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Hallo, ich hab mal eine Frage an euch, weil ich grad ziemlich verzweifelt bin.

Ich habe eine soziale Phobie und eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung und habe jetzt aber eine Zusage für ein duales Studium, wo blockweise Unterricht in Wasserburg stattfindet und dort wohnt man dann auch. Also zunächst 6 Monate, dann 6 Monate Praxis usw.

Jetzt bin ich aber grad maßlos überfordert, weil ich mir beides nicht zutraue, aber auch weiß, dass ich ja nur durch solche "Herausforderungen" daraus lernen kann.

Meint ihr, dass das eine Nummer zu groß ist?

25.06.2020 14:35 • 30.06.2020 #1


20 Antworten ↓


Lottaluft
Wie soll man die Frage beantworten ohne die Hintergründe deiner sozialen Angst zu kennen
Ich habe zB auch soziale Ängste kann aber ohne Probleme auf Festivals gehen kack mir aber alleine in der Bahn fast in die Hose aus Angst wenn ich einen schlechten Tag habe
Sowas kann man nicht pauschalisieren

Lebst du alleine ?
Warst du schonmal länger von zuhause weg ?

25.06.2020 14:44 • x 1 #2




Jochanan
Du hast eine Angststörung und traust dir wenig zu. Dies ist eine Erkrankung, die du hast. Hör nicht drauf. Vergegenwärtige dir, was du tatsächlich kannst und bislang geschafft hast.

25.06.2020 14:47 • x 1 #3


Mein großes Problem ist, dass ich mittlerweile halt nahezu alles umrundet hab was mich aus meinem "beschützen Umfeld" herausgeholt hätte.

Deswegen habe ich auch anstatt einer Ausbildung ein Studium gemacht und bin jetzt in der Situation, dass ich mit 22 echt Panik vor dem Arbeiten hab, weil bei mir noch eine panische Angst vor Fehlern bzw. dem Versagen dazukommt. In mir steigt quasi bei jedem Handgriff eine panische Angst auf, dass ich's falsch mach.

Und bisher war ich längstens zwei Wochen allein von zuhause weg und auf dem Festival letztes Jahr wars für mich eigentlich überhaupt nicht schön, aber das lag auch daran, dass es damals blöd gelaufen war und ich im Endeffekt niemand gekannt hab mit dem ich dran war und ich noch dazu eigentlich nicht so der Mensch fürs Feiern bin, aber trotzdem ausprobieren wollte.

Aber irgendwie hab ich halt das Gefühl, dass ich jetzt ja wirklich mal vorankommen muss, weil ich ja eh schon viel zu lang viel zu viel gelassen hab, deswegen hatte ich mich damals auch für das Studium beworben. Jetzt krieg ich aber doch ziemliche Bedenken, ob das so überhaupt Sinn macht oder ob ich mich nicht maßlos überfordere.

25.06.2020 16:52 • #4


Icefalki
Klar überforderst du dich. Aber magst du dein Leben lang im Schneckenhaus verbringen und aus Angst, Fehler zu machen, gar nichts tun?

Das ist die einzige Frage, die du dir stellen solltest. Dass du dabei furchtbare Angst hast, kann ich nachvollziehen, aber was wäre die Alternative?

25.06.2020 17:17 • #5


Stimmt da hast du schon auch Recht... Ich hab halt nur Schiss, falls das dann doch nicht klappen sollte, dass mir dann langsam mal die Zeit davon läuft, weil ich ja irgendwann doch mal in einem Beruf sein muss.
Die Alternative wär erst im mittleren Dienst zu starten und nicht gleich im gehobenen Dienst, wobei ich dafür das ganze Auswahlprozedere nochmal durchlaufen müsste.

25.06.2020 17:52 • #6


Ich kann dich da verstehen. Habe auch alles getan um Herausforderungen (bei mir Arbeit) zu vermeiden, lange Zeit studiert, dann Praktika gemacht wo es keinen Leistungsdruck gab. Wenn ich mir selber die Frage stelle, auf was ich am stolzesten bin dann sind es Situationen in denen ich über meinen Schatten gesprungen bin. Es sind bei mir leider sehr wenige aber wenn ich darüber nachdenke denke ich auch darüber nach wo ich gerne über meinen Schatten gesprungen wäre, und das ist verdammt viel und ich bereue es mehr und mehr je älter ich werde.

27.06.2020 23:07 • #7


Hallo, danke für deine Antwort

Das hört sich ja eigentlich eher danach an, dass ich es probieren sollte...
Mein Problem ist nur, dass ich halt so wahnsinnig verunsichert bin, dass ich wirklich in jeder einzelnen Situation überlege, ob das jetzt so richtig ist usw.
Und speziell im Praxissemester hab ich halt gemerkt wie sehr ich mir dadurch selber im Weg steh, weil ich so eine panische Angst vor Fehlern hab und dementsprechend hatte ich da das Gefühl, dass ich rumlauf und mich verhalte wie "Falschgeld", jetzt mal blöd gesagt...
Im privaten ist es für mich auch nicht so schlimm, weil es da für mich um nichts geht, aber kaum wenn ich das Gefühl hab abliefern zu müssen bin ich total blockiert.
Und ich werde auch einfach die panische Angst nicht los, wenn das dann wieder nicht klappt, dass ich dann irgendwann echt ohne Job und alles dastehe.

Hat es sich bei dir dann irgendwann gebessert, also fühlst du dich mittlerweile wohler in deiner Haut?
Weil ich weiß halt nicht, ob es nicht besser wäre einfach zu akzeptieren, dass ich so bin wie ich bin bevor ich mich zwanghaft in Sachen reinquetsch, die eigentlich eh nicht zu mir passen...

28.06.2020 14:00 • #8


Calima
Zitat von Elisa123:
wie sehr ich mir dadurch selber im Weg steh, weil ich so eine panische Angst vor Fehlern hab


Was befürchtest du denn, wenn du Fehler machst?

28.06.2020 14:02 • #9


Dass dann alle denken wie unfähig ich bin und ich mals mir jetzt schon aus, dass sie mich dann rausschmeißen, weil ich nichts hinbekomm...
Und ich glaub ganz insgeheim hab ich einfach Angst davor der erste Mensch zu sein der am Beruf gescheitert ist.
Die gleiche Angst hatte ich damals nämlich auch schon beim Führerschein, dass ich halt der erste Mensch auf Erden bin der für sowas zu blöd ist.
Und so ähnlich denke ich auch drüber, wenn ich da blockweise in Wasserburg wohnen würde.
Da hab ich jetzt schon panische Angst davor als Depp dazustehen, der zu unfähig zum Leben ist und ich glaub deswegen tu ich mich auch besonders in Gruppen oder bei fremden Menschen schwer, weil ich immer das Gefühl hab, dass die denken wie blöd ich eigentlich bin.
Ich vermute, dass es daher kommt, weil mich mein Papa eigentlich mein Leben lang für alles mögliche kritisiert hat und ihm Lob eigentlich nur höchst selten über die Lippen kommt.
Aber ich hab halt auch überhaupt keine Ahnung wie ich diese Panik aus mir raussbringen soll, weil ich ja weiß, dass der Beruf kein "Freischuss" in dem Sinne ist sondern man halt wirklich abliefern muss.

Und eigentlich weiß ich, dass das duale Studium überhaupt nicht für mich mit meinem Voraussetzungen geeignet ist, aber eigentlich möchte ich es schon gerne machen und ich verzweifel grad dran, weil ich das Gefühl hab, dass es eigentlich zum scheitern verurteilt is, aber irgendwie bin ich doch ehrgeizig und würde es gerne probieren...

28.06.2020 14:28 • #10


Schlaflose
Zitat von Elisa123:
Und ich glaub ganz insgeheim hab ich einfach Angst davor der erste Mensch zu sein der am Beruf gescheitert ist.


Da bin ich dir schon zuvorgekommen
Ich habe die gleichen Diagnosen wie du. Im Studium hatte ich keine Probleme, aber sobald ich im Beruf war (Lehrerin) ging es los: Massive Schlafstörungen, die mich 20 Jahre lang begleiteten. Am Ende konnte ich nicht mehr und habe den Beruf aufgegeben. Seit 9 Jahren arbeite ich in der Verwaltung mit sehr wenig Kontakten (nur Kollegen und gelegenlich Besucher) und seitdem geht es mir gut.

28.06.2020 14:52 • #11


Hm das würde ja wieder dafür sprechen es bleiben zu lassen, weil es ja dann anscheinend kaum Chancen auf Besserung gibt :/ Bzw. nach dem Studium hätte ich glaub auch nicht so viel Kontakt mit anderen bzw. hauptsächlich telefonisch. Aber in Wasserburg wär ich halt insgesamt schon zusammengerechnet ein Jahr.
Hast du dann zumindest irgendwelche Tipps, die ansatzweise geholfen haben oder gab's irgendwas wo dich zumindest ein bisschen weitergebracht hat?
Ich hab halt nur Schiss, dass ich's noch nicht einmal in einen Beruf reinschaff und bin grad echt dabei meinen ganzen Lebenssinn zu hinterfragen ehrlich gesagt.

Ich hatte halt ehrlich gesagt die Hoffnung, dass es irgendwann besser wird wenn ich mich den Herausforderungen stelle und deswegen hatte ich mir das überlegt mit dem dualen Studium.

Aber freut mich auf jeden Fall wenn es dir jetzt gut geht

28.06.2020 15:22 • #12


Zitat von Elisa123:
Hallo, danke für deine Antwort Das hört sich ja eigentlich eher danach an, dass ich es probieren sollte...Mein Problem ist nur, dass ich halt so wahnsinnig verunsichert bin, dass ich wirklich in jeder einzelnen Situation überlege, ob das jetzt so richtig ist usw.Und speziell im Praxissemester hab ich halt gemerkt wie sehr ich mir dadurch selber im Weg steh, weil ich so eine panische Angst vor Fehlern hab und dementsprechend hatte ich da das Gefühl, dass ich rumlauf und mich verhalte wie "Falschgeld", jetzt mal blöd gesagt...Im privaten ist es ...


Ich glaube niemand kann dir hier sagen was du tun oder lassen sollst. Ich weiß das klingt wenig hilfreich, aber ich denke dass du es nur machen sollst wenn du es auch wirklich willst. Und wenn du es willst wirst schon einen Weg finden damit zurechtzukommen. Wenn nicht, so what.

Du kannst es dir ja logisch berlegen. Es gibt 4 Ausgänge, probieren+Erfolg (du schaffst es), probieren+Scheitern (du startest was anderes), vermeiden+Erfolg (du startest was anderes und hast darin Erfolg), vermeiden+Scheitern (du startest nichts).

Was wäre das schlimmste für dich?

ps was mir teilweise hilft ist einfach dass ich mich selber als sozialbehindert ansehe. Das nimmt mir den Druck bei anderen gut ankommen zu müssen.

28.06.2020 19:23 • #13


Calima
Zitat von Elisa123:
Dass dann alle denken wie unfähig ich bin und ich mals mir jetzt schon aus, dass sie mich dann rausschmeißen, weil ich nichts hinbekomm...


In Deutschland bricht fast jeder Dritte sein Studium ab. Du wärst also in zahlreicher Gesellschaft . Ob du es schaffst oder nicht, ist nur für einen Menschen wichtig: Für dich selbst. Und du sagst von dir, dass du ehrgeizig bist und es eigentlich gerne wissen möchtest.

Das finde ich eine ganz prima Voraussetzung. Wenn meine Schüler*innen mich fragen, ob sie studieren sollen, sage ich immer ja. Ob es was für sie ist, werden sie nur wissen, wenn sie es ausprobieren. Und genau so solltest du das auch betrachten: Du probierst etwas aus - so wie du ein Kleid anprobierst, bevor du es kaufst. Wenn es dir gefällt und du dich gut fühlst, bleibst du. Wenn nicht, dann hast du die Erkenntnis gewonnen, dass ein anderer Weg besser zu dir passt.

Dass du Angst hast, ist okay. Es ist ja auch ein neues, ungewohntes Abenteuer. Aber genau das macht es doch auch spannend und im positiven Sinne aufregend.

Gib deinem Leben die Chance, sich dir zu öffnen!

28.06.2020 20:21 • #14


Danke für die aufmunternden Worte
Das Problem ist nur, dass ich jetzt wirklich schon seit einem Monat ungelogen 24/7 drüber nschdenk, weil ich eigentlich innerlich so eine extreme Panik verspüre und ich hab halt echt Angst, dass es mich zerstört.
Aber eigentlich will ich's und weiß, dass es aber eigentlich überhaupt keinen Sinn macht und irgendwie komm ich aus der Zwickmühle Grad nicht alleine raus, weil ich mich seit einem Monat komplett im Kreis dreh.

28.06.2020 22:40 • #15


Das Problem ist, dass ich grad einfach selber nicht mehr weiß was ich will oder was nicht, weil ich egal in welche Richtung ich denke nur Panik verspüre.und das Gefühl hab, dass egal welchen Weg ich gehe es nichts werden kann

28.06.2020 22:44 • #16


Calima
Zitat von Elisa123:
Das Problem ist nur, dass ich jetzt wirklich schon seit einem Monat ungelogen 24/7 drüber nschdenk, weil ich eigentlich innerlich so eine extreme Panik verspüre und ich hab halt echt Angst, dass es mich zerstört.


Warum denn so dramatisch von *Zerstörung* reden? Du willst studieren, nicht auf einer Feuerkugel reiten . Was soll denn passieren? Du hast ganz offensichtlich das Abi geschafft, was bedeutet, dass du die Intellektuellen Voraussetzungen mitbringst.

Damit unterscheidet dich nichts von den anderen Studenten. Du tust etwas ganz Normales und du begibst dich nicht auf eine Einbahnstraße, von der es kein Zurück gibt.

Grübeln bringt dich nicht weiter, denn es wird immer nur um deine Angst kreisen. Du hast Lust, eine Studentin zu sein, also werde eine!

28.06.2020 23:03 • #17


Weil mich das Ankämpfen gegen die Angst so enorm viel Kraft kostet, dass ich die ganze Zeit am Überlegen bin, ob es mir das wirklich wert ist, weil ich merk, dass ich psychisch eigentlich komplett am Ende bin,

28.06.2020 23:35 • #18


Calima
Magst du denn die Alternative leiden? Und was macht die Angst, wenn du dich für den alternativen Weg entscheidest?

28.06.2020 23:37 • #19


Die Angst wird deutlich besser... Aber ich befürchte, dass mir mein Kopf das nur erzählt, um das zu erreichen und dann wieder von vorne loslegt wenn ich was anderes in Angriff nehmen würde.
Und ich weiß jetzt schon, dass ich mich wahrscheinlich bis ans Lebensende dafür fertig machen würde, dass ich nicht in der Lage war die Chance zu nutzen.
Aber so setz ich mich grad mit allem unter Druck und hab das Gefühl, dass es mich schon fast erdrückt und trotzdem schaffe ich es nicht eine Entscheidung zu treffen, weil ich das Gefühl hab nicht in der Lage zu sein eine richtige Entscheidung zu treffen bzw. eine Entscheidung die für mich im Moment richtig ist.

28.06.2020 23:46 • #20



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