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Liebe sozial ängstliche

Ich bin aktuell an der Entwicklung einer Virtual Reality Applikation, in welcher es Betroffenen sozialer Phobien möglich sein wird, sich den gefürchteten Situationen (bspw. Ein Date oder ein Vorstellungsgespräch) auszusetzten und somit zu lernen, dass diese Situationen gar nicht so schlimm sind wie befürchtet.
Wir Psychologen nennen dies ein Expositionstherapie/ Konfrontationstherapie. Diese Therapieform funktioniert in der Realität supertoll und soweit das bis jetzt getestet ist funktioniert dies auch in der virtuellen Realität.

Jetzt möchte ich eine solche stressauslösende Situation für die Konfrontation in der virtuellen Realität programmieren und möchte euch dazu befragen, was für euch die Situationen sind, die ihr am meisten fürchtet?

In welcher Situation wann, wo und vor wem habt ihr am meisten Stress?

Spielt es eine grosse Rolle wie viele Menschen euch gegenüber stehen?

Oder ist es wichtiger ob die Leute euch anlächeln oder euch neutral oder sogar böse anschauen?

Und als ganz allgemeine Frage: fällt es euch eigentlich schwer Augenkontakt zu halten?
Glaubt ihr, dass wenn ihr mehr Augenkontakt halten würdet, dass ihr mehr oder weniger Angst empfinden würdet?

Das sind jetzt sehr viele Fragen, es müssen natürlich nicht alle beantwortet werden, ich bin froh um jede kleinste Teilantwort


Vielen Dank für eure Unterstützung! Und vielleicht könnt ihr selbst bald mithilfe dieser App üben und eure Ängste überwinden lernen!

Alles Liebe

Fabi

P.s. Falls ihr nicht spezifisch unter sozialen Ängsten leidet, bitte nicht auf diese Fragen antworten

26.06.2018 11:47 • 06.07.2018 #1


6 Antworten ↓


EsIstIch
Zitat von SozAngsststudie:
In welcher Situation wann, wo und vor wem habt ihr am meisten Stress?

Am schlimmsten sind für mich Situationen in denen ich mich vor Publikum "beweisen" muss, bei Rückfragen während einer Präsentation z.B.
Zitat von SozAngsststudie:
Spielt es eine grosse Rolle wie viele Menschen euch gegenüber stehen?

Nein
Zitat von SozAngsststudie:
Oder ist es wichtiger ob die Leute euch anlächeln oder euch neutral oder sogar böse anschauen?

Spielt für mich keine Rolle , Lächeln wird zu "belächeln" , Neutralität zu genervt/gelangweilt
Zitat von SozAngsststudie:
Und als ganz allgemeine Frage: fällt es euch eigentlich schwer Augenkontakt zu halten?
Glaubt ihr, dass wenn ihr mehr Augenkontakt halten würdet, dass ihr mehr oder weniger Angst empfinden würdet?

Das geht merkwürdigerweise ganz gut.

26.06.2018 13:04 • #2



Welche Situation ist die Schlimmste für soziale Ängste?

x 3


EinZopf1
Zitat von SozAngsststudie:
Spielt es eine grosse Rolle wie viele Menschen euch gegenüber stehen?

Ja, am besten bloß einer, denn umso mehr Leute, desto weniger Aufmerksamkeit Krieg ich.
Zitat von SozAngsststudie:
fällt es euch eigentlich schwer Augenkontakt zu halten?

Ja, ich seh halt immer wieder kurz hin, denn ich will ja nicht, dass sie denken, ich hätte kein Interesse an sie. Und wenn ich schon freundlich sein will, dann gehört auch sowas dazu.

26.06.2018 17:51 • #3


Schlaflose
Zitat von EsIstIch:
Am schlimmsten sind für mich Situationen in denen ich mich vor Publikum "beweisen" muss, bei Rückfragen während einer Präsentation z.B.



Spielt für mich keine Rolle , Lächeln wird zu "belächeln" , Neutralität zu genervt/gelangweilt

Das geht merkwürdigerweise ganz gut.


Da kann ich mich auch völlig anschließen. Bei mir spielt es allerdings eine Rolle, vor wievielen Personen ich etwas präsentieren muss. Je weniger, umso besser. Auch bei privaten Gesprächen kann ich bei mehr als 2-3 Personen nichts mehr sagen.

Und nein, durch Konfrontation wurde es bei mir nicht besser. Ich habe 20 Jahre als Lehrerin gearbeitet und es wurde immer schlimmer. Ich musste schließlich den Beruf aufgeben.

26.06.2018 18:14 • #4


Wow, danke für die ehrlichen und hilfreichen Antworten! Es ist unglaub spannend für mich endlich mal weg vom Paper lesen und irgendwelchen Theorien endlich ein paar echte Antworten und Gedanken von Betroffenen zu hören. Vielen Dank!

Wenn ich euch mal meine Idee erklären darf, fänd ich es spannend ihr sagt mir was ihr dazu denkt:

Wenn man so die Forschung zu sozialer Angst durchforstet, wird immer wieder die wichtige Rolle von Augenkontakt in sozialen Interaktionen hingewiesen. Denkt ihr das dies zurecht als zentral errachtet wird oder denkt ihr das ist unrealistisch.. und andere Dinge (wenn ja was?) sind viel wichtiger?

Oder wenn ihr mir folgt uns findet ja Augenkontakt ist wichtig - dann ist meine Überlegung weiter - dass dadurch, dass man vermehrt Augenkontakt herstellt, die Angst vielleicht sogar abnehmen könnte? Was denkt ihr? Ist das eine Forschungsidee die für euch realitätsfern erscheint oder könnt ihr euch so etwas vorstellen?


Danke für eure Hilfe!

28.06.2018 17:35 • #5


Robinson
Klassische Triggerpunkte bei mir:

Einer neue Gruppe von Menschen mit denen ich zu tun haben muss, ausserhalb eines Offiziellen Rahmen (wir sind Teil eines Teams, Schule, Arbeit,),zu begegnen, wo quasi die "Erlaubnis" nicht da ist, dabei sein zu dürfen.
Bestes Beispiel Tagesklinik:
Jeder hat ein Recht dran teilzunehmen, Ärzte überwachen das Geschehen.
Wenn sich dann privat Grüppchen bilden, habe ich Angst, in dieser Gruppe zu bestehen.
Angst sich morgens zu treffen, oder auf sie zuzugehen, bevor das "Offizielle" los geht.
Wenn eine Bezugsperson, wie Therapeut dabei ist, "darf ich ich sein".

Für jemand anderen oder wenn es bei mir um Offizielle Dinge geht, (Ämter, und so) kann ich sehr gut Agieren. Da kann ich locker mich durchsetzen, frech Rechte einfordern.
Da müssen ja gewisse Regeln eingehalten weden. Aber fällt dieser Rahmen weg, bin ich "Nackig".
Da geht es um mich als Person.
Da habe ich kein Schriftstück, auf dem steht, dass ich darf.

Ich Scanne in Gruppen jede Reaktion, die zur vermeindlichen Ablehnung führt,je privater und je mehr Menschen dabei sind, (ausser es werden viel zu viele, da verliert man sich, Kleingruppen entstehen..) desto mehr habe ich Angst.
Augenkontakt halte ich, denn ich will ja sehen wie der andere reagiert, Mimik, Gesten...
Ich habe Angst mich so zu zeigen wie ich bin. Der "Offizielle Rahmen" ist ja nur Maske.
Gewisse Trigger aus der Kindheit, die mit heftiger Beschämung und Hilflosigkeit zu tun hatten, habe ich stark Verinnerlicht.
Auch will ich durch das Scannen Kontrolle erhalten. Bei einer Person oder mehreren geht das noch. Werden es zu viele, die miteinander einen aktuellen Bezug haben wie im Gespräch, übersteigt das meine Kraft.
Etwas in mir Versteinert und heftige Angstgefühle lassen mich nicht klar denken, ich reagiere komisch, bekomme nichts mit und ich fühle mich wie aus Glas.Panik und Stress.

Komischer Weise habe ich da meine "Lieblingsmenschen" auf die ich so heftig reagiere:
Männer, (der prollige Bauarbeitertyp,der offen und oftmals garnicht böse, mal einen Spruch raushaut)
Und natürlich Menschen, die Bewusst versuchen ihr Selbstwert durch Klein machen anderer zu erhöhen oder einfach "Spass" dran haben. "Ey, du Ar...."
Dabei spielt der Sozale Status keine Rolle. Selbst Obdachlose können mich mit einem Spruch vernichten.
Komischer Weise habe ich bei Ärzten, Frauen und anderen "Intellektuellen" wenig Probleme, da ist die Scheu so wie bei anderen oder weniger.
Liegt wohl daran, dass mein Vorurteil ist: Sie können sich besser einfühlen und Verstehen und beachten die Verhaltensnormen.
Ein bisschen Narzissmus spielt da auch eine Rolle, der aber nicht malign ist, ich fühle mich Rhetorisch nicht gehemmt, kann mich besser Verteidigen auf der Sachebene bin Handlungsfähiger.
Und ich muss meine Person ständig Verteidigen!

Hilflos werde ich nur wenn jemand wie ein Therapeut, meine Spielchen einfach Unterläuft,nicht darauf anspringt, sondern sich selbst offen und nicht wertend auf der Beziehungsebene zeigt, ja sich sogar schwach und mit Fehlern zeigt.
Ein Narzisst würde diese Person sofort Abwerten.
Bei mir ist ein Kampf zu Ende.
Und dass ist sehr befreiend.

Generell reagiere ich gelassener, wenn ich merke, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen.
Leider speichert sich das in der Akuten Situation nicht langfristig ins Gehirn! Unter Stress lernt man kaum um und das Gehirn verknüpft Angst mit der Situation.
Jedenfalls ist es bei mir so, dass ich Soziale Kontakte ständig wieder neu lernen muss, weil ich die Erfahrungen nie lange abspeicher. Täglich grüsst das Murmeltier.
Da ich glaube dieses ADS zu haben, habe ich auch Probleme, Inhalte vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis zu bekommen.

LG Robinson

30.06.2018 10:55 • x 1 #6


Ist bei mir ähnlich wie bei Robinson (gut beschrieben!) mit der Ausnahme, dass die Dominanz der Gruppenmitglieder bei mir stärker wirkt als z.B. das Geschlecht. Auch wenn mir Ignoranz entgegenschlägt, wird der Trigger stark bedient.

LG Markus

06.07.2018 22:01 • #7




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