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Dann haben wir was gemeinsam. War mit etwa 3 Jahren ein halbes Jahr in einer Klinik, in einem Saal mit 18 anderen Kindern, weit weg von zu Hause.
Meine Eltern konnten mich nur am Wochenende kurz besuchen, weil damals die Eltern eben noch nicht mit dabei sein durften. Wäre auch gar nicht
gegangen, weil beide voll gearbeitet haben. Bei mir hat man eine Hüftdysplasie korrigiert. Aus dem Becken ein Stück Knochen gesägt und an die
Hüftgelenkspfanne geschraubt. Hatte in der Zeit einen Spreizgips und konnte mich kaum bewegen. Weiß heute noch, wie weh der Gips teilweise
an den Kanten getan hat. Irgendwann kam ich wieder nach Hause, dort mußte ich lange liegen in einer Hüftspreizbandage, mit 4 Jahren, mußte ich
neu laufen lernen. Also alles in allem, habe ich davon wohl auch einige krasse Sachen abgekriegt. Ich weiß noch im Krankenhaus, habe ich mir
zum Spaß immer den Kopf durch die Stangen des Bettes gemacht, einmal wäre ich fast nicht wieder rausgekommen. Ist halt alles passiert, wenn
man es nicht gemacht hätte, könnte man heute vielleicht nicht laufen, wer weiß, wird schon was Gutes gehabt haben. Aber seelisch, ist so etwas
für ein kleines Kind nicht gerade gesund.

Ach, wir alle haben doch unsere Dinger aus der Kindheit weg. Denke daß keiner in einer perfekten Kindheit aufgewachsen ist.

14.08.2017 13:57 • x 4 #21


Ohje....wie bei mir!

musste auch mit drei an der Hüfte operiert werden...KH war weit weg.Also nur Besuch am Wochenende. Und dann nur von 15.00-16.00....so war das früher.

Kann mich auch noch an den großen Saal erinnern..mit vielen Gitterhochbetten drin....

hatte das Bein komplett eingegipst und musste nach 3 Monaten Krankenhaus auch neu laufen lernen.

Erinnere mich an Räume mit vielen Kacheln, diese sind mit bis heute zuwider.(op Raum z.b.)

Zuwendung null Erinnerung, also gab es vermutlich auch keine.

Blut abnehmen weiß ich noch als Kind..kein Trost nix.

Kam nach Hause, gibt Fotos ..sah total verstört aus...leerer Blick.

Andererseits..würde ich heute Hinken.....

Und Schielen. Solche Augen Op' s hatte ich auch.

war auch super...nach OP mit verbundenen Augen dort rum liegen..keine Mutter niemand da.

naja....war notwendiges Übel. Sonst sähe ich heute aus wie Quasi Modo.

14.08.2017 14:27 • x 1 #22



Als Kind im Krankenhaus / Trauma

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Miyako
Als Kind war ich auch öfter im Krankenhaus und habe immer alles tapfer durchgestanden bis zu meinem 11. Lebensjahr, als ich wieder im KH war und so ziemlich alles falsch lief was falsch laufen konnte. Ich habe auch einen physischen Schaden dadurch erlitten, den ich hinnehmen muss, da man den vorherigen Zustand nie wieder herstellen kann. Das schlimmste sind aber die psychischen Folgen. Ich verweigere seither alles was auf OP/Narkose hinaus läuft und hoffe immer, das nie eine Situation eintritt, in der ich wirklich nicht drumrum komme.

14.08.2017 14:29 • x 2 #23


Allerdings kann man das als Erwachsener besser einordnen, und damit umgehen, in solch einer Situation, man bekommt Dinge erklärt und kann nachfragen.

Als Kind versteht man Null...ist hilflos ausgeliefert.

14.08.2017 14:35 • x 4 #24


Als ich mit 19 - also als "Erwachsener" - dann noch einmal am Herz operiert wurde, war die Angst nicht kleiner und es gab auch bei dieser OP nur Unterstützung im körperlichen Bereich (Reha-Maßnahmen). Da ich zum Zeitpunkt der OP und auch vorher keinerlei Schmerzen hatte, mir die OP aber als zwingend notwendig erklärt wurde, wegen der zu erwartenden Folgen, fühlte ich mich komplett ohnmächtig. Dieser Zustand hielt recht lange an, auch noch nach dem Krankenhaus Aufenthalt. Es war so ein Gefühl von sich ergeben. Erst gut 2-3 Jahre später war ich wieder voll im Leben, was Arbeit, Beziehung und Familie/Freunde anging.
Im letzten Jahr hatte ich nach über 20 Jahren zum ersten Mal wieder eine Operation (Gallenblase). Die Angst vor der Narkose und der OP waren groß. Aber es ist natürlich anders. Jetzt habe ich eine Familie, die mich unterstützt hat. Die Kinder sind da, meine Frau ist da. Und der kurze Krankenhausaufenthalt war fast schon Wellness für mich, zumal die OP auch gut verlief.

14.08.2017 14:47 • #25


Ich selbst war als Kind zwar nicht im Krankenhaus, aber ich kannte einen Mann, der mit ca. 2 Jahren wegen Fieberkrämpfen o.ä. zur Beobachtung für ca. 10 Tage ins Krankenhaus kam. Das war in den 50er Jahren.
Er wurde dort abgegeben und bekam die Mutter erst wieder nach 10 Tagen beim Abholen zu Gesicht.

Damals hatte man keine Ahnung von der Psyche von Kindern.
Er hat erzählt, dass zu der Zeit Eltern ihr Kind während des ganzen Krankenhausaufenthalts nicht besuchen durften, weil man verhindern wollte, dass das Kind weint oder schreit, wenn sie wieder weggehen. Man hielt es für weniger schlimm fürs Kind, wenn es die Eltern während der ganze Zeit überhaupt nicht sieht.
Und dass die Mutter nachts beim Kind blieb, war sowieso nicht möglich.

War das Kind apathisch und ruhig, war alles in Ordnung und man machte man sich weiter keine Gedanken.
Ich erinnere mich, dass er gesagt hat, dass seine Mutter ihn manchmal durch einen kleinen Schlitz in der Tür sehen durfte, er sie jedoch nicht.
Der Mann hatte später eine schwere Zwangsstörung, wobei ich natürlich nicht weiß, ob das die Ursache war.

15.08.2017 00:29 • x 2 #26


Zitat von lechatnoir:
Allerdings kann man das als Erwachsener besser einordnen, und damit umgehen, in solch einer Situation, man bekommt Dinge erklärt und kann nachfragen.

Als Kind versteht man Null...ist hilflos ausgeliefert.


Und genau darum geht es .
Um dieses "hilflos ausgeliefert sein" .
Als Erwachsener - das hast du total richtig erkannt - kann man nachfragen und sich entsprechend artikulieren .
Als Kind hat man genau diese Fähigkeiten nicht . Da ist man m-a-c-h-t-l-o-s und h-i-l-f-l-o-s .
Man wird irgendwo hineinkatapultiert ohne das entsprechende Rüstzeug zu haben sich gegen das , was mit einem gemacht wird , wehren zu können . Das hinterlässt u.U. das Gefühl IMMER macht - und hilflos zu sein .
Ein schweres Paket, das man da in der Zukunft mit sich herumschleppt .
Ohnmacht . Manchmal ein ganzes Leben lang. Keine Regie für sein Leben übernehmen zu können .
Wenn man dann noch zusätzlich in einem Elternhaus aufwächst, das die Regie für Alles und Jedes übernimmt , hat man ganz und gar geschissen .
Ich weiß noch , dass ich damals - als man mich in diese "Erholung" verfrachtet hat , Grießbrei essen musste . Eine Speise , die ich absolut widerwärtig fand . Ich kübelte den Grießbrei wieder hinaus in den Teller . Es erschien eine dicke, alte Frau in Krankenschwesterntracht , die mich zwang , das Erbrochene abermals aufzuessen . Als ich daraufhin nachts weglaufen wollte , band man mich mit Lederriemen um die Handgelenke ans Bett . Ich glaube , es war die fürchterlichste Nacht in meinem Leben . Wie oft habe ich mir gewünscht , dieser Frau später nochmal zu begegnen und sie umzubringen . Mein Vater meinte dazu nur lapidar : " Jammer´ nicht rum , was denkst du eigentlich , was ich im Leben schon alles aushalten musste?!" .

15.08.2017 08:20 • x 1 #27


Zitat von Blackstar:

Ach, wir alle haben doch unsere Dinger aus der Kindheit weg. Denke daß keiner in einer perfekten Kindheit aufgewachsen ist.


Wessen Kindheit verlief/verläuft schon "perfekt" ?
Das wird auch nicht verlangt oder erwartet.
Es wäre aber doch mal richtig gut , gäbe es mehr Eltern , die das sehen , erkennen , anerkennen und sich für die groben Fehler , die sich gemacht haben , entschuldigen . Anstatt blöd herumzulabern , dass man sich das nur einbilde und übertreibt .

15.08.2017 08:29 • x 1 #28


@ Hermina04

@Rosalie48

ich bin erschüttert


Somit kann man wohl zum Glück sagen, daß in der heutigen Zeit nicht alles schlechter ist,als früher.

Obwohl, die Ignoranz mancher Menschen stirbt nie aus.

Meine Mutter meinte, sie müsse abends in Kneipen gehen und saufen gehen.....und spät nachts oder manchmal auch gar nicht heimgehen.

Sie vergaß nur ihr kleines Kind von 5 Jahren zuhause, alleine. Irgendwann schrie ich mal vor lauter Verzweiflung aus dem Fenster :" ich habe Hunger und Durst" Es war mitten in der Nacht, in einer großen Stadt.

Einer riss ein Fenster auf und schrie " Halts Maul! Weißt du eigentlich wieviel Uhr es ist?"

Es war ein Mehrfamilienhaus.

Eines Tages sprach MICH der Nachbar von obendrüber an, ich solle doch endlich mal aufhören,nachts an die Tür zu bollern.( da war ich 5)

Kein einziger half.

15.08.2017 08:47 • #29


Nein , meine Gutste ,
heute ist NICHT alles schlechter als früher . Immerhin haben Kinder mehr Rechte . Und das ist doch schon mal was . Und man hat Gott sei Dank erkannt , was das auslösen kann , wenn Kinder mutterseelenalleine gelassen werden - ob in Krankenhäusern oder sonstwo .
Die Zeit der "Schwarzen Pädagogik" ist bei uns weitestgehend vorbei . Auch die Kinderärzte sind auf diesem Gebiet sensibler und wacher .
Irgendwie scheinen wir da die Ar. gezogen zu haben . Das lässt sich wohl nicht mehr rückgängig machen .

15.08.2017 08:56 • x 1 #30


Rosalie, dieses auf Einsicht hoffen, das habe ich aufgegeben.

Das Problem ist, daß bei diesen NPS Leuten, oder wie man sie auch immer nennen mag, die Einsicht und das schlechte Gewissen fehlen, mangels Empathie.

Die ist ihnen allerdings selbst in den meisten Fällen durch tragische Umstände abhanden gekommen. Das entschuldigt nichts, aber ist etwas milder.

Für mich ist es heilsam, meinen Eltern eine "Diagnose" zu verpassen. Lange dachte ich, ich sei es nicht wert gewesen, mich besser zu behandeln.

15.08.2017 11:56 • #31


Ich verstehe das . Es ist wirklich dringend notwendig solchen Leuten eine Diagnose zu verpassen . In der Regel ist die ja auch zutreffend . Es nützt nur nichts . Es nützt nämlich dann nichts , wenn einem selbst das zwar milder erscheint aber nicht wirklich weiterhilft . Was meinst du, wie oft sogar Ärzte meinen Eltern eine Diagnose verpasst haben , mich also insofern bestätigt haben . Vollumfänglich bestätigt haben . Nur MIR hat das nicht weiter geholfen . Es geht nicht aus mir raus, dieses "Ach , es wäre so schön gewesen , wenn die nicht krank gewesen wären" . Oder "Warum zum Teufel haben die mich nur so Sch.... behandelt"?
Eigentlich haben die sich selbst doch auch Sch.... behandelt , oder ? Wirklich glücklich habe ich die Beiden nie erlebt . Wir waren der Katalysator für deren Probleme . Das ist extrem unfair . Im Grunde genommen tragen wir heute noch deren Probleme in uns und mit uns herum . Ist das nicht zuviel der Aufmerksamkeit ? Doch , ja , ich denke schon . WIR haben die geliebt , die nicht uns . Nicht wirklich . Meine Eltern waren die Sonnen , um die sich alles drehte . Und ich war der kleine jämmerliche Planet , der von deren Strahlen abhängig war und sich deren Licht mühselig erarbeiten musste . Es ist an der Zeit sich selbst die Sonne zu sein .

Grüße

15.08.2017 12:14 • x 1 #32


Ich muss das hier nochmal aufrollen.

Bin mir sicher, meine Angststörung ist so massiv, seit einem Geburtserlebnis.

Als Kleinkind musste ich wochenlang im Krankenhaus bleiben, wegen Hüft OP, mit eingegipsten Beinen, konnte nicht laufen.Immer in dem Gitterbett eingesperrt.Besuchszeiten damals 2 Stunden täglich.

Bei der Geburt meines Kindes hatte ich eine PDA, saß im Bett und konnte auch nicht laufen, die Ärztin ging aus dem Zimmer und machte die Tür hinter sich zu..ich lag alleine in dem Raum.

DA muss es wohl "Klick"gemacht haben. 25 Jahre später ?!

Seitdem habe ich schreckliche Angst vor Krankheiten..explizit Ausgeliefertsein und Hilflosigkeit.

Es folgten andere Traumen im Leben.

06.02.2018 08:22 • #33


Robinson
Mit unter 3 Jahren musste ich in ein Heim, weil meine Mutter Depressiv
war.
Da wurde ich so Aphatisch, dass ich dort wieder rausmusste. Habe einfach nix mehr gegessen und still in einem Bettchen gesessen.

06.02.2018 15:48 • #34


Zitat von Robinson:
Mit unter 3 Jahren musste ich in ein Heim, weil meine Mutter Depressiv
war.
Da wurde ich so Aphatisch, dass ich dort wieder rausmusste. Habe einfach nix mehr gegessen und still in einem Bettchen gesessen.


Oh je..wie furchtbar..

Was hat man den Kindern bloß angetan.

06.02.2018 15:53 • x 1 #35


kalina
Zitat von lechatnoir:

Oh je..wie furchtbar..

Was hat man den Kindern bloß angetan.


DAS könnt ihr wirklich laut sagen.

Anscheinend hatte man damals wirklich wenig Ahnung von den Kinderseelen. Mit Kindern wurde damals nicht zimperlich umgegangen. Damals durften Lehrer teilweise auch noch zuschlagen.

Ich habe als kleines Kind auch so ein Krankenhaus-Trauma erlebt, mit vielen Kindern in einem Saal. Auch die Behandlungen waren schrecklich.
Ich hab dort auch das Essen verweigert. Meine Eltern haben sich dann gewundert, warum ich so abgenommen habe. Gefühlt bin ich in dieser Zeit gestorben. Ich dachte, ich komme nie mehr nach Hause. Allein der Gedanke daran graust mich total.

Ich bin sehr sicher, dass meine schweren Panikattacken damit zu tun haben. Ich kann kaum meinen Wohnort verlassen und habe immer das Gefühl wenn ich weiter weg fahre, dass irgendwas in mir stirbt. Und das Problem, dass ich dann nichts essen kann, habe ich heute auch noch.

Verständnis gab es damals kaum. Wirklich, was für eine besch.....ne Zeit für kleine Kinder.

Heute weiß man, dass man Kinder nicht alleine im Krankenhaus lassen kann.

Ich weiß nicht, unsere ach so "fortschrittliche" Gesellschaft war noch vor 50 Jahren pädagogisch und menschlich grottenschlecht.
Ich glaub manchmal, selbst die Neandertaler waren fürsorglicher miteinander.

06.02.2018 19:55 • x 4 #36


Ja..nicht in allen Dingen wird alles schlechter.

Das Vorgehen damals war Folter.

Ich kann mich an gar keine Emotionen erinnern.Ich war völlig taub.

Lag vielleicht am Alter..2- 3 Jahre etwa.

Aber Bilder habe ich....

Einmal nahm mich eine Krankenschwester an der Hand , und sagte, ' komm, wir gehen mal spazieren!"

Ich dackelte treu mit...ins Labor zum Blut abnehmen.

Die Bilder habe ich heute, mit fast 43 noch vor mir.

Irgendwann kam sie wieder, und wollte wieder mit mir spazieren.....da sagte ich " Nein !" " ich geh nicht mit dir spazieren!"
Keine Ahnung , wie sie mich dann ins Labor brachten..da hab ich keine Erinnerung dran.Vermutlich haben sie mich betäubt? Gezwungen? Es ist weg. Vielleicht besser so.


ü

06.02.2018 20:26 • x 1 #37


kopfloseshuhn
Vor nicht allzu langer Zeit hat man ja auch noch Säuglinge ohne Narkose operiert weil man glaubte die können noch nicht fühlen.
Ehrlich auch wenn ich eure Stories lese...da gehen tiermütter besser mit ihren jungen um.
Grauenvoll

06.02.2018 20:30 • x 1 #38


Zitat von kopfloseshuhn:
Vor nicht allzu langer Zeit hat man ja auch noch Säuglinge ohne Narkose operiert weil man glaubte die können noch nicht fühlen.
Ehrlich auch wenn ich eure Stories lese...da gehen tiermütter besser mit ihren jungen um.
Grauenvoll


So isses leider. Immerhin schiele und hinke ich heute nicht. Vielleicht wäre ich dann aber wenigstens angstfrei.

06.02.2018 20:32 • #39


yellowBag
Ist ja bei allen hier ähnlich. War auch mit unter 3 Jahren 2 Wochen im Krankenhaus, Besuch war nicht, durften die nicht.
Ab und an durfte mich meine Mutter durch die Türscheibe kurz sehen.

Kann mich nur erinnern, da im Gitterbett gesesen zu haben, sonst ist alles weg. Was ich da gefühlt habe weiss ich nicht mehr.

Ich war wie eingefroren, die kleine Seele ist da irgendwie zersprungen. Irreparabel, weil zu früh. Urvertrauen dahin.

Tja,so war das eben.

06.02.2018 20:45 • #40



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