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Hi, ich bin männlich und 31.
Seit der Grundschule, als ich im Unterricht fast umgekippt bin wegen irgend einem medizinischen Thema, leide ich an Blutphobie. Leider wird es mir aber auch schwindelig, wenn ich nur über dieses Thema (Blut, Verletzungen, Operationen...) rede bzw zuhöre. Ich habe keine Angst davor, mir wird einfach nur schwindelig. In der Schule bin ich reihenweise im Biounterricht umgekippt.
Vor einigen Jahren machte ich eine Therapie. Die Ängste kommen wohl aus der Kindheit, als sich meine Eltern scheiden ließen und meine Großeltern zeitig starben... leider hat die Therapie nichts gebracht, genau wie die Hypnose Therapie etwas später. Mittlerweile hat sie die Phobie ausgeweitet, sodass ich auch Probleme z.B. bei Vorstellungsgesprächen, Reden, Auftritten, Gesprächen habe, wo ich nicht einfach aus der Situation raus kommen kann, also sozusagen gefangen in der Situation bin.
Vor einigen Jahren hab ich dann von applied tension, also angewandter Anspannung gehört. Das hat teilweise schon geholfen, aber eher nur in Situationen, in denen ich sitzen kann z.B Blutabnahme. Im Stehen ist es nach wie vor sehr schwierig, z.B in flüchtigen Gesprächen auf Arbeit oder aus der Straße.
Später laß ich, dass man 2 mal kurz durch die Nase einatmen soll, dadurch wird das Nervensystem abgelenkt und der Reflex, die Gefäße zu weiten und den Blutdruck zu senken, sollte nicht eintreten. Leider funktioniert das auch nicht.
Dagegen anzukämpfen ist keider nicht möglich, da ich definitiv in Ohnmacht falle.
Mittlerweile bin ich echt verzweifelt, weil diese Ängste mein ganzes Leben bestimmen und mich auch beruflich sehr ausbremsen.
Hat denn keiner eine Idee? Ich schaffe es einfach nicht, mich in solchen eigentlich harmlosen Situationen abzulenken oder im Fall der Fälle meinen Blutdruck hoch zu halten.

Ich wäre für jede Hilfe sehr dankbar.

Danke

19.01.2017 22:05 • 20.01.2017 #1


4 Antworten ↓


Das klingt jetzt für Dich bestimmt komisch oder paradox,aber ich glaube,Du fällst seltener in Ohnmacht,wenn Du akzeptierst,dass Du immer wieder in Ohnmacht fallen wirst.
Der Widerstand gegen den Gedanken an die Ohnmacht erzeugt die Ohnmacht.

Wenn die Ohnmacht "kommen darf" ,entkräftest Du sie.
Du musst Deinen Verstand überlisten und erkennen,dass die Ohnmacht nicht von Deinem Körper erzeugt wird sondern Deine Körperreaktionen nur eine Reaktion auf Deine Gedanken sind.

Angewandte Anspannung klingt spannend,magst Du mal erklären,wie das funktioniert?
Hab davon noch nie gehört...

20.01.2017 07:07 • #2



Blutphobie und deren Ausweitung

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Danke fuer deine Antwort. Leider ist es eben nicht so einfach, sich darauf einzulassen, da ja im "Ernstfall" es immer wieder zur Ohnmacht kommen kann, ich weiß aber wie du es meinst und finde es auch plausibel.

Applied tension ist eigentlich nix anderes, als alle Muskeln anzuspannen und somit den Blutdruckabfall zu verhindern bzw den Blutdruck zu erhöhen. Funktioniert bei mir aber eher im Sitzen , im Stehen ists recht schwierig.

Lg

20.01.2017 12:11 • x 1 #3


Hallo @Abenteuerin11
war das eine Konfrontationstherapie? Ich nehme an, du hast das auch neurologisch und kardiologisch abklären lassen mit den Ohnmachten. Zunächst denke ich, daß die Ohnmacht bei dir durch Überforderung auftritt. Es ist eigentlich egal, ob es Blut ist, menschliches Inneres, Situationen in denen du im Mittelpunkt stehst. Die Angst dahinter ist immer noch die gleiche, wie als du Kind warst.
Zitat:
...wo ich nicht einfach aus der Situation raus kommen kann, also sozusagen gefangen in der Situation bin.
Durch die Ohnmacht verläßt du die Situation einfach. Das jedenfalls hat sich dein Gehirn so eingeprägt, um Überforderungen zu entgehen. Bei dir wird vermutlich vor allem nicht ausreichend Adrenalin freigesetzt, daß den Blutdruck steigert und die Atmung beschleunigt, um die Muskeln mit mehr Sauerstoff zu versogen. Bei Angst ist Blutdrucksteigerung und Herzrasen ein Schutz gegen Ohnmacht. Man nennt das auch 'fight or flight' Reaktion.
Gab es mal einen Versuch, den Blutdruck mit Medikamenten zu erhöhen? Das wäre natürlich nur eine Option, wenn dein Blutdruck dauerhaft zu niedrig ist.

Grüße

20.01.2017 15:11 • #4


Hallo, ich hatte zeitweise sogar etwas erhöhten Blutdruck. Die Ohnmachtsanfälle sind definitiv psychsomatisch, hab das auch schon öfters abklären lassen. Körperlich ist alles i.o.
Du hast sicherlich Recht, dass ich in solchen Situationen innerlich überfordert bin und mein Nervensystem überreagiert. Dadurch wird dann eben dieser Reflex ausgelöst , welcher meine Gefäße weiten und den Blutdruck sinken lässt. Leider finde ich eben kein zuverlässiges Mittel oder Methode, mir die "Ängste" die eigentlich gar keine sind, zu nehmen bzw. einfach "zuverlässig" gegen den Blutdruckabfall anzukämpfen. Dadurch es eben auch durch die angewandte Anspannung keinen 100%igen Schutz gibt, habe ich dann automatisch dieses Problem immer im Hinterkopf, da es ja immer auftreten könnte. Somit kommt es eben ständig zu diesem Teufelskreis.
Ich hab auch schon mit einigen Leuten darüber geredet und mich (auch oft unfreiwillig) den Ängsten gestellt. Leider mit mäßigem Erfolg.
Die Therapie war keine Konfrontations-Therapie, sonder so eine Therapie, wo man eher die Ursache erforscht (kenne die richtige Bezeichnung nicht).

Danke!

20.01.2017 17:14 • #5




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