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Hallo liebe Gemeinde,
bin neu hier und würde gerne meinen ersten Beitrag schreiben.
Bin 52 Jahre alt und habe schon v.a. 16-17 Jahre mit der Angst und Panik zu tun.
Nehme ein Medikament . Venla faxin und ein Schilddrüsen Medi.
Habe schon mehrfach eine Tagesklinik besucht, danach eine Verhaltensthearpie gemacht. naja, mir gings faktisch nie wieder richtig gut. Mit der Heit kamen auch Depressionen dazu, sicher weil die Erkenntnis gewachsen ist, dass es einfach nicht besser wird.
Da der Leidensdruck momentan so groß ist und ich gar nicht mehr das Haus verlasse (am liebsten auch keinen Besuch bekomme), habe ich mir vorgenommen, eine ambulante Therapie zu beginnen.
Das Problem ist nur, dass ich eben auch wirklich Angst habe, zum Termin zu gehen. Die Nervosität vor und während der Stunde, ist für mich quasi gedanklich unaushaltbar.
Was habt ihr für Ideen und Tips, wie ich vorgehen könnte. Es muss doch irgendein Weg daraus führen

25.12.2019 20:56 • 29.12.2019 #1


17 Antworten ↓


Hast du jemanden, der dich begleiten kann?

25.12.2019 22:07 • #2



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Hallo, danke für deine Antwort. Habe schon meine Frau die mitkommen kann. Leider hilft mir das nicht wirklich.
Eine stationäre Therapie kommt für mich aber nicht mehr in Frage. Wenn ich dann noch weitere psychische Probleme der Mitpatienten sehe, die aus meiner schlimmer als meine eigenen sind, wie z.B. Psychosen etc. (habe ich große Angst vor soetwas auch zu bekommen), triggert nach meine Angst nachhaltig.
Insofern muss ich echt einen Weg finden, es ambulant hinzubekommen.

25.12.2019 22:30 • #3


Kenn ich. Deswegen drücke ich mich bis heute vor einer ambulanten Therapie. Neue Menschen aber auch generell Termine mit Ärzten etc die ich schon kenne Schrecken mich ab.
Was soll ich sagen, was ist wenn ich die Worte nicht finde, was wird wohl die Reaktion sein usw.
Was bei mir hilft? Ich weiß nicht ob es das Wort »hilft« verdient hat, aber der einzige Weg mich zu solchen Terminen (wie zb auch zahnarzttermine) zu bewegen, ist, alles so zu arrangieren das es quasi nicht machbar ist ohne unangenehmes Drama den Termin abzusagen. Quasi jemanden zu haben, der einen dort hinbringt und gut zuredet aber auch nicht auf das übliche »ich glaub ich kann doch nicht« hört.
Denn wenn man nicht hingeht, zu welchem Termin auch immer, wird es das Problem nicht lösen und es mag im aktuellen Moment Linderung schaffen, aber spätestens in ein paar Jahren ist es alles noch viel schlimmer, soweit es noch schlimmer werden kann.

Mit freundlichen Grüßen,
Jemand, der sich vor der Therapie drückt obwohl sie darunter leidet.

26.12.2019 00:18 • #4


Schlaflose
Zitat von Fearologe:
Das Problem ist nur, dass ich eben auch wirklich Angst habe, zum Termin zu gehen. Die Nervosität vor und während der Stunde, ist für mich quasi gedanklich unaushaltbar.

Dann lass dir ein Notfall Medikament verschreiben, das du zumindest in der ersten Zeit nehmen kannst, um überhaupt zur Therapie gehen zu können. Und schleiche gleichzeitig ein AD ein, das dauerhaft genommen werden kann. Medikamente und Therapie zusammen bringen noch die besten Erfolge.

26.12.2019 07:15 • #5


Danke für die Antworten. Schön das man nicht alleine solche Probleme hat.
Ein Antidepressiva 150mg Venlafaxin nehme ich ja. Hilft mit allerdings gar nicht. Ein Notfallmedikament wäre sicher toll, habe aber zu große Angst, sowas wie Tavor zu nehmen...eigentlich habe ich vor allen Pillen Angst
Die Angst sucht sich irgendwie immer neue Wege, mir das Leben schwer zu machen. Echt hochintelligent das Phänomen. Früher war es immer die Angst umzufallen, medizinische Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen...quasi der komplette Kontrollverlustkram.
Im Grunde ist das immer noch so, nur mit anderen Filmen die sich im Kopf abspielen. Das ist auch immer das Problem, wenn ich beim Psychogen sitze, wenn ich aufhöre, mich 100%ig auf das Gespräch zu konzentrieren, stelle ich mir ganz unpopuläre Dinge vor, die mir Angst machen. So im Prinzip wie manche Mütter mit kleinen Kindern, die nicht an einem Messer vorbeilaufen können, ohne Angst zu bekommen, sie könnten ihr Lind absichtlich damit verletzen. Das macht so eine Angst, dass ich noch Stunden nach der Therapie vollkommen fertig und geschlaucht bin. Weiß auch nicht wirklich, wie ich das vorab einem Psychologen erklären soll. Fühle mich dann wie ein Verbrecher, obwohl ich niemanden etwas zu leide tun könnte ....
Und diese Art von Gedanken sind so, als wenn dir jemand sagt, Du darfst jetzt nicht an einen rosa Elefanten auf einem Fahrrad denken, rums...man denkt daran.
Einfach sehr Problematisch

26.12.2019 16:27 • #6


Icefalki
Ist aber ein ganz normales Phänomen der Angsterkrankung. Angsthasen haben ein sehr schlechtes Selbstbewusstsein. Und es wird besser, wenn man sich mal seiner selbst bewusst wird.

Und Angsthasen brauchen Lösungen. Bedeutet, es hilft schon, wenn ich innerlich einen Termin damit antreten, mir zu sagen, kann ja immer noch abbrechen. Diese Umfallangst ist auch nur deshalb, weil man sich eh vor Meinungen anderer fürchtet und/oder umzufallen als eine Erniedrigung sieht.

Und schlussendlich ist Angst ein Gefühl, das man das Leben als bedroht ansieht. Wer sich selbst bewusst ist, kann Bedrohung verringern, auch wenn es heisst, zum Angsthasentum ganz und gar zu stehen.

Und noch was. Wer als Angsthase so lange überlebt, hat wirklich verdammt viel Mut.

26.12.2019 16:44 • x 1 #7


Hallo Icefalki,

dass hast Du nett geschrieben. Das mit dem
Mangelnden Selbstbewusstsein stimmt definitiv !
Mir ist die Bewertung durch andere Menschen extrem wichtig, dass merkt zwar außer meiner Frau niemand, ganz im Gegenteil, es glauben in meinem Umfeld die meisten ich hätte ein sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein, dass ist aber überhaupt nicht der Fall.
Habe auch schon darüber nachgedacht, dass auch diese Zwangsgedanken da eine große Rolle spielen. Ich befürchte in diesen Situationen immer, wenn das jemand wüsste, was ich mir für Filme drehe, dann würde ich abgestempelt als Psycho, der niemals mehr gesellschaftsfähig ist. Eine Horrorvorstellung für mich. Und dann kommt die Kontrollverlustangst wieder, ich könnte in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden etc. !
Das macht mir eine derartige Angst, dass ich mich kaum traue, mich einem Psychologen anzuvertrauen

26.12.2019 16:55 • x 1 #8


Zitat von Fearologe:
Hallo Icefalki,dass hast Du nett geschrieben. Das mit demMangelnden Selbstbewusstsein stimmt definitiv !Mir ist die Bewertung durch andere Menschen extrem wichtig, dass merkt zwar außer meiner Frau niemand, ganz im Gegenteil, es glauben in meinem Umfeld die meisten ich hätte ein sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein, dass ist aber überhaupt nicht der Fall.Habe auch schon darüber nachgedacht, dass auch diese Zwangsgedanken da eine große Rolle spielen. Ich befürchte in diesen Situationen immer, wenn das jemand wüsste, was ich mir für Filme drehe, dann würde ich abgestempelt als Psycho, der niemals mehr gesellschaftsfähig ist. Eine Horrorvorstellung für mich. Und dann kommt die Kontrollverlustangst wieder, ich könnte in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden etc. !Das macht mir eine derartige Angst, dass ich mich kaum traue, mich einem Psychologen anzuvertrauen


Hatte vor drei Jahren auch heftige Zwangsgedanken. Der aggressiven Art. Habe einen Arzt mal bei privaten Gespräch in der Klinik gefragt: wie kann ich sicher sein das ich nicht verrückt oder gefährlich bin?
Er lächelte und meinte, er habe nicht den Eindruck ich sei verrückt oder gefährlich. Garantieren kann er mir nichts, denn jeder Mensch ist im gewissen Grad zu sowas fähig, auch er selbst. Allerdings hat er noch nie einen Patienten gehabt, der durch Zwangsgedanken dann tatsächlich durchgedreht ist. Und bewerten tun sowas Ärzte und Psychologen eh nicht, die sehen das als pathologische Krankheit und das ist es auch. Nicht mehr oder weniger.
Menschen mit OCD zum Beispiel haben auch damit ganz stark zu kämpfen und das sind ja auch normale Menschen wie du und ich, die von Ärzten auch so behandelt werden.

Und mal am Rande. Ja die geschlossene Psychiatrie ist für den normalo schon ziemlich krass. Man stellt sich das schlimmste vor. Und es ist oft auch nicht angenehm dort zu sein. Weil man die extremen verschiedener Krankheiten zu Gesicht bekommt. Allerdings sind dort auch viele, von denen du nicht denken würdest das sie so einen Schutz brauchen. Psychiatrie wird stark stigmatisiert und man hat als Angsthase natürlich immer Angst vor sowas.
Wenn es dich etwas beruhigt, ich war mit meinen Zwangsgedanken und Panikattacken bis jetzt immer auf einer offenen Station und das auch immer freiwillig. Und ich war auch oft auf der Geschlossenen, aus anderen Gründen, und bis jetzt hab ich noch keinen reinen Angsthasen dort gesehen.

27.12.2019 01:01 • x 2 #9


Wenn du die Kraft findest, solltest du einen Psychotherapeut oder Psychologe ansprechen.

Da du schon einen langen Weg hinter dir hast und (wie fast alle Erfahrenen) gemerkt hast, dass Medikamente nutzlos sind, wäre das die Option.

Tagesklinik und Reha etc. sind etwas für Anfänger, die noch Hoffnung haben. Mir hat sich auch nie erschlossen, wie man dort zusammen gepfercht mit anderen Kranken gesund werden soll. Das ist ausgesprochen naiv und für Personen, die sich mit neuen Kontakten (vielleicht auch von Natur aus) schwer tun sowieso ungeeignet. Mit mangelndem Selbstbewußtsein hat das alles garnichts zu tun.

Vielleicht solltest du ein Gespräch beim Psychotherapeut/Psychologe einfach so angehen, dass es erstmal nur ein Kennenlernen ist, das beide Seiten zu nichts verpflichtet. Selbst wenn man sich daraufhin wieder trifft, kommen ja vor Therapiebeginn 5 probatorische Sitzungen. Auch wenn die Therapie genehmigt wurde, kann sie jederzeit ohne Angabe von Gründen beendet werden. (Bzw. die jeweils genehmigten Einheiten/Sitzungen gelten nur als Obergrenze, was darunter liegt interessiert die Krankenkasse nicht.)

28.12.2019 20:42 • #10


Hallo, danke für Eure Antworten.
Nach längerer Überlegung denke ich auch, dass ein Psychotherapeut die richtige Option wäre. Weiß zwar noch nicht wie ich das schaffen soll aber die einzige Option ist wohl einfach probieren durchzuhalten, bis es sich von alleine etwas beruhigt.
Habe mir jetzt vorgenommen, alle Psychotherapeuten in meiner Stadt mal per Email anzuschreiben und gucken, ob eine Rückmeldung kommt.
Das die ganze Geschichte jetzt etwas im Fluss ist, beruhigt mich schon etwas.
Mag im Moment jedoch keinen Stress. Wenn schon der falsche Besuch kommt, habe ich schon innere Unruhe und bekomme Panik bzw. bin total nervös.
Einfach ein sch. Gefühl, irgendwie weil ich auch nach den vielen Jahren in dem Moment gar nicht weiß was mit mir los ist und sich diese enorme Verzweiflung breit macht.
Es ist auch diese innere Haltung, dass ich nicht will, dass jemand mir etwas ansieht, auch nicht meine Frau...geschweige denn jemand externes.
Ist schon ein Elend, den Mist mit sich rumzuschleppen, erst recht wenn man nach einer Zeit überhaupt keine Vorstellung mehr davon entwickeln kann, dass man sich irgendwann mal wieder entspannt im Alltag bewegen kann.

28.12.2019 20:57 • #11


Wovor hast du denn Angst?

28.12.2019 21:07 • #12


Chilly71
Kenne ich auch nur zu gut.
Soll nächste Woche in die Klinik zur Therapie. Habe jetzt schon starke Ängste. Diese Zwangsgedanken hatte ich auch mal ganz stark. Mir hat geholfen für den "Notfall" Ausreden zu haben. Z.b. sollte ich umfallen sage ich einfach : Ja das ist mein Blutdruck. Mir hat auch geholfen zu beobachten wenn wirklich jemand umfällt. Die Menschen reagieren ganz anders als ich es mir immer vorgestellt habe. Sie helfen einfach.Vor mir ist auch einmal eine Frau umgefallen. Ich habe mir auch nicht groß Gedanken gemacht. Ich habe die Rettung gerufen und erste Hilfe geleistet.

29.12.2019 17:59 • #13


Icefalki
Zitat von Fearologe:
Es ist auch diese innere Haltung, dass ich nicht will, dass jemand mir etwas ansieht,


Ich bin mir sehr sicher, dass hier die allermeisten Angsthäschen absolut tolle und auch leistungsfähige Menschen sind. Wahrscheinlich etwas zu viel Leistungsbereitschaft, bzw. mit der Meinung behaftet, dass man immer zu funktionieren hat. Aber gleichzeitig auch irgendwie anders ist. Ich sage dazu immer, ich brauche meine ureigene innere Freiheit. Im Denken, im Tun, im Sein.

Habe das auch lange nicht richtig verstanden, war gedrillt auf das Recht machen wollen, auf Leistung, auf allen Mist, den ich einfach getan habe, ohne gross drüber nachzudenken.

Wenn man aber plötzlich Angst bekommt, heisst das doch etwas. Interessanterweise sind wir aber selbst die Eifrigsten, uns dafür zu verurteilen. Ist doch eine Schande, peinlich, abstossend, plötzlich unerklärliche Ängste zu haben. Dazu kommt noch, dass man diese Todesangst nicht erleben möchte, also Angst vor der Angst erlebt.

Und man kämpft sich Tag für Tag damit herum, etwas nicht haben zu wollen, etwas zu fürchten, das nur symbolisiert, dass wir nicht im Einklang mit uns sind. Deshalb sollte man mal hinter diese Angst schauen. Diese Ja sagen ablegen, die eigene Meinung sachlich vertreten lernen, unabhängig von Meinungen anderer werden, und und und. Und das wichtigste, sich nicht selbst als unfähig, als Versager zu fühlen. Meine Güte, dann haben wir eben eine Angsterkrankung und stehen dazu. Im Prinzip ist es die Chance überhaupt, sich intensiv mit sich selbst zu beschäftigen.

Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch in Therapie, da würde die Welt ein bisschen besser aussehen.

29.12.2019 18:11 • x 2 #14


Chilly71
Hallo Icefalki genau so ist es . Fühle mich momentan auch als totaler Versager.

29.12.2019 18:18 • #15


Icefalki
Zitat von Chilly71:
Hallo Icefalki genau so ist es . Fühle mich momentan auch als totaler Versager.


Kenne ich ja auch. Aber das sind wir definitiv nicht, wir sind nur Adrenalinjunkies. Zwar nicht im positiven Sinn, aber trotzdem gehören wir zu den Menschen, wo das Adrenalin schnell durch die Decke geht. Und das auch nur deshalb, weil wir immer in irgendeinem Hochleistungsniveau unterwegs sind oder waren.

Also kann niemand sagen, dass wir nicht alles gegeben haben. Soviel, dass unsere Seele jetzt deutlich sagt, aus, fertig, finito. Mehr geht nimmer. Und schickt uns die Angst. Angst heisst nämlich, pass auf, jetzt wird es gefährlich. Eigentlich ein toller Mechanismus. Nur verstehen sollte man ihn irgendwann, und hier braucht es eben Hilfe von aussen.

29.12.2019 18:29 • x 1 #16


Damit bist du nicht allein! Bin auch schon ca 10 jahre krank und leide an ständigen panikattacken. Vor 4 jahren wars bei mir am schlimmsten da konnte ich nich mehr vors Haus gehen und auch nicht mehr zum Doc...
Selbst wenn mich ein Kollege begleitet hat hatte ich voll die Panik. Man fühlt sich halt doch immer allein

29.12.2019 18:34 • #17


Talos...was hat denn dazu geführt, dass Du doch wieder zum Arzt gehen konntest bzw. das Du wieder in die Spur gekommen bist ?

29.12.2019 20:40 • #18



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Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf