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Hallo zusammen,

in den vergangenen Jahren habe ich die meisten meiner früheren Ängste bewältigen können. Seltsamerweise verhält es sich mit meinem Sozialleben genau anderes herum. Ich habe mich immer weiter sozial isoliert. Zur Zeit möchte ich diesen Zustand wirklich ändern. Nur weiß ich nicht wie ich anfangen soll.

Gibt es unter euch jemanden der aus so einer Isolation herauszukommen ist? Wie habt ihr das geschafft?
Wenn ihr neue Leute kennengelernt habt, wie seit ihr damit umgegangen dass ihr keine richtigen Freunde habt? Mir persönlich würde es sehr schwer fallen meine jetzige Lebenssituation zuzugeben.

Bestimmt sind hier noch andere die auch das gleiche Ziel haben. Was unternehmt ihr , habt ihr vielleicht Tipps was bei euch so funktioniert?

LG

29.09.2013 14:05 • 05.10.2013 x 1 #1


17 Antworten ↓


Hey =)
Also mit der gleichen Situation kann ich dir nicht dienen, ich bin mehr so der einsam-unter-Menschen-Typ, aber einen Tipp hätt ich trotzdem: wenn du neue Leute kennen lernst, überfall sie nicht. Erzähl ihnen nicht gleich "Ach, gut dass ich dich kennen lerne, ich hab sonst niemanden, ich hab dieunddie psychischen Probleme", das wirkt abschreckend. Lass sich das ganze entwickeln und den anderen ein Tempo vorgeben: er erzählt ein bisschen von sich, du ein bisschen von dir, und und und. So bauen Freundschaften normalerweise auf und dann ist's auch kein Problem, wenn du irgendwann mit deonen Üroblemen rausrückst.
Und fixier dich nicht auf eine Person, denn dann ist die Gefahr größer, dass du diese überfällst. Such dir viele Kontakte, damit es dich nicht so trifft, wenn einige davon oberflächlich bleiben.
Meiner Meinung nach bieten sich Vereine, Kurse ganz gut an, ob nun kochen, Sport, SIngletreffs oder, oder, oder ...

liebe Grüße!

29.09.2013 14:48 • x 1 #2



Wie sozialer Isolation entkommen?

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Sehr gute Frage, die ich auch so selbst hätte stellen können.
Ich denke, die zwei wichtigsten Voraussetzungen sind, dass man einerseits, wie Träumerin bereits beschrieben hat, nicht so negativ und verzweifelt rüberkommt, als ob man nur jemanden sucht, an dem man sich mit seinen psychischen Problemen festkrallen kann. Ist jetzt etwas extrem formuliert, aber je lockerer du mit dir selbst und deinen vermeintlichen Problemen umgehen kannst, desto leichter wird es dir fallen, andere Leute (für dich) zu begeistern.
Zum anderen braucht man natürlich auch die Gelegenheiten, um Leute kennenzulernen, also Kurse, Vereine, Gruppen, Uni, WG, was auch immer dein Alltag so hergibt.

Sehr schwer tue ich mich selbst an dieser Stelle:

Zitat von Katatro-Fee:
wenn du neue Leute kennen lernst, überfall sie nicht


denn mittlerweile weiß ich nicht so recht, wie das gehen soll. Meine Ängste haben mittlerweile einen so großen Einfluss auf mein Sozialleben, dass ich nicht weiß, was ich auf so klassische Kennenlernfragen über mich und mein Privatleben antworten soll, ohne das ganz große Outing hinzulegen. Um genau zu sein ist das mein größter Angstauslöser, solchen Fragen auszuweichen oder in winzigen Schritten zu beantworten und ständig zu befürchten, dass mich der andere jetzt für völlig bescheuert hält.
Und, was es auch schwierig macht, ist die Tatsache, dass die meisten Leute mittlerweile schon recht gefestigte Freundeskreise haben, dementsprechend selbst eher weniger aktiv auf der Suche nach neuen Kontakten sind und man die Freundschaft zum Großteil selbst initiieren und vorantreiben muss, obwohl man als Sozialphobiker eher weniger souverän darin ist.

29.09.2013 15:02 • #3


@silkySmooth: da ist was Wahres dran, es ist schwer, andere nicht zu überfallen, wenn man fast nur aus ANgst besteht. Vielleicht eine Liste machen, was man auf Standardflosken antworten kann, ohne zu lügen?

"Wie geht es dir?" - "Es muss, ne? Aber immerhin ist die Sonne heut schön. Und selbst?"
"Was hast du am WE erlebtbt?" - "Ich hab mir die Ruhe angetan, viel gelesen, ..."
"Wo arbeitest du?" - "Ich bin noch auf der Suche nach etwas Neuem, war ne Zeit lang krank geschrieben, aber habe eine Ausbildung n xyz"
"Warum warst du krank geschrieben?" - "Burnout, Depression... aber lass uns nicht die Stimmung damit verderben" (solche Antworten akzeptieren Leute oft, ohne groß nachzufragen - und wenn sie weiterfragen, ist es völlig okay, ein bisschen zu erzählen, ihr müsst halt auf sie achten und ihnen Möglichkeiten zur Flucht/zum Themawechsel offenhalten)

außerdem viel fragen und dann über ihr Leben reden. Und über Interessen reden.

29.09.2013 15:14 • x 1 #4


Im Prinzip ist genau das bisher auch immer meine Strategie gewesen. Trotzdem wirds schwierig, so Freunde zu finden, wenn man auf alle diese Fragen undurchsichtige Nebelkerzen wirft, anstatt dem Gegenüber zu offenbaren, was für eine Person man tatsächlich ist.

Am liebsten würde ich auf solche Frage Dinge über mich erzählen, die mich ausmachen, dem anderen klare Anknüpfungspunkte geben und so dann vielleicht auch mal dazu führen können, dass mich jemand sympathisch findet oder sich mit mir auf der gleichen Wellenlänge fühlt.
Stattdessen weiche ich solchen Fragen mit irgendwo inhaltslosen Floskeln aus und bin für niemanden so wirklich fassbar. Hinzu kommt noch, dass ich durch mein eingeschränktes Sozialleben kein Smalltalk-Profi bin und mich auch nicht gerade leicht damit tue, Gespräche zu führen, am Leben zu erhalten bzw. überhaupt jemand zu sein, mit dem man sich gerne und angeregt austauscht.

Und ich vermute mal, die Threaderstellerin hat zumindest im Ansatz ähnliche Schwierigkeiten.

29.09.2013 18:18 • #5


Hallo

danke für eure Antworten. Es stimmt, was Small talk angeht bin ich eine Katastrophe. Die meisten verlieren schon nach kurzer Zeit das Interesse oder es wird gar nicht mehr gesprochen.
Eigentlich bin ich nicht der Typ der sich anderen aufdrängt. Ich würde auch nie über meine SP reden. Bei mir ist es eher so, dass ich auf Distanz bleibe damit niemand von meiner SP erfährt. Mir ist klar dass ich deshalb viel Schuld an meiner Isolation habe. Wenn man irgendwann jemanden kennenlernt, muss man früher oder später zugeben, dass man keine Freunde hat. Ich weiß, dass mich dieses Geständnis viel Überwindung kosten wird.

Aber wie lernt man überhaupt jemanden kennen. Am Arbeitsplatz habe ich keine engeren Kontakte, was ich aber nicht so schlimm finde. Ein reines Arbeitsverhältnis ist ok für mich.

Ich war vor einiger Zeit in einem VHS Kurs, aber die Leute gehen da halt hin um eine Sprache zu lernen und nicht um Freunde zu finden. Wie schon gesagt wurde haben die meisten Leute schon einen festen Freundeskreis. In einen Sportverein habe ich mich bisher nicht getraut. Die Doppelbelastung Sport und soziale Interaktion würde mich wahrscheinlich überlasten. Bei welchen Sportarten fühlt ihr euch wohl?
Ich hatte mal über NIT nachgedacht, aber ich stell mir vor dass die Leute die dort inserieren wahrscheinlich recht kontaktfreudig und ungehemmt sind und wenn ich da auftauche womöglich geschockt sind. Hat hier schon mal jemand mit NIT Erfahrungen gemacht?

01.10.2013 18:17 • #6


Zitat von Träumer_in:
Ich war vor einiger Zeit in einem VHS Kurs, aber die Leute gehen da halt hin um eine Sprache zu lernen und nicht um Freunde zu finden. Wie schon gesagt wurde haben die meisten Leute schon einen festen Freundeskreis. In einen Sportverein habe ich mich bisher nicht getraut. Die Doppelbelastung Sport und soziale Interaktion würde mich wahrscheinlich überlasten. Bei welchen Sportarten fühlt ihr euch wohl?

Also ich halte die VHS und Sport für durchaus aussichtsreich. Es ist richtig, dass andere Menschen dies nicht explizit tun, um neue Freunde zu finden, aber sie suchen damit doch auch sozialen Kontakt, oder? Ich habe mal einen VHS-Kochkurs besucht, wo wir hinterher noch ein paar Mal etwas trinken waren. Sprachkurse können Anknüpfungspunkt sein, um gemeinsam zu lernen und weitere Kurse zu besuchen. Das Studium Generale (gibt es nicht überall) läuft durchgängig, von Semester zu Semester, da kann man über die Zeit auch Kontakte knüpfen.

Sport = Verein = Gemeinwesen. Wie wäre es mit Volleyball oder Tischtennis? Man kann im Verein auch ehrenamtlich tätig werden, dann wird man automatisch mehr eingebunden. Es gibt Feiern, Ausflüge usw. Das ist natürlich alles eine mittelfristige Perspektive, aber die braucht eben auch einen Anfang.

Beim Umgang mit anderen Menschen würde ich einfach zugeben: "Ich bin etwas schüchtern". Viele werden das akzeptieren, darauf Rücksicht nehmen und sich kein falsches Bild von dir machen, was ja gerade deine Sorge zu sein scheint.

LG Wassermann

01.10.2013 18:35 • #7


Ich war vor zwei Semestern im Unisport, möchte es eigentlich dieses Semester wieder mal schaffen, hab aber den dicken Nachteil auf meiner Seite, dass ich kein Student mehr bin und wahrscheinlich die meisten Kurse schon ausgebucht sind, bis meine Anmeldung freigeschaltet wird.
Das fand ich von den sozialen Möglichkeiten durchaus okay. Ich hab damals Badminton und kurz auch mal Tischtennis ausprobiert und schnell ne Gruppe von 5 Personen gefunden, die so das ganze Semester über Bestand hatte.
Ich hab dann eher das Problem, dass ich den nächsten Schritt entweder selbst initiieren müsste, wobei ich mit meinen ganzen Ängsten im Gepäck entsprechend gehemmt bin und gar nicht so richtig wüsste, was ich tun soll. Andererseits, wenn mir das jemand abnimmt, dann meistens in der Form von Geburtstags-, WG- oder sonstigen Partyeinladungen, wo ich mich dann so ganz alleine und ohne jemanden richtig zu kennen ums Verrecken nicht hintraue.

Ich würde auch gerne einfach mal anfangen, ein paar Sachen auszuprobieren. So halbwegs interessieren tut mich eigentlich recht viel, aber wenn es darum geht, sich einer größeren Gruppe anzuschließen, die Gesamtsituation schlimmstenfalls noch völlig neu ist und die Gruppe evtl. schon nen festen Zusammenhalt hat (wie im Verein) machts dann doch immer schlimm genug, dass ich mich zu kaum was überwinden kann, weil der initiale Gap einfach zu groß ist.
Ehrlich, wenn ich so könnte, wie ich wollte, würde ich einfach durch einen Kurs nach dem andern fallen. Rein wahrscheinlichkeitstechnisch ist es dann nahezu unmöglich, dass sich da nicht irgendwann auch mal mehr ergibt. Und selbst wenn nicht wird man dabei im sozialen Umgang immer souveräner und kann sich an zunehmend anspruchsvollere Projekte, wo das Freunde-Finden bestenfalls noch einfacher ist.

Zitat von Wassermann:
Beim Umgang mit anderen Menschen würde ich einfach zugeben: "Ich bin etwas schüchtern". Viele werden das akzeptieren, darauf Rücksicht nehmen und sich kein falsches Bild von dir machen, was ja gerade deine Sorge zu sein scheint.


Das ist aber doch auch nur die halbe Wahrheit. Ich denke, die Vorstellung eines normalen/angstfreien Menschen von "ich bin etwas schüchtern" ist fernab von wirklich soziophobem Gebären. Ich hätte da also nach wie vor die Befürchtung, dass mich andere immer noch für weitestgehend normal halten und es nach wie vor ne Megablamage wird, wenn das tatsächliche Ausmaß ans Tageslicht kommt oder das unausweichlich ist.


Was ist denn eigentlich NIT? Sagt mir gar nix.

01.10.2013 19:14 • #8


Hallo

als ich noch zur Uni ging bin ich auch in viele verschiedene Sportkurse und andere Kurse gegangen. Ich hatte dort auch einige nette Bekanntschaften gemacht. Auf eventuelle Parties habe ich mich aus den gleichen Gründen ebenfalls nicht getraut
Seitdem ich arbeite fallen mir jedoch solche Dinge noch schwieriger als an der Uni. Warum weiß ich auch nicht so genau. Mir fallen auch viele Dinge ein die mich interessieren würden aber mein größter Wunsch ist zB mit einer Freundin diese Dinge zusammen zu unternehmen.

Wassermann, danke für deine nette Antwort aber ich denke auch wie silkySmooth, dass es "etwas schüchtern" nicht ganz trifft. Die Erfahrung, dass die Leute Schüchternheit akzeptieren, habe ich leider nicht so oft gemacht. Ich habe es oft erlebt, dass man komplett ignoriert wurde (sogar wenn man die Person direkt angesprochen hat, haben sich einfach weggedreht) dass sich die Leute über mich lustig gemacht haben bis hin zu direkte Anfeindungen. Wobei das hauptsächlich auf Frauen zutraf. Einige schienen richtig Spaß daran zu haben jemanden zu tyrannisieren. Ich habe solche Erfahrungen früher nicht nur einmal gemacht. In den letzten Jahren nicht mehr so oft, ich habe mich jedoch in den letzten Jahren immer weiter zurückgezogen.

NIT steht für New in Town. Das ist für Leute, die neu in einer Stadt sind, um schnell neue Bekanntschaften zu machen oder einfach zur Erweiterung des Freundeskreises. Es gibt dort für verschiedene Städte alle möglichen Anzeigen, gemeinsame Sportaktivitäten, Spieleabende, Konzertbesuche. Eigentlich eine super Idee um schnell Bekanntschaften zu machen. Aber mit SP ...

LG

02.10.2013 18:14 • #9


Zitat von Träumer_in:
als ich noch zur Uni ging bin ich auch in viele verschiedene Sportkurse und andere Kurse gegangen. Ich hatte dort auch einige nette Bekanntschaften gemacht. Auf eventuelle Parties habe ich mich aus den gleichen Gründen ebenfalls nicht getraut
Seitdem ich arbeite fallen mir jedoch solche Dinge noch schwieriger als an der Uni. Warum weiß ich auch nicht so genau. Mir fallen auch viele Dinge ein die mich interessieren würden aber mein größter Wunsch ist zB mit einer Freundin diese Dinge zusammen zu unternehmen.


Wie lange ist deine Studienzeit denn schon her? Klingt doch eigentlich nach sehr positiven Erfahrungen. Kann ich mir gar nicht vorstellen, dass die nicht mehr wirken sollen. So weit wäre ich jedenfalls auch schon gerne.
Ansonsten sehe ich das ganz ähnlich. Für mich wars auch schon ein Riesenschritt, meinen Therapeuten, andere Betroffene, überhaupt jemanden in die ganze Thematik einzuweihen. Das war mir am Anfang megapeinlich, mittlerweile langweilt es mich nur noch und ich bräuchte die nächstgrößere Stufe. Die bestünde dann wahrscheinlich darin, auch mal vereinzelte normale Leute einzuweihen und von dort aus allmählich in die Bahn eines angstfreien Lebens einzubiegen. Aber es ist fast unmöglich, so jemanden (einen guten Freund/Freundin oder sogar nen Partner) zu finden, ohne all diese Megaevents mit Überforderungspotential durchzuspielen, weil das Kennenlernen in der normalen Welt leider größtenteils da stattfindet.
Ich denke mittlerweile sogar schon darüber nach, vielleicht mal in so was wie ne 2er-WG zu ziehen, vielleicht sogar bewusst mit ner Frau, um die Herausforderung noch größer zu gestalten, aber das wäre auch wieder ein Riesenschritt und als mittlerweile Berufstätiger hätte ich langsam auch gerne mal ne Wohnung in einer Preiskategorie, die sich in den ganzen Studenten-WGs kaum noch findet.

Zitat von Träumer_in:
Ich habe es oft erlebt, dass man komplett ignoriert wurde (sogar wenn man die Person direkt angesprochen hat, haben sich einfach weggedreht) dass sich die Leute über mich lustig gemacht haben bis hin zu direkte Anfeindungen. Wobei das hauptsächlich auf Frauen zutraf. Einige schienen richtig Spaß daran zu haben jemanden zu tyrannisieren. Ich habe solche Erfahrungen früher nicht nur einmal gemacht. In den letzten Jahren nicht mehr so oft, ich habe mich jedoch in den letzten Jahren immer weiter zurückgezogen.


Wie lange ist das denn schon her bzw. wie alt waren die jeweiligen Personen? Ich halte das ja immer für mein eigenes Hirngespinst, dass so was auch heute noch eigentlich erwachsene Menschen bringen können. Andererseits sage ich mir dann, dass mich das nicht groß mitnehmen würde, weil ich die Personen dann sowieso unsympathisch und uninteressant finden würde.
Aber unbewusst sinds wahrscheinlich doch genau die Reaktionen, die ich befürchte...

Zitat von Träumer_in:
NIT steht für New in Town. Das ist für Leute, die neu in einer Stadt sind, um schnell neue Bekanntschaften zu machen oder einfach zur Erweiterung des Freundeskreises. Es gibt dort für verschiedene Städte alle möglichen Anzeigen, gemeinsame Sportaktivitäten, Spieleabende, Konzertbesuche. Eigentlich eine super Idee um schnell Bekanntschaften zu machen. Aber mit SP ...


Ach so ja, das kenne ich sogar, Couchsurfing ist ja auch recht ähnlich. Aber da hätte ich ähnlich Bedenken, dass da größtenteils nur sehr weltoffene Leute auftauchen oder mich das auf andere Weise komplett überfordert. Ist, wenn, dann ne Aufgabe für später.

03.10.2013 11:37 • #10


Dieser Weg wird kein leichter sein. Dieser Weg wird steinig und schwer. Nicht mit vielen wirst du dir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr. (Xavier Naidoo)

Enttäuschungen werden dir auf dem Weg aus der sozialen Isolation sicherlich nicht erspart bleiben. Ich mag diese Formulierungen eigentlich nicht, aber du musst halt kleine Schritte machen. Eine (grobe) Vorstellung von deinem Weg hast du ja schon. Der Gedanke mit einer Freundin ist doch genau das richtige, sozusagen ein Coach/Mentor an deiner Seite, zumindest für eine Zeit des Übergangs. Und glaube mir, Verständnis für deine Situation wirst du eher bei einer Frau als bei einem Mann finden. Du hast Negativbeispiele genannt, aber so sind definitiv nicht alle! Und das sage ich, der seinen Mitmenschen mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenübersteht.

Sei es Sport, die VHS oder auch NIT-Aktivitäten, es ist am besten die Menschen dort zu treffen und irgendwann auch einmal anzusprechen, wo sie im Freizeit-Modus sind und nicht im alltäglichen Hamsterrad stecken. Alle genannten Aktivitäten sind legitim, du hast die Wahl, es gibt da keinen Königsweg.

Ach ja, hast du schon einmal Psychotherapie gemacht oder darüber nachgedacht? Die Idee dahinter wäre, im Therapeuten einen Menschen zu finden, dem man sich öffnen kann, der einen nimmt, wie man ist, und mit dieser gewachsenen, positiven Erfahrung dann aktiver ins Sozialleben zu treten. Meine Einstellung zur Psychotherapie ist nicht 100% positiv, ich habe schon so einige Schlachten mit meinem Therapeuten über die PT als solche geschlagen, aber es wäre einen Versuch wert, findet der

Wassermann.

03.10.2013 13:12 • #11


Hallo

Ich arbeite jetzt seit fast fünf Jahren und habe seitdem einige Schritte nach hinten gemacht. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich nicht versucht habe meine Bekanntschaften zu vertiefen oder aufrecht zu halten. Ich denke deshalb eigentlich auch, dass du schon weiter bist als ich es zu der Zeit war. Du befasst dich schon intensiv mit der SP und kannst darüber sprechen. Ich kannte zu dem Zeitpunkt den Begriff SP noch nicht und hätte es wahrscheinlich mir gegenüber geleugnet. Ich bin das erste mal auf das andere SP-Forum gestoßen, da war ich schon am arbeiten.

Als ich dann wegen der Arbeit in eine andere Stadt gezogen bin, wollte ich mich erst mal einleben. Da ich von Anfang an Probleme mit zwei Kolleginnen hatte, hat mich das ziemlich fertig gemacht. Ich habe dann mögliche Freizeitaktivitäten immer weiter aufgeschoben und jetzt habe ich mich an das Vermeiden gewöhnt.

Während der Schulzeit gab einige kleinere Gemeinheiten und Sticheleien, aber eher harmlos. Danach wurde es eigentlich schlimmer statt besser. Während der Uni Zeit habe ich mal einen vollen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet bekommen. Da kann man kaum noch etwas falsch verstehen. Im Fußball Kurs gab es eine Mitspielerin, die mir immer absichtlich den Ellenbogen in die Seite gehauen hat.
Als ich neu auf der Arbeit war, haben zwei Kolleginnen schon in der ersten Woche angefangen mich nachzuäffen. Wenn ich vor einem Schrank stehe, mag eine es auch sehr gerne von hinten ganz nahe heran zu kommen und an meinem Ohr Kussgeräusche zu machen. Natürlich könnten alle diese Leute auch persönlich etwas gegen mich haben. Aber manchmal habe ich noch nicht einmal den Mund aufgemacht, da kann ich eigentlich niemanden bereits vor den Kopf gestoßen haben.
Habt ihr nie negative Erfahrungen gemacht?

Zitat:
Der Gedanke mit einer Freundin ist doch genau das richtige


Finde ich auch, deshalb suche ich eine Freundin

Zitat:
Du hast Negativbeispiele genannt, aber so sind definitiv nicht alle! Und das sage ich, der seinen Mitmenschen mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenübersteht.


Ist mir schon klar. Habe nie etwas anderes behauptet. Bitte nichts hineindeuten was ich nicht gesagt habe.Ich wollte nur darauf antworten, dass eben nicht alle Menschen positiv auf SP reagieren und das meine schlimmsten Erfahrungen mit Frauen waren. Ich wollte damit auch nicht andeuten, dass ich denke Männer wären generell verständnisvoller. Nur habe ich von dieser Seite her nie vergleichbare Erfahrungen gemacht. Kann auch Zufall sein.

Ich begegne eigentlich oft Menschen, die ich für sehr nett halte, aber denen begegnet man auf der Straße, im Geschäft und dann sind sie wieder weg. Wenn ich jemanden kennen lernen, besteht sofort eine innere Gehemmtheit. Ich habe mittlerweile im anderen Forum einige Mitglieder kennengelernt, da waren meine Hemmungen viel geringer bis gar nicht vorhanden, weil die Leute wissen worum es geht. Nur sind diese Bekanntschaften quer durch das Land verteilt. Da kann man nicht mal abends ins Kino gehen.

Während der Schule hatte ich eine Freundin die noch schüchterner war als ich, aber sie hatte keine SP. Wenn sie zu einer Feier eingeladen wurde, hat sie sich darüber gefreut, auch wenn sie den ganzen Abend nichts gesagt hat, während ich bei einer Einladung sofort Angst bekommen habe und meistens eine Ausrede hatte um nicht hinzugehen. Wenn jemand sehr freundlich und rücksichtsvoll war, konnte sich diese Freundin recht schnell dieser Person gegenüber öffnen, während ich trotzdem innerlich gehemmt bleibe. Das ist meiner Meinung nach der Unterschied zwischen Schüchternheit und SP.

VG Träumerin

03.10.2013 23:22 • #12


Zitat von Träumer_in:
Ich arbeite jetzt seit fast fünf Jahren und habe seitdem einige Schritte nach hinten gemacht. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich nicht versucht habe meine Bekanntschaften zu vertiefen oder aufrecht zu halten. Ich denke deshalb eigentlich auch, dass du schon weiter bist als ich es zu der Zeit war. Du befasst dich schon intensiv mit der SP und kannst darüber sprechen. Ich kannte zu dem Zeitpunkt den Begriff SP noch nicht und hätte es wahrscheinlich mir gegenüber geleugnet. Ich bin das erste mal auf das andere SP-Forum gestoßen, da war ich schon am arbeiten.


Ach, solche Vergleiche zwischen SP und SP sind bestimmt nicht zielführend, weil zu sehr von der individuellen Ausprägungen und den Voraussetzungen abhängig.

Zitat von Träumer_in:
Habt ihr nie negative Erfahrungen gemacht?


Ehrlich gesagt, nein. Bei mir hat sich das auch auf die Erfahrungen in der Schulzeit beschränkt, dass sich meine vermeintlich besten Freunde plötzlich geschlossn gegen mich stellen und mich bloßsstellen können, aber richtige Mobbing-Erfahrungen waren das auch nicht. Seitdem vermeide ich aber gekonnt tiefere bzw. überhaupt Einblicke in mein Privat- und Seelenleben. Vor allen Dingen meine Außenhülle ist in unpersönlichen, eher oberflächlichen Kontakten recht normal und alles andere als soziophob. Die Chance für solche Negativerfahrungen waren also gar nicht so da.
Was hatte es denn mit dem Wassereimer auf sich? Ich meine klar, dass man von anderen mal für uninteressant bis seltsam gehalten und gemieden wird, mag wohl mal vorkommen. Das fände ich schon schlimm genug, wenn es zu oft passiert. Aber dass sich Erwachsene noch so pubertär benehmen können, klingt irgendwie unglaublich...

04.10.2013 10:51 • #13


Hallo

das mit dem Eimer Wasser war eine Nachbarin die über mir gewohnt hat. Wir hatten nichts miteinander zu tun, außer dass wir uns manchmal im Treppenhaus begegnet sind. Wenn ich ihr Hallo gesagt habe hat sie nie zurückgegrüßt, mich nur von oben bis unten angesehen. Als ich mal auf meinem Balkon saß habe ich gehört, dass sie oben über mir geflüstert haben, dann wurde es ganz still und dann kam der Eimer Wasser. Anhand des Lachen und Quietschend gehe ich davon aus das es Absicht war. Wer schüttet einen Eimer Wasser vom Balkon mitten Inder Stadt. Und wenn, dann doch zur Seite in den Garten und nicht auf den darunterlegenden Balkon. Zumal die Balkone versetzt waren und man den darunterlegenden gut sehen konnten. Und wenn so etwas aus Versehen geschieht, sagt man da nicht Entschuldigung.

Ich denke nicht, das so ein Verhalten viel mit dem Alter zu tun hat. Ich habe viel mit der Betreuung von Studentenpraktika zu tun. Das sind im Jahr bis zu 150 Studenten und ich habe viel Gelegenheit ihre Interaktionen miteinander zu beobachten. Manche haben mit 20 schon so eine soziale und emotionale Reife erreicht, dass ich sie bewundere. Daneben kenne ich Professoren, die auch mit über 50 noch die letzten Ä…… sind.

Zitat:
Aber dass sich Erwachsene noch so pubertär benehmen können, klingt irgendwie unglaublich...


Das freut mich für dich. Hoffentlich bleibt das so. Aber wenn du magst, es gibt auch Internetseiten und Foren über Mobbing. Für einen SPler sehr anstrengend. Ich habe bisher zweimal dort gelesen und danach hatte ich regelrecht Rauschen im Ohr. Was erwachsene Leute sich alles ausdenken können ist beachtlich.

04.10.2013 21:18 • #14


Ich bezweifle ja nicht, dass das auch mal eskalieren kann, hab mir das aber eigentlich immer so vorgestellt, dass, wenn, eher subtil und hinterm Rücken getuschelt und gemobbt wird. Bei dir ist das ja genau wie damals in der 8., 9. Klasse.
Wie kann so was denn auch so ganz ohne Vorgeschichte passieren? Man sagt SPlern ja öfters mal nach, dass sie gerne mal distanziert bis arrogant wirken, aber so wirkst du bisher nicht wirklich und hast ja auch geschrieben, dass du von dir aus gegrüßt hast. Ist mir einfach ein Rätsel und völlig unverständlich. Hast du denn mal von unten gefragt, was das sollte, oder fällt dir das in solchen Fällen schwer?
Ich lebe da nach dem Glauben, dass mir niemand blöd kommen kann, solange ich selbst freundlich zu andern bin, und dass das Schlimmste, das passieren kann, das ist, dass ich nicht gut ankomme und dann ignoriert, aber auch in Ruhe gelassen werde. Ich hab auch das Gefühl, dass meine Umwelt mit steigendem Alter selbst immer freundlicher und positiver auf andere eingestellt ist. Vielleicht hab ich auch einfach Glück oder du ziemliches Pech - keine Ahung.

Ich weiß nicht, wenn ich so was lese, komme ich mir irgendwo fast bescheuert vor, weil mir alle diese Negativerfahrungen erspart geblieben sind und ich mich trotzdem so benehme, als hätte ich das alles durchgemacht...

05.10.2013 01:59 • #15


Hallo, Träumer in


Das ist schon mal ein Guter Anfang, das Du dich aufrappeln willst um was zu ändern.....

Natürlich ist es jedem etwas peinlich mehr oder weniger zu zugeben, das er Defizite hat.

Aber das ist nicht schlimm, den Jeder hat welche....

Ich denke Du solltest der Ganzen Sache offen gegenüberstehen und auch ehrlich zu Dir selbst sein.

Die Menschen werden es schon verstehen und nach einer Weile ist das dann kein Thema mehr glaub mir !

05.10.2013 08:42 • #16


@Träumerin

Das mit dem Wassereimer war wirklich krass. Leider gibt es eben solche Leute, die sich einen Spaß daraus machen, vermeintlich Schwächere trietzen zu müssen, damit sie sich wichtig machen können, oder sie sind dermaßen grob und abgestumpft dass sie sowas wirklich als Spaß ansehen. Habe da auch so ein paar Lieblinsgnachbarn, die gerne über alle alles wissen wollen und dann tratschen, oder einer der total überheblich und eingebildet ist. Aufregen tu ich mich dann auch, aber es bringt ja nichts, denn ändern kann man es nicht und man beschädigt sich doch nur selbst damit und umziehen ist auch nicht immer die Lösung, da man sich woanders die Leute auch nich aussuchen kann. Aber das Ding mit dem Wassereimer, war echt nicht mehr im normalen Rahmen und einfach nur noch richtig gemein und hinterhältig. Sowas kann man auch anzeigen, dann würde ihr vielleicht ein bißchen Anstand eingetrichtert, obwohl das bei solchen Leuten bestimmt sehr schwer ist.

05.10.2013 09:14 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Zitat von Träumer_in:
Gibt es unter euch jemanden der aus so einer Isolation herauszukommen ist? Wie habt ihr das geschafft?
Wenn ihr neue Leute kennengelernt habt, wie seit ihr damit umgegangen dass ihr keine richtigen Freunde habt? Mir persönlich würde es sehr schwer fallen meine jetzige Lebenssituation zuzugeben.

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Ich habe es noch nicht geschafft, aber ich habe eine Ahnung, wie es einfacher zu handhaben ist, denn ich habe genau das selbe Problem: Nichtsozialisolierte verstehen nicht oder halten es für extrem sonderbar, wenn jemand über keine sozialen Kontakte verfügt. Darum suche ich lieber Kontakt zu Gleichgesinnten, zu Menschen, denen es ähnlich geht. Da ist man solche Antworten nicht mehr schuldig.

05.10.2013 10:04 • #18



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