Hallo blackcorn,
Zitat von blackcorn: Die Zwangsstörungen, Panikattacken und die Schluckangst sind derzeit akut. Ich hätte es besser umschreiben sollen mein Fehler..
Kein Fehler

, danke...ich wollte nur
mein evtl. Missverständnis vermeiden.
Zitat von blackcorn: Ich denke mal der Trigger liegt darin, dass ich aufgrund meiner Asthmaerkrankung und den Asthmaanfällen, die aufgetreten sind vielleicht so eine Art Kernangst entwickelt habe und sobald ich merke, dass eine Verengung im Hals auftritt, diese auslöst.
Ja, das dürfte mit größter Wahrscheinlichkeit die Ursache für den Schluck-/Halsbezug sein. Gut für Dich, das zu wissen - denn diese
bewusste, konkrete Zuordnung vermindert die gefühlte Grund- bzw. Kernangst. Grundängste sind idR deshalb so "mächtig", weil sie eben
unbewusst oder zumindest
diffus sind. Bitte notiere Dir diesen Bezug und "übe" ihn Dir ein, mache ihn Dir täglich bewusst, insbesondere dann, wenn Du
keine akuten Ängste und PAs hast. In diesen Situationen ist man nämlich so mit der Panik beschäftigt, dass logisches Denken selten greift. Im Gegenteil - wenn man während eines Panikanfalls versucht, "vernünftig" zu argumentieren und dann leider festellten muss, dass dadurch die Panik
nicht nachlässt, speichert man dieses "argumentative Versagen" als "Beweis" ab, dass das Argument (hier: der Bezug auf kindliche Asthmaerlebnisse)
nicht zutrifft. Ich hoffe, ich habe mich hier verständlich ausgedrückt?
Nochmals als Merkposten: Klare Einsichten
erlangt und stabilisiert man in ruhiger, achtsamer Verfassung. Nur dann "greifen" sie und werden Teil unseres Charakters. Auch wenn sie von außen vermittelt werden (z. B. durch einen Freund oder Therapeuten),
greifen sie erst, wenn man sie
für sich selbst in Ruhe überprüft und für zutreffend be
greift. Wirkliches Verständnis ist eine zutiefst persönliche Angelegenheit. Dann allerdings ist es schwer zu erschüttern.
Zitat von blackcorn: Aber warum das gerade jetzt kommt kann ich nicht sagen, ich habe mich nie großartig verschluckt und wäre daran fast erstickt, was es erklären könnte. Es kam nach und nach erst hatte ich Angst vor anderen Menschen zu essen bzw. es war mir seeehr unangenehm und dann wurden die Portionen immer kleiner.
Ich schieße hier ein wenig ins Blaue und denke mal, es könnte sich gewissermaßen um eine "retrograde Aktivierung" dieser Kernangst handeln. Das bedeutet, die Angst
struktur setzte sich Schritt für Schritt wieder durch. Die
Struktur steht hier für den
Bezug auf den örtlichen Bereich (Hals, Schlucken, Luftröhre). Die
Angst selber jedoch wurde erzeugt durch
andere Umstände.
Ob ich damit richtig liege, kann
ich natürlich nicht sagen. Es ist nur eine (relativ naheliegende und nicht unübliche) Theorie. Um diese Theorie zu überprüfen, gehen wir einen Schritt weiter und legen den Fokus auf die Metapher-Idee:
Zitat von blackcorn: Die Angst vor der Gewichtszunahme schließe ich aus, weil ich echt alles versuche zu- statt abzunehmen. Die Gewichtsabnahme macht mir Angst ja .. Aber nur weil es nicht gewollt passiert sondern eher weil ich so gut wie nichts mehr essen kann.
Ja, absolut logisch und nachvollziehbar. Somit schließen diese beiden Themen als Metapher aus. Schon mal sehr erleichternd, denn das würde ein nicht gerade einfaches "Fass" aufmachen...(Thema: Essstörung)

Zitat von blackcorn: Und Essen, Schlucken und Ersticken geht dann Hand in Hand irgendwie.
Also laut dem logischen nicht aber laut meinen Gedanken in den Moment.
Ich finde sogar, sowohl "metaphysisch logisch"
und assoziativ naheliegend und nachvollziehbar! Behalten wir das also im Auge.
Zitat von blackcorn: Die Lebenshaltung spielt, wenn ich so drüber nachdenke, vielleicht echt eine sehr große Rolle.
Ich schlage vor, als Arbeitshypothese das Wort "vielleicht" mal wegzulassen

. Ich behaupte nämlich, sowohl Lebens
einstellung als auch die (damit verbundene) Lebens
führung spielen DIE wesentliche Rolle was die Entwicklung von Ersatzhandlungen (oder Ersatz-
Nichthandlungen) und Zwängen angeht!
Zitat von blackcorn: Da ich eher ein sehr ängstlicher Typ bin und Dinge gerne auch mal umgehe anstatt sie einzugehen, könnte die gegensätzliche Haltung den Spieß vielleicht ein wenig um drehen.
Menschen, die in Kindheitsjahren gesundheitliche Probleme hatten, neigen verständlicherweise zur Zurückhaltung. Sie haben
gerade während ihrer
Wachstumsphase "gelernt", sich aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme
zurückzuhalten (= "Charakterisierung" körperlicher Umstände). Einfach formuliert: der Geist
folgte dem Körper. Hier kann man sogar sagen, der Geist
gehorchte dem Körper.
Und wie Du richtig erkennst, ist es nun therapeutisch angezeigt, dem "Körper" anzugewöhnen, dem "Geist" zu folgen. Doch eins nach dem anderen...
Obwohl Körper und Geist sozusagen eine Einheit bilden, sind es genau genommen doch zwei unterschiedliche Aspekte, die sich
gegenseitig bedingen, formen und - ja - auch "brauchen". Aus meiner Erfahrung spielt jedoch der
geistige Aspekt die unweigerlich
entscheidende Rolle. Wer nun in der Kindheit und Jugend "gelernt" hat, den Körper zu fokussieren muss nun erstmal lernen,
auch den Geist zu fokussieren. "Auch" deshalb, weil der Körper natürlich nicht einfach komplett aus dem Blick gelassen werden sollte. Er ist "da" und er dient als
Werkzeug unseres Geistes, "sich auszuleben" - nicht weniger aber auch nicht mehr.
Es ist also der Geist, der sich verkörpern sollte und nicht umgekehrt.Zitat von blackcorn: Klar, bis ich den Berg bezwingen kann wird es dauern aber wenigstens bis zum Fuß des Berges zu gehen anstatt nur drum herum weil es gefährlich sein könnte, ist schonmal ein Anfang.
(ja die Metapher ist jetzt nicht die beste aber ich glaube man erkennt was ich meine)
Ich finde die Metapher sogar äußerst zutreffend formuliert. Die Formulierung muss ja eh für
Dich passen...
Wir werden hier in diesem Rahmen keine Details aufdröseln und ich glaube, das ist meistens auch gar nicht nötig. Du hast m. E. bereits sehr gut erkannt, worum es bei Dir geht:
Dir Dein Leben zu nehmen! Damit ist natürlich genau das Gegenteil von Suizid gemeint...

Es geht darum, etwas zu tun und nicht, etwas zu vermeiden. Das ist das Kernthema. Hierzu habe ich einen kleinen Exkurs zum Thema Eigenverantwortung als Motivation verfasst:
stammkneipe-zum-lichtblick-f119/alternatives-glossar-t112848.html#p2454230Wie geht es nun weiter? Erst mal wäre es sicher hilfreich, Dir diesen Thread öfters durchzulesen und ggfs. nachzufragen, wenn noch irgendwelche Punkte tiefer betrachtet werden sollten.
Obwohl es Dich zwar oberflächlich am meisten belastet, würde ich das "Tun" nun nicht mit der Brechstange im Bereich des Essens/Schluckens "zwangsvollstrecken" sondern hier lediglich mit kreativen Alternativen arbeiten (z. B. die o. g. Proteinshakes, ggfs. Infusionen bei Heilpraktikern, Nahrungsergänzungen in Tropfenform etc.).
Wie Du selber richtig erkannt hast, bedarf es einer allmählichen Annährung an ein Leben, wie Du es Dir wünscht. Das dauert natürlich und Du darfst hierbei auch Fehler machen (musst es sogar wahrscheinlich...

). Fasse für Dich den Entschluss, Dein Leben von innen heraus
sich entwickeln zu lassen. Gib zuerst Deinen Vorstellungen und Wünschen Raum, sich auszudrücken und lass nach und nach konkrete Gedanken, dann Worte und schlussendlich Taten folgen. Dann wird ein Schuh draus, der da heißt,
sich im Leben zu manifestieren.
Das dauert übrigens idealerweise ein Leben lang und somit wird es uns wohl nie langweilig - im Grunde sind wir alle hier im Forum auf diesem Weg.
Zitat von blackcorn: Mein Problem ist das ich von außen immer recht unschütterbar wirke aber im Inneren eine Angst und Panik die andere jagt..
Das kenne ich gut von früher...

Hier kann es hilfreich sein, seine Ängste zumindest "allgemeinverträglich" zu artikulieren, also auch mal ansatzweise darüber zu sprechen. Die Scheu davor ist unbegründet, wie schon viele hier feststellen durften. Dieses "Sich-Öffnen"
verbindet Innenwelt und Außen(schauspiel) und stellt die vielzitierte Authentizität her. Nur wer so scheinen darf, wie er sich fühlt, ist authentisch und hat erst dann auch die Möglichkeit, das Innere und Äußere zu
beeinflussen. Es ist wie in der Gesellschaft:
Together we stand, divided we fall.
Und weil wir schon bei Metaphern sind: Um die richtige Route auf den Gipfel zu finden, muss man
zuerst den Berg umrunden (dabei bist Du soeben). Um das jedoch zu tun, muss man erstmal zum Berg hinkommen (das hast Du bereits vollzogen). Jeder Schritt im Leben hat seinen Sinn, egal ob wir ihn bewusst oder unbewusst gehen. Das zu erkennen und wertzuschätzen ist wiederum ein wesentlicher Aspekt unserer Lebendigkeit.
Fühle Dich bitte nicht genötigt, zu antworten - lass diese Anmerkungen in Deinen Geist einfließen und erfühle ihr Potenzial
hin zu Deinem Leben. Mach nicht den Fehler und bereue irgendwie die Vergangenheit oder hadere mit der Gegenwart. Begreife jeden Tag als ein Geschenk, als "Blumen" am
Wegesrand... Nimm Dir alle Zeit und Muße die Du brauchst - auch das Zeitnehmen ist aktives Tun - und somit ein sehr heilsamer Akt.