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Lotta1983
Hallo Ihr Lieben,

mit der Verhaltenstherapie komme ich nicht zum Erfolg. Den Kreislauf der Angst bekomme ich nicht durchbrochen. Sport hilft da auch nicht (agitierte Form) und Meditation macht zusätzlich Angst. Wie das mit der Akzeptanz funktionieren soll verstehe ich nicht und bekomme ich nicht hin. Der Körper steht den ganzen Tag unter Adrenalin, alleine bleiben funktioniert nicht und es kommen immer mehr Ängste dazu. Ein Alltag ist nicht möglich und ablenken bekomme ich dann auch nicht hin.

Ich habe mir gedacht ich mache mal ein Thema auf wo ich nicht jammere sondern konkret Frage wie man damit umgeht und raus kommt. Wie habt ihr es geschafft?
Also alles was klassisch in Kliniken und Therapie angeboten wird bringt nicht den Erfolg. Loslassen und Akzeptanz funktioniert nicht wenn der Kopf nicht mitspielt und man die Gedanken nicht in eine positive Richtung gelenkt bekommt. Den Glauben habe ich leider verloren.

Vielleicht gibt es ja Ratschläge und Erfahrungen die einen anderen Weg aufzeigen.

Vielen Dank und ich hoffe das hilft dann auch anderen weiter.

Medikamente bringen auch nicht den gewünschten Erfolg. Irgendwie muss ja auch was möglich sein was man selbst tun kann. Problem ist das Meditation nichts bringt wenn man gar nicht die Ruhe dafür hat und ständig wie ein Durazellhäschen ist.

Also her mit den Ratschlägen;)

Selbstbewusstsein stärken wäre auch etwas. Aber wie? Wo beginnt man und wo hört man auf?

Danke!

Vor 3 Stunden • 23.05.2020 #1


10 Antworten ↓


Tulpe94
Ich lese mit

Vor 3 Stunden • x 1 #2


cube_melon
Eine ultimative Lösung gibt es nicht.
Was bei jedem Hilft ist aus Erfahrung recht unterschiedlich.

Angst ensteht aus einem hohen inneren Stresspegel. Bei einer Panikattacke überschreitet dieser Pegel die Angstgrenze.
Also hilft alles was deinen inneren Pegel senkt.

Je mehr Energie man hat, desto leichter fällt es einem die Angst im Zaum zu halten.
Also hilft alles was Energie zuführt und man sollte auch schauen wo man vermeiden kann das Energie unnötig abfließt.
Wenn man nicht weiß wie das geht, kommt man irgendwann an einen Punkt wo die Angst ein Selbstläufer wird.

Das alles was ich geschrieben habe umfasst viele Themen. Die wichtigsten in der priorisierten Reihenfolge:

- Tages- /Lebensstruktur
- Bewegung/Sport, am Besten an der frischen Luft.
- positives Denken
- kognitive re-programmierung
- Ressoucenbildung
- Energiehaushalt
- innere und äussere Grenzen setzen und bewahren.
- Stressreduktion
- Schlafhygiene
- Achtsamkeitsmodul - innere und äussere Achtssamkeit
- Skillstraining
- Imaginationstechniken
- Zen Techniken

Leider gibt es so was, nicht, das man seine Beiträge mit Tags versehen kann. Sonst würde ich dir vorschlagen meine Beiträge anzuschauen. So wühlt man sich halt die Tastatur heiß.

Vor 2 Stunden • x 3 #3


Lotta1983
Danke!

Aber irgendwo muss man anfangen.

Achtsamkeit habe ich schon so oft versucht. Aber wenn es erst mal ein Selbstläufer ist...

Ich schaue mir das alles mal in Ruhe an.

Vor 2 Stunden • x 1 #4


cube_melon
Die Themen habe ich in der Reihenfolge gelistet, wie ich sie jemandem vermitteln würde.

Die Tagesstruktur, bzw. eine ninimale Notlaufstruktur ist das A und O.
Ebenfalls ein geregelter Tag-/Nachtrythmus.

Wenn ich dir nur das notwendigste vermitteln wollte, bräuchte ich 14 Tage lang, jeden Tag 1-2h Stunden Gespräch und 16/24h Chatsupport. So umfangreich ist das.

Vor 2 Stunden • x 3 #5


cube_melon
Zitat von Lotta1983:
Ich schaue mir das alles mal in Ruhe an.

PS: Wenn Du fragen zu einzelnen Sachen hast, frag bitte einfach hier ok?

Vor 2 Stunden • #6


Calima
Zitat von Lotta1983:
Ich habe mir gedacht ich mache mal ein Thema auf wo ich nicht jammere sondern konkret Frage wie man damit umgeht und raus kommt.


Die Idee ist klasse! Was ich als schwierig betrachte - auch wenn ich sie verstehen kann - ist deine innere Haltung, mit der du an diese Sache heran gehst. Du schließt bereits im ersten Post eine ganze Menge mit dem Hinweis "Hab' ich versucht, hat nix gebracht" aus. Natürlich kannst du das für dich so postulieren. Damit kommst du aber nicht weiter.

Viele Methoden funktionieren nicht auf Anhieb und nahezu keine funktioniert nach dem Lustprinzip. Und damit gibt es zwei sich gegenseitig bedingende Probleme: Man soll etwas tun, was zunächst mal keinen Fortschritt zu bringen scheint und das gleichzeitig unglaublich anstrengend ist. Auf der anderen Seite der Waage liegen jahrelang antrainierte Gewohnheiten und Verhaltensweisen, die zwar auch nichts bringen - die sogar ganz im Gegenteil die Lage ständig verschlimmern - die aber so vertraut sind, dass es weitaus einfacher ist, diese beizubehalten.

Dazu gehören sämtlich erlernte Meidetechniken. Wenn man vor etwas Angst hat, sucht man nach Auslösern für diese und findet sie in diversen Dingen, die man so tut. Zumindest glaubt man das. In Wahrheit stecken ganz andere Ursachen dahinter, aber wir lieben unser mechanistisches Weltbild, weil es so wunderbar einfach ist: Mache ich das, passiert das. Unterlasse ich das, passiert es nicht. So weit, so schlecht.

Indem man meidet, geht einem nach und nach die Fähigkeit verloren, sich Herausforderungen zu stellen. Und je länger das geschieht, umso weniger glaubt man an sich selbst und seine Möglichkeiten, das eigene Leben anpacken zu können. Man meidet mehr und mehr und ist irgendwann nur noch hilflos ausgeliefertes Opfer. Gleichzeitig geht einem jeglicher Sinn im Leben verloren, weil es nur noch eine Sache gibt, mit der man sich beschäftigt: Die Angst.

Um sie hinter sich zu lassen, muss man den Kampf aufnehmen. Und zwar nicht den Kampf gegen die Angst - den verliert man ja zu diesem Zeitpunkt schon Tag für Tag - sondern den gegen die eigenen Gewohnheiten.

DIE ANGST ist ein unglaublich übermächtig erscheinender Gegner. Sie zu bezwingen scheint irgendwann unmöglich. Aber das muss man auch nicht. Man muss sie auch nicht annehmen - zumindest ist das meine Erfahrung. Diese übersteigerte Angst ist nichts weiter als ein durch unsere Gewohnheiten hochgezüchtetes, aufgeblasenes Etwas. Um die Luft aus diesem abzulassen und sie wieder auf ein gesundes Maß zu reduzieren, muss man Gewohnheiten verändern.

Schritt für Schritt und vor allem: Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute. Heute mal was tun, was man spätestens übermorgen wieder lässt, führt zu nichts außer zu weiterem Frust.

Und damit bin ich bei Punkt 1 von Cubes wirklich toller Liste: Struktur und Tagesrhythmus. Der schlechteste Ort für einen Angsthasen ist das Bett. Dicht gefolgt von der Couch, dem Sessel und sonstigen Ruhemöglichkeiten. Was scheinbar "Entspannung" oder "Erholung" bringt ist in Wahrheit Gift und toxisch für Körper, Geist und Seele.

Mein erster Strategietipp ist demzufolge: Raus aus der Horizontalen. Und zwar sofort nach dem Aufwachen.

Der zweite wäre, sich am Tag zuvor einen Tagesplan zu schreiben und diesen auch einzuhalten. Und zwar unabhängig von der aktuellen Befindlichkeit. Sobald man die bestimmen lässt, hat sich jeder Plan in Nullkommanix erledigt. Dieser Plan sollte von Bewegung und Aktivität getragen sein, aber auch Dinge wie das regelmäßige Zubereiten von gesunder, frischer Nahrung beinhalten.

Meine persönliche Erfahrung ist: Der Weg aus der Angst ist auch ein Weg aus der Faulheit und Trägheit. Und nein: Die Ausrede, die Angst wäre zu anstrengend, zählt nicht. Man darf nicht erwarten, dass eine Veränderung der Gewohnheiten weniger anstrengend wäre, als das Verharren in der Angst. Im Gegenteil: Man muss sich darauf einstellen, dass es zunächst noch um einiges mühsamer wird.

Und dann muss man es anpacken und die Mission "Kampf dem eigenen Schweinehund" starten. Es gibt keine linearen Erfolge dabei, aber es wird dennoch immer wieder welche geben. Manche klein und unscheinbar, andere gewaltig. Und jeder einzelne wird einem sagen, dass der Weg der richtige ist.

Es gilt, den gesunden und mutigen Teil in sich zu aktivieren. Und genau das kannst du tun und es schaffen.

Vor 2 Stunden • x 3 #7


Lotta1983
Was ich als schwierig betrachte - auch wenn ich sie verstehen kann - ist deine innere Haltung, mit der du an diese Sache heran gehst.

- Die Haltung ist entstanden weil ich vieles versucht habe und auch länger. Meditieren zum Beispiel ging am Anfang sehr gut. Bis die Angst übermächtig war und selbst das mir Angst und Unruhe beschert hat. Denn dann konnte ich dabei gar nicht mehr entspannen und Ruhe halten. Ich habe ja eine agitierte Form. Somit sitze ich auch nicht auf dem Sofa oder liege auch nicht im Bett. Viel mehr bin ich dann ständig in Bewegung und gehe ständig spazieren. Bin dann nicht mal in der Lage mit meiner Familie am Tisch zu sitzen.

Wenn man vor etwas Angst hat, sucht man nach Auslösern für diese und findet sie in diversen Dingen, die man so tut. Zumindest glaubt man das. In Wahrheit stecken ganz andere Ursachen dahinter, aber wir lieben unser mechanistisches Weltbild, weil es so wunderbar einfach ist: Mache ich das, passiert das. Unterlasse ich das, passiert es nicht

- dem stimme ich zu. Ist ein sehr guter Blickwinkel.

Gleichzeitig geht einem jeglicher Sinn im Leben verloren, weil es nur noch eine Sache gibt, mit der man sich beschäftigt: Die Angst.

- das ist korrekt. Man sieht keine Zukunft mehr. Alles ist schwarz oder weiß

Der zweite wäre, sich am Tag zuvor einen Tagesplan zu schreiben und diesen auch einzuhalten. Und zwar unabhängig von der aktuellen Befindlichkeit. Sobald man die bestimmen lässt, hat sich jeder Plan in Nullkommanix erledigt. Dieser Plan sollte von Bewegung und Aktivität getragen sein, aber auch Dinge wie das regelmäßige Zubereiten von gesunder, frischer Nahrung beinhalten.

- sofern man ein wenig Abstand zu der Angst und Agitiertheit hat bekomme ich das hin. Aber an Tagen wo es mir schlecht geht verzweifelt man daran und es zieht einen mehr in den Sumpf. Meine Hobbys, die ich hatte, bekomme ich gar nicht mehr hin.
Mein Lebensinhalt war arbeiten. Das habe ich versucht und funktioniert auch nicht. Die Angst ist ein übermächtiger Gegner.
Ohne die Unruhe (äußerlich wie innerlich) wäre das alles besser umzusetzen. Ich gebe dir aber zu 100 Prozent recht.

Vor 1 Stunde • x 1 #8


Lotta1983
Zitat von cube_melon:
PS: Wenn Du fragen zu einzelnen Sachen hast, frag bitte einfach hier ok?




Danke

Vor 54 Minuten • #9


Calima
Zitat von Lotta1983:
Die Angst ist ein übermächtiger Gegner.
Ohne die Unruhe (äußerlich wie innerlich) wäre das alles besser umzusetzen.


Magst du kurz deine hauptsächlichen Ängste benennen? Das würde mir helfen, über Strategien nachzudenken.

Vor 47 Minuten • x 1 #10


Lotta1983
Zitat von Calima:
Magst du kurz deine hauptsächlichen Ängste benennen? Das würde mir helfen, über Strategien nachzudenken.



Wenn ich das mal wüsste. Das hat sich so generalisiert.

- Angst verrückt zu werden
- Angst vor dem Allein sein (kann nicht mehr alleine bleiben).
- Angst das die Krankheit nie endet
- Angst die Kontrolle zu verlieren
- Angst vor Veränderungen
- Angst dann weg zu sein (Heimweh) Ist auch neu dazu gekommen
- Angst das ich Menschen verliere (Verlustangst)


Es ist egal ob ich draußen bin oder zuhause. Sie ist überall. Am besten ist es noch wenn ich woanders bin.


Es sind mehr die körperlichen Symptome die mir zu schaffen machen und die Gedanken.
Diese Unruhe, Anspannung, die Derealisation und das ich an nix anderes Denken kann und ständig googeln muss.
Dann das ich dann nicht schlafen kann, selbst meinen Freund wecken muss und nix mehr mit mir alleine anfangen kann.

Meine Ängste drehen sich nur um mich und ich jammere nur und kann an mich auf nix anderes konzentrieren. Hab mich einfach zu einem Baby entwickelt. Das hat sich alles so generalisiert.

Am schlimmsten ist einfach die Anspannung (da hilft nur laufen, laufen, laufen...aber nur für den Moment). Auch drin im Haus bleiben kann ich dann nur schlecht und alleine schlafen oder bleiben geht gar nicht. Also verzwickt ist das.

Alles ist noch schlimmer geworden mit dem Tod meines Vaters am 29.01.20. Seit dem sind Ängste dazu gekommen. Es war allerdings vorher schon schlimm. Das Problem ist das ich gar keine freien Momente habe. Ich habe auch mit Erbrechen und Würgen bei Anspannung zu kämpfen und mit Durchfall. Appetit ist dann auch gleich bei 0. Ich habe 20 kg aufgrund dessen abgenommen. Jetzt bin ich wie ein fauler Apfel. Sehe äußerlich gut aus und innen ist alles faul.
Kann dann ja auch kein Gespräch mit Menschen führen. Bin dann gefangen n in mir selbst. Verzweiflung ist dann so groß. Gegen Klinik habe ich so eine Angst entwickelt das gibt es gar nicht. Fühle mich so alleine. Auch wenn da so viele um mich rum sind.

Vor 16 Minuten • #11




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