinnerungen wieder zu haben, weil sie ein Puzzlestück zu meinen Ängsten sind.

Also könnten wir uns vielleicht an noch mehr erinnern wenn wir an die Orte unserer Kindheit zurückgehen, aber das kann man ja nicht immer.

Danke2xDanke

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